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Beten im Namen Jesu

von Gabriele Koenigs (75385 Bad Teinach-Zavelstein)

Predigtdatum : 22.05.2022
Lesereihe : IV
Predigttag im Kirchenjahr : Rogate
Textstelle : Lukas 11,(1-4)5-13
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Wochenspruch: Gelobt sei der Herr, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. (Psalm 66,20)

Psalm: 18 (EG 707)

Lesungen

Reihe I: Johannes 16,23b-28(29-32)33
Reihe II: Matthäus 6,5-15
Reihe III: Sirach 35,16-22a oder Daniel 9,4-5.16-19
Reihe IV: Lukas 11,(1-4)5-13
Reihe V: 1. Timotheus 2,1-6a
Reihe VI: 2. Mose 32,7-14

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 369,1-4.7 Wer nur den lieben Gott lässt walten
Wochenlied: EG 133,1-5.7 Zieh ein zu deinen Toren
Predigtlied: EG 361,1-3.8-10 Befiehl du deine Wege
Schlusslied: EG 182,1-3.8.9 Suchet zuerst Gottes Reich

Predigttext: Lukas 11,(1-4)5-13

(1 Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan. Und er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt 2 vierzig Tage lang und von dem Teufel versucht. Und er aß nichts in diesen Tagen, und als sie ein Ende hatten, hungerte ihn. 3 Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich zu diesem Stein, dass er Brot werde. 4 Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.«)
5 Und der Teufel führte ihn hoch hinauf und zeigte ihm alle Reiche der ganzen Welt in einem Augenblick 6 und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben und ich gebe sie, wem ich will. 7 Wenn du mich nun anbetest, so soll sie ganz dein sein. 8 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.« 9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich von hier hinunter; 10 denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird befehlen seinen Engeln für dich, dass sie dich bewahren.« 11 Und: »Sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 12 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« 13 Und als der Teufel alle Versuchung vollendet hatte, wich er von ihm bis zur bestimmten Zeit.

Hinführung

Im 11. Kapitel des Lukasevangeliums sind einige Aussprüche und Gleichnisse Jesu zusammengestellt, die das Thema Beten in den Blick nehmen: Lukas 11, 1–4 (Vaterunser); Lukas 11, 5–8 (Das Gleichnis vom bittenden Freund); Lukas 11, 9–13 (Worte zum Beten und zur Gebetserhörung).

Vers 13 ist ein überraschender Schluss dieser Reihe. Der Heilige Geist kommt als verheißene und erbetene Gottesgabe in Sicht. Und es steckt darin indirekt auch die Antwort auf die Frage, wie es sich mit vielen unerhörten Gebeten verhält. Jesus verweist auf die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Eltern werden ihren Kindern nicht unbedingt geben, was diese erbeten hatten. Aber sie werden ihnen Gutes geben. Ebenso ist es mit dem Himmlischen Vater. Er wird den Glaubenden Gutes geben – wenn er auch nicht alle konkreten Bitten erfüllt. Er verheißt die Gabe des Heiligen Geistes. Auf diesen Gedanken lege ich in meiner Auslegung den Schwerpunkt.

Der Sonntag Rogate gehört zur Osterzeit. Mit diesem Predigttext schauen wir schon ein wenig voraus auf das Pfingstfest.

Die Erfahrung des Bittens und die Erfahrung, um etwas gebeten zu werden, sind zutiefst menschliche Erfahrungen. Es lohnt sich, sie genauer zu betrachten. In unserer Zeit verschwindet der Mut zum Bitten immer mehr. Dienstleistungen werden gewöhnlicherweise bezahlt. Oder sie werden – z.B. im familiären Kontext – als selbstverständlich genommen und eingefordert. Ich möchte zeigen, dass Bitten durchaus riskant ist. Doch das Wagnis lohnt. Denn es verbindet uns Menschen, wenn wir einander etwas bitten. Und es verbindet uns mit Gott, wenn wir uns im Gebet an ihn wenden.

Gliederung

I. Bitten ist riskant
II. Bitten würde das Leben einfacher machen
III. Bitten schafft Verbindung
IV. Gott will auch gebeten werden
V. Gebetserhörung nicht garantiert!
VI. Gute Eltern geben ihr Bestes
VII. Gott gibt uns sein Bestes
VIII. Wie kann ich diese Kraft anzapfen?
IX. Beharrlichbitten um Gottes Geist

Ziel

Ich möchte den Hörer/innen Mut machen zum Bitten und Beten.

Predigt

I. Bitten ist riskant

Liebe Gemeinde,

Bitten ist etwas Anderes als Kommandieren. Kommandieren heißt: »Du musst es tun, aber plötzlich. Wehe, wenn nicht ...!« Bitten ist anders. »Ich bitte dich…«. Wenn man so etwas sagt, weiß man, dass der andere auch nein sagen könnte. »Nein, es geht leider gerade nicht«. Oder: »Was du brauchst, kann ich dir leider nicht geben.« Dieses Risiko ist drin. Es kann sogar eine wüste Antwort kommen. Bitten ist wirklich riskant. Zum Bitten brauchen wir Mut und Vertrauen. Wir zeigen uns dabei mit unserer Bedürftigkeit. Wir zeigen uns damit als die, die nicht alles alleine können. Jesus weiß das natürlich. Er weiß, wie scheußlich man sich dabei fühlen kann, wenn man um etwas bitten muss. Trotzdem sagt er: »Bittet!« »Bittet, so wird euch gegeben.«

II. Bitten würde das Leben einfacher machen

Im Grunde ist das Bitten ganz einfach. Meistens genügt ein schlichtes Wort. Und manchmal wird eine Situation unnötig schwierig, bloß, weil jemand nicht bitten kann. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen bei einem Festessen am reichlich gedeckten Tisch. Ihr übernächster Nachbar
lädt sich seinen Teller voll mit Spätzle und Fleisch. Er schaut nach der Soße. Die steht bei Ihnen. Sie haben nicht gesehen, dass er sie braucht. Aber plötzlich ist da ein ganz langer Arm vor Ihnen, der Hemdärmel beinahe in Ihrem Teller, der Daumen gefährlich nahe an Ihrem Weinglas. Der Tischgenosse angelt sich die Soße selbst. Nehmen wir mal an, es geht gerade noch gut. Vielleicht auch nicht. Aber bestimmt wäre es einfacher gewesen, er hätte was gesagt.

III. Bitten schafft Verbindung

Im Grunde ist es schön, um etwas gebeten zu werden. Es heißt ja: Der andere traut mir was zu. Er sieht mich mit dem, was ich kann. Er achtet mich. Er hat Vertrauen zu mir. Das ist etwas Schönes. Sogar Kinder und Jugendliche freuen sich meistens, wenn sie um etwas gebeten werden. Es heißt: Man traut ihnen etwas zu. Wohlgemerkt: Kommandieren ist unangenehm. Kommandoton ruft Trotz hervor. Aber gebeten werden ist schön. Und nachher die Freude ernten und den Dank: Das ist besonders schön. Bitten und eine Bitte erfüllen: Das schafft eine gute Verbindung zwischen Menschen. Und so leben wir miteinander auf gute Weise. Mal sind wir diejenigen, die bitten. Manchmal sind wir diejenigen, die anderen was zuliebe tun. Mal tun wir genau das, um was wir gebeten worden sind. Mal schlagen wir etwas anderes vor. Etwas, was uns gerade möglich ist. Eine Lösung, die uns in den Sinn kommt. So hängen wir als Menschen zusammen. Und das ist gut so. Bitten und gebeten werden sind Gegenmittel gegen die Isolation. Sie schaffen Verbindung.

IV. Gott will auch gebeten werden

Gott will auch gebeten werden. »Er lässt sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.« Gott ist kein Dienstbote und kein Befehlsempfänger. Er tut uns gerne was Gutes. Aber nur, wenn wir darum bitten. Zu große Bescheidenheit ist fehl am Platze. Denn wenn wir Gott nicht bitten, dann ist es so, als ob wir nichts von ihm halten und ihm nichts zutrauen. Es ist, als ob wir ihn links liegen lassen, nach dem Motto: »Ich bin selber groß.« »Ich schaff das schon.« Wir machen es uns unnötig schwer durch unseren Stolz und durch unsere übergroße Bescheidenheit. Gott lässt sich gerne bitten.

V. Gebetserhörung nicht garantiert!

Und trotzdem ist auch ein Risiko dabei. Es kann sein, dass Gott uns nicht gibt, was wir bitten. Oder er gibt es nicht sofort. Ob es die neue Stelle ist, die wir uns gewünscht hatten. Heilung von einer Krankheit. Gutes Wetter fürs Fest. Ein Kind. Es kann sein, dass wir es nicht bekommen trotz inständiger Bitten. Das ist schwer zu ertragen. Wir fragen uns dann, ob Gott uns denn wirklich liebt. Ob er uns wirklich hört und sieht oder ob er nur eine Einbildung ist. Unerhörte Gebete sind nicht so leicht zu verkraften.

Jesus weiß, wie schwer das für uns ist. Wie schwer
wir an unerhörten Gebeten tragen. Darum stellt er eine wichtige Frage. »Wie ist das mit euch und euren Kindern? Gebt ihr ihnen immer genau das, um was sie
gebeten hatten?«

VI. Gute Eltern geben ihr Bestes

Wenn Sie zurückgehen in Ihren Erinnerungen, dann wird Ihnen wahrscheinlich mindestens ein Beispiel dafür einfallen. Ihr Kind oder Enkelkind hat sich etwas gewünscht. Und Sie haben es nicht gegeben, mit Absicht nicht. Sie wollten ihm etwas Besseres geben.
Denn sein Wohlergehen lag Ihnen am Herzen. Die
spontane Enttäuschung mussten Sie in Kauf nehmen. Die Wut und den Trotz vielleicht auch. Aus Liebe haben Sie das in Kauf genommen und standgehalten. »Der Krimi ist nichts für dich. Nein, den darfst du nicht anschauen. Komm, wir machen lieber stattdessen ein Spiel zusammen. Auf was hast du Lust?« »Schokolade ist nicht gut für deine Zähne. Komm, nimm lieber den
Apfel oder die Apfelsine. Ich schäl sie dir auch.« Gedankenlose Eltern erfüllen alle Wünsche, nur damit sie ihre Ruhe haben. Liebevolle Eltern tun das nicht. Sie geben nicht immer genau, was das Kind gebeten hatte. Aber bestimmt geben sie nicht einen Skorpion anstatt einem Ei oder eine Schlange anstatt dem Fisch. Sie geben dem Kind etwas Gutes. Sie geben sogar das Beste, was sie haben.

VII. Gott gibt uns sein Bestes

Ebenso ist es bei Gott. Wenn wir ihn bitten, gibt er uns etwas Gutes. Er gibt uns das Beste, was er hat. Er gibt uns den Heiligen Geist.

Was ist der Heilige Geist? Es ist die Gotteskraft. Sie ist unsichtbar. Aber sie ist stark und dynamisch. Sie verwandelt uns. Sie gibt uns Mut. Sie bringt uns in Schwung und holt uns heraus aus der Starre. Sie bringt uns in Verbindung mit anderen. Sie hilft uns, einander zu verstehen und einander zu achten und zu vergeben. Sie bringt uns auf neue Ideen und Gedanken. Sie zeigt uns neue Wege. Wunderbare Gotteskraft. Niemand braucht für immer steckenbleiben in den alten Erfahrungen und in den eingefahrenen Denkmustern. Der Heilige Geist kann uns verwandeln. Er kann uns beflügeln und beleben, trösten und stark machen. Er hilft uns, schwere Zeiten durchzustehen. Er hilft uns, trotz Enttäuschungen weiterzuleben. Wunderbare Kraft.

VIII. Wie kann ich diese Kraft anzapfen?

Eine Frau fragt: »Wie kann ich diese Kraft anzapfen? Gibt es dafür einen Trick? Gibt es eine Formel oder eine Übung dafür?« Sie merkt, wie sehr sie diese Gotteskraft braucht in ihrer augenblicklichen Lage. Sie würde alles dafür tun, um diese Kraft zu bekommen. Manche Leute behaupten ja tatsächlich, sie hätten einen Trick dafür, ein Geheimrezept, ein Programm. Gegen gutes Geld könnte man das bei ihnen lernen, behaupten sie. Aber wir wissen, dass das nur Geschäftsideen sind. Leutefängerei. Jesus hat uns gesagt, wie wir die Gotteskraft bekommen. »Bittet, so wird euch gegeben.« So schlicht geht es: Darum bitten. Gott darum bitten. Beten. Mehr ist nicht erforderlich. »Wer da bittet, der empfängt.« Diese Verheißung gilt. Sie gilt uns. Und allen, die uns danach fragen. Wir werden es ihnen nicht verheimlichen. »Bittet, so wird euch gegeben.« Mehr braucht es nicht.

IX. Beharrlich bitten um Gottes Geist

Darum: Beten wir um Gottes Geist. Heute und morgen und immer wieder. Mit großer Beharrlichkeit. Wir brauchen ihn so nötig wie das tägliche Brot. Beten wir, dass er uns Verständnis und Liebe füreinander schenkt. Neue Ideen, neue Wege. Einen guten, festen Glauben. Den Mut, zu unserer eigenen Bedürftigkeit zu stehen und auch die Bedürftigkeit der anderen zu sehen. Beten wir darum. Und empfangen wir voller Dankbarkeit, was Gott uns schenkt. Amen.

Verfasserin: Pfarrerin i. R. Gabriele Koenigs, Schmiedgasse 13, 75385 Bad Teinach-Zavelstein, koenigsgabriele(at)gmail.com


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