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Als Gottes Kinder leben

von Doris Joachim (Zentrum Verkündigung der EKHN)

Predigtdatum : 09.01.2011
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 1. Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : Matthäus 4,12-17
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Wochenspruch:„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ (Römer 8, 14)

Psalm: 89 in Auswahl

Lesungen

Altes Testament:Jesaja 42, 1 – 4 (5 – 9)

Epistel: Römer 12, 1 – 3 (4 – 8)

Evangelium: Matthäus 3, 13 – 17

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern

Wochenlied: EG 441 Du höchstes Licht, du ewger Schein

Predigtlied: EG 593 Licht, das in die Welt gekommen

Schlusslied: EG 66 Jesus ist kommen

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen.

Lesen des Predigttextes Mt 4, 12 - 17

Liebe Gemeinde,

da kommt Jesus nach Kapernaum. Und die Leute sehen ein großes Licht. Und das Licht sagt: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Tut Buße. Das hat auch schon Johannes gepredigt, der Täufer und Eiferer, der den Leuten die Hölle heiß gemacht hat mit seinen Bußpredigten. Der hat den Leuten ein Licht aufstecken wollen. Jesus war bei ihm, hat sich von ihm taufen lassen. Im Jordan. Und Johannes hat gemeint, er sei doch nur ein kleines Licht im Vergleich zu Jesus. Aber Jesus hat drauf bestanden, dass Johannes ihn tauft. Und kurz danach wird Johannes gefangen genommen. Er hatte den Mund wohl zu voll genommen. Hatte den judäischen König Herodes Antipas kritisiert. Jetzt sitzt der im Gefängnis. Und bald wird er geköpft werden. Tut Buße, sagt jetzt auch Jesus. Dieselben Worte. Und doch sagt er was anderes.

„Als nun Jesus hörte, dass Johannes gefangengesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See lieg.“ Am See Genezareth. Ganz nah an der Grenze, da, wo das Reich des Herodes Antipas aufhört. Eine vernünftige Entscheidung, die Flucht. Es war gefährlich geworden rund um Jerusalem. Wer Buße predigt, macht sich unbeliebt. Und einer, der sich zu Johannes, dem Täufer hält, muss um sein Leben fürchten, auch wenn er ein großes Licht ist. Jesus ist keiner, dem man nichts anhaben könnte. Er ist verletzbar, tötbar. Ein Mensch eben, wie wir. Einer der Angst um sein Leben hat. Aber einer, von dem es heißt, er sei ein großes Licht.

Ob die Leute in Kapernaum das gleich gemerkt haben? Kapernaum war nun nicht gerade ein großes Licht unter den Städten. Eine Kleinstadt irgendwo am Rand. Ein bisschen Multikulti. Griechen, Juden, Römer. Nicht alle haben diesen jungen Mann aus Nazareth besonders beachtet. Das Licht der Welt in Gestalt eines Wanderpredigers. Er wirkt so viel unscheinbarer als Johannes, der Täufer. Keine Höllendrohungen, keine Beschimpfungen der Bußwilligen. Das große Licht ist eben nicht immer gleich erkennbar. Jesus muss richtig dafür arbeiten. Und er fängt in Kapernaum an. Bald schon findet er die ersten Jünger, heilt Kranke und hält seine erste große Predigt, die Bergpredigt. Licht in die Dunkelheit zu bringen ist Arbeit, auch für den Gottessohn. Und er sagt: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Dasselbe wie Johannes, und doch so viel sanfter.

Wie nahe ist eigentlich das Himmelreich? Ich versuche eine Antwort:

„Und Jesus verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum.“ Und Jesus verließ Nazareth, kam und wohnte in Frankfurt (hier den jeweiligen Ort oder den Gemeindenamen einsetzen). Ob wir in Frankfurt das bemerken? Das Himmelreich hier bei uns? Aber ja, wo sollte es sonst sein? Das Himmelreich ist nicht nur im Himmel, sondern da wo Menschen im Schatten des Todes sitzen. In den U-Bahnstationen, in den Krankenhäusern, im Gefängnis ihrer eigenen Seele. Wir müssen nur hochschauen. So einfach! So schwer! Ich stelle mir vor, wie Jesus dafür arbeitet, dass wir das Himmelreich sehen und nicht im Dunkeln hockenbleiben. Und wie er uns sagt: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.

Buße tun. Das klingt fremd und irgendwie unangenehm. Das Wort hat einen Beigeschmack. Erniedrigung, im Staub kriechen, sich selbst verachten. Aber so ist es nicht gemeint. Das Wort, das hier steht, könnte man auch mit „Umkehr“ oder „Sinnesänderung“ übersetzen. Also: Kehrt um! Schaut hoch, ihr hier in Frankfurt, und seht das helle Licht. Hebt eure Köpfe, ihr Mutlosen und Traurigen, ihr Verzweifelten und Verbitterten. Nehmt einen neuen Weg. So einfach! So schwer!

Wie komme ich auf den neuen Weg? Wenn doch die Dunkelheit mich festhalten will. Wenn mein Nacken sich verkrampft und der Kopf sich so schwer heben lässt? Allein kann ich’s nicht. Ich brauche

Gott. Ich brauche Christus, der sich mit mir abmüht. Der sich mit mir Arbeit macht und mich nicht aufgibt. Der mit mir spricht. In etwa so:

Hab keine Angst, die Dunkelheit anzusehen. Die Giftmüllfässer in Asse. Die Toten in Afghanistan. (hier evtl. andere, aktuelle Beispiele nennen) Mein Licht zeigt dir das Elend. Sieh nicht weg, auch nicht, wenn du erschrecken musst. Der Weg der Buße, der Weg der Umkehr ist mühsam. Aber es ist der einzige Weg zum Leben. Das Himmelreich ist nahe, weil ich dir nahe bin.

Hab keine Angst, die Trümmer deines Lebens anzusehen. Nur wenn du sie ansiehst, kannst du aufstehen und neues bauen. Ich weiß, es tut weh, wenn du dein Scheitern spürst. Mein Licht ist warm. Es weist dir den Weg. Ich geh ihm voraus. Folge mir einfach. Das Himmelreich ist nahe, weil ich dir nah bin.

Hab keine Angst, deine Schuld anzusehen. Auch wenn sie groß ist. Verstecke sie nicht. Mein Licht ist kein Neonlicht, kein Scheinwerfer, der dich entblößt. Buße tun, umkehren ist schwer und tut weh. Aber das ist nur vorübergehend. Eine Wunde, die heilt, schmerzt. Doch sie heilt dich und die Menschen, an denen du schuldig geworden bist. Das Himmelreich ist nahe, weil ich dir nahe bin.

Licht in die Dunkelheit zu bringen, ist Arbeit für Christus. In Kapernaum, in Galiläa, in Frankfurt. Ich höre sein Werben um uns, manchmal, wenn ich genau hinhöre. Wenn ich es wage und den Kopf hebe und sein Licht sehe. Das Himmelreich, jetzt, hier, ganz nahe. Liebeswerben. So wichtig bin ich ihm! So wichtig bist du ihm! So wichtig, dass er nicht aufgibt und immer wiederkommt, nach Kapernaum, nach Frankfurt. Er macht uns nicht die Hölle heiß. Er wärmt. Und manchmal geschieht das Wunder: Da lässt sich jemand erwärmen, gerät in Bewegung, kehrt um, tut Buße und freut sich am nahen Himmelreich. Damals in Kapernaum, heute in Frankfurt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, behüte und bewahre uns in Christus Jesus. Amen

Verfasserin: Pfarrerin Doris Joachim, Zentrum Verkündigung,Markgrafenstraße 14, 60487 Frankfurt


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