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Christen leben aus der Taufe, dem Zeichen ihrer Erwählung.

von Michael Tönges-Braungart (61348 Bad Homburg )

Predigtdatum : 07.07.2013
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 5. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Jesaja 43,1-7
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Leitbild:

Christen leben aus der Taufe, dem Zeichen ihrer Erwählung.



Wochenspruch:

"Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte die nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!" (Jesaja 43, 1)



Psalm: 139, 1 - 16. 23 - 24



Lesungen

Altes Testament: Jesaja 43, 1 - 7



Epistel: Römer 6, 3 - 8 (9 - 11)



Evangelium: Matthäus 28, 16 - 20



Liedvorschläge

Eingangslied:

Wochenlied:

Predigtlied:

Schlusslied:



Liebe Gemeinde,

(Personalausweis zeigen)

so einen Ausweis haben wir alle. Da ist ein Foto drauf, das uns mehr oder weniger ähnlich sieht; da stehen einige persönliche Angaben wie Geburtsdatum, Augenfarbe, Körpergröße und Wohnort Und da-zu noch eine ganze Reihe Zahlenkombinationen. Vielleicht kommt in ein paar Jahren auch noch ein Strichcode oder ein Magnetstreifen dazu. Vor allem aber steht mein Name auf dem Ausweis. Mit ihm werde ich identifiziert. Mein Name steht für meine ganze Person.



Der Name ist gleich das erste, was ein Kind nach seiner Geburt bekommen. Den Nachnamen bekommt es automatisch durch den Familiennamen der Mutter oder der Eltern. Den Vornamen haben Eltern meistens vor der Geburt schon ausgesucht. Und wenn das Kind dann auf der Welt ist, dann hat es sofort diesen Namen. Meistens bekommt es in der Klinik dann schon ein kleines Armband, auf dem der Name draufsteht, damit die Kinder nicht verwechselt werden. Im Judentum war es üblich, dass der Vater nach der Geburt dem Kind den Namen gab. Und indem er das tat, erkannte er seine Vaterschaft an und bekannte sich zu diesem Kind. Einem Neugeborenen den Namen geben, bedeutete zugleich: „Das ist mein Sohn; das ist meine Tochter! Ich will für das Kind sorgen!“



Wir tragen ja zum einen einen Familiennamen. Der sagt, wo ich her komme, zu welchen Menschen ich gehöre. „Wem seist dau do?“, fragen die Leute ein Kind, wenn sie nicht wissen, zu welcher Familie es gehört. Mein Nachname ordnet mich in eine Familie und in ihre Geschichte ein. Und je nachdem, welchen Klang dieser Name in einem Dorf hat, kann das eine Last oder eine Auszeichnung sein. Weil die Leute, wenn sie diesen Namen hören, sagen oder denken: „Aha!“



Für die Älteren im Dorf spielt dann oft noch der Hausname eine Rolle, der meistens gar nichts mit dem Familiennamen zu tun hat, sondern Erinnerungen an frühere Zeiten und an frühere Hausbewohner oder Familienangehörige aufbewahrt.



Mein Familienname gehört zu mir und identifiziert mich. Und manchen, die bei der Heirat ihren Familiennamen abgeben, fällt das gar nicht so leicht. Denn Namen sind eben nicht nur Schall und Rauch.

Der Vorname bleibt mir ein Leben lang. Und er ist noch einmal etwas Besonderes. Denn nicht jedem erlaube ich es, mich beim Vornamen anzureden. Und schon gar nicht bei der Koseform, die nur Freunde und Familienangehörige verwenden dürfen. Auch wenn ich meinen Vornamen natürlich mit vielen anderen Menschen teile, hat er doch für mich einen ganz besonderen Klang, wenn Eltern, Partner oder Partnerin oder Freunde mich mit meinem Vornamen anreden. Auch für Kinder ist er wichtig. Denn bevor sie „ich“ sagen können, sprechen sie von sich selber in der dritten Person mit ihrem Namen: „Eva will...“ Und wenn unsere Tochter irgendwo ein großes E entdeckt, ist sie immer ganz stolz: „E wie Eva!!“



Mein Name gehört zu mir. Ja, man könnte sagen: Ich bin mein Name. Seinen Namen für etwas hergeben, bedeutet: Mit der ganzen Person für eine Sache einstehen. Mit dem Namen zu unterschreiben, bedeutet: Ich lege mich auf das fest, was ich unterschrieben habe. Andere können mich beim Wort nehmen.



Mein Name – das ist etwas anders als ein Strichcode oder eine Nummer. Und am Ende wird mein Name auch einmal auf meinem Grabstein stehen.



„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Gott ruft mich beim Namen. Gott hat meinen Namen genannt – quasi gleich nach meiner Geburt – und mich damit anerkannt: „Du bist mein Kind! Ich will für dich da sein!“ Gibt es eine schönere Liebeserklärung Gottes als diese? Bei der Taufe wird sie jedem Menschen als Taufsegen ganz persönlich zugesagt. Auch wenn ein kleines Kind das noch nicht verstehen kann – diese Zusage steht mit der Taufe über seinem ganzen Leben.



Fürchte dich nicht! Du musst keine Angst haben, einfach nur einer oder eine unter vielen zu sein! Du musst keine Angst haben, in der Masse unterzugehen! Und du musst auch nicht um jeden Preis auffallen und versuchen, etwas Besonderes zu sein, etwas Besonderes aus dir zu machen. Ich kenne dich mit Namen! Du bist mir unendlich wichtig! In meinen Augen bist du immer schon etwas ganz Besonderes. Ganz gleich, ob du dir selber bedeutend oder unbedeutend vorkommst. Ganz gleich, ob du dich selber leiden kannst oder nicht. Ganz gleich, ob du dir einmal einen Namen machst oder nicht. Bei mir hast du einen. Unverwechselbar und einzigartig und unvergleichlich!



Fürchte dich nicht! Du musst keine Angst haben, einfach nur eine Nummer oder ein Strichcode zu sein in den Karteien von Arbeitgebern und Krankenkassen, von Renten- und Pflegeversicherungen. Du musst keine Angst haben, nur irgendein kleines Rädchen in einem großen Getriebe zu sein, jederzeit auswechselbar und ersetzbar. Du musst keine Angst haben, irgendwann nur noch als Kostenfaktor in irgendwelchen Bilanzen aufzutauchen. Du bist ein ganz besonderer Mensch. Du bist mir wertvoll. Ganz gleich, welche Leistungen du erbringst und welches Ansehen du dir verschaffst. Ganz gleich, ob du dir nutzlos vorkommst oder ob du den Eindruck hast, dass sowieso keiner nach dir fragt. Ich kenne dich! Du bist für mich jemand! Nichts und niemand kann daran etwas ändern. Und du bist für mich durch nichts und niemand zu ersetzen!



Gibt es eine schönere Liebeserklärung Gottes an uns als diese? Gott kennt uns mit Namen. Er vergisst unseren Namen nicht gleich wieder, so wie wir manchmal den Namen eines Menschen, dem wir begegnet sind, nach ganz kurzer Zeit schon wieder vergessen haben. Gott erinnert sich an uns! Und er hat uns mit Namen gerufen. Gott ruft uns bei unserem Namen!



Wenn jemand uns mit Namen ruft, kann das ja durchaus unterschiedlich klingen. Und dementsprechend unterschiedlich reagieren wir darauf.



Wenn ich unsere Eva im Kindergarten abhole dann ist sie manchmal gerade völlig ins Spiel vertieft. Wenn ich dann ihren Namen rufe, dann strahlt sie und läuft mir entgegen. Das heißt: Papa ruft mich mit Namen! Ich bin geborgen! Die Welt ist in Ordnung!



Wenn ich als Erwachsener irgendwo in einer großen Menge stehe – auf einem Bahnhof oder einem Flughafen zum Beispiel – und nicht so recht weiß, wo ich hin muss und Ausschau halte nach einem bekannten Gesicht, und wenn ich dann auf einmal höre, wie jemand mich beim Namen ruft, dann bin ich erleichtert. Dann weiß ich: Ich bin hier nicht allein; ich bin nicht auf mich selber gestellt; ich werde erwartet; jemand kümmert sich um mich.



Und wenn der Mensch, den ich liebe, mich bei meinem Vornamen anspricht, ganz zärtlich vielleicht; vielleicht bei einer Liebeserklärung – dann geht für mich die Sonne auf; dann schwebe ich sozusagen auf Wolke sieben; dann kann nichts mehr mein Glücksgefühl trüben.



Es gibt natürlich auch andere Gelegenheiten, bei denen ich bei meinem Namen gerufen werde. Wem ist es zum Beispiel in der Schulzeit nicht manchmal so ergangen: Man sitzt im Unterricht und döst ein wenig vor mich hin und hängt seinen Gedanken nach, und auf einmal hört man, wie der Lehrer den eigenen Namen ruft. Man zuckt zusammen und ist mit einem Mal hellwach: Was hat er jetzt gesagt? Hab‘ ich was verpasst? Was will er von mir? Die anderen grinsen schon. Peinlich, peinlich....



Wenn meine Eltern mich früher mit Vor- und Nachnamen gerufen haben, vielleicht noch besonders deutlich ausgesprochen und betont, dann wusste ich: Jetzt droht Ungemach! Manchmal wusste ich ja genau, weshalb sie mich riefen und was ich angestellt hatte. Manchmal habe ich auch schnell noch mal mein Gewissen erforscht: Was kann‘s denn nur gewesen sein? Hast du was vergessen?



Und schließlich kommt es vor, dass jemand meinen Namen in so zornigem oder gar wütendem Ton ruft, dass ich zusammenzucke und eigentlich nur noch in Deckung gehen kann. Obwohl ich genau weiß: jetzt gibt’s kein Entkommen. Und selbst wenn ich versuche abzutauchen – der Zorn verraucht nicht so schnell. Ich werde mich ihm stellen müssen.



Wenn jemand mich mit Namen ruft, dann kann das durchaus unterschiedlich klingen. Und ich reagiere dann auch unterschiedlich darauf: erfreut, erleichtert, glücklich, erschrocken, schuldbewusst und manchmal vielleicht auch ängstlich.



Ich denke, wenn Gott mich mit Namen ruft, dann hat das auch von alldem etwas. Es kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. Ich kann seine Stimme in Worten aus der Bibel hören; oder zum Beispiel sonntags im Gottesdienst in der Predigt; oder im Unterricht; oder in dem, was andere Menschen zu mir sagen; oder in Musik; oder auch in Erlebnissen mit der Natur. Wenn Gott mich mit Namen ruft, wenn er mich ganz persönlich anspricht, sodass ich spüre: „Ich bin gemeint! Um mich geht’s!“, dann hat das von all den verschiedenen Weisen etwas an sich, auf die Menschen mich ansprechen.



Er ruft mich manchmal so, wie Eltern ihr Kind rufen, wenn sie es herbeilocken wollen. Er ruft mich manchmal so, wie ich jemanden aus einer großen Menschenmenge herausrufe, weil ich ihn suche. Er nennt meinen Namen manchmal so, wie Liebespaare sich beim Namen nennen, wenn sie zärtlich sind. Manchmal schreckt er mich allerdings auch auf, wenn ich nur so vor mich hin dämmere und unsere Umgebung gar nicht richtig wahrnehme; wenn ich Wichtiges verpasse oder mir selbst zu schnell genug bin. Wenn Gott mich beim Namen ruft, dann mitunter auch, um mich an Versäumtes zu erinnern oder auf Dinge hinzuweisen, die ich falsch gemacht habe; oder um mich an meine Verantwortung zu erinnern – z.B. für andere Menschen. Und sicher gibt es auch Gelegenheiten, wo er mich ganz zornig beim Namen ruft und ich zusammenzucke. Weil ich nicht nur irgendeinen kleinen Fehler gemacht oder irgendeine kleine Nachlässigkeit begangen habe, sondern weil ich ihn verletzt oder völlig vergessen habe, weil ich mich einfach über ihn hinweg gesetzt habe- weil ich ihn nicht beachtet und geachtet habe – auch in den Menschen, mit denen ich zu tun habe.



Wenn Gott mich beim Namen ruft, kann seine Stimme auch ganz unterschiedlichen Klang haben. Eines aber gilt und wird nicht aufgehoben: das „Fürchte dich nicht!“ am Anfang. Es steht da wie eine Überschrift; wie in der Mathematik ein Vorzeichen vor einer Klammer, das alles, was in der Klammer steht, bestimmt. „Fürchte dich nicht!“ Das gilt. Auch dann, wenn Gottes Stimme einmal einen zornigen Unterton hat.



„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Amen.



Verfasser: Dekan Michael Tönges-Braungart

Heuchelheimer Straße 20, Bad Homburg


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