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Das Abendmahl

von Martina Horak-Werz (67377 Gommersheim)

Predigtdatum : 09.04.2020
Lesereihe : II
Predigttag im Kirchenjahr : Gründonnerstag
Textstelle : 2. Mose 12,1-4(5)6-8(9)10-14
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Wochenspruch: Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr. (Psalm 111,4)

Psalm: 111 (EG 744)

Predigtreihen

Reihe I: 1. Korinther 11,(17-22)23-26(27-29.33-34a)
Reihe II: 2. Mose 12,1-4(5)6-8(9)10-14
Reihe III: Matthäus 26,17-30
Reihe IV: 1. Korinther 10,16-17
Reihe V: Lukas 22,39-46
Reihe VI: Johannes 13,1-15.34-35

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 225 Komm, sag es allen weiter
Wochenlied: EG 229 Kommt mit Gaben und Lobgesang
Predigtlied: EG 228 Er ist das Brot, er ist der Wein
Schlusslied: EG 395 Vertraut den neuen Wegen

Predigttext 2. Mose 12,1-4(5)6-8(9)10–14

Einsetzung des Passafestes

1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland:
2 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen.

3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus.
4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er's mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können.
(5 Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr's nehmen)
6 und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend.
7 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie's essen,
8 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen.
(9 Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen.)
10 Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr's mit Feuer verbrennen.
11 So sollt ihr's aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des HERRN Passa.
12 Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der HERR.
13 Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage.
14 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Liebe Gemeinde,

in vielen Familien gab es heute Spinat und Spiegelei zu essen. Oder vielleicht auch etwas anderes Grünes. Haben Sie auch solche Traditionen in der Familie, dass es an bestimmten Tagen spezielle Gerichte gibt?
(Hier eventuell eigene Beispiele nennen.)

Woher das mit dem Spinat, der in vielen Familien gerade an Gründonnerstag gegessen wird, eigentlich kommt, war nicht herauszufinden. Trotzdem ist es schön, solche Bräuche zu haben. Essen spielt ja überhaupt eine äußerst wichtige Rolle in unserem Leben und auch im Zusammenhang mit unserem Glauben.

Gerade der Tag heute hat doch insgesamt etwas mit Essen zu tun, besser gesagt mit gemeinschaftlichem Essen. Wir den-ken heute schließlich ganz besonders an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngerinnen und Jüngern. Auch wenn an diesem Abend auch schon etwas Trauriges mitschwingt, denn es geht ja um einen Abschied, um den Beginn des Leidenswegs Jesu, steht doch das festliche Mahl als Feier der Gemeinschaft im Vordergrund. 

Wir erinnern uns heute ganz besonders daran, wie Jesus den Seinen gezeigt hat, wie sie Anteil an ihm haben für immer. „Solches tut zu meinem Gedächtnis“, so werden auch wir auf-gefordert, Jesus in unserer Gemeinschaft lebendig zu erhal-ten Immer wieder sollen wir einen Vorgeschmack bekommen darauf, wie es bei Gottes großem Festmahl sein wird.

Jesus hat das Passahmahl mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gefeiert. So wie es vor ihm schon Generationen von jüdischen Menschen getan haben und wie es bis heute in jüdischen Familien üblich ist. Es ist die gemeinschaftliche Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Da geht es um Be-freiung aus Unterdrückung und Unfreiheit und ganz beson-ders um die Zuversicht, dass diese Befreiung für alle Zeiten gilt. Immer wieder neu.

Gott will uns helfen, uns von allem zu befreien, was uns am Leben hindert. Gott hilft Menschen, die sich gefangen fühlen. Gott ist bei uns, wenn wir uns festgelegt und festgefahren fühlen und will uns befreien.

Das hat damals das Volk Israel bei seinem Auszug aus Ägyp­ten erfahren. Gott hat ihnen geholfen, sich aus der Gefan-genschaft zu lösen und sich auf den Weg in ein neues Leben zu machen. Bevor sie aufbrechen sollen sie noch ein gemein-sames Mahl zu sich nehmen. Sozusagen als Stärkung für den Weg, der vor ihnen liegt.

Ihr Aufbruch ist nicht leicht. Sie müssen viele Hindernisse überwinden, die ihnen in den Weg gelegt werden, bis sie end-lich aufbrechen können. Sehr bildreich erzählt uns die Bibel von Katastrophen, die Ägypten plagen, um den Pharao zu überzeugen, das Volk Israel ziehen zu lassen. Damit sie nun selbst vor der schlimmsten aller denkbaren Plagen, dem Töten aller Erstgeburten, verschont bleiben, sollen sie ein Blutzeichen an ihre Türen machen.

Das ist ja eigentlich eine ganz grausame Geschichte, liebe Gemeinde. Dass solche grausamen Dinge geschehen sind und leider auch bis heute immer wieder geschehen, das lässt sich nicht leugnen. Ich persönlich glaube aber nicht, dass Gott so etwas tun würde. Für mich klingt das eher nach der Fantasie eines unterdrückten und geknechteten Volkes. Daraus spricht die verzweifelte Hoffnung auf Genugtuung für alle erlittenen Ungerechtigkeiten und darauf Rache für alle Schmach zu bekommen.
Genau wie der Pharao vor langer Zeit die Ermordung aller hebräischen neugeborenen Jungen angeordnet hatte, so sollte es jetzt ihn selbst treffen.

Wie uns die Bibel in ihrer Gesamtheit jedoch sehr deutlich macht, verhält sich Gott doch ganz anders als wir Menschen. Solche schrecklichen Dinge wie Sippenhaftung und Bestra-fung unschuldiger Menschen und anderer Lebewesen, das sind definitiv menschliche Erfindungen.

Grund zur Freude und zum Feiern ist allerdings die Erfahrung, vor einer schrecklichen Katastrophe bewahrt worden zu sein. Daran erinnert diese Geschichte. Gott hat das Volk Israel vor der Bedrohung beschützt. Mit diesem Tag beginnt eine neue Zeitrechnung. Ein neues Zeitalter wird anbrechen. Was wird auf sie zukommen? Das ist spannend.

Viele Erwartungen und Hoffnungen verbinden sich mit einem Neuanfang. Aber auch eine ganze Menge Ängste. Was wird die Zukunft uns bringen? Wohin wird es uns verschlagen? Welche Gefahren werden uns unterwegs begegnen, welche unvorhersehbaren Ereignisse uns bedrohen? So mögen sie sich gefragt haben. Die einen freuten sich auf die Verän-derungen, die anderen waren skeptisch. Hier wissen wir, was wir haben. Auch wenn es schlecht ist. Es ist immer noch bes-ser, als sich ins Ungewisse vorzuwagen. Aber die Entwicklung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Es soll nun endlich losge-hen, anders werden. Und als Stärkung nun noch dieses ge-meinsame Mahl. Reisefertig, bereit zum Aufbruch, gestiefelt und gespornt sozusagen. Die Lenden gegürtet, die Schuhe an den Füßen, den Wanderstock in der Hand.

Hier wollen Menschen wirklich losgehen. Sie lassen entschlos-sen Altes hinter sich, wollen Neues anpacken. Sie nehmen kein Gepäck mit, nichts, was unterwegs belasten könnte, sie haben die Hände frei. Das war im Falle der biblischen Geschichte sicher nicht einmal so schwer, denn die Menschen hatten nicht viel zu verlieren. Sie ließen Gefangenschaft und Unterdrückung hinter sich. Sie hatten die große Hoffnung auf eine verheißungsvolle Zukunft im gelobten Land.

Das brauchen wir aber auch, liebe Gemeinde, wenn wir den Aufbruch wagen sollen. Wenn wir alte Sicherheiten hinter uns lassen sollen. Die meisten Men­schen können sich doch nur schwer vorstellen, sich von Alt­gewohntem trennen zu müssen und sich für etwas Neues zu ent­scheiden. Im Moment des Aufbruchs wird uns meist erst richtig klar, wie sehr wir noch am Alten hängen. Wir sind alle verstrickt in alle möglichen Zusammenhänge. Da sind auch etliche Zusammenhänge dabei, die uns nicht zum Guten dienen, ja wo wir uns vielleicht sogar schuldig machen. Es fällt den meisten Menschen schwer, sich von Gewohntem zu lösen, von lieb-gewordenen Einstellungen, von eingebürgerten Lebens-formen.
(Hier eventuell ein persönliches Beispiel oder aus dem Umfeld der Gemeinde.)

Liebe Gemeinde, wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir einiges ändern müssten in unserem Leben. Wir müssten vieles verändern, damit z. B. unsere Umwelt eine Chance hat zu überleben, damit keine Menschen mehr ver-hungern müssen oder niemand unterdrückt wird.

Aber der Aufbruch in andere Lebensmöglichkeiten, die weder uns noch andere zerstören, erscheint uns oft unmöglich. Dabei liegt es oft daran, dass wir uns von der Aussicht auf den langen schweren Weg, der vor uns liegt, entmutigen lassen. Und dabei vergessen wir, dass jeder noch so lange Weg schlicht und ergreifend mit dem ersten kleinen Schritt beginnt.

Liebe Gemeinde, lassen Sie uns doch einmal wieder einen ersten kleinen Schritt wagen! Machen wir uns sozusagen reisefertig, überlegen wir uns, wohin wir den ersten Schritt setzen könnten auf dem Weg zu einem neuen Leben.
Es gibt viele Möglichkeiten anzufangen, z. B. in den nächsten Tagen auf nur eine Person zugehen, mit der wir ein Problem haben. Das wäre doch schon einmal ein Anfang.

Liebe Gemeinde, es gibt viele kleine Schrittchen, die wir alle hier tun können, um mitzuarbeiten an der Bewahrung von Gottes guter Schöpfung und wo wir persönlich uns einsetzen können für Frieden und Gerechtigkeit. Auch wenn die ein-zelnen Schrittchen uns noch so klein und unbedeutend er-scheinen, kann uns das bekannte afrikanische Sprichwort Mut machen:

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.”

Liebe Gemeinde, lassen Sie uns diese Abendmahlsfeier als Zeichen des Aufbruchs verstehen. Gott ist mit uns, wenn wir in ein neues Leben aufbrechen. Gott hilft uns freizukommen, wenn wir gefangen, festgelegt oder festgefahren sind. Im Abendmahl wollen wir uns stärken für den Aufbruch. AMEN

Verfasserin: Pfarrerin Martina Horak-Werz, Gommersheim


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