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Das vornehmste Gebot

von Dirk Lehner (04916 Schönewalde (Knippelsdorf))

Predigtdatum : 07.10.2007
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 18. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 2. Mose 20,1-17
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Wochenspruch:

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.
(1. Johannes 4,21)
Psalm: 1 (EG 702)

Lesungen

Altes Testament:
2. Mose 20,1-17
Epistel:
Römer 14,17-19
Evangelium:
Markus 12,28-34

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 450
Morgenglanz der Ewigkeit
Wochenlied:
EG 494,1-4
In Gottes Namen fang ich an
Predigtlied:
EG 231,1-3. 11
Dies sind die heilgen zehn Gebot
Schlusslied:
EG 176 oder EG 251,6
Öffne meine Augen Liebe, du hast es geboten


Anmerkung:
Der Text ist den meisten Hörern im Gottesdienst bekannt. Der Inhalt wirkt aus Konfirmandentagen und Religionsunterricht nach. Ich habe den Text in eine narrative (erzählende) Predigt umgewandelt, um so den Predigthörern das Verständnis nahe zu bringen.

Liebe Gemeinde,
als Aaron aus dem Schlaf aufwachte, hörte er ein schweres Grollen. Schnell zog er sein Gewand an und trat aus dem Zelt heraus. Dort stand schon sein Bruder Mose, beide Füße fest auf der Erde, und rief ihm zu: „Schalom, Gott zeigt sich auf dem Berg Horeb. Heute ist ein besonderer Tag, Aaron.“ Aaron wunderte sich, denn das Volk war kaum zu sehen. Wenn er jemanden sah, dann standen sie ängstlich und schauten zum Berg. Aaron erinnerte sich, was Gott zu Mose gesagt hatte. Keiner sollte auf den Berg steigen und das Angesicht Gottes sehen dürfen außer Mose selbst. Und so hielt sich das Volk ängstlich an der Grenze und doch auch neugierig, was Gott ihnen zeigen wollte. Denn so viele Wunder hatten sie erlebt, seit sie Ägyptenland verlassen hatten. Die Peiniger waren wohl alle im Schilfmeer ertrunken. Hier am Rande des Sinaigebirges fanden sie Schutz und konnten sich ausruhen. Ja, dieser Gott ist ein großer Gott, fuhr es Aaron durch den Kopf. Das Grollen auf dem Berg wurde immer lauter und um den Berg herum sammelten sich mächtige Wolken. Noch immer stand Mose mit beiden Beinen fest im Sand.
Langsam bewegte sich Aaron auf Mose zu. Mose erzählte nun Aaron, was sich gestern auf dem Berg zu getragen hatte. Gott hatte zu Mose gesagt: „Geh hinunter und schärfe dem Volk ein, sie sollen nicht neugierig sein und nicht versuchen, zum Herrn vorzudringen; sonst müssten viele von ihnen umkommen. Auch die Priester, die sich dem Herrn nähern, müssen sich geheiligt haben, damit der Herr in ihre Reihen keine Bresche reißt.“ Und weiter sprach Gott: „Geh hinunter, und komm zusammen mit Aaron wieder herauf! Die Priester aber und das Volk sollen nicht versuchen, hinaufzusteigen und zum Herrn vorzudringen, sonst reißt er in ihre Reihen eine Bresche.“
Aaron glaubte seinen Ohren nicht. „Sollte es wirklich wahr sein, dass Gott mir erlaubt mit auf den Berg zu steigen? Wie werden die anderen im Volk reagieren?“ Bisher hatten Mose und Aaron gemeinsam das Volk gut führen können, und wenn Mose wieder einmal weg ging, versuchte Aaron das Volk zu beruhigen. Doch heute war es anders, er sollte Mose auf den Berg begleiten.
Es dauerte nicht lange, bis Mose und Aaron alles, was sie auf dem Weg zum Berg brauchten, zusammen hatten. Sie verließen den Ort und das Volk und stiegen auf den Berg. Dieser war nun gänzlich in Wolken getaucht, und zum schweren Grollen fügte sich auch noch der Klang von Hörnern dazu.
Der Weg war steinig, und mit jedem Schritt stieg in Aaron die Spannung. Wie sollte er sich verhalten? Noch nie hatte Aaron sich so schwach und klein gefühlt, und gerade jetzt kurz vor dem Gipfel wurde ihm die Bedeutung dieses Tages deutlich. „Gott wird zu Mose und zu mir sprechen“, dachte Aaron. Die Wolken waren so dicht, das man kaum seinen eigenen Fuß vor Augen sehen konnte. Aaron folgte Mose bis zum höchsten Punkt des Berges.
Kurze Zeit später hörten beide eine Stimme vom Himmel. „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“ Als Aaron diese Stimme hörte, wurde ihm ganz warm ums Herz. Er erinnerte sich daran, wie das Volk in Ägyptenland leiden musste und wie sie auf die Verheißung Gottes hin von der Sklaverei befreit wurden. Genau an diese Befreiung erinnerte Jahwe jetzt diese beiden, Mose und Aaron. Jede Befreiung hat aber auch ihre Ordnung, und so sprach Gott weiter: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“. Ja, in Ägypten standen die großen Statuen der Pharaonen, und alles Volk musste Tag täglich daran vorbei ziehen. Diese Unterwerfung unter einen einzigen Menschen schmerzte Aaron immer wieder. Dagegen ist die Begegnung mit diesem unsichtbaren Gott eine wirkliche Offenbarung. Auf diese Erinnerung der Befreiung folgten nun zehn Gebote von Gott. Diese Worte hörte Aaron wohl, denn er dachte bei jedem Gebot an die Menschen, an das Volk, zu welchem er im Auftrag Mose immer wieder gesprochen hatte.
„Diese Begegnung, dieser Tag wird in die Geschichte eingehen“, dachte Aaron.
Denn wie ein Paukenschlag auf den anderen folgt, so hörte er die Gebote von Gott:

1 Und Gott redete alle diese Worte:
2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. 3 Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist:
5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, 6 aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
7 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.
12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.
13 Du sollst nicht töten.
14 Du sollst nicht ehebrechen.
15 Du sollst nicht stehlen.
16 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
17 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

Am Ende verschwand Gottes Stimme genauso schnell wie sie gekommen war. Zurück blieben zwei Steintafeln auf denen die Gebote standen.
Liebe Schwestern und Brüder, so ähnlich kann es sich zugetragen haben, damals am Sinaigebirge. Und jedes Jahr erinnern sich unsere jüdischen Schwestern und Brüder beim Thorafest daran. Diese Erinnerung an die 10 Gebote feiern wir heute am 18. Sonntag nach Trinitatis. Wir feiern diese Verheißung, diese 10 Empfehlungen Gottes, weil sie unser Leben untereinander entscheidend beeinflussen. Wir feiern diese Gebote, weil sie unser Leben reicher machen. Ohne diese Worte wäre unser Leben in Freiheit nicht denkbar. Sie bilden den Grundstock für unser Zusammenleben auf der Erde, für jeden einzelnen Menschen. Diese Worte bilden eine Folie, unter der das eigene Handeln und Tun jeden Tag geprüft werden kann.
Wenn ich mich frage, was wohl der Wille Gottes in meinem Leben für eine Rolle spielt, so denke ich dabei vor allem an diese Gebote. Und ich bin dankbar, dass diese Worte Gottes mein Denken, mein Fühlen und Handeln beeinflussen. Denn ohne diese Worte wäre christliches Leben nicht denkbar. Mögen also diese Worte unser Leben durchdringen und damit unsere friedlose Welt friedlicher machen. Amen.

Verfasser: Gemeindepädagoge Dirk Lehner, Lindenallee 7, 04916 Schönewalde, OT Knippelsdorf

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