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Das Mahl des Aufbruchs

von Wolfgang Drewello (55130 Mainz-Laubenheim)

Predigtdatum : 09.04.2009
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Palmsonntag
Textstelle : Johannes 13,1-15.(34-35)
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Wochenspruch:



Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr (Ps 111,4).



Psalm: 111 (EG 744)



Lesungen



Altes Testament:

2. Mose 12,1.3-4.6-7.11-14

Epistel:

1. Korinther 11,23-26

Evangelium:

Johannes 13,1-15(34-35)



Liedvorschläge



Eingangslied:

EG 405

Halt im Gedächtnis

Wochenlied:

EG 223

Das Wort geht von dem Vater aus

Predigtlied:

EG 251

Herz und Herz vereint zusammen

Schlusslied:

EG 157

Lass mich dein sein



Vorbemerkung:

Für den Abend des Gründonnerstags (für das Zeitgefühl Jesu und der Seinen ist mit dem Sonnenuntergang bereits der Freitag angebrochen) gibt es in den Evangelien zwei bestimmende Geschichten, die im Gottesdienst vergegenwärtigt werden. Die eine ist der von Matthäus, Markus und Lukas – von jedem der drei jeweils etwas anders überlieferte – Bericht von der Einsetzung des Abendmahls, die zweite ist im Johannesevangelium die Geschichte von der Fußwaschung. Sie steht in diesem Jahr auf dem Plan.

Nach meiner Einschätzung kommt es mehr darauf an, diese Geschichte und das, was sie unverwechselbar macht, achtsam zu vernehmen, als darauf, eine Predigt „darüber“ zu hören.

An einer Stelle weiche ich vom Text der Lutherbibel ab und lese – mit der Neuen Zürcher Bibel – nicht „verraten“, sondern „ausliefern“, wenn es um das geht, was Judas vorhat.



Liebe Gemeinde,

wenn die Sonne untergeht, beginnt ein neuer Tag. So lesen wir es auf der ersten Seite der Bibel: „Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.“ (Gen. 1, 5) Dann der zweite, der dritte und alle weiteren.

Jetzt beginnt der letzte Tag im Leben Jesu. Matthäus, Markus und Lukas berichten an dieser Stelle von der Einsetzung des Abendmahls. Jesus gibt den Seinen beim Passamahl Brot und Wein zu essen und zu trinken und sagt dazu „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“. – Der Evangelist Johannes, im 13. Kapitel, erzählt etwas ganz anderes. Das hören wir heute.



1 Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. 2 Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn auszuliefern. 3 Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging.



Was haben wir vernommen? Auf zwei Dinge möchte ich aufmerksam machen.

(1) Wir haben gehört, der Teufel (!) habe es dem Judas eingegeben, Jesus auszuliefern. Das kann man auf zweierlei Weise aufnehmen. Einmal so, dass wir darin eine Art „Entlastung“ des Judas erkennen: als sei er gar nicht „er selbst“ in dem, was er vorhat und tun wird, sondern irgendwie fremdbestimmt und ferngesteuert und als Werkzeug missbraucht. Oder bei uns „kommt an“, dass Judas hier wortwörtlich „verteufelt“ wird und als menschlich schier unbegreifliches Ungeheuer in Erscheinung tritt. Beide Male wird Judas nicht wirklich ernst genommen – in jedem Fall aber werden wir gewahr: So etwas wie „persönliche Nähe“ zu Jesus bürgt nicht „automatisch“ dafür, wirklich „bei IHM“ zu sein und in seinem Geist zu denken, zu fühlen und zu handeln.

(2) Wir haben gehört, wie der Evangelist Johannes einen großen Bogen aufspannt. Jesus, von Gott ausgehend – alles in den Händen – aus dieser Welt zu Gott weggehend: Durch das hindurch, was auf dem „Vordergrund“ geschieht, scheint der „starke Hintergrund“ auf. Dessen Stunde ist gekommen: Liebe bis ans Ende.



4 Da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. 5 Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war.



Wie in „Zeitlupe“ wird das erzählt. Langsam, Schritt für Schritt, Griff für Griff: aufstehen – die Oberkleider ablegen – ein Leinentuch nehmen und sich umbinden, also sich kleiden wie ein Sklave – Wasser in ein Becken gießen – die Füße waschen, einen Fuß nach dem anderen, auch die Füße von Judas – die Füße mit dem umgebundenen Leinentuch abtrocknen.

Wir könnten es uns genau einprägen. Könnten es nachahmen. Und wenn wir es nachahmten? Dann würden wir womöglich leibhaftig jene „Haltung“ einüben und annehmen, aus der heraus Jesus an den Seinen handelt. Und wir würden gewahr: Da ist nichts huldvoll Herablassendes drin, sondern Hingabe und Liebe.

[Wer schon einmal erfahren hat, wenn einem nach einem anstrengenden Tag in aller Ruhe die Füße gewaschen – und ggfs. nach dem Abtrocknen noch mit Öl „gesalbt“ – werden, mag an dieser Stelle davon berichten: Es ist eine im ganzen (!) Körper zu spürende Wohltat!]



6 Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? 7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. 8 Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. 9 Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! 10 Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. 11 Denn er kannte den, der ihn ausliefern sollte; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.



Simon Petrus hat etwas verstanden. Er versteht auf Anhieb, dass Jesus aus der Rolle fällt, indem er diesen Sklavendienst an ihm versieht – „Er wird ein Knecht und ich ein Herr“, wie es in einem Weihnachtslied heißt (EG 27, 5).

Und Simon Petrus protestiert: „Nie und nimmer sollst du mir die Füße waschen!“

Und Simon Petrus muss sich sagen lassen – mit meinen Worten: „Wenn du dir das nicht gefallen lässt, dann sind wir geschiedene Leute!“ Wenn das so ist, dann kann Simon Petrus gar nicht genug kriegen: „Dann nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und den Kopf!“

Und Simon Petrus fängt an zu lernen – und wir fangen an, mit ihm zu lernen: Es geht um Qualität, nicht um Quantität. Es geht um einen bestimmten Punkt. Es geht darum, zu erkennen und sich gefallen zu lassen, dass Gott im Kommen Jesu, in seinem Tun und in seinen Worten, in seiner Hingabe und in seinem Leiden, in seinem Tod und in seiner Auferweckung alles für Simon Petrus tut – und für viele andere, auch für dich und für mich, zum Leben und zum Sterben: Liebe bis zum Ende, Liebe ganz und gar.



12 Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? 13 Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin's auch. 14 Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. 15 Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.



„Wisst ihr, versteht ihr, was ich euch getan habe?“ fragt Jesus. Haben wir es verstanden? „Wenn ich als euer Herr und Meister euch die Füße wasche, dann seid ihr verpflichtet, einander die Füße zu waschen.“ Jesus sagt „einander“ – nicht eine(r) allen anderen, schon gar nicht einer irgendwelchen ausgewählten Zwölfen.

Wenn ich Jesus richtig verstehe, dann höre ich ihn sagen – mit meinen Worten: ‚Es geht nicht darum, dass ihr euch so oft wie möglich gegenseitig die Füße wascht. Ich habe euch („nur“) ein Beispiel gegeben. Ein Beispiel für die Art, in der ihr miteinander umgehen sollt und könntet. Nämlich nicht in der Haltung, aus der heraus Menschen andere einer Hirnwäsche unterziehen, sondern in der Haltung, mit der ich euch die Füße wusch. Aus dieser Haltung heraus braucht ihr euch nicht füreinander zu schade zu sein, sondern klar und wohltuend, sogar zärtlich könntet ihr einander ansehen und begegnen und berühren und anfassen und auch wieder loslassen – auf Augenhöhe (denn eine andere Höhe braucht ihr nicht einzunehmen).’

Später, wenn die Nacht fortgeschritten ist und nachdem Judas die Runde verlassen hat, wird Jesus sagen:

34 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. 35 Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Das lasst uns / lassen Sie uns beherzigen. Amen.



Verfasser: Pfr. Wolfgang Drewello, Am Leitgraben 19, 55130 Mainz-Laubenheim

Herausgegeben vom

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