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Botschaft, die Tränen trocknet

von Christoph Eichert (Halle)

Predigtdatum : 17.04.2017
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostersonntag
Textstelle : Lukas 24,36-45
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Wochenspruch:

"Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle." (Offenbarung 1, 18)

Psalm:118, 14 - 24 (EG 747)



Lesungen

Reihe I:|Lukas 24, 13 - 35

Reihe II:|1. Korinther 15, 12 - 20

Reihe III:|Lukas 24, 36 - 45

Reihe IV:|1. Korinther 15, 50 - 58

Reihe V:|Jesaja 25, 8 - 9

Reihe VI|Apostelgeschichte 10, 34 a. 36 -43



Liedvorschläge

Eingangslied:|EG 100|Wir wollen alle fröhlich sein

Wochenlied:|EG 105|Erstanden ist der heilig Christ

Predigtlied:|EG 103|Gelobt sei Gott im höchsten Thron

Schlusslied:|EG 116, 1 + 4|Er ist erstanden, Halleluja





Predigttext Lukas 24, 36 - 45



Jesu Erscheinung vor den Jüngern

„Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie er-schraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so er-schrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße. Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm's und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden:“



Liebe Gemeinde,



beim Einkaufen gibt es zwei Sorten von Menschen.

Die einen sind schnell zu begeistern. Sie sehen, wie schön etwas ist. Sie möchten es gerne haben. Und wenn dann der Preis auch noch stimmt, gibt es kein Halten mehr.

Die anderen sind grundsätzlich skeptisch. Bei einem Klei-dungsstück prüfen sie erst mal die Nähte. Bei Lebensmitteln kontrollieren sie das Haltbarkeitsdatum. Sie sind immer auf der Suche nach dem Haken an der Sache.



Diese verschiedenen Grundhaltungen gibt es nicht nur beim Einkaufen, sondern auch in Bezug auf den Glauben. Es gibt die Begeisterten, die sich mitreißen lassen. Die leicht einen Zugang finden und die gut mitgehen können mit den Ge-schichten der Bibel. Und es gibt die Skeptischen, die alles genau wissen wollen. Die viele Fragen haben und gerne ei-nen Blick hinter die Kulissen werfen.

Zum Glück hat das Osterfest für beide Seiten etwas, es gibt ja extra zwei Feiertage: Der Sonntag gehört den Begeister-ten und Ergriffenen. Stimmungsvolle Osternächte, Taizé- Gesänge im Kerzenlicht, fröhliche Familiengottesdienste – das ist die Schauseite des Osterfestes.



Der Montag ist dagegen nachdenklicher: Die Begeisterung lässt allmählich nach. Rückfragen sind erlaubt und das kriti-sche Nachdenken darüber, was wir denn eigentlich feiern in diesen Ostertagen.



So wie die Jünger in der Ostergeschichte des Lukas sehr ge-nau und sehr kritisch prüfen, was da eigentlich geschieht. Sie trauen der Schauseite nicht einfach so, da kann der Aufer-standene noch so sehr strahlen. Sie wollen hinter die Kulis-sen sehen. Sie wollen prüfen und verstehen. Typ II sozusa-gen. Montagschristen.



Schauen wir uns also genauer an, was diese Geschichte uns heute zu erzählen hat!

Die Jünger Jesu sind zusammen in einem Haus in Jerusalem, und sie haben sich Merkwürdiges zu berichten. Petrus be-hauptet, dass Jesus ihm erschienen sei. Und die beiden, die nach Emmaus gewandert sind, erzählen das auch. Und die Frauen am Grab haben einen Engel gesehen, der ihnen ge-sagt hat: Jesus ist nicht hier. Er ist auferstanden!



Und während sie miteinander über all das reden, erscheint ihnen Jesus selbst – diesmal nicht nur einigen, sondern allen gemeinsam, und ihr Erstaunen und ihr Erschrecken sind groß.



Der erste Verdacht, den sie haben: Das ist ein Geist! Und vielleicht zweifeln sie dabei nicht nur an Jesus, sondern auch an sich selbst: Stimmt es denn, was wir da sehen? Oder se-hen wir schon Gespenster?



Da zeigt Jesus ihnen seine Hände und Füße, und er lädt sie ein, ihn anzufassen: Seht her, ich bin aus Fleisch und Blut.



Bei Geistern fasst man bekanntlich ins Leere! Trotzdem bleibt Skepsis, und der Auferstandene geht noch einen Schritt weiter. Er lässt sich etwas zu essen bringen und kann damit, endlich, die Jünger überzeugen: Der Fisch ist weg, Jesus ist noch da, und dass Geister nichts essen können, weiß jedes Kind.



Und dann, nach dieser wahrhaft handgreiflichen Beweisfüh-rung, erklärt Jesus ihnen die Schrift und was dort über ihn prophezeit worden ist. – Er lässt sie dahinter sehen und be-greifen, was geschehen ist.



Liebe Gemeinde,

das ist eine schwierige Geschichte und zugleich eine sehr schöne.



Schwierig ist sie, weil man sich kaum vorstellen kann, was da im Detail beschrieben wird.

Aber sie ist schön, weil Jesus die Zweifel der Jünger so ernstnimmt: Er schilt nicht ihren Kleinglauben. Er stellt sich ihrem kritischen Verstand.



Und ich finde die Frage spannend, die diese Geschichte uns heute stellt – mit dem Glauben, den wir mitbringen, und mit den Zweifeln, die wir vielleicht auch haben.



Die Frage lautet: Woran glauben wir eigentlich, wenn wir von Auferstehung sprechen? An Geister? An ein Phantom? An fromme Einbildungen? Oder glauben wir an eine Wahrheit, die wir spüren können? Die mit Händen zu greifen ist? Die entscheidend ist für mein Leben?



Gott oder Geist, haben sich die Jünger gefragt, als der Auf-erstandene plötzlich vor ihnen stand. Sein oder Schein, so würde ich die Frage heute formulieren, wenn wir von Aufer-stehung reden.



Nun kann man Glauben nicht lehren wie eine Naturwissen-schaft. Es gibt kein Richtig und kein Falsch und erst recht keine Beweise. Aber man kann sich erzählen von seinem Glauben, und man kann von den Glaubenserfahrungen ande-rer hören. Was davon Sein ist und was Schein, was eine fromme Einbildung und was eine echte Auferstehungserfah-rung – das muss jeder für sich selbst entscheiden.



Ich denke zum Beispiel an das, was eine alte Frau erzählt von ihrem Leben und von ihrem Glauben: Wie sie ihren Mann kennengelernt hat und wie sie geheiratet haben. Ihre Eltern waren zuerst dagegen, aber sie haben sich durchgesetzt. Und dann die vielen gemeinsamen Jahre. Die Kinder. Die Arbeit. Seine schwere Krankheit. Sie haben alles gemeistert zusammen. Und sie haben viel Schönes miteinander erlebt. Ihre Verbindung, ihre tiefe Zuneigung zueinander ist nicht weniger geworden in all der Zeit. Im Gegenteil, sie ist noch gewachsen. Bis er gestorben ist im vergangenen Herbst. Ganz plötzlich, nach einem Schlaganfall. Immer wieder muss sie an ihn denken, und sie spürt, wie sehr er ihr fehlt. Aber sie weiß, dass er geborgen ist bei Gott. Und dass sie ihn wie-dersehen wird, und dann für immer. – Christus ist aufer-standen von den Toten. Wir alle werden auferstehen. Das glaubt sie. Das gibt ihr Halt. Mit diesem Glauben wird ihr Le-ben auch jetzt lebenswert.



Und ich denke an das, was ein Mann erzählt, in seinen bes-ten Jahren, wie man so sagt. Er hat viel gearbeitet und viel bewegt. Er war der erste, der morgens kam, und der letzte, der abends nach Hause ging. Immer hat er sich zuständig gefühlt und am Ende auch nachts nicht mehr abschalten können. Irgendwann kam der Zusammenbruch – Burnout, wie die Ärzte sagen. Alles schien sinnlos. Nichts machte ihm mehr Freude. Das ganze Lebenskonzept war infrage gestellt. Aber dann gab es Menschen, die zu ihm hielten. Und tasten-de Schritte in eine neue Richtung. Sein Leben ist anders ge-worden seitdem: Er spürt mehr. Er lebt intensiver. Er steht weniger unter Druck. Und vor allem: Er muss sich seinen Wert nicht mehr durch Leistung beweisen. – Christus ist auf-erstanden von den Toten. Dieser Mann hat erfahren: Man kann lebendig sein und doch tot. Und man kann auferstehen mitten im Leben.

Und ich denke an das, was ich Ihnen erzählen könnte. Und Sie mir. Oder Ihrer Nachbarin, Ihrem Nachbarn hier auf der Kirchenbank: [die folgenden Impulse langsam mit Pausen sprechen]



Erfahrungen, wie Gott neues Leben schenkt.

Erlebnisse, wie Sackgassen sich öffnen.

Ein Neuanfang nach einer schweren Zeit.

Ein Aufbruch aus innerer Lähmung und Erstarrung.

Gräber, die sich öffnen in der eigenen Seele.

Neues Leben, das sich entfalten kann.



All das gibt es, mitten unter uns. – Christus ist auferstanden, und es kann ganz verschieden sein, wie der Auferstandene uns erscheint. Schon die Bibel erzählt deshalb ganz unter-schiedliche Auferstehungsgeschichten.

An uns liegt es, ob wir diesen Erfahrungen glauben oder ob wir sie infrage stellen. Sein oder Schein? Phantom oder Wirklichkeit? Die Jünger haben am Ende geglaubt. Aber sie haben lange gebraucht. Und sie haben sich schwergetan.



Liebe Gemeinde,

machen wir uns auf die Suche nach der Kraft, die uns aus den Häusern, aus den zu engen Schuhen und aus den Grä-bern treibt. Machen wir uns auf die Suche nach den Aufer-stehungszeichen mitten unter uns. Aufstehen und mich dem Leben in die Arme werfen, nicht erst am jüngsten Tag – das ist die Aufgabe, heute, am Ostermontag. Denn Christus ist auferstanden – für die Begeisterten und für die Skeptischen. Für die Jubelnden genauso wie für die Zögernden. Und er kommt uns entgegen, so wie gerade wir es brauchen.



Amen.



Und der Friede Gottes ….



Textcollage zu Ostern



Gott ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

Wir sind auf der Suche nach der Kraft,

die uns aus den Häusern,

aus den zu engen Schuhen

und aus den Gräbern treibt.



Gott ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg

in den Hütten der Gerechten.

Aufstehen und mich dem Leben in die Arme werfen -

nicht erst am jüngsten Tag,



Man singt mit Freuden vom Sieg

in den Hütten der Gerechten.

Ich werde nicht sterben, sondern leben,

nicht erst, wenn es nichts mehr kostet

und niemandem mehr weh tut.



Ich werde nicht sterben, sondern leben.

Dies ist der Tag, den Gott macht.

Sich ausstrecken nach allem, was noch aussteht,

und nicht nur dem Zugebilligten.



Dies ist der Tag, den Gott macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein!

Uns erwartet das Leben.

Wann, wenn nicht jetzt?



Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.



Auszüge aus Psalm 118 und

Gedicht „Wir sind auf der Suche“ von Luzia Sutter Rehmann, in:

Sich dem Leben in die Arme werfen. Auferstehungserfahrungen, hrsg. von Luzia Sutter Rehmann, Sabine Bieberstein und Ulrike Metternich,

Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2004 (3. Aufl.), S.9



Entfaltetes Kyrie und Gloria mit Tagesgebet

Gott, du Licht des Ostermorgens,

wir stehen in Deinem Licht.

Aber es gibt Dunkel in uns,

das Schwere fällt noch nicht ab von uns.

Was uns noch die Seele verdunkelt,

sagen wir dir … [Stille]

Wir rufen: Kyrie eleision … [178.9]



Christus, heute feiern wir mit dir

deine Auferstehung, dein neues Leben.

Aber wir kennen auch unsere Niederlagen.

Der Blick zurück auf das, was war,

ist nicht gerade erhebend.

Was uns noch wie ein Stein auf dem Herzen liegt,

sagen wir dir … [Stille]

Wir rufen: Kyrie eleision …



Heiliger Geist, Kraft der Liebe,

Metamorphosen sind deine schönste Kunst.

Aber wir fürchten Veränderung.

Was uns noch bindet und gefangen hält,

sagen wir dir … [Stille]

Wir rufen: Kyrie eleision …



Licht, Leben, Liebe erfasst uns,

lockt uns, ruft uns heraus

aus dem Dunkel,

aus den Niederlagen,

aus den Fesseln.

Wir stimmen ein in Dein Lob:

Gott in der Höh’ sei Preis und Ehr [180.2]



Licht, Leben, Liebe - Schöne Aussichten sind das,

Gott, du Freund des Lebens.

Wir reiben uns die Augen, wir gehen darauf zu, wir staunen, wir fragen uns, wie alles noch werden soll,

was Du ins Leben rufst.

Wir schauen auf Christus. Er ist hindurch. Er lebt in dir. Schon heute. Und für alle Ewigkeit.

Amen.



Verfasser: Pfarrer Christoph Eichert Georg-Cantor-Straße 21, 06108 Halle

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