Menü

Joseph - die Nebenrolle seines Lebens

Tanja Konter hat mir einen Beitrag geschickt zu einer der zentralen Figuren im Krippenspiel - Joseph, die allerdings meist nicht gerade viel zu sagen hat. Vielen Dank!

Who is Joseph

Bestimmt hat er sich das ganze anders vorgestellt. Er, der Mann aus Galiläa, genauer gesagt aus Nazareth. Er hatte sich eine Frau genommen und dann das: sie war einfach schwanger, und nicht von ihm. Natürlich damals, wenn es öffentlich werden würde, eine Schande. Er überlegte, sie heimlich zu verlassen, aber dann, dann kam der Engel. Der Engel, der ihm  die erste von drei göttlichen Weissagungen verkündet. Vielleicht würde ihm in seinem Leben doch noch etwas Gutes widerfahren. Aber wie wir ja wissen, waren dann auch die Umstände der Geburt alles andere als einfach. Er fand einfach keine Herberge für seine werdende Familie.

Im Lukasevangelium wird Joseph auch tatsächlich nur als schweigender Begleiter erwähnt, der gegenüber Maria völlig in den Hintergrund tritt. Sicherlich hat er, als Mann, an Türen geklopft und nach einer Unterkunft gefragt, sicherlich hat er sich für seine Familie eingesetzt. Sicherlich ist er den weiten Weg von Nazareth gelaufen, während seine schwangere Frau auch mal auf einem Esel reiten durfte. Er hat seine Frau nicht verlassen, wie es im Matthäusevangelium anklingt sondern ist bei ihr geblieben. Bei Matthäus erfahren wir auch warum. Hier wird Joseph wenigstens etwas in den Vordergrund gerückt, hier ist er wichtig genug, dass auch ihm ein Engel erscheint. So hält er zu seiner Frau und beschützt seine Familie vor dem mordlüstigen Herodes. Eigentlich ein Held, der Joseph, doch irgendwie stets unterbelichtet. Wo ist der Spot? Wo der Applaus? Er bekommt kaum Aufmerksamkeit und das nicht nur in der Bibel. Was sagt Joseph denn so beim Krippenspiel? Meist nicht viel. Aber wieso? Einfach, weil wir nicht so viel von ihm wissen. Er ist kaum erwähnt. Neben Jesus, neben Maria geht er völlig unter, er ist ja nicht mal wirklich mit ihnen verwandt. Aber macht ihn das nicht gerade aus? Dass er trotzdem bleibt, dass er trotzdem zu beiden steht und sich völlig für sie einsetzt. Damit trägt er seinen Teil zum Heilsgeschehen bei. Und sagt Jesus nicht selbst über seine „wahre Familie“ in Mt 12: „Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mein Bruder, Schwester und Mutter.“ …man könnte ergänzen „…und mein Vater“. In diesem Sinne zählt Joseph sicherlich dazu und sollte so auch eine größere Rolle in dem ganzen Plot einnehmen.

Joseph wollte bestimmt nicht in der Geschichte seines Lebens an den Rand gedrängt werden, durch Frau und Kind. Bestimmt hatte er auch etwas zu sagen, auch eine Geschichte. Sein Verhalten zeigt, er war fromm und großherzig. Er stand zu seinem Wort und zu seiner Familie und er nahm dafür einiges auf sich: Abgewiesen werden aus Herbergen, die beschwerliche Flucht nach Ägypten, die Suche nach seinem Sohn in Jerusalem, der ihm dort klar zu verstehen gibt, dass er nicht sein wahrer Vater ist (vgl. Jesus im Tempel), das muss schmerzlich gewesen sein. Und doch bleibt Joseph an Jesus Seite. In der Bibel spielt er irgendwann keine Rolle mehr und wir wissen nicht, ob er vielleicht früh verstorben ist. Aber in Jesus Kindheit lebt er und wir können die Leerstellen gerade im Theater füllen, Joseph gerade auf der Bühne einmal ins rechte Licht rücken. Maria ist die „Gottesmutter“, aber ohne Joseph wäre sie in der damaligen Gesellschaft und Situation aufgeschmissen gewesen. Also Spot an … und Auftritt Joseph.