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Das vornehmste Gebot

von Christian Hählke (57629 Höchstenbach)

Predigtdatum : 21.09.2008
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 18. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Epheser 5,15-21
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Wochenspruch:

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1. Johannes 4,21)

Psalm: 1 (EG 702)

Lesungen

Altes Testament:
2. Mose 20,1-17
Epistel:
Römer 14,17-19
Evangelium:
Markus 12,28-34

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 450
Morgenglanz der Ewigkeit
Wochenlied:
EG 494, 1-4
In Gottes Namen fang ich an
Predigtlied:
EG 389
Ein reines Herz, Herr, schaff in mir
Schlusslied:
EG 251, 6
Liebe, du hast es geboten

15 So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, 16 und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. 17 Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. 18 Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern laßt euch vom Geist erfüllen. 19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde!
Wie leben die Menschen in unserer Zeit? Wie leben reiche Leute? Das kann man in Fernsehserien beobachten und verfolgen. Menschen, die nicht so reich sind, schauen solche Serien gerne an. Sie wollen sehen, wie die Reichen so leben in ihren Schlössern und ihren Villen.
Mich interessiert eher: Wie leben die einfachen Leute, die ganz Armen? Menschen in den Elendsvierteln. Darüber berichtet das Fernsehen. Ich sehe gerne den Weltspiegel oder das Auslandsjournal.
Wie leben die Leute hier bei uns in den Ortschaften und in den Familien? Ich finde es nett und freundlich, dass ich z.B. zu Taufgesprächen in die Häuser und Wohnungen kommen darf. Dort sehen ich vieles, auch das Kleinvieh: Katzen, Hunde, Laufmäuse und all das andere. Natürlich gibt es da auch manches, was ich sehe und wo ich den Kopf schütteln würde. Aber das tu ich nicht. Ich versuche es alles so zu sehen und zu nehmen, wie es ist.
Was anderes ist es, wenn Menschen so leben, dass sie darüber krank werden: Zank und Streit in den Familien. Oder mit unserem Predigttext gesprochen: wenn der Umgang mit den so genannten Genussmitteln, Nikotin und Alkohohl, wenn das nicht im Normalbereich bleibt. Es macht mich traurig, das zu sehen.
Achtet genau auf eure Lebensweise! Das war wohl bei den Christen in Ephesus auch nicht so hundertprozentig in Ordnung. Deswegen hier im Epheserbriefes das Nachdenken über die Lebensweise der Christen.
Ich möchte drei Gedanken aus diesem Abschnitt herausgreifen. Erstens: Es geht um die gemeinsame Gestaltung unseres Gemeinwesens. Da heißt es ganz am Schluss unseres Abschnitts: Ordnet euch einander unter, wie es der Ehrfrucht vor Christus entspricht.
Das Gegenteil wäre: Ich ordne mich einem Oberen unter. Und Obere entscheidet über alles, und ich da unten führe es aus. In gewisser Weise können wir das heute im Beamtentum sehen, z.B. bei den Polizisten und den Soldaten. Die können nicht vor einem plötzlichen Einsatz noch lange diskutieren. Da muss es einen Oberen geben. Der muss entscheiden und die anderen müssen funktionieren.
Im Epheserbrief heißt es: Ordnet euch einander unter! Zwei positive Beispiele habe ich gefunden. Das eine kommt aus unserer Kirche. Unsere Kirche in Hessen und Nassau wird nicht von einem Bischof geleitet. Ein Bischof kann viele selbst bestimmen. Wir bei uns haben ein Leitendes Geistliches Amt. Dieses Leitungsgremium wurde nach der schlimmen Hitlerdiktatur in unserer Kirche so beschlossen. Der oberste kirchliche Mensch heißt bei uns nicht Bischof, sondern Kirchenpräsident. Der kann nichts alleine bestimmen. Er muss sich mit den Pröpsten beraten. Die Mehrheitsbeschlüsse dieses Leitenden Geistlichen Amtes muss der Kirchenpräsident ausführen, auch wenn er dagegen gestimmt haben sollte. Schön ist es natürlich, wenn so lange diskutiert wird, bis ein einstimmiger Beschluss zustande kommt. Aber es könnte auch sein, dass lange diskutiert wird und dass der, der dagegen gestimmt hat, nun den Mehrheitsbeschluss ausführen muss. So ist unsere Evangelische Kirche in Hessen und Nassau organisiert. Ich finde, es entspricht dem, was wir hier im Epheserbrief lesen: Ordnet euch einander unter wie es der Ehrfrucht vor Christus entspricht!
Ein zweites Beispiel aus dem politischen Bereich und dem Leben von Johannes Rau. Über sein Leben haben wir in der Frauenhilfe in Fortsetzung gelesen. Dort wird geschildert, wie er als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen mit seinem Kabinett regiert hat. Als Ministerpräsident ist er der Chef. Er kann Minister entlassen und neue ins Kabinett holen. Von ihm wird berichtet, dass er immer alles lang im Kabinett hat beraten lassen. Jeder Minister sollte zu dem, was verhandelt wurde, etwas sagen, auch wenn das, was gerade beraten wurde, nicht sein Gebiet war. Das Negative darin war: diese Treffen haben oft Stunden gedauert. Die Anwesenden wurden müde über all dem Diskutieren. Aber es stand die Auffassung von Johannes Rau dahinter, dass alle mit überlegen, alle mitentscheiden sollten; und dass möglichst viele das auch unterstützen, was im Kabinett entschieden wurde. Das Gegenteil wäre, wenn ein Ministerpräsident mit wenigen Leuten alles überlegt hätte und die Minister treten nur noch an, um abzunicken. – Man muss überlegen, welche Art von Regierung man will, welche Art das Zusammenlebens der Menschen wir haben wollen. Hier bei Johannes Rau ist für mich zu beobachten: eine gemeinsame Gestaltung des Gemeinwesens.
Wir kommen zu einem zweiten Gedanken aus unserem Abschnitt, zu einer Frage: In welcher Zeit leben wir? In welcher Zeit lebten die Menschen damals? Da lesen wird: Es ist böse Zeit. Ist es heute eine böse Welt, in der wir leben? Damals, als der Epheserbrief geschrieben wurde, da gab es schon die ersten Christenverfolgungen. Wer Jesus Christus als seinen Herrn und König ansah, und nicht den Kaiser in Rom, der hatte Probleme. Wer diesen Kult um den Kaiser nicht mitmachen wollte und all diese Verehrung der Götter nicht mitmachte, der fiel auf. Und wer mit der Masse nicht mitschwimmt, fällt immer auf. Da haben die Christen damals leiden müssen.
Böse Zeiten gibt es immer wieder. So eine böse Zeit war die Zeit des 30jährigen Krieges. Wenn wir die schönen Paul-Gerhardt-Lieder singen, sollten wir uns bewusst sein, dass diese Lieder in diesen Kriegszeiten und kurz danach gedichtet worden sind: böse Zeit damals.
Auch von der Hitlerzeit können wir berichten. Fragt die Alten nach dieser Zeit! Viele haben sie erlebt als böse Zeit, in der sich Menschsein und Christsein bewähren musste.
Und heute? Ist heute böse Zeit? Im Sinne von Gott und Jesus Christus bestimmt, denn wer fragt heute ernstlich nach Gott und richtet nach ihm sein Leben aus? Wenn man sich in der Wirtschaft, in der Politik, im Zusammenleben der Völkerwelt nicht mehr nach den Zehn Geboten richtet, wie soll’s dann werden? Dann haben wir nur noch Egoismus und leben in einer harten Welt. Dagegen hilft ein Erbarmen mit den Armen und Schwachen. Es ist böse Zeit.
Deswegen: Kaufet die Zeit aus! Solange man noch was tun kann, noch handeln kann, noch reden kann, solange sollte man sich engagieren; auch wenn mein Engagement, mein Reden mir vielleicht Nachteile bringt.
Wenn man in einer bösen Welt und schlimmen Zeit die Wahrheit sagt, und dann Nachteile bekommt oder eingesperrt wird, überlegt man sich, ob man es überhaupt wagt. Schweige ich? Oder tu ich meinen Mund auf?
Es liegt natürlich auch an der Persönlichkeitsstruktur, die man hat. Ich denke an Paul Schneider, den Prediger von Buchenwald. Er war Pfarrer im Hunsrück. Er war ein temperamentvoller Mann. Wenn er was hörte, konnte er nicht erst eine Nacht darüber schlafen. Er musste sofort reagieren. So bekam er in der Hitlerzeit Probleme. Auch im KZ Buchenwald hat er nicht schweigen können. So ist er dort umgekommen.
Andere in jener bösen Zeit waren vielleicht etwas diplomatischer. Ich denke an Dietrich Bonhoeffer. Er und andere haben den Widerstand anders versucht. Doch auch er wurde kurz vor Kriegsende noch getötet.
Kaufet die Zeit aus, denn es ist böse Zeit! Solange ich noch lebe und handeln kann, solange ich noch Geld habe, das ich sinnvoll ausgeben kann, solange kann ich die Zeit auskaufen. Irgendwann einmal ist auch meine Lebenszeit abgelaufen. Dann müssen die nach mir ihr Leben und die Welt gestalten. Aber jetzt habe ich, jetzt haben wir noch die Möglichkeit zu handeln im Sinne Jesu Christi und in der Kraft des Heiligen Geistes.
Erstens: Gemeinsame Gestaltung des Gemeinwesens. Zweitens: Es ist böse Zeit und es ist eine böse Welt, in der wir leben. Deswegen kaufen wir die Zeit aus, die wir noch haben.
Und jetzt drittens: Wir wollen einen klaren Kopf behalten, damit das Gotteslob über unsere Lippen kommt. – Wer betrunken ist, hat keinen klaren Kopf. Er findet seinen Heimweg nicht mehr oder bekommt den Schlüssel nicht ins Haustürschloss. Wer getrunken hat, sollte das Auto stehen lassen und sich anderweitig nach Hause bringen lassen. Um sich und andere nicht zu gefährden, sollte dies bedacht werden. Viele brauchen ja auch ihren Führerschein, um den Beruf ausüben zu können.
Schon hier im Epheserbrief der Hinweis: Betrinkt euch nicht! – Warum? – Denn zuviel Wein verführt zu einem liederlichen Lebenswandel. Ich habe eine Übersetzung von Martin Luther aus dem Jahr 1545 gefunden. Dort steht: Und saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentlich Wesen folget. – Es ist ein Unterschied ob man sich voll säuft oder ob man schon mal ein Bier trinkt oder ein Glas Wein. Leider ist Rauchen und Alkoholkonsum bei uns nicht so verpönt. Es war auch damals nicht verpönt. Nur wenn es über die Maßen passiert, dann leben wir so, dass Gott sich nicht an uns freuen kann.
Stattdessen: klaren Kopf behalten, um Gott loben zu können. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobliedern, wie der Geist sie euch eingibt. Singt und spielt Christus dem Herrn von ganzem Herzen. – Wovon ist mein Herz erfüllt? Wenn ich singe und lobe, merkt man das. Am Gesang eines Menschen kann man erkennen, ob er fröhlich oder traurig ist. Wes des Herz voll ist, des geht der Mund über, sagt das Sprichwort. – So wie es mir innerlich geht, so kann es auch durch Lieder über meine Lippen kommen. Wenn wir als Christen Gott loben und preisen und das über unsere Lippen kommt, dann merken die anderen: da kommt das Gotteslob aus dem Herzen über die Lippen. Gott soll gelobt werden, solange mein Mund sich noch regen kann.
Achtet genau auf eure Lebensweise! Dazu hat der Schreiber des Ephesusbriefes die Christen damals aufgefordert. Dazu fordert Gott mich auf und uns alle. Amen.

Verfasser: Pfarrer Christian Hählke, Bergstr. 8, 57629 Höchstenbach

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