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Auferstehung

von Karsten Müller (Halle /Saale)

Predigtdatum : 01.04.2013
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostersonntag
Textstelle : Jesaja 25,8-9
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Wochenspruch:

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin leben-dig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1, 18)

Psalm: Psalm 118, 14 - 24

Lesungen

Altes Testament: Jesaja 25, 8 - 9

Epistel: 1.Korinther 15, 12 - 20

Evangelium: Lukas 24, 13 - 35

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 112 oder EG 117 Auf, auf, mein Herz mit Freuden Der schöne Ostertag

Wochenlied: EG 101 oder

EG 105 Christ lag in Todesbanden

Erstanden ist der heilig Christ

Predigtlied: EG 113 O Tod, wo ist dein Stachel nun

Schlusslied: EG 115 Jesus lebt

Kurze Hinführung:

Die Lesung aus dem Alten Testament weitet am Ostermontag die Perspektive des Auferstehungsglaubens. Das Erlösungshandeln Gottes in der Auferweckung seines Sohnes wird zur Hoffnung für alle Völker: Am Ende der Zeit versammelt sie Gott zu einem Freudenmahl auf dem Berg Zion.

Die Verheißung neuen Lebens aus dem Jesajatext hat sich in der Auferstehung von Jesus bestätigt. Auch wir leben in der Hoffnung auf neues Leben bei Gott. (vgl. Jes 25, 8 mit Offb 7, 14) Wir leben im Zwischenraum zwischen der Verheißung (Jesaja), ihrer Bestätigung (Ostermorgen) und der endgültigen Erfüllung am Ende unserer Zeit, am Ende der Zeit.

Die Abgrenzung des Predigtextes ist von Zusammenhang des Jesajabuches her problematisch. Die beiden Verse 8 und 9 liegen an der Grenze eines Sinnabschnittes. Die Formulierungen „denn der HERR hat's gesagt“ und „Zu der Zeit wird man sagen...“ markieren diese Grenze deutlich.

Der hier vorgelegte Predigtvorschlag bezieht die Verse 6 und 7 in die Auslegung mit ein. Diese Verse müssen beim Vortragen des Predigttextes mit gelesen werden. Der Predigttext wird vor der Predigt verlesen.

Liebe Gemeinde,

am zweiten Ostertag hören wir in diesem Jahr von einer großen Vision. Am Ende der Zeit versammeln sich alle Menschen auf dem Berg Zion. Gott lädt sie ein unabhängig ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Leistungen und Misserfolge. Alle sind da.

Ein großes Festessen gibt es. Es wird nicht geknausert, zugeteilt, eingeteilt. Die Welt, wie wir sie kennen, wird es nicht mehr geben. Die Hülle aus Angst vor dem Tod, Angst vor Strafe wird weggezogen sein. Das Korsett der Unterdrückung, das viele Menschen einschnürt, wird es nicht mehr geben.

Der Tod wird weg sein. Gott hat ihn verschlungen, hören wir. Nie mehr wird der Tod Kraft haben.

Kann man das glauben? Ist das realistisch? Ist das möglich? Alle Jahre wieder hören wir von der Auferstehung Jesu, vom leeren Grab und der Botschaft „Christus ist auferstanden von den Toten.“

Was ändert diese Botschaft an der Realität des Todes in unserem Leben? Die Gräber auf unseren Friedhöfen sind nicht leer wie das Grab am Ostermorgen.

Das Lebensende, der Tod ist eine Tatsache. Mit ihm zu rechnen, ist realistisch. Der Tod ist sicher, die Stunde ist ungewiss, heißt es.

Unrealistisch erscheint auch die Vorstellung, dass alle Völker der Welt eins sein könnten. Die Konfliktpotentiale in der Welt werden nicht weniger, auch wenn manche Konflikte sich aufgelöst haben.

Auf der anderen Seite: So schwierig sich die europäische Einigung auch gestaltet, wer hätte vor 70 Jahren gedacht, dass Europa einen dauerhaften Frieden finden könnte. Wer hätte vor 25 Jahren gedacht, dass man durch Europa weitgehend ohne Passkontrollen reisen kann.

Unrealistische Phantastereien, Träume, Utopien – sie haben immer wieder die Kraft, Realität zu werden. Manchmal gewöhnen wir uns sehr schnell an sie. Wir nehmen dann das Außergewöhnliche gar nicht mehr wahr.

Das Leben in dieser Welt hat ein Ende. Jesus ist am Kreuz gestorben. Judas hat ihn verraten. Petrus will Jesus nicht gekannt haben. Seine Freunde fliehen aus Jerusalem. Wer weiß, was noch geschieht.

Das sind die harten Fakten, zwischen die sich die Nachricht mischt: Jesus ist nicht im Grab, er ist auferstanden von den Toten, wie er gesagt hat.

Kaum zu glauben. Zwei Jünger machen sich auf den Weg. Sie sind eher auf der Flucht. Sicher ist sicher. Wir können sie gut verstehen.

Die harten Fakten diktieren die Verhältnisse: Die Gewalt siegt. Die Dummheit triumphiert. Die Mächtigen lassen sich nicht hineinreden. Es bleibt, wie es ist.

Nein, sagt Jesaja, es bleibt nicht, wie es ist. Es gibt eine Perspektive, eine Hoffnung. Die Geschichte ist voller Beispiele, wie sich aus Katastrophen und Zusammenbrüchen Neues entwickelt.

Die Verhältnisse ändern sich, das wissen wir. Manchmal wendet es sich zum Guten, manchmal nimmt auch das Böse überhand. Aber: Es bleibt nicht, wie es ist.

Ausgerechnet dann, wenn die Welt an ihr Ziel kommt, soll das nicht mehr gelten? Dann soll alles aus sein und bleiben? Kann man das glauben? Ist das realistisch? Ist das möglich?

Jesaja sagt: Nein! Das vermeintliche Dunkel des Lebensendes, des Endes der Welt besteht nicht. Es bleibt nicht. Ein Fest wird beginnen auf dem Berg. Es ist ein Freudenfest mit reichem Mahl.

Eine Veränderung fällt besonders auf: Es gibt keine Unterscheide mehr. Unsere Einteilungen sind hinfällig. Es ist auch nicht mehr davon die Rede, dass einige nach dem großen Gottesgericht im Gefängnis sitzen.

Alle sind eingeladen, alle kommen. Das ist gut. Kein Neid mehr, keine Strafe, keine Rache. Deshalb hat auch der Tod ausgespielt. Gott hat ihm die Grundlage entzogen.

Mit dem Tod verschwindet das Leid. Gott wischt die Tränen ab für immer. Das Neue beginnt mit einem Fest. Wir kennen das. Oft aber dringt dann das Alte wieder durch, zerbricht, was wir feiern. Hier ist es anders. Hier dreht sich das Rad nicht wieder zurück. Die Freude, die die Völker feiern, bleibt. Tränen werden für immer getrocknet.

Es gibt noch etwas Neues: Gott ist sichtbar da! Das ist unser Gott, auf den wir hofften, können wir sagen. Gott wird da sein, wie er am Abend der Schöpfung im Garten da war. Wir können ihn sehen und direkt mit ihm sprechen. Nichts wird diese Gemeinschaft mehr trennen können.

Was uns von Gott trennt, ist verschwunden. Wir werden uns von Gott nicht mehr trennen, nichts kann uns mehr von ihm trennen. Die neue Welt wird eine Welt im Einklang sein.

Zum Osterfest leuchtet etwas von diesem Einklang auf. Wir haben die begründete, realistische Hoffnung, dass Tod, Ungerechtigkeit und Trennung von Gott vorübergehende Erscheinungen sind. Sie gehen in unserem Leben vorüber. Sie gehen in der Welt vorüber.

Am Ende steht endgültig das Leben bei Gott. Am Ende steht das Fest an seinem Tisch. Für alle.

Amen

Verfasser: Pfarrer Karsten Müller

Zinzendorfplatz 3, 99192 Neudietendorf


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