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Botschaft, die Tränen trocknet

von Christiane Müller (Rostiz)

Predigtdatum : 21.04.2014
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostersonntag
Textstelle : Apostelgeschichte 10,34a.36-43
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Wochenspruch:
"Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle." (Offenbarung 1, 18)

Psalm: 118, 14 - 24

Lesungen
Altes Testament: Jesaja 25, 8 - 9

Epistel: 1. Korinther 15, 12 - 20

Evangelium: Lukas 24, 13 - 35

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 116, 1 - 5 Er ist erstanden
Wochenlied: EG 105, 1 -4. 14 - 15 Erstanden ist der heilig Christ
Predigtlied: EG 552, 1 - 5 Einer ist unser Leben
Schlusslied: EG 99 Christ ist erstanden

Predigttext
Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht;
35 sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.
36 Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle.
37 Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte,
38 wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm.
39 Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet.
40 Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen,
41 nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten.
42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten.
43 Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.


Es geschah in Cäsarea, dem Ort, an dem die Armee der römischen Besatzungsmacht stationiert war. Hier lebte Cornelius, der Offizier einer römischen Eliteeinheit. Er war ein Gottsucher. Den Glauben an die Götter der Römer hatte er längst abgelegt. Bei seiner Suche hatte er einen Gott für sich als den einzig wahren entdeckt: den Gott der Juden. Er kannte Mose und die Propheten. Er betete. Er nahm an den Gottesdiensten der Synagoge teil. Aber leider immer nur als Gast. Denn er war weder von einer jüdischen Mutter geboren und noch beschnitten. So jemand durfte sich nicht Jude nennen. Es stimmte ihn traurig, so aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen zu sein.

Eines Tages, so erzählt die Apostelgeschichte, hatte er ein merkwürdiges Erlebnis: Ein Engel trat in sein Haus und sagte: „Gott nimmt dich auf. Sende Männer nach Joppe ins Haus des Gerbers Simon. Dort hält sich ein gewisser Petrus auf. Lass ihn zu dir rufen.“ Cornelius war verwirrt. Was hatte das zu bedeuten? Aber er tat, wie ihm der Engel sagte und schickte zwei seiner Knechte los nach Joppe.

Zur selben Zeit kehrte Petrus beim Gerber Simon in Joppe ein. Er ruhte sich oben auf dem Dach des Hauses aus, um zu beten. Da hatte auch er eine Vision: Vom Himmel herab kam ein Tischtuch, breitete sich auf dem Boden aus und auf einmal fanden sich darauf Pferde, Schweine, Hasen, Kriechtiere und Raubvögel. Alles unreine Tiere, die ein Jude keinesfalls essen darf. Und er hörte, wie Gott zu ihm sprach: „Schlachte sie und iss!“ Ehe er über diese für ihn als Juden unmögliche Vorstellung nachdenken konnte, standen schon die Knechte des Cornelius vor der Tür. Sie erzählten ihm von dem Engel, der ihrem Herrn erschienen war und baten Petrus, sie nach Cäsarea zu begleiten. Petrus konnte es nicht fassen. Das waren Römer. Heiden! Die kannten keine Speisevorschriften. Die aßen fast alles, was ihnen schmeckte. „Mein Traum und die Vision von Cornelius … das kann kein Zufall sein“, dachte er und lud die Beiden ein, über Nacht zu bleiben. Am nächsten Morgen brachen sie auf. Einen Tag lang dauerte die Reise. In Cäsarea angekommen wusste Petrus gar nicht, wie ihm geschah. Cornelius fiel vor ihm auf die Knie nieder und betete ihn an. Stellen Sie sich vor: Er, der reiche und gebildete römische Offizier beugte sich vor dem ungebildeten, armen Fischer und Wanderprediger Petrus! Petrus zog ihn hoch: „Steh’ auf. Ich bin nur ein Mensch wie Du."

Cornelius hatte viele Verwandte und Freunde eingeladen. Alles Römer. Als Petrus sie begrüßte, meinte er: „Ihr wisst sicher, dass ich als Jude gar nicht euer Haus betreten dürfte. In den Augen meiner Religion seid ihr unreine Menschen. Aber Gott hat mir gezeigt, dass er keine Unterschiede macht zwischen Reinen und Unreinen. Darum habe ich mich nicht geweigert, eure beiden Gesandten hierher zu begleiten. Und nun sagt: Warum habt ihr mich holen lassen?“ Cornelius erzählte Petrus ausführlich von seiner Vision und bat ihn dann, ihm und allen Versammelten von Gott und Jesus zu erzählen.

Petrus war zutiefst beeindruckt und fing an zu reden. Es war die erste Predigt, die für heidnische Ohren bestimmt war. Sie ist der Text, der heute, am Ostermontag, der Predigt zugrunde liegt: Hören Sie seine Worte, wie sie uns in der Apostelgeschichte im 10. Kapitel überliefert sind:

Verlesung des Textes Apg. 10, 34a.36 - 43

Wenn jemand Petrus zwei Tage zuvor aufgefordert hätte, in das Haus eines Römers zu gehen und ihm von Jesus zu erzählen, dann hätte er sicher – impulsiv wie er war – geantwortet: „Ich werfe doch keine ‚Perlen vor die Säue’. Es bedurfte eines Engels und einer Vision, dass der Jude Petrus und der Römer Cornelius zusammenfanden. Durch diese wunderbare Fügung sieht Petrus sein Glauben und Denken plötzlich in einem neuen Licht. Überwältigt von der Erfahrung beginnt er seine Predigt mit den Worten: „Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott nicht die Person ansieht.“

In Kurzform erzählt Petrus, was er und seine Freunde alles mit Jesus erlebt hatten. Er erzählt, wie der Geist Gottes Jesus bei seiner Taufe ergriffen und wie er dann Menschen geheilt und viel Gutes getan hatte. Er erzählt, wie Jesus den Oberen seines Volkes solch ein Dorn im Auge wurde, dass sie ihn am Ende wie einen Verbrecher am Kreuz hinrichten ließen. Seine Erzählung mündet ein in die Geschichte von Jesu Auferstehung und endet damit, dass er, der Auferstandene, ihm und seinen Freunden drei Tage später erschien, mit ihnen aß und trank und ihnen den Auftrag gab, dem Volk von seinen Worten und Taten zu berichten.

Petrus hat diesen Auftrag beherzigt. Seit Ostern hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, in Israel vom Leben und Sterben Jesu zu erzählen und den Auferstandenen als den wahren Messias zu verkündigen. Als Jude hat er eine Gemeinschaft um sich gesammelt, die in den Augen seiner Volksgenossen als jüdische Sekte gilt.

Aber es scheint, als würde er erst jetzt, durch seine wunderbare Zusammenführung mit Cornelius, die weitreichende Bedeutung von Jesu Leben, Sterben und Auferstehen verstehen: „Gott hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle“, so endet seine Predigt. In Israel hat Gott sich durch Jesus bekannt gemacht. Aber weder die Zugehörigkeit zu diesem Volk, noch Speisevorschriften oder andere Gesetze sollen andere Völker daran hindern, auch zu Gott und zueinander finden.

Ich habe den Eindruck, Petrus ist überwältigt von dieser neuen Einsicht. Es geht nun nicht mehr darum, ob einer Jude ist oder Römer. Es geht um den Glauben an den Gott, der in dieser Welt als Gott des Friedens wirkt. Den Gott, der im Menschen Jesus auf sich aufmerksam machte, als dieser schon zu Lebzeiten am Sabbat seinen hungrigen Jüngern erlaubte, Weizenkörner vom Feld zu essen, obwohl das am Sabbat verboten war; den Gott, der im Menschen Jesus bei den Zöllner verkehrte, die mit den Römern kollaborierten und darum als „unrein“ galten; den Gott, der im Menschen Jesus mit Frauen, ja, mit Prostituierten redete, welchen ein frommer Mann aus dem Wege ging; den Gott, der sich im Menschen Jesus den Kranken, Aussätzigen und Behinderten zuwendete, die nach Meinung der Frommen Sünder waren.
Man hat versucht, den Gott der Menschenliebe und des Friedens, wie er sich in Jesus zeigt, hundert-, tausendfach zu töten. Aber Gott ist nicht totzukriegen. Das ist die tröstliche alte und wieder aktuelle Botschaft von der Auferstehung: Der Gott des Friedens, der Liebe und Versöhnung lebt.

Es widerspricht dem Geist Jesu, dass die Geschichte des Christentums kaum von Frieden bestimmt ist. Fanatismus, Kriege und Pogrome bis ins 20. Jahrhundert hinein sprechen eine deutliche Sprache. Die Dialogbemühungen der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam stoßen auf wenig allgemeines Interesse. Hunderte von Menschen demonstrieren, wenn irgendwo ein Heim für Asylanten und Flüchtlinge entsteht. Zu Gesprächsabenden über die Bibel und den Koran, die zu gegenseitigem Verständnis und zu Toleranz beitragen, kommen vergleichsweise wenige Menschen. Weit ist der Weg zur Versöhnung in einer konfliktgeladenen Welt.

Dabei gab es der Geschichte der drei monotheistischen Religionen auch schon Hoffnungszeichen. So haben im mittelalterlichen Andalusien unter muslimischer Herrschaft Muslime, Juden und Christen jahrhundertelang friedlich nebeneinander gelebt. Damals waren nirgendwo in Europa der Lebensstandard, die Kultur, Wissenschaft und Kunst so hoch entwickelt wie hier. Bis dann die christliche Kirche kam und den Frieden zerstörte.

Aber hüten wir uns davor zu behaupten, die christliche oder irgendeine andere Religion lade zur Gewalt ein! Es sind die Menschen, die Religionen, egal welcher Couleur, missbrauchen, um ihre Interessen durchzusetzen. Die Gründe für religiös motivierte Gewalt sind dabei vielfältig. Sozialer Neid, Überheblichkeit, die Angst vor dem Andersartigen, Fremden …

Ostern hilft umdenken. Ohne Ostern wäre Petrus der geblieben, der er war: ein Jude, dem die Lebensweise der Römer so fremd und unheimlich war, dass er sich weigerte, irgendetwas mit ihnen zu tun zu haben. Ohne Ostern wäre der Römer Cornelius der geblieben, der er war – ein Wanderer zwischen zwei Welten - ein reicher Römer, der sich dem römischen Götterhimmel verweigerte und ein Jude, der trotz seines Glaubens an einen Gott kein richtiger Jude war.

Ostern führt Menschen zusammen. Die Auferstehung Jesu hat das Kreuz von Fanatismus und Gewalt überwunden. Die Verfolgung Andersdenkender und Andersgläubiger, Hass, Gewalt und Krieg – all die Kreuze dieser Welt - haben ein Ende. Darauf dürfen wir hoffen. Und dafür dürfen wir Christen etwas tun, indem wir offen und dialogbereit sind.

Ich stelle mir vor, was in den Menschen vor sich geht, die traumatisiert von schrecklichen Kriegserlebnissen bei uns Asyl finden und dann einer aufgebrachten Masse Deutscher gegenüberstehen, die hasserfüllt deutlich machen, dass sie nicht willkommen sind.

Christen haben die Chance, Multiplikatoren zu sein für die österliche Botschaft von Versöhnung und Frieden. Die Predigt des Petrus im Hause des Hauptmanns Cornelius ermutigt uns dazu. Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Christiane Müller
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