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Brot des Lebens

von Matthias Heinrich (39517 Tangerhütte)

Predigtdatum : 02.03.2008
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Okuli
Textstelle : Jesaja 54,7-10
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Wochenspruch:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12, 24)

Psalm: 84 (EG 734)

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 54, 7 – 10
Epistel:
2. Korinther 1, 3 – 7
Evangelium:
Johannes 12, 20 - 26

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 365, 1-4
Von Gott will ich nicht lassen
Wochenlied:
EG 98 oder EG 396
Korn, das in die Erde
oder: Jesu, meine Freude
Predigtlied:
EG 374
Ich steh in meines Herren Hand
Schlusslied:
EG 157
Lass mich dein sein und bleiben

Liebe Gemeinde!
In anhaltenden Krisenzeiten fragt man sich: Wie kann es überhaupt noch weiter gehen? Je länger eine Ehekrise, ein wirtschaftlicher Engpass im Unternehmen oder Probleme in der Erziehung anhalten, desto schwieriger wird es, eine Lösung zu finden. Bei Alkoholproblemen, jahrelangem Streit mit Nachbarn oder immer wiederkehrenden Zweifeln an Gott rückt eine Lösung oft in unerreichbare Ferne.
Je öfter die Suche nach Auswegen erfolglos war, desto mehr wird man gelähmt. Mit der Zeit sind alle Vorstellungen auf Besserung aufgebraucht. Die Gedanken drehen immer wieder die gleichen Runden.
In solchen Situationen ist aber längst nicht alles verloren. Wenn von innen heraus keine Hilfe mehr möglich ist, dann gibt es noch viele Möglichkeiten der Hilfe von außen. Es lohnt sich allemal, mit anderen einen Ausweg zu suchen. Wahrscheinlich gibt es sogar ähnliche Situationen, aus denen anderen herausgeholfen wurde. Ein solches Beispiel ist der Ausgangspunkt für die Predigt heute. Im Buch des Propheten Jesaja lesen wir im 54. Kapitel folgende Worte:

7 Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. 8 Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.
9 Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. 10 Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

Soweit die Worte aus dem Jesajabuch. Drei Gedanken wollen wir besonders nachgehen:

1. Gottes Zukunft hat tiefe Wurzeln
Die Ankündigung einer zum Guten veränderten Zukunft ist bei Gott kein spontaner Einfall. So wie jede Geschichte eine Vorgeschichte hat, so ist es auch bei Gott. Er sagt seinem Volk eine großartige Zukunft voraus und das ist von langer Hand vorbereitet. Die Bibelkenner wissen es sicher: das Volk Israel ist eine Schöpfung Gottes. Er hatte die Idee, mit dem einen Menschen Abraham zu beginnen und aus ihm über einen langen Zeitraum hinweg ein Volk wachsen zu lassen. Dieses Volk bekam den Auftrag, mit Gott zu leben und so auf Gott hinzuweisen. Die Entstehungsgeschichte dieses Volkes und das Leben in den ersten Jahrhunderten sind einigermaßen dramatisch. Lange Zeit war nicht abzusehen, was wir heute wissen. Gott hatte ein Volk wachsen lassen, in dem lange nach Jesaja Jesus zur Welt kam und in dem die erste Christengeneration ihren Ausgang nahm.
Die Wurzeln der durch Jesaja zugesagten Zukunft reichen also weit zurück und sind geprägt von Gottes Handeln. In der Bibel wird das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk mit einem Vergleich beschrieben, der heute immer weniger verständlich ist. Gott hat sich mit seinem Volk verbunden, wie sich zwei Eheleute verbinden. Gott wollte ohne wenn und aber in guten und schlechten Tagen bei seinem Volk bleiben. Umso schwerwiegender erlebten die Zeitgenossen von Jesaja, wie Gott nicht nur schwieg, sondern scheinbar überhaupt nicht da war. Für das Volk Gottes war es das Schlimmste, wenn Gott nicht mehr erreichbar war. Die Menschen müssen es empfunden haben wie in einer Ehe, in der ein Partner plötzlich weggeht und mit nichts mehr zu erreichen ist. Von Gott aus war das kein Versehen, sondern bewusstes Handeln. Er ließ dem Volk sagen: "Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen". Das ist keine Vergesslichkeit Gottes, wie manche etwas spöttisch meinen und sagen: "Es gibt so viele Probleme auf der Welt, weil Gott die Menschheit vergessen hat." Die Ursachen für Gottes Weggehen lagen im Leben des Volkes Israel. Das Volk war, im Bild der Ehe gesprochen, fremd gegangen. Andere Götter und Götzen waren greifbarer. Fremde Bräuche hatten ihren Reiz. Neue Lehren weckten neues Interesse. Der Bund mit Gott, das Vertrauen im Alltag, das Aufatmen im Gottesdienst verloren ihre Anziehungskraft.
Dieses Verhalten war schwerwiegend, weil das Volk ohne Gott nicht zu denken war. Seine ganze Existenz verdankte es Gott.
Die Bibel nennt die Abkehr von Gott Sünde. Der Schöpfer konnte die Sünde nicht einfach übergehen. Entschieden hat er seine Menschen eine kleine Zeit laufen lassen, damit sie sehen konnten, wohin das führt. Wie stark Gott an seinem Volk interessiert war, können wir aus den Worten erahnen: "Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen." Dennoch kam ein zurückholen mit Gewalt nicht in Frage. Liebe zu Gott war und ist so wenig zu erzwingen wie Liebe in einer Ehe. Es geht nur durch unverdiente liebevolle Zuwendung. Gott bleibt der HERR der Geschichte und er bleibt der Herr des Volkes Israel. Daran ist nicht zu rütteln. "...mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln," kündigt er durch den Propheten an.
Hinter diesen Worten wird das Bild vom guten Hirten erkennbar. In großer Treue kümmert sich der Hirte um seine Schafe. Die, die in den Lebenskrisen zu straucheln drohen, werden vom guten Hirten auf einen gangbaren Weg gebracht. Die, die sich allein gelassen fühlen, werden in die Gemeinschaft zurückgeleitet. Die im Leben zu kurz gekommenen können den Lebenshunger ihrer Seele stillen. Das erleben Menschen seit den Tagen Jesajas, wenn Gott mit großer Barmherzigkeit sein Volk sammelt. Wie er sich dem verirrten Volk zuwendet, lässt sich nur mit großen Worten sagen, weil es eine großartige Sache ist: "...mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser." Der Grund für Gottes Hilfe liegt in seiner grundlosen Liebe. Das ist eine der tiefen Wurzeln für die Zukunft, die Gott seinem Volk zugesagt hat.

2. Gottes Zukunft hat gewagte Zusagen
Der Prophet richtete aus:
"Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will."
Zwischen Noah und Abraham und dem Jesaja liegen jeweils sehr viele Generationen. Alle konnten bestätigen, dass Gott mit seinem Schwur den Mund nicht zu voll genommen hatte. Für den Propheten wird es leicht gewesen sein, diese Botschaft zu verkündigen. Es macht doch einfach Spaß, wenn man den Menschen etwas sagen kann, was ankommt. Schon bei schlechtem Wetter hört es jeder gern, wenn einer besseres Wetter ankündigt. Erst recht war es Balsam in den Ohren der Menschen, als Gott ausrichten ließ: "So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will."
Wir heute sind gewöhnlich umso skeptischer, je größer Versprechungen von Menschen sind. Müssen wir Gott gegenüber nicht auch skeptisch sein? Allein die Ermordung von 6 Millionen Juden unter den Nationalsozialisten und die hart umkämpfte Existenz des Staates Israel bis heute passen doch nicht mit Gottes Schwur zusammen. Wenn wir alle aufgezeichneten Katastrophen aus der Geschichte des Gottesvolkes zusammentragen, haben wir nicht nur lange zu tun, sondern werden wahrscheinlich von Schwermut zu Boden gedrückt. Angesichts dieser Fakten stellt sich für uns dann mindestens die Frage: Wie ernst können wir die Zusagen nehmen, die Jesus, der aus dem Volk Jesajas kommt, uns Christen gegeben hat? Was bedeutet es angesichts von unzähligen christlichen Märtyrern, wenn Jesus seinen Nachfolgern versichert: "Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen" (Johannes 10,29)?
Diese Fragen werden zu Recht immer wieder gestellt. Leider gibt es keine leicht eingängige Antwort. Aber wir können verschiedene Beobachtungen machen.
Gottes Zusage gilt seinem Volk insgesamt. Über die Generationen hinweg und durch Katastrophen hindurch führt Gott sein Volk in die Zukunft. Einzelne oder auch ganze Generationen können Verlassenheit von Gott erleben. Aber sie können sich auch darin an die Zusagen Gottes erinnern und daran festhalten. Genaues Hinsehen und Lesen lohnt sich auch hier. Die bewusste Erinnerung an die Noah-Geschichte zeigt nämlich eine Besonderheit der Zusage Gottes, die der Prophet weitergibt.
So wie der Bund Gottes mit Noah nach der Sintflut für alle Menschen auf der ganzen Erde Bedeutung hatte, so soll es jetzt wieder sein. Die Zusagen Gottes sollen ein Segen für alle Menschen werden. Die Menschen, die Gott in seine Gemeinschaft beruft, treffen sich nicht nur, um sich zu stärken, um eigene Belastungen abzuladen und um miteinander fröhlich Gott zu feiern. Vielmehr soll aus ihrer Mitte Gutes überfließen. Die Zusammenkünfte sind deutlich auf alle Menschen hin ausgerichtet. Es wird für andere gebetet und mit der Kollekte ganz praktische Hilfe vorbereitet. Der Prophet konnte sich bei aller Kühnheit wohl kaum vorstellen, dass seine Worte heute fast auf der ganzen Welt gelesen und bedacht werden. Aber wir können das heute wahrnehmen. Dass Gottes Zukunftszusagen für sein Volk für alle Menschen auf der Erde Bedeutung haben, mag damals sehr gewagt erschienen sein. Für uns ist es eine bekannte Tatsache. Wir werden damit noch viel stärker als das alte Volk Gottes ermutigt, die großen Versprechen Gottes ernst zu nehmen. Sie laden uns ein, Vertrauen zu wagen und Gott mehr zuzutrauen als uns selbst.
Gott hat eine Zukunft für alle Menschen vorbereitet. Dank des Jesajabuches ist das nicht nur ein Schlagwort. Das Buch weist auf eine wichtige Einzelheit hin:

3. Gottes Zukunft hat klare Umrisse
Der Prophet schreibt: "Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer."
Berge und Hügel als weithin sichtbare und standsichere Orte zählten für die Menschen des Altertums zu den Garanten für Gottes Treue. So wenig wie Berge einfach verschwinden konnten, so wenig konnte Gottes Treue einfach erlöschen.
Aber Jesaja kündigt für damalige Verhältnisse unvorstellbare Umwälzungen an. Wer mit Gott lebt, soll auch auf das Schlimmste vorbereitet sein. Der Schöpfer der Welt ist kein Weltpolizist, der jeden Angriff auf seine Schöpfung im Keim erstickt. Er lässt die Kräfte des Bösen gewähren. So ist irgendwann ihr wahres Gesicht zu erkennen. Aber was auch geschieht, "der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer." Unmögliche Situationen hindern Gott nicht daran, an seinem Volk und an einzelnen Menschen festzuhalten. Selbst wenn die Verbündeten Gottes von seiner Treue nichts mehr sehen und das Vertrauen zum Herrn abgrundtief erschüttert ist, sind sie noch in Gottes Frieden eingeschlossen. Wenn wir heute globale Veränderungen zum Teil mit Angst erleben, dann gilt für uns Gottes Friedenszusage immer noch. Selbst wenn eine Zerstörung der Welt denkbar geworden ist und längst im Raubbau mit den bekannten Folgen geschieht, dann kann uns Gott die Gelassenheit des inneren Friedens gewähren. Damit wird keineswegs unser Handeln gegen die Zerstörung der Welt unterbunden. Vielmehr schafft der Frieden in uns eine Plattform von der aus wir nicht wild hektisch um uns schlagen, sondern wohl bedacht handeln. Weil Gott durch Jahrhunderte beharrlich seinen Frieden zugesagt und gegeben hat, kann er uns in die Zukunft begleiten. Sein Frieden ist unsere Hoffnung.
Fassen wir unsere Gedanken noch einmal zusammen:

1. Gottes Zukunft hat tiefe Wurzeln.
Durch viele Generationen hat Gott sein Volk wachsen lassen. Dieser Weg ist mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen angefüllt. Er ist trotz der Sünde des Volkes Gottes nicht einfach zu Ende.
2. Gottes Zukunft hat gewagte Zusagen.
Auch wenn Gottes Volk Not und Krisen durchstehen muss, aus seiner Mitte wird etwas von Gottes Treue überfließen. Andere werden sehen, wie Gott seine Versprechen hält.
3. Gottes Zukunft hat klare Umrisse.
Sein Frieden ist uns zugesagt. Davon kann ihn keine Umwälzung in der Welt abhalten. Das ist unsere Hoffnung.
Amen.

Verfasser: Pfarrer Matthias Heinrich, Breite Strasse 20, 39517 Tangerhütte

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