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Das Gebet für die Kranken

von Iris Schmitt (Einöllen)

Predigtdatum : 15.10.2023
Lesereihe : V
Predigttag im Kirchenjahr : 19. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Jakobus 5,13-16
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Wochenspruch: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ (Jeremia 17,14)

Psalm: 32,1-7 (EG 717)

Predigtreihen

Reihe I: Johannes 5,1-16
Reihe II: Epheser 4,22-32
Reihe III: Jesaja 38,9-20
Reihe IV: Markus 2,1-12
Reihe V: Jakobus 5,13-16
Reihe VI: 2. Mose 34,4-10

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 168,1-3 Du hast uns, Herr, gerufen
Wochenlied: EG 324,1-7 Ich singe dir mit Herz und Mund
Predigtlied: EG 408,1-3+4-6 Meinem Gott gehört die Welt
Schlusslied: EG 168,4-6 (Du hast uns, Herr, gerufen)

Predigttext: Jakobus 5,13-16

13 Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. 14 Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. 15 Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. 16 Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder!

Beten kann Berge versetzen!
Ja, ich habe das schon einige Male in meinem Leben erfahren dürfen.

Das Gebet – die Danksagung und das Sich-Hinwenden zu Gott – ist in den drei Religionen, die den einen Gott verehren und bezeugen, die stärkste Ausdrucksweise ihres Glaubens. Das gilt für Christenmenschen ebenso wie für Juden und Muslime.

Ein Gebet kann Kräfte bündeln.
Es lässt einen Menschen zur Ruhe kommen.
Ein Gebet kann neue Kräfte freisetzen.
Ein Gebet lässt tief blicken.

Ich merke bei mir und bei meiner Mitarbeit in der Kirchengemeinde, dass „Beten“ einen roten Faden bildet für meinen gelebten Glauben.

Ein paar Beispiele [hier sollen eigene Beispiele eingesetzt werden]:

  • Mich persönlich begleiten jeden Tag die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine, oft mit Luthers Morgen- und Abendsegen.
  • Bevor ich in der Schule mit den Inhalten des Religionsunterrichts beginne, beten und singen wir zusammen.
  • Bei der Konfirmandenarbeit starten wir gemeinsam mit dem Wochenpsalm und singen auch regelmäßig.
  • Ein kurzes, meist stummes Gebet vor dem Essen macht mich dankbar für all das, was da Leckeres auf den Tisch kommt.
  • In der Seelsorge schließe ich fast immer mit einem Gebet und dem Segen, bevor ich mich von den Menschen verabschiede.

Für mich lehrt Beten auch Demut und Dankbarkeit.
Ich bin behütet und glücklich aufgewachsen.
Auch trotz manch familiärer Schicksalsschläge wurde bei uns immer – oder sollte ich sagen: gerade auch deswegen – gerne gefeiert und gelacht, gut gegessen und getrunken.
Krankheit, Leiderfahrungen, Sterben und Tod sind bei uns nie ein Tabu gewesen.

Schon als Kinder wurden wir in allen Lebenslagen eingebunden. Wir sind sowohl bei Krankenbesuchen mitgegangen wie auch zu Beerdigungen auf den Friedhof mitgenommen worden.
Vielleicht sind mir deshalb die Worte der Bibel zum heutigen Sonntag so vertraut – so vertraut und tröstend wie auch hoffnungsvoll.
[Auch hier: eigenes Erleben nennen.]

Wenn ich aktuell die vielen Debatten über den Strukturwandel in unseren Kirchen höre und miterlebe, dann macht mich persönlich das eher müde und krank.

Natürlich kenne und erlebe auch ich die harten Fakten der kirchlichen Realität: Wir werden kleiner, weniger und ärmer.

Aber mittlerweile antworte ich darauf: „Ja – und?“
Gab es diese Hoch- und Tiefzeiten nicht schon seit Beginn des Christentums?

Ich erlebe, dass Realitäten sowohl vor Ort als auch im näheren und weiteren Umfeld sind ändern, wandeln.
Aber ich möchte lieber die „Chancen“, die darin liegen, erkennen und umsetzen als beim Jammern und Lamentieren stehen zu bleiben.

Deshalb: I have a dream… (Martin Luther King):

  • Ich träume davon, dass wir uns in unserer kirchlichen Arbeit auf die Verkündigung der frohen Botschaft konzentrieren.
  • Ich träume davon, dass alle christlichen Geschwistern vor Ort eine lebendige Bet- und Mahlgemeinschaft sind.
  • Ich träume davon, dass die Getauften ihre Talente und Begabungen miteinbringen in die Gemeinde Jesu Christi vor Ort. So ist keiner zu viel und keiner zu wenig gefordert.
  • Ich träume davon, dass die Gemeinde wieder aus „lebendigen Steinen“ um den Eckstein Jesus Christus besteht.
  • Und ich träume davon, dass wir so auch in guter Nachbarschaft und Freundschaft auf die Menschen zu- und eingehen können, die einen anderen Glauben haben.

[Parkplatz für eigene Träume lebendiger Kirche und gelungenen Miteinanders.]

Träume sind schön.
Sie lassen mich für einen kurzen Moment aus der Wirklichkeit entfliehen.
Aber: Ich muss wieder zurückkehren – in diese Welt und in den Alltag.
Trotzdem sind diese Aus-Zeiten wichtig.
Aus-Zeiten, die vom Gebet bereichert werden.

Das Gebet ist das verbindende Moment der Christen.
In Gottesdiensten gehört es immer mit dazu.
Das Gebet des Herrn verbindet alle christlichen Konfessionen miteinander.

Beten kann jeder Mensch.
Nicht immer sind dazu eigene Worte nötig.
In der Bibel haben wir für alle Lebenssituationen passende Gebetsworte.

„Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.“ (Vers 13)

Vom reichhaltigen Schatz der Heiligen Schrift können und sollen Christenmenschen täglich Gebrauch machen im Beten.
Dafür ist das stille Kämmerlein geeignet, um für sich Einkehr zu üben.
Dann aber braucht es auch die Fürbitte der ganzen Gemeinde.

Kein Christenmensch lebt und glaubt und betet für sich allein.
Eine möglichst lebendige Gemeinschaft ist unsagbar wichtig.
Sie trägt und stärkt, hält Leid mit aus und freut sich mit den Glückseligen.

„Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.“ (Vers 15)

Ich finde, diese Bibelworte sprechen für sich.
Und manchmal kann man diese Worte auch noch mit liebevollen Gesten unterstreichen.

Die Krankensalbung hat in unserer katholischen Schwesterkirche eine bis heute lebendige Tradition.
Und in christlicher Gemeinschaft möchte ich alle Getauften ermutigen, diese wohltuende Geste auch selbst zu praktizieren, wenn es die Lebenssituation erfordert.

Wir dürfen als selbstbewusste Protestantinnen und Protestanten selbst „Hand anlegen“ und Menschen segnen und salben.
Wir brauchen dabei nicht auf den Pfarrer oder die Pfarrerin zu warten.
Als Getaufte leben wir ein gemeinsames Priestertum im christlichen Glauben, wie es uns Martin Luther auf die Fahnen geschrieben hat.

„Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“

Gesundwerden hat viel zu tun mit eigenem, innerem Einvernehmen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.
Wenn ich selber mit mir (einigermaßen) im Reinen bin, dann kann ich auch anderen etwas Gutes tun.

Deshalb macht es mich trotz aller gegenwärtiger Strukturdebatten hoffnungsvoll, dass wir als christliche Kirche mit unserem Eckstein Jesus Christus – mit seinen Worten und Taten – im Gebet und in der Mahlgemeinschaft (Sonn-)Tag für (Sonn-) Tag im Kleinen wie im Großen auf gutem Weg in die Zukunft sind.

Wir haben einen großen Schatz in Jesus Christus.
Von diesem Schatz können wir täglich Menschen etwas Gutes tun – da, wo wir in unseren jeweiligen Alltagen wirken.
Packen wir es an! Wir sind nicht allein!
Jesus Christus gibt uns Zukunft!
Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Iris Schmitt, Kirchengemeinde Niederkirchen-Heimkirchen, Dekanat An Alsenz und Lauter, Evangelische Kirche der Pfalz


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