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Die Autoren

Vera-Sabine Winkler

Die Beschäftigung mit Sprache und Poesie ist für mich lebensprägend. Es waren zuerst die Texte von Dorothee Sölle und Reiner Kunze, die mich tief beeindruckt haben. Schon als Schülerin schrieb ich sie ab und lernte sie auswendig. Im Laufe der Zeit sind dann immer mehr poetische Stimmen hinzukommen, die mein Leben, Schreiben und Reden begleitet und inspiriert haben.

In meinem Beruf erwuchs aus dieser poetischen vita spiritualis die Freude am Verfassen eigener liturgischer Texte. Viele davon konnte ich in Büchern zum Gottesdienst in gerechter Sprache und anderen Arbeitsbüchern zum Gottesdienst veröffentlichen. In der kritischen Reflexion über die Zusammenhänge von Liturgie und Poesie sind darüberhinaus zwei Bücher entstanden, die nach der Bedeutung der Poesie für die Liturgie fragen. Ich habe mit ihnen und durch sie gelernt, dass Liturgie als Sprachmusik des Glaubens verstanden werden kann: Als Sprache also, deren Rhythmus und Klang in poetischer Verdichtung wesentliche Grunderfahrungen des Menschseins benennen und dadurch Menschen berühren und verwandeln kann.

So hat es mich besonders gefreut, als ich gebeten wurde einen Liedtext für das Jahr der Kirchenmusik zu schreiben. Ich habe bis dato wenig Erfahrung mit Liedtexten und bisher war es immer so, dass ich den Text zur Melodie geschrieben habe. Diesmal gab es keine musikalische Vorgabe, wohl aber das Motto »Kirche macht Musik – Musik macht Kirche«. Und dann geschah das, was mir öfter beim Texten passiert: Ich habe mich gemüht und gemacht, geschrieben und gestrichen. Aber erst als ich gar nichts mehr wollte, fast wie nebenbei, war der Text plötzlich da – so da, wie er jetzt von Nils Kjellström vertont worden ist. Und wenn ich jetzt Text und Musik zusammen klingen höre, weiß ich: Beides bringt etwas von dem zum Ausdruck, was mich seit Jahren bewegt. Nur hätte ich es vorher und allein nie so sagen und hören können.

Dr. Vera-Sabine Winkler, Pfrn

Nils Kjellström

Musik war vom Anfang an ein nicht wegzudenkender Teil meines Lebens. Mein Großvater, der so wie ich hiess, war vom Beruf Malermeister, pflegte aber in seiner Freizeit leidenschaftlich sein Hobby - das Cellospielen. Mit seinen neun Kindern, die alle ein Instrument spielten, stellte er ein Familienorchester zusammen, der über viele Jahre im Süden Schwedens auftrat. Mein Vater, der älteste der neun, war Geiger und leitete die Truppe. Meine Mutter spielte hervorragend Klavier und hatte eine wunderschöne Stimme - und hat sich so schnell einen Platz im Familiengewimmel gesichert. Ich bin ein Einzelkind und so fand das Musizieren später in meiner Familie in einem etwas kleinerem Rahmen statt. Ich lernte, wie mein Großvater, Cello spielen und so konnten wir als Trio zusammenspielen. Klavierspielen bekam ich von meiner Mutter quasi nebenbei mit. Nach der Abitur studierte ich zusätzlich auch Querflöte und Orgel, neben meiner Kirchenmusikerausbildung.

Meine Ansätze, einen "ordentlichen" Beruf zu lernen, waren nie besonders erfolgreich - die Musik hat mich immer wieder eingeholt und verschlungen.

So war ich denn viele Jahre als Produzent, Arrangeur, Aufnahmeleiter und Musiker beschäftigt - seit Anfang der 70er Jahre in Deutschland, und bin seit 1982 selbständig als Chorleiter, Musikverleger und Komponist tätig.

Viele der Kompositionen und Arrangements, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, wurden für die Chöre, die ich leite, gemacht. Durch die Veröffentlichung sind sie auch in weiteren Kreisen bekannt geworden und so bin ich immer häufiger mit Auftragskompositionen beauftragt worden.

Im Jahr 2006 erschien "Let Praises Sound!", eine 60-minütige musikalische Vesper für Solo, Chor, Big-Band-Bläser und Rhythmus, ein gemeinsamer Auftrag des Posaunenwerk und der Abteilung Popularmusik in der EKHN. Im November 2011 wird jetzt "Rejoice In His Presence", ein 90-minütige Gospel- und Jazzmesse mit ähnlicher Besetzung, in Sachsen uraufgeführt. Der Auftrag wurde von dem s.g. 3. Gospelprojekt Westsachsen in Zwickau und Auerbach erteilt.

 

Die menschliche Stimme ist wohl das einzige "Instrument", dass Sprache und Musik in einem Körper vereinen kann. Dass beide Teile für sich einen starken, sowohl intellektuellen, als auch emotionalen Einfluß ausüben können, ist unumstritten. Eine gelungene Symbiose aus Text und Musik verstärkt die Wirkung um ein Vielfaches.

Dem kurzen, wunderbar präzisen Text von Vera-Sabine Winkler ein passendes, musikalisches Kleid anzuziehen war eine reizvolle Aufgabe. Wenn sie geglückt ist, kann der "große Klang", der Mensch und Gott verbindet, nun immer erfahrbar erklingen.

LITERATURHINWEISE

Nils Kjellström

Vera-Sabine Winkler

Im Brennglas der Worte. Zeitgenössiche Lyrik als Element der Liturgie, Gütersloh 2002. (zus. mit Erhard Domay)

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