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Botschaft, die Tränen trocknet

von Karsten Müller (39104 Magdeburg)

Predigtdatum : 25.04.2011
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Ostersonntag
Textstelle : Lukas 24,36-45
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Wochenspruch:„Christus spricht: Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1, 18)
Psalm:

Lesungen
Altes Testament:Jesaja 25, 8 – 9
Epistel: 1. Korinther 15, 12 – 20
Evangelium: Lukas 24, 13 – 35


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 108 Mit Freuden zart
Wochenlied: EG 101 EG 106 Christ lag in Todesbanden oder Erschienen ist der herrlich Tag
Predigtlied: EG 115 Jesus lebt
Schlusslied: EG 99 Christ ist erstanden


Die Predigt ist als Homile abgefasst. In einer Homilie wird der Text Stück für Stück ausgelegt und daher nicht am Beginn der Predigt vorgelesen.


Liebe Gemeinde,

die Jünger sind aus Emmaus heimgekehrt. Sie berichten Unglaubliches und hören Unglaubliches: Jesus ist auferstanden und hat ihnen die Schrift erklärt und das Brot gebrochen; Jesus ist wahrhaftig auferstanden von den Toten und Simon erschienen. Man kann es nicht fassen: Der Gekreuzigte lebt! Das ist unglaublich.

Wie soll man sich das vorstellen? Geht es am Ostermorgen einfach da weiter, wo es am Karfreitag aufgehört hat? Nein, ganz sicher nicht. Die Jünger sind gar nicht so sehr überzeugt von dem, was sie aus dem Mund der Frauen hören, sie halten das zunächst für Geschwätz und Märchen. Zwei von ihnen fliehen aus Jerusalem, sicher ist sicher. Sie begegnen dem Auferstandenen, aber erkennen ihn nicht, erst beim Brotbrechen gehen ihnen die Augen auf. Auch das ist Interessant: Als Jesus ihnen die Bibel erklärt, erkennen sie ihn nicht. Und nun sitzen die Jünger zusammen und hören das alles und fragen sich vielleicht: Wie soll es weitergehen? Was ist von alldem zu halten?

Wir wollen nun die Geschichte weiterhören und bedenken, wie sie Lukas im 24. Kapitel erzählt:

36 Als die Elf aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!
37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist.

Jesus greift in die Geschichte ein. Wer weiß, was sich die Jünger sonst zurechtgelegt hätten, welche Beschlüsse sie gefasst hätten, wie es denn nun weitergehen soll. Jesus grüßt mit dem Friedensgruß. Das klingt selbstverständlich, er kommt ja zu seinen Freunden. Aber so ganz genau darf man sich diesen Freundeskreis nicht anschauen: Da ist Petrus, vor vier Tagen hat er beschworen, Jesus nicht zu kennen. Judas, der Verräter ist nicht mehr da, er hat Selbstmord begangen. Unter dem Kreuz hat keiner der elf Männer gestanden, das haben sie den Frauen überlassen. Begraben haben sie seinen Leichnam auch nicht, das hat Josef von Arimathäa getan. Gerade darum: Friede sei mit euch! Die Beziehung muss geklärt sein mit dem Vorzeichen des Friedens.

Vielleicht steht den Jüngern das alles vor Augen und der Schreck fährt ihnen in die Glieder. Auch stellt sich schnell der Gedanke ein, dass das alles ja gar nicht sein kann. Ein Toter kann nicht in den Raum kommen, das Gestern kann doch das Heute nicht einholen, vorbei ist doch vorbei.

Jesus kann nur ein Geist sein, nichts Reales also. Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, dass in der DDR manchmal angezweifelt wurde, ob Jesus überhaupt eine historische Figur sei. Das stellt heute keiner mehr ernsthaft in Frage, aber dabei bleibt es dann auch: Eine historische Figur, ein Vorbild vielleicht, aber leider seit 2000 Jahren tot. Dass dieser Mensch Jesus Wirkungen haben soll, die ein Leben bis heute bestimmen, erscheint vielen abwegig. Würde er nach dem Tod weitergewirkt haben, stellt sich doch die Frage: Wie soll das gehen?

Sieht man sich die Evangelien an, dann merkt man: Das ist die falsche Frage. Die Botschaft verschwendet keinen Gedanken an das „Wie?“ der Auferstehung. Was geschieht ist wichtig und erzählenswert. Hören wir weiter:

38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz?
39 Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe.
40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße.

Der Auferstandene, der von den Jüngern auch gleich als solcher erkannt wird, ist ein Mensch aus Fleisch und Blut. Er hat Löcher in den Händen und Füßen. Ein Geist kann nicht aus Fleisch und Blut bestehen. So reizvoll diese Gedanken auch scheinen: Auch wir sollten nicht allzu viel Energie auf die Frage verschwenden: Wie war das eigentlich damals. Was ist da genau geschehen? Für eine historische Betrachtung, die man dann zu einer Fernsehdokumentation machen könnte, reicht nicht aus, was die Evangelien, übrigens in vielen Widersprüchen im Detail, berichten.

Die Erzählung vom auferstandenen Jesus aus Fleisch und Blut will uns sagen: Die Auferstehung, das Ende des Todes ist keine Fiktion, kein Hirngespinst für Leute, die mit der Endgültigkeit des Tod nicht klarkommen. Die Auferstehung ist eine Realität, die man fühlen, anfassen kann. Mit der Auferstehung kann man im Leben rechnen.
Aber: Lässt sich das nicht nur in biblischer Zeit gut behaupten? Was ist mit uns und unserem Abstand von fast 2000 Jahren? Auch hier ist die Frohe Botschaft tröstlich: Der Auferstandene steht deutlich erkennbar im Kreis der Jünger. Sie sehen ihn, sie sehen seine Wunden, sie können ihn anfassen, mit ihm sprechen. Das müsste doch reichen!

Aber Lukas erzählt weiter:

41 Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen?
42 Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor.
43 Und er nahm's und aß vor ihnen.

Immer noch steht der Zweifel im Raum. Jesus isst vor den Jüngern und so gewinnt das Auferstehungsgeschehen weiter an Realität.
Der Zweifel ist immer ein Faktor, der zum Glauben gehört. Das ist heute so und das war schon zurzeit von Jesus so. Das ist vor allem tröstlich. Wir müssen keine geistigen Verrenkungen anstellen, wir müssen nicht „linientreu“ sein. Wir dürfen uns den inneren Gefährdungen des Glaubens durch den Zweifel stellen und sie vor allem zugeben. Das führt im Übrigen nicht dazu, dass sich Jesus von uns entfernt. Er ist auch in den Situationen unseres Zweifelns mitten unter uns, da mögen wir aus Angst unsere Herzen verschließen wie wir wollen.

Wichtig ist nur, dass wir diese Nähe von Jesus in unserem Leben zulassen, dass wir zulassen, dass er in unserer Mitte ist, dass wir sein Wort hören, dass wir uns stärken lassen mit Brot und Wein. Wichtig ist, dass wir uns immer wieder von ihm anregen lassen, etwa Menschen, die sich uns gegenüber schuldhaft verhalten haben, Frieden zu wünschen.

Man kann sich schon fragen, ob in unserem Predigttext-Evangelium nicht die Botschaft ein bisschen zu kurz kommt. Außer dem Friedengruß geht es um wenig inhaltliches: Es geht um Fleisch und Blut und um das Essen des Auferstandenen. Verlangt so eine Situation nicht nach etwas besonderem? Das hat wohl Jesus auch so empfunden. Hören wir weiter:

44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.
45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden.

Was würden wir wohl veranstalten, wenn der Auferstandene mitten unter uns wäre – also so mit Fleisch und Blut, zum Anfassen. Würden wir ein Bankett zu seinen Ehren veranstalten? Wichtige Vertreter von Politik, Wirtschaft und Kultur einladen? Jesus in die Schulen schicken?

Was macht Jesus mit seinen Jüngern? Er hält ihnen eine Bibelstunde. Offenbar hat er den Eindruck, dass das jetzt das Angemessene ist: Dem Kreis der Jünger wird die Schrift ausgelegt. Es werden auch keine Menschen von der Straße geholt, nein, jetzt geht es nur um den Jüngerkreis. Es geht um das Zentrum. Da darf die Bibel nicht fehlen.
Jesus legt seinen Jüngern nicht das Evangelium aus. Es gibt noch gar kein aufgeschriebenes Evangelium. Das wird noch 30 bis 40 Jahre dauern, ehe sich Markus, Matthäus und Lukas ans Schreiben machen und noch einmal 30 Jahre später wird Johannes zur Feder greifen. Hier geht es um Mose und die Propheten und die Psalmen.

Wir wissen nicht, was Jesus seinen Jüngern erklärt hat, auf jeden Fall haben sie es verstanden. Von der Erfüllung der Schrift hat er gesprochen, das berichtet Lukas. Aber was bedeutet das? Es bedeutet sicher nicht, dass wir das von uns so genannte Alte Testament als erfüllt zu den Akten legen könnten. Das Geschehen von Ostern vollzieht sich mitten im auserwählten Volk Gottes. Jesus ist Teil dieses Volkes, seine Jünger auch. Man kann nicht so tun, als hätte Ostern den Glauben dieses Volkes erledigt – das ist eine Anmaßung, die Jesus nie unterstützt hätte.

Erfüllung der Schrift heißt: Was vor allem die Propheten von dem kommenden Retter, dem Messias, dem Christus berichten, das ist durch Jesus mit Leben erfüllt worden. Eigentlich ist es mit zwei Leben erfüllt worden: Mit dem, das Jesus von seiner Mutter geschenkt wurde und mit dem, das Gott ihm nach seinem Tod geschenkt hat.

Erfüllung der Schrift heißt: Die Botschaft der Bibel ist nicht ein toter Buchstabe, sondern eine Kraft, die Leben spendet. Vielleicht hat unsere oft als dürftig empfundene kirchliche Situation damit etwas zu tun: Das wir uns auf die Lebensspende oder besser: die Lebenskraft des Wortes Gottes nicht verlassen, es nicht ins Zentrum stellen. Wir müssen noch die planen und jenes erledigen, was soll uns da eine Bibelstunde helfen!

Außerdem kann man schon fragen: Warum gehen die Jünger nicht hinaus? Warum bringen sie die Frohe Botschaft von der Auferstehung nicht auf die Straße. Redet unser Text dem Verschanzen hinter den Kirchenmauern das Wort?

Wir hören gleich noch ein paar Verse, die sich unserem eigentlichen Predigttext anschließen. Da kommt dann auch das Evangelium auf die Straße, wohin es ja auch gehört. Aber andererseits ist auch zu fragen, ob wir nicht erst dann auf die Straße gehen können, wenn wir selbst eine gute Grundlage haben. Wenn wir von unserem Glauben, von der biblischen Botschaft reden sollen, dann sind wir oft sehr kleinlaut. Es ist schon wichtig, dass wir uns immer wieder zunächst für uns offen halten für Jesus und sein Wort, damit wir dann seinen Auftrag erfüllen können:
Jesus sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem, und seid dafür Zeugen.
Amen.

Verfasser: Provinzialpfarrer Karsten Müller, Zinzendorfplatz 3, 99192 Neudietendorf

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