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Anvertraute Gaben

von Gabriele Scherle (63263 Neu-Isenburg)

Predigtdatum : 01.08.1999
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 8. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Matthäus 7,24-27
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Wochenspruch:

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lukas 12,48)

Psalm: 40,9-12

Lesungen

Altes Testament:
Jeremia 1,4-10
Epistel:
Philipper 3,7-11 [12-14]
Evangelium:
Matthäus 25,14-30

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 503,
1+2+14+15
Geh aus mein Herz, und suche Freud
Wochenlied:
EG 497
Ich weiß, mein Gott, daß all mein Tun
Predigtlied:
EG 262, 1-5
oder EG
Sonne der Gerechtigkeit
Schlußlied:
EG 322
Nun danket all und bringet Ehr

Liebe Gemeinde,
Der heutige Predigttext stammt aus dem wohl bekanntesten Abschnitt des Neuen Testamentes. Er steht am Schluß der Bergpredigt:
24 Jesus sprach: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.
Diese Verse klingen heute fast wie der Werbetext für eine Bausparkasse. Unser Text wirbt für einen soliden Hausbau, besser: für ein solides Fundament. Die Bilder, die der Werbefachmann Matthäus im Namen Jesu benutzt, beschreiben ein erschreckendes Szenario: Stürme fegen über zwei Häuser hinweg; reißende Wasserfluten schießen heran. Das ist kein unwahrscheinliches Bild, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, und wie es in Süd-Frankreich und Nord-Italien immer häufiger geschieht.
Das eine Haus wird dem Erdboden gleichgemacht, es fällt in sich zusammen. Das andere übersteht den Sturm unbeschadet.
Matthäus wirbt mit diesen Katastrophen-Bildern um uns und unsere Zukunft. Würden wir ihn zu einem Beratungsgespräch einladen, würde er noch viel beschwörender sagen: Sie können den billigen Bauplatz unten am Ufer nehmen und dort bauen. Oder sie bauen oben am Hang. Sie werden den Unterschied am Anfang noch nicht merken. Aber oben am Hang steht das Haus auf festem Untergrund. Äußerlich mögen die Häuser völlig gleich aussehen. Aber ich warne sie. Es kann vorkommen, daß der Untergrund nicht mehr trägt, daß er weggeschwemmt wird und daß das Haus am Ufer erste Risse bekommt und dann wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Das Haus oben am Berg wird dann nur noch auf ihren Trümmerhaufen sehen, und die Besitzer werden froh sein, auf meinen Rat gehört zu haben. -
Ich frage Sie, wer wäre so dumm, und würde nicht auf diesen professionellen Rat hören und sein Haus nicht auf ein festes Fundament bauen? Keiner.
Es geht hier um Zukunftssicherung. “Hoffentlich Allianz versichert” - “Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause” ... mit solchen Werbe-Sprüchen zielen Bausparkassen und Versicherungsgesellschaften auf ein menschliches Grundbedürfnis: Sicherheit in einer unsicheren Zeit. Vor allem Versicherungen werben mit der unsicheren Zukunft: man weiß ja nicht, was kommt...
Nicht nur materiellen Schaden wollen wir in Zukunft abgesichert wissen, sondern auch unsere Lebenswerte: Gesundheit, die Ausbildung unserer Kinder, ja sogar das Leben selbst. Daß wir den Gegenwert zwar nur in bar bekommen, das ist allen schon klar, aber daran soll es zumindest nicht fehlen. Und das Merkwürdige ist: obwohl wir wissen, daß unsere Gesundheit und unser Leben unwiederbringlich und unbezahlbar sind, versprechen uns die Versicherungen “ein rundum gutes Gefühl”, an alles gedacht zu haben. Sie versprechen uns Sicherheit.
Versicherungen leben von unserer Angst, die Zukunft nicht voraussehen zu können und ihr ausgeliefert zu sein. Sie schließen mit uns Verträge, Verträge mit unserer Zukunft.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich meine nicht, daß wir in grenzenlosem Gottvertrauen ohne Versicherungen auskommen können. Das geht schon lange nicht mehr, denn unser Gesellschaftssystem ist darauf aufgebaut, solche Verträge mit der Zukunft zu schließen: bei den Renten z.B. oder der Pflegeversicherung. Ohne zukunftsorientiertes Planen und Handeln wäre kein geordnetes Leben möglich.
Die Frage ist nur, ob uns darüber jene Grundentscheidung aus dem Blick gerät, von der Matthäus erzählt. Matthäus ist nämlich kein Versicherungsvertreter, er will nichts verkaufen. Er stellt uns vor eine einfache Frage. Habt ihr euer Leben auf dem Fundament gebaut, das Jesus Christus heißt? Baut ihr auf Gott oder baut ihr auf etwas anderes? -
Und wenn ihr das tut, dann warne ich euch jetzt: Wer nicht auf Jesus Christus und den Gott Israels baut, der baut auf Sand! - Da nützen dann keine Versicherungen etwas. Wo das Leben nicht auf festem Grund steht, da hat es keine Zukunft, da haben wir keine Behausung, in der wir uns jetzt und in Ewigkeit geborgen fühlen können.
Das Bild vom Hausbau ist im Neuen Testament ein beliebtes Bild für das christliche Leben, das Leben der Gemeinde und der Einzelnen in der Gemeinde. Das Bild hat einen guten Grund: Ein christliches Leben muß auch aufgebaut werden. Christsein ereignet sich nicht einfach so, und eine Gemeinde fällt nicht vom Himmel. Daran muß gearbeitet werden. “Wer diese meine Rede hört und sie tut, der ist wie ein kluger Mensch, der sein Haus auf Fels baut”, sagt Jesus.
Es ist unmißverständlich: wir sollen auf Jesus bauen. Gefordert ist die Arbeit am eigenen Leben, daß es ein christliches Leben wird.
Wie aber soll das aussehen?
Ich denke, es heißt vor allem, sich in Frage stellen zu lassen. Sich fragen zu lassen von den Geschwistern in der Gemeinde oder sich selber im Gebet zu fragen: Wo stehe ich mit meinem Leben? Wird die Behausung, die ich mir geschaffen habe, Bestand haben? Worauf baue ich ich? Was ist der Grund meines Glaubens und meiner Hoffnung?
Wo solche Fragen keinen Raum mehr haben in meinem Leben, wo ich meinen Standort nicht mehr abklopfen lassen will und mich frage, ob nicht das eine oder andere auf Sand gebaut ist - da baue ich nicht mehr an einem christlichen Leben, da bin ich ein törichter Mensch geworden.
Ein kluger Mensch im Sinne Jesu stellt sich dagegen der Fraglichkeit des eigenen Lebens. Das Leben läßt sich für Christen nicht versichern. Christen kennen kein Recht auf ein unbeschadetes und grenzenloses Leben. Wir Christen leben aus der Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens. Das ist der Fels, der uns tragen kann: das Wissen um das Wunder, das es bedeutet, überhaupt zu leben, den Sommer zu spüren, Blumen zu riechen, Musik zu hören, andere Menschen zu berühren. - Wäre doch unser ganzes Leben auf diesen Fels der Dankbarkeit gebaut!
Und noch eine zweite Richtschnur hat Jesus nahegelegt. Wir sollen das Leben an den Taten messen und nicht nach der Zahl der Jahre. Im Zeitalter der Versicherungen, die ein immer längeres Leben mit ermöglicht haben, ist auch das eine vielleicht schmerzliche Einsicht.
Vielleicht bin ich wirklich überzeugt, daß Jesus Christus das Fundament in meinem Leben ist. Aber was habe ich auf diesem Fundament aufgebaut? Welche Taten entsprechen meiner Überzeugung? Habe ich meine Begabungen, also das, was Gott mir mitgegeben und anvertraut hat, habe ich das entwickelt und in den Dienst für andere Menschen gestellt?
Die Zahl der Lebensjahre geben keine Auskunft darüber, ob das Leben verfehlt wurde. Diese Einsicht mag schmerzen. Aber genau dieser Schmerz gehört zum Christsein. Denn in jedem Lebensalter ermöglicht er einen Neuanfang der Arbeit an einem christlichen Leben.
Es ist nie zu spät, im Leben auf Jesus Christus und seine Weisungen zu bauen. Das ist die gute Nachricht, die hinter diesen schmerzlichen Fragen steht. Das ist auch der große Unterschied zu einer Lebensversicherung. Die hängt nämlich zu 100% von den Leistungen ab, die wir selbst erbringen. Auch ein christliches Leben erfordert Leistungen. Aber unser Leben hängt davon nicht ab. Vor Gott gibt es keine Leistungsträger und Bittsteller. Es hängt allein davon ab, daß der Grund trägt.
(Vielleicht wäre das auch ein Modell für die Gesellschaft: eine Grundsicherung für alle Menschen, die nicht mit dem Verdienst durch eigene Leistung verrechnet wird. Jesus hat sie sich erträumt, die solidarische Gesellschaft, in der keiner arm sein muß und keiner sich mit seinem Reichtum verschanzt!)
Sicher wäre es ein Irrtum zu meinen, daß es in einem christlichen Leben keine Platzregen, keine Fluten und Stürme gäbe, die die Behausung bedrohen. Nein, Jesus verspricht nicht, wie so viele andere, daß die, die ihm nachfolgen, den Widrigkeiten des Lebens entrückt würden. Die Klugen und die Törichten sind in dem Gleichnis solange nicht zu unterscheiden, bis klar wird, daß die einen auf Fels und die anderen auf Sand gebaut haben.
Auf Jesus Christus bauen heißt deshalb, ohne Angst leben in einer Welt, die Angst machen kann. Christliches Leben ist ein Leben in Freiheit, weil ich auf den baue, der mich trägt: Christus. Christus versichert mir mein Leben. Gott sei Dank! Amen.

Verfasserin: Pfrn, Gabriele Scherle, Dreieichstr. 69, 63263 Neu-Isenburg

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