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Das Lied der Überwinder

von Cornelia Gebhardt (07973 Greiz)

Predigtdatum : 28.04.2024
Lesereihe : VI
Predigttag im Kirchenjahr : Kantate
Textstelle : Offenbarung 15,2-4
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Wochenspruch: Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er tut Wunder." (Psalm 98,1)

Psalm: 98 (EG 739)

Predigtreihen

Reihe I: Apostelgeschichte 16,23-34
Reihe II: 2. Chronik 5,2-5(6-11)12-14
Reihe III: Lukas 19,37-40
Reihe IV: Kolosser 3,12-17
Reihe V: 1. Samuel 16,14-23
Reihe VI: Offenbarung 15,2-4

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 243,1+2+4+6 Lob Gott getrost mit Singen
Wochenlied: EG 303,1-4 Ich sing dir mein Lied oder EG+ 96 Du meine Seele, singe                                                                                                
Predigtlied: EG 245,1-3 Preis, Lob und Dank sei Gott
Schlusslied: EG 264,1-3 Die Kirche steht gegründet

Predigttext: Offenbarung 15,2-4

2 Und ich sah, wie sich ein gläsernes Meer mit Feuer vermengte, und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen 3 und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. 4 Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine Urteile sind offenbar geworden.

Predigt

Groß und wunderbar - Nachrichten aus dem Jenseits:

„Es ist vorbei. Es war furchtbar. Schmerzen. Leid. Körper und Seele am Ende. Der Zorn, die Anklagen, dann wieder Hoffnung. Verzweiflung. Augenblicke, wo ich dachte, es wäre nur ein schlimmer Traum. Dann wieder die Finsternis: Das war ihre Stunde. Ich habe geweint, geschrien, auf die Agonie gewartet. Danach – ich weiß es nicht mehr.

Aber jetzt stehe ich hier. Ich wundere mich, dass ich wieder stehen kann. Viele Menschen sind hier, ich versuche, mich zu orientieren.

Ein paar Leute scheinen mir vertraut. Ich erinnere mich jedoch nicht, wo ich sie schon gesehen habe. Manche sehen froh aus, andere gefasst. Manche staunen, manche lächeln. Mancher weint.

Wer sind sie? Ich weiß es nicht. Aber - da drüben: Ist das nicht die großzügige, fröhliche Frau aus unserer Straße, die vor mir gehen musste? Und dort der Mann, den haben sie doch wegen Blasphemie gelyncht? Diese Gruppe auf der rechten Seite: Menschen aus einem anderen Volk als dem meinen. Ich hatte gehört, dass es dort eine große und schwere Verfolgung gab.

Links von mir stehen einige wie von einer schweren Last gebeugt. Jetzt sehe ich, dass manche einander zunicken, sich begrüßen. Da ist auch ein Paar, die beiden umarmen sich ganz innig wie bei einem glücklichen Wiedersehen nach einer langen Trennung. Und in meiner Nähe: Da sieht jemand irgendwie aus wie das Kind, das sie uns genommen haben. Ein Blick. Ein Erkennen. Werde ich gleich wach, wie ich oft wach wurde? Nein, ich weiß, dass das vorbei ist. Wir weinen. Und freuen uns. Und weinen.

Wir stehen wie an einem großen See. Oder ist es vielleicht ein Ozean? Es strahlt und glänzt, ungefähr so, wie wenn auf meiner letzten Welt die Sonne das Meer zu berühren schien. Wie bei ihrem Aufgang oder Untergang. Aber das Meer und die Sonne sind hier eins. Es ist gleichzeitig schön und stark, aber auch beunruhigend. Es ist herrlich und erhaben. Was brennt da? Ich wünsche mir, dass meine schlimmen Erinnerungen verbrennen. Was mag das für ein Wasser sein? Kann mein Leben wieder gut und heil werden? Ich wundere mich, dass ich in die Helligkeit hineinsehen kann.

Und dann: Wovon ich in meiner vorherigen Welt gelesen und gehört hatte, sehe ich jetzt: Himmlische Wesen, deren Beschreibung kaum möglich zu sein scheint. Die Worte meiner Sprache können diese Vollkommenheit nicht widergeben. Ich ahne ihre Macht. Ich würde mich fürchten, wenn ich könnte. Meine Gedanken gehen zu denen, die noch nicht hier sind. Und ich bete für sie.

Nun sehe ich Harfen in den Händen einiger Menschen. Sie spielen darauf. Es klingt sehr schön. Fast hätte ich Lust, das auch zu tun. Früher konnte ich so etwas nicht. Jemand gibt mir eines von den Instrumenten. Hier kann man sich wahrscheinlich nichts Falsches mehr wünschen.

Die Menschen fangen an zu singen. Es sind alte Worte und ich höre sie neu. Und ich erinnere mich in diesem Gesang an Erlebnisse des Segens und der Freude in meinem vergangenen Leben. Wie ich dort versuchte, zu erkennen, wo ich handeln soll und wo erdulden. Wie es manches Mal es richtig war. Nun, und manches Mal auch nicht. Wie oft habe ich mich wohl geirrt? Aber es gab Vergebung.

Ich habe erlebt, dass Gott dort handelt. Ich habe seine leise Berührung gespürt. Seine Worte gehört. Manche galten nur mir. Ganz selten, aber doch deutlich. Manchmal geschahen unter uns Wunder, Heilungen, Bewahrung. Ich hatte Jesus mein Leben anvertraut und vertraute ihm. Jedenfalls immer wieder. Manchmal? Oft? Mein Versagen fällt mir merkwürdigerweise nun nicht mehr ein. Obwohl ich sicher bin, dass es das gegeben hat.

Sie singen: „Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott!“ Ich erinnere mich, wie habe ich manches Mal in der anderen Welt staunend in seiner Schöpfung stand. Wie ich in der Wüste erschauderte vor der Größe des Schöpfers. Und ich erkenne jetzt deutlicher als jemals zuvor, wo er mir zur Seite stand, wo ich mit ihm geliebt und erduldet und gesiegt habe. Manches Gebet, das erhört wurde, steht mir vor Augen. In großer Klarheit sehe ich nun Gottes Wirken dort, wo ich nicht mehr bin.

„Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker.“ O Herr, wie oft waren mir deine Wege so schwer! Wie wenig habe ich verstanden! Aber jetzt liegt alles offen vor meinen Augen. Ich sehe, wie Dinge zum Ende kommen. Zu Deinem Ende. Die Macht der Verfolger ist gebrochen. Sie werden Dein Gericht sehen. Vor Dir werden sie sich verantworten müssen. Ohne Gericht gibt es keine Gerechtigkeit. Und Du selbst wirst gerecht richten. Ich muss es nicht. Wie sollte ich ein Strafmaß für all diese Verbrechen finden?

Ganz neu geht mir eben die Gerechtigkeit Gottes auf. Sie gilt mir und den anderen hier. Auch denen vor uns und nach uns, allen, die ihn suchen und die mit ihm gehen. Ich denke an Moses und an sein Volk. Ich denke an das Lamm und sein Volk, zu dem ich gehöre. Ich sehne mich danach, ihn selbst zu sehen. Den, der Löwe ist und Lamm. Ich weiß ganz sicher, dass es geschehen wird. Von Angesicht zu Angesicht werde ich ihn sehen – werden wir ihn sehen.

„Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen?“ Mir fällt ein: In der anderen Welt haben wir wenig davon verstanden, wie man Dich gleichzeitig fürchten und lieben kann. Hier erscheint es einfach und folgerichtig. Und: Ja, wer will Dir widerstehen? Ich kann es mir nicht mehr vorstellen. Aber ich kannte einige. Manche waren sehr böse, andere gedankenlos. Bitte erbarme Dich über sie alle. Ich würde sie gern hier sehen.

„Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine Urteile sind offenbar geworden.“ Sie werden alle kommen? Wann wird es soweit sein? Wie soll das geschehen? Ach, ich glaube, dass ich darüber nicht nachdenken muss. Schön wird es werden. Überall wird Leben sein. Gott selbst wird bei uns wohnen. Und der Tod wird nicht mehr sein. Kein Leid, kein Schmerz und kein Geschrei. Alles wird neu.
Und das ist nicht das Ende, sondern der Anfang.“

Amen.

Verfasserin: Cornelia Gebhardt, Ordinierte Prädikantin, Greiz


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