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Botschaft, die Tränen trocknet

von Elke Burkholz (Messel)

Predigtdatum : 28.03.2016
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostersonntag
Textstelle : 1. Korinther 15,12-20
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Wochenspruch:
"Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle." (Offenbarung 1, 18)

Psalm: 118, 14 - 24 (EG 747)

Lesungen
Altes Testament: Jesaja 25, 8 - 9

Epistel: 1. Korinther 15, 12 - 20

Evangelium: Lukas 24, 13 - 35

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein
Wochenlied: EG 105 Erstanden ist der heilig Christ
Predigtlied: EG 103 Gelobt sei Gott im höchsten Thron
Schlusslied: EG 171 Bewahre uns, Gott


Ostern, wir feiern Auferstehung, die Ostereier sind gefunden, die Kinder haben ihre Geschenke ausgepackt. Vielleicht sind die Besucher noch da, vielleicht sind sie in diesem Jahr gar nicht gekommen. Wir feiern Auferstehung.
Was feiern wir da eigentlich?

Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Fragen wir doch Paulus!

Ich lese den Predigttext 1. Korinther 15, 12 - 20:

12 Wenn verkündigt wird, dass der Messias von den Toten aufgestanden ist, wie ist es dann möglich, dass einige von euch sagen: Es gibt keine Auferstehung der Toten?
13 Gibt es keine Auferstehung der Toten, dann ist auch Christus nicht aufgestanden.
14 Ist aber Christus nicht aufgestanden, dann ist unsere Verkündigung sinnlos und euer Vertrauen grundlos.
15 Wir würden falsches Zeugnis über Gott ablegen, weil wir gegen Gott bezeugen würden, er habe den Messias aufgeweckt, den er doch nicht erweckt hat – wenn denn die Toten nicht aufstehen.
16 Wenn die Toten nicht aufstehen, so ist auch Christus nicht aufgestanden.
17 Ist aber der Messias nicht aufgestanden, ist euer Vertrauen sinnlos und ihr seid noch in euren Sünden.
18 Verloren sind dann auch die, die im Vertrauen auf den Messias gestorben sind.
19 Wenn wir nur in der sichtbaren Lebenswirklichkeit auf Christus vertrauen, sind wir die armseligsten unter allen Menschen.
20 Jetzt aber ist der Messias von den Toten aufgestanden – als Erster von den Toten.

Was ist das eigentlich - Auferstehung? Von Paulus erfahren nicht viel darüber. Paulus sagt: „Christus war tot und dann ist er aufgestanden. Gott hat ihn aufgeweckt. Er ist der erste, der von den Toten auferweckt wurde und wir werden ihm folgen.“ In der Passage vor unserem Predigttext erwähnt Paulus noch, dass Petrus, über 500 andere und auch er selbst der Auferstandenen gesehen haben.

Wenn ich das mit den Büchern über das Leben nach dem Tod vergleiche, die sich heute gut verkaufen, ist das wenig. In den Büchern werden blühende Landschaften beschrieben, es werden verstorbene Verwandte wieder getroffen, die Welt ist von fliegenden Lichtwesen bevölkert. Paulus ist hier eher schmallippig, keine ausführlichen Beschreibungen, keine plausiblen Erklärungen, keine weitreichenden Spekulationen nur der eine Satz: Christus wurde von Gott aufgeweckt.

Trotzdem oder vielleicht deshalb ist 1. Korinther 15 ein star-ker, überzeugender Text. Die Auferstehung Christi und unsere Auferstehung sind untrennbar verbunden. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Das ist Paulus wichtig. Dafür findet er deutliche Worte: „Ist aber Christus nicht aufgestanden, dann ist unsere Verkündigung sinnlos und euer Vertrauen grundlos.“ Und „Wenn wir nur in der sichtbaren Lebenswirklichkeit auf Christus vertrauen, sind wir die armseligsten unter allen Menschen“.

Also ist für Paulus Auferstehung mehr als eine innerweltliche Erfahrung. Auferstehung ist mehr als ein psychisches Erlebnis, dass man sich wie neugeboren fühlt, oder aus einer Krise gestärkt hervorgeht. Das kann es auch sein. Aber das ist nicht alles.

Paulus besteht darauf, dass Auferstehung nicht nur in der sichtbaren Lebenswirklichkeit angesiedelt werden darf, sondern darüber hinaus geht. Christus ist auferstanden, und wir werden ihm folgen. Das ist die Grundlage seines Vertrauens zu Gott. Und er hält den christlichen Glauben ohne Glauben an die Auferstehung Christi und unsere eigene Auferstehung für sinnlos. Und er hält Leute, die die Auferstehung von den Toten als etwas betrachten, dass nur in diesem Leben und in der eigenen Seele geschieht, für armselig.

Hat Paulus damit Recht? Ja, Paulus hat Recht, davon bin ich überzeugt. Warum?

Stellen wir uns vor, es gäbe keine Auferstehung von den Toten. Es gäbe nur dieses Leben und kein Leben nach dem Tod. Das würde einige Probleme aufwerfen.

1. Das Gerechtigkeitsproblem: Wenn es nur dieses Leben gibt, dann ist es schwer auszuhalten, dass die Welt so ungerecht ist. Dann müssen wir uns fragen, was ist mit den Kindern, die hungern und die keine Chance haben, ihre Möglichkeiten zu entfalten? Was ist mit den Opfern von Verbrechen? Was mit den Armen und Unterdrückten? Sie sind ewig festgelegt auf ihr ungerechtes Schicksal. Und niemand rettet sie. Für sie geht die Geschichte schlecht aus. Wenn das so ist, dann hat das Folgen für unser Bild von Gott. Denn wenn Gott für diese Schrecken keinen Ausgleich schaffen kann, dann hat er die Welt nicht gut geschaffen. Dann können wir ihm nicht vertrauen, denn dann ist er kein gütiger Gott.

2. Wenn es kein Leben nach dem Tod gibt, dann gibt es auch ein Ethikproblem. Schon in den Psalmen steht: Denn Ungerechten geht es gut und der Gerechte muss viel Leiden. Welchen Grund sollten wir haben uns an die Regeln zu halten, Gutes zu tun, unsere Mitmenschen zu lieben? Wir sehen doch, dass es auch anders geht. Wir sehen, dass die Drogenhändler Villen mit Blick übers Meer haben. Wir sehen, dass diejenigen, die das Land aufkaufen und die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben, Millionengewinne machen und es ihnen egal ist, ob die Menschen, die sich das Essen nicht mehr leisten können, hungern. Warum sollen wir nicht lügen und betrügen, wo es doch bequem ist und nur selten negative Folgen hat? Klar, wenn alle das tun, dann geht die Gesellschaft den Bach runter. Aber solange nur wenige lügen und betrügen, haben sie Vorteile davon. Und warum sollten wir uns darum scheren, wenn es anderen schlecht geht solange es uns gut geht? Warum sollen wir uns nicht einfach um unseren persönlichen Vorteil kümmern, wenn das was wir tun, nicht Folgen für unsere langfristige Zukunft hat? Wieso soll ich nicht raffgierig nur das Beste für mich selbst heraus holen, sondern an die anderen denken, die ich vielleicht noch nicht ein-mal kenne. An die anderen zu denken ist nicht rational, wenn es keine Auferstehung von den Toten gibt.

3. Wenn es kein Leben nach dem Tod gibt, dann gibt es ein Depressionsproblem. Wie kann ich älter werden und wissen, was vor mir liegt, ist eigentlich nur noch der Verfall. Ich kann immer weniger tun, ich sehe schlechter, ich höre schlechter. Irgendwann werde ich für die Menschen, mit denen ich zusammen lebe, nur noch eine Belastung sein. Und das ist gar nicht mehr so lange hin bis es soweit sein wird. Das ist eine hoffnungslose Situation. Woher bekomme ich die Kraft, trotzdem weiter zu machen und nicht aufzugeben, wenn ich keine Zukunft habe.

Sie sehen schon, so geht das nicht. Nur wenn man mit einem Leben nach dem Tod rechnet, kann man in diesem Leben sinnvoll leben. Unsere Seelen sind für die Ewigkeit gemacht. Wir kommen mit diesem kurzen Leben hier auf der Erde nicht aus. Wir brauchen einen tieferen Sinn in unserem Leben. Es reicht einfach nicht, etwas Spaß zu haben und es uns gut gehen zu lassen. Wir sind zur Liebe bestimmt und Liebe ist auf Ewigkeit angelegt.

Es ist viele Jahre her als ich mit einer inzwischen längst verstorbenen Frau, die häufig in die Kirche gegangen ist, gesprochen habe. Sie war krank geworden und hatte eine Operation vor sich. Sie tröstete sich damit: „Wenn mit der Operation etwas schief geht, dann werde ich es nicht mehr merken. Ich wache dann einfach nicht mehr auf.“ Ich habe Sie gefragt, wie sie das mit einem Leben nach dem Tod sieht?“ Und sie hat geantwortet: „Daran glaube ich nicht. Wenn es hier zu Ende ist, dann ist alles aus! Ich bin schließlich nicht so feige, dass ich mir die Wirklichkeit zurecht lügen muss.“ Etwas Ähnliches habe ich auch von einer Verwandten gehört. Sie hat gesagt: „Meine Mutter ist ganz ruhig gestorben, obwohl sie nicht an ein Leben nach dem Tod geglaubt hat. Das nenne ich mal Mut. Mein Schwiegervater ist auch ruhig gestorben. Aber der hatte es auch leicht, denn er hat an ein Leben nach dem Tod geglaubt. Meine Mutter war wahrhaft eine Heldin.“

Wenn ich so etwas höre, werde ich wütend. Ich finde wir brauchen kein tragisches Heldentum. Was wir brauchen ist der Trost des Glaubens an die Auferstehung von den Toten. Und ich bin wirklich sauer, wenn Leute durch ihre Überzeugung, dass nach dem Tod alles aus ist, dazu gezwungen werden,
1. sich unsicher in einer ungerechten Welt zu fühlen,
2. keinen vernünftigen Grund haben, Gutes zu tun und anderen zu helfen
3. tragisch ohne Zukunft leben zu müssen und davon depressiv zu werden.

Es wird Zeit, dass wir als christliche Kirchen versuchen, die Leute von dieser depressiven Sicht der Dinge zu befreien. Der Vorstellung, dass mit dem Tod alles aus ist, sollten wir beherzt entgegen treten.

Helfen wir den Leuten zumindest eine Auferstehung von den Toten für möglich zu halten, dass sie sich eine Zukunft für ihre Seele vorstellen können. Helfen wir ihnen zu hoffen, dass ihre guten Taten Sinn haben und etwas Gutes bewirken. Helfen wir ihnen zu glauben, dass sie eine Heimat haben bei einem liebenden Gott, die jenseits ihrer Heimat hier auf der Erde liegt. Denn nur das gibt uns Würde und unserem Leben Sinn.

Und der Friede Gottes ….

Verfasserin: Pfarrerin Elke Burkholz
Hanauer Straße 19, 64409 Messel

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