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Das Leben im Geist - Mahnung zur Brüderlichkeit

von Gottfried Steffens (Homburg)

Predigtdatum : 25.09.2022
Lesereihe : IV
Predigttag im Kirchenjahr : 15. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Galater 5,25-6,10
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Wochenspruch: All eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1. Petrus 5,7)

Psalm: 127,1-2

Lesungen

Reihe I:1. Petrus 5,5b-11
Reihe II:1. Mose 2,4b-9(10-14)15(18-25)
Reihe III:Lukas 17,5-6
Reihe IV:Galater 5,25-6,10
Reihe V:1. Mose 15,1-6
Reihe VI: Matthäus 6,25-34

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 155 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend
Wochenlied: EG 369 Wer nur den lieben Gott
Predigtlied: EG 413 Ein wahrer Glaube
Schlusslied: EG 170 Komm, Herr, segne uns

Predigttext: Galater 5,25–6,10

25 Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. 26 Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.

6, 1 Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. 2 Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. 3 Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. 4 Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern. 5 Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen. 6 Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allen Gütern. 7 Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. 8 Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. 9 Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. 10 Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Predigt

Liebe Gemeinde,

in unserem heutigen Predigttext werden wir aufgefordert, bewusst als Christ unser Leben zu führen. Doch was bedeutet das? Worauf kommt es dabei an?

Ich fasse zusammen, was Paulus uns hier ans Herz legt:

Allen Menschen Gutes tun, indem wir ihre Lasten (auch ihre Fehler) sehen, ihnen tragen und zurecht helfen. Und damit sollten wir bei denen anfangen, die uns am nächsten stehen: Die mit uns durch den Glauben verbunden sind (wörtlich in 6,10: die Hausgenossen des Glaubens).

Wir leben durch den Geist, d. h. wir leben im Glauben an den Juden Jesus aus Nazareth. Das ist die Grundlage.
Jesus hat im Volk Israel den Glauben an seinen Vater im Himmel als den Gott der Liebe gelehrt und damit alle anderen Völker mit eingeschlossen. Er selbst hat durch den Tod am Kreuz die Schuld aller Menschen unter die Vergebung Gottes gebracht. Durch seine Auferstehung von den Toten hat er die Überwindung des Todes für alle Menschen geschaffen. Und schließlich ist er als Auferstandener in den Himmel an die rechte Seite des allmächtigen Gottes gegangen. Von dort beschenkt er alle, die an ihn glauben mit seinem Geist, der das Leben auf dem Boden dieser Heilstatsachen ermöglicht. So wie Paulus es uns im Anfang unseres heutigen Predigttextes sagt: „Wir leben durch den Geist.“

Durch diesen Geist sollen wir nun auch wandeln, d.h. unser Leben führen. Dabei kommt es darauf an, dass wir grundsätzlich lernen, unser eigenes Ich zurückzustellen und uns immer mehr von dem Blick auf den Mitmenschen lenken lassen. Dabei muss wohl als erstes die Gefahr gebannt werden, dass wir die Anderen bei ihren Fehlern behaften. Nein, wir sollen stattdessen den Anderen „im Geist der Sanftmut“ zurechtbringen. Die Basis-Bibel übersetzt den Begriff Sanftmut mit „Freundlichkeit, die der Geist schenkt“.

Der zweite Vers von Kapitel 6 erklärt uns nun, dass wir danach fragen sollen, was unseren Mitmenschen belastet. Seine Lasten sind wahrscheinlich oft der Hintergrund, von dem aus offensichtliches Fehlverhalten zu erklären ist.

Da kommt z. B. der Vater von seiner alltäglichen Arbeitsstelle nach Hause und schreit seine Frau an. Der Ärger vom Betrieb belastet ihn sehr. Nun sollte man ihn also zu nächst einmal nach dieser Last fragen und seinen Frust sich von der Seele reden lassen. Das wäre ein beispielhafter Anfang für das, was Paulus meint mit „Einer trage des anderen Last“. Kluge Ratschläge müsste man dem Vater dann wohl nicht geben, aber für ihn beten, wenn er wieder an seinem Arbeitsplatz ist.

[oder hier: ein eigenes Beispiel, eine eigene Erfahrung]

Bleibt mein Blick trotzdem an dem Fehltritt des Anderen hängen, dann sollte ich mir klarmachen, dass ich grundsätzlich auch nicht besser bin als der Andere und mir von Gottes Wort sagen lassen: „Wenn jemand meint, etwas zu sein, da er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst.“ V.3

Nun geht Paulus noch einen Schritt weiter in der Selbstüberprüfung, um von dem ständigen Vergleichen mit den Anderen wegzukommen: Ich soll mein eigenes Lebenswerk überprüfen, es also einem gründlichen Test unterziehen. Was dabei an Gutem herauskommt, darf ich bei mir selbst rühmen, aber nicht im Vergleich mit dem Anderen. Wieso? Ich werde genügend in meinem Leben finden, was belastet – da wird mir die Lust vergehen, mich ständig mit den Fehlern des Anderen zu beschäftigen.

Wieso Paulus nun an dieser Stelle gewissermaßen auf das Zustandekommen der Pfarrgehälter zu sprechen kommt, ist mir nicht klar. Jedenfalls aber legt er uns ans Herz, dass wir bereit sein sollen von all dem Gut, was wir haben auch denen etwas zukommen lassen, die Gottes Wort lehren, erklären und weitergeben: Pfarrer, Lektoren und Prädikanten, Diakone, Prediger etc.

Wem das völlig egal ist, wie gewissermaßen die Kirche zu ihrem Geld kommt, der spottet Gott!! Und für dieses Verhalten wird er auch seine Vergeltung bekommen: „Was irgendein Mensch sät, das wird er auch ernten.“

Wer nur an sich selbst denkt, wird mit seinem zugrunde gehenden Leben im Verderben landen – also gewissermaßen nicht in den Himmel der Liebe kommen, sondern in der Hölle der Ichsucht landen. Wer aber „für den Geist sät, wird von dem Geiste ewiges Leben ernten“ (V.8). Im vorausgegangenen Kapitel des Galaterbriefes hat Paulus erklärt, dass die Frucht des Geistes „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ ist (5,22f). Das ist es also, was aus unserem alltäglichen Leben hervorgehen soll und für immer („ewiges Leben“) unsere Erfahrung bleiben soll.

Da droht sicher auch die Gefahr zu ermüden im Gutestun, vor der Paulus hier warnt. Hier kann sich schon der Gedanke einschleichen: Was bringt’s, dass ich mich ständig bemühe das Gute zu tun?! Tut nicht ein jeder sowieso nur das, wozu ihn Lust und Laune treiben? Paulus ermahnt uns aber an die Zukunft zu denken, dass nämlich alles seine Konsequenzen hat: „Zu seiner Zeit werden wir ernten.“ Es wird sich also lohnen, heute und hier das Gute zu tun.

Darum sollten wir uns von neuem immer wieder sagen lassen: „Solange wir noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun.“

Warum aber „am meisten gegen die Hausgenossen des Glaubens“? 6,10

Der Glaube ist die Quelle der Liebe, darum gilt es besonders diejenigen mit Gutem zu bedenken, die im Glauben leben. Dadurch soll die Quelle der Liebe offensichtlich bei allen gefördert werden.

Dabei gilt es zu bedenken, dass der Glaube nicht aus uns selbst kommt.

Paulus hat zuvor alles versucht, seinen Galatern klar zu machen: Ihr seid es doch gar nicht, die all das aus eigener Kraft schaffen sollen – der Grundstein ist doch längst gelegt, der Anfang ist doch längst gemacht!

Wer hier die Mahnungen und Aufforderung von Paulus aus dem Zusammenhang reißt und sie den Menschen einfach nur unter die Nase reibt, versteht das Evangelium nicht. Denn das fängt immer mit einer unbedingten Zusage an, nämlich mit der unerhörten Botschaft: Gott liebt dich! Gott trägt dich – mit all deinem Versagen und deinen Selbstzweifeln.

Gott wartet nicht darauf, dich für dein Versagen in die Pfanne zu hauen, sondern will dir aufhelfen und zurechthelfen! Gott bricht nicht in hämische Schadenfreude aus, wenn du mal wieder deinen und seinen Ansprüchen nicht gerecht geworden bist. Sondern er führt dich noch einmal ganz an den Anfang zurück und zeigt dir, dass dein Leben längst von seiner Liebe und Fürsorge getragen ist, in seiner Gnade ruht, bevor du es ahnst oder begreifst. Und das darfst und sollst du durch dein Leben an deine Mitmenschen weitergeben.  

Amen.

Verfasser: Gottfried Steffens, Pfr. i. R., Schönenberg-Kübelberg


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