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Anvertraute Gaben

von Hans-Ulrich Deußen (55270 Schwabenheim)

Predigtdatum : 28.07.2002
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 9. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 1. Petrus 4,7-11
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Wochenspruch:

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lukas 12,48)

Psalm: 40,9-12

Lesungen

Altes Testament:
Jeremia 1,4-10
Epistel:
Philipper 3,7-11 [12-14]
Evangelium:
Matthäus 25,14-30

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 140
Brunn alles Heils, dich ehren wir
Wochenlied:
EG 497
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun
Predigtlied:
EG 590
Herr, wir bitten, komm und segne uns
Schlusslied:
EG 175
Ausgang und Eingang

7 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. 8 Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn »die Liebe deckt auch der Sünden Menge« (Sprüche 10,12). 9 Seid gastfrei untereinander ohne Murren. 10 Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes: 11 Wenn jemand predigt, dass er's rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er's tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Liebe Gemeinde,
Gleich zu Beginn unseres Textes werden wir auf eine Tatsache hingewiesen, die wir gar zu gerne verdrängen: „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge.“ Nur zu gerne verlassen wir uns dabei auf die Wissenschaftler, die mit aller Bestimmtheit sagen: „Die Erde wird erst in Jahrmillionen vergehen.“
Aus der Sicht der Wissenschaft, die ja von menschlichen Erkenntnissen abhängt, ist das so richtig. Und so unternehmen wir alle Anstrengungen, um das auch Wirklichkeit werden zu lassen: Wir aktivieren den Umweltschutz. Um es klar zu stellen: Das ist ungeheuer wichtig, dass wir Gottes Schöpfung erhalten. Alle verantwortungsbewussten Politiker sind aufs Äußerste bemüht, den Frieden in der Welt zu erhalten oder kriegerische Auseinandersetzungen beizulegen.
Aber sind sich die Wissenschaftler und sind wir uns dessen so sicher, dass Gott nicht schon morgen die Wissenschaft Lügen straft. Der württembergische Theologe Ludwig Hofacker hat in einer Predigt einmal gesagt: „Die letzte Stunde ist zwar eine lange Stunde, aber eine Stunde ist eine Zeit, und eine Zeit läuft zu Ende, und es ist gegenwärtig die letzte Zeit in der großen Weltuhr.“
Nun liegt es mir wirklich fern, Ihnen Angst einjagen zu wollen. Sie würden sich das auch wohl verbitten. Die Bibel will das auch nicht. Sie will uns auch in unserem Text nicht daran erinnern: Es wird einmal Schluss sein. Sondern sie eröffnet den Menschen, die sich auf Jesus eingelassen haben, eine ganz andere Perspektive: Es geht im Grunde ja gar nicht um das Ende der Welt. Es ist das Ziel, das nahe gekommen ist. Wir befinden uns auf der Zielgerade. Und da geht es nicht mehr um das Wissen der Menschen, sondern um den lebendigen Herrn. Von diesem Ziel her leben wir Christen. Dazu gibt Petrus drei „Orientierungspunkte“. Die wollen uns nicht beruhigen, wo wir beunruhigt sind. Sie wollen uns auch nicht wieder in den alten Trott fallen lassen, wo wir aus dem Tritt geraten sind.
1. Sich am Ziel orientieren heißt in der Spur bleiben und sich durch Gott die Kraft dazu geben lassen.
Wenn ich von einem Menschen etwas erwarte, muss ich mit ihm reden. Wenn mein Gegenüber weiß, was ich von ihm erwarte, wird er mir sagen können, ob er bereit ist, es mir zu geben. Vielleicht hat er aber auch den besseren Überblick und wird das Erwartete verweigern.
Mir fällt die schreckliche Tat des 19-Jährigen in Erfurt am 26. April ein, der nach seiner Dispensierung von der Schule einen Teil des Lehrerkollegiums, zwei Mitschüler und sich selbst tötete. Viele Experten waren sich einig, dass dies nicht geschehen wäre, wenn jemand sich nach seinem Hinauswurf aus der Schule um ihn gekümmert hätte.
Petrus weiß, wie nötig ein Christ und auch die Gemeinde das Gespräch mit Gott hat: „So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet.“ Es ist interessant, dass die Bibel sagt, dass nur der besonnen und nüchtern leben kann, der im ständigen Gespräch mit Gott lebt. Gebet ist kein frommes Selbstgespräch!
Wir haben uns weithin das Beten abgewöhnt, weil wir meinen nüchterne Menschen zu sein. Nüchterne, im Leben stehende Menschen vertrauen auf sich selbst. Meinen wir!
Der Prophet Sacharja sagt (12,10), dass das Gebet ein Werk des Geistes Gottes ist: wo er am Werk ist und die Herrschaft ausübt werden Menschen zum Gebet ermuntert und ermutigt und wenn wir uns entmutigen lassen, weil wir keine Antwort erfahren, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott unser Gebet trotzdem angenommen hat. Woher ich das weiß? Es steht in der Offenbarung (5,10): Auf goldenen Schalen sind unsere Gebete gesammelt.
Als Gott den Ananias zu Paulus nach dessen Erlebnis bei Damaskus schickt, hat Ananias schreckliche Angst vor Paulus. Er weiß, dass dieser die Christen verfolgt und getötet hat. Aber Gott beruhigt ihn mit den Worten: „Siehe, er betet.“
2. Sich am Ziel orientieren heißt, dem anderen in Liebe zu begegnen. Petrus spricht von „beständiger Liebe untereinander“. Oh ja, davon kann Petrus ein Lied singen. Darüber hätte er ein ganzes Buch schreiben können. Er war ein Heißsporn und schoss häufig übers Ziel hinaus. Aber Jesus holte ihn immer wieder liebevoll auf die Erde zurück.
So, wie Petrus die Liebe Jesu immer wieder erfahren hat, will er sie in der Gemeinde verwirklicht sehen. Er zitiert aus den Sprüchen Salomos (10,12): „Die Liebe deckt auch der Sünden Menge.“ Aha, das kennen wir, da wird „unter den Teppich gekehrt“. Wer so denkt, hat Petrus nun wirklich nicht verstanden. Er schreibt von Vergebung.
Es kostet viel Kraft, wirklich zu vergeben. Wir sind schnell dabei zu sagen: „Alles vergeben und vergessen.“ Aber mit dem „Vergeben und Vergessen“ ist es nicht so leicht. Wie oft sind wir versucht, irgendwann einmal dem besten Freund oder dem Nachbarn davon zu erzählen. Wir lassen Gras über die Sache wachsen, aber irgendwann kommt so ein Ochse und frisst das Gras weg. Es kostet eben viel Kraft, wirklich zu vergeben. Diese Kraft will Gott uns schenken.
Liebe findet im Alltag viele Einsatzbereiche. Einen davon führt Petrus als Beispiel an: „Seid gastfreundlich!“ Lernt mit dem anderen zu teilen! „Jagd auf Gäste“ ist dann nicht mehr ein Slogan des Fremdenverkehrs, sondern es wird das Leben der Gemeinde prägen.
3. Sich am Ziel orientieren heißt, von Gott empfangene Gaben zu erkennen und zu nutzen.
Keiner hat keine Gabe, darum muss jede Gabe zum Einsatz kommen. Keiner hat alle Gaben, darum müssen alle zusammenwirken. Da kann keiner auf den anderen weisen: „Der tut ja auch nichts!“ Jeder muss sich mit der ihm von Gott zugeteilten Gabe auseinandersetzen. Da ist einer, der kann gut zuhören, er muss nicht viel sagen und trotzdem geht der andere getröstet hinweg. Oder einer legt nur verständnisvoll seine Hand auf die Schulter des anderen, und schon scheint von diesem eine Last abzufallen.
Bei anderen ist die Gabe öffentlicher, man sieht, was sie tun. Wenn Petrus in unserem Text vom „Reden der Worte Gottes“ schreibt, denken wir vielleicht an den Gottesdienst, wie er auch heute geschieht, vielleicht auch noch an Seelsorge. Aber alles gehört dazu, wovon ich vorher gesprochen habe: Das stille Zuhören, das Hand auf die Schulter legen, aber auch das, was man sieht. Und dann steht beim „Dienen“ noch der weite Bereich der diakonischen Fürsorge vor unseren Augen, in der im Leben der Gemeinde die Liebe Gestalt gewinnt.
Über allem scheint ein Wunder zu geschehen: Es wird und geschieht lebendige Gemeinde Jesu, der Leib Christi, wie es Jesus selbst verstanden hat: Viele Organe, aber ein Organismus, jedes Organ mit einer ihm ganz persönlich zugedachten Aufgabe, wichtig im Interesse des funktionieren Ganzen.
Gemeinde Jesu, die vom Ziel her lebt, verherrlicht ihren Herrn, den sie erwartet und der ihr Zukunft gibt. In der Gemeinde geschieht alles „aus der Kraft, die Gott gewährt“. Darum soll er „durch Jesus Christus gepriesen“ werden. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Verfasser: Prädikant Hans-Ulrich Deußen, Raiffeisenstr. 5, 55270 Schwabenheim

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