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Das vornehmste Gebot

von Marc Pokoj (99735 Werther)

Predigtdatum : 29.09.2002
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 16. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Epheser 5,15-21
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Wochenspruch:

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1. Johannes 4,21)

Psalm: 1 (EG 702)

Lesungen

Altes Testament:
2. Mose 20,1-17
Epistel:
Römer 14,17-19
Evangelium:
Markus 12,28-34

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 166
Tut mir auf die schöne Pforte
Wochenlied:
EG 397
oder EG 494
Herzlich lieb hab ich dich, o Herr
In Gottes Namen fang ich an
Predigtlied:
EG 136
O komm du Geist der Wahrheit
Schlusslied:
EG 251,6
Liebe, hast du es geboten

15 Seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, 16 und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. 17 Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. 18 Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. 19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. 21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

Liebe Gemeinde!
Zweimal im Jahr ruft der Einzelhandel zum großen Ausverkauf. Die Warenlager müssen für den kommenden Sommer bzw. Winter geräumt werden. Die neuen Kollektionen und Angebote brauchen Platz, das alte und altmodische wird billigst verkauft, denn es ist billiger, Waren ohne Gewinn zu verkaufen, als sie irgendwo lagern zu müssen. „Kauft unsere Regale aus“ ist der Slogan dieser Wochen. Das muss nicht zweimal gesagt werden. Im Laufschritt werden zu den Öffnungszeiten die Geschäfte gestürmt, alle von der Absicht getrieben, ein besonders gutes Schnäppchen zu machen. Wer zuerst kommt, den belohnt die Geldbörse.
In unserem Predigttext aus dem Epheserbrief steht etwas von „Zeit auskaufen“ und dann noch mit dem Zusatz: „Denn es ist böse Zeit“ oder besser: „denn es sind böse Tage“. Das ist verwirrend. Niemand wirbt so: „Kauft die Waren aus, denn es ist böse Ware“. Wieso soll etwas bis zur Neige genutzt werden, was im gleichen Atemzug als böse bezeichnet wird?
Die Beantwortung dieser Frage liegt im Unterschied dessen, was hier verkauft werden soll. In unserem Eingangsbeispiel sind es die Waren der Schlussverkäufe, die nicht besser oder schlechter sind als zu den sonstigen Verkaufszeiten. Der Epheserbrief nennt jedoch die Zeit als zur Nutzung bereitstehend. Wie kann ich böse Zeit nutzen? Sind da nicht eher Sprüche angesagt wie „Gelegenheit macht Diebe?“ Nutzt ein Dieb nicht die böse Zeit, um sein böses Vorhaben auszuführen?
Achten wir doch auf den Bibeltext! Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Gerade weil es böse Zeit ist, sollen wir an ihr nicht irre werden, uns von ihr irre machen, uns von ihr verführen lassen. Auskaufen meint hier gerade nicht auskosten und die Gelegenheiten nutzen, Böses zu tun. Darauf achten, den Willen Gottes zu tun, kann hier nur heißen, den Charakter der Zeit zu ändern. Die Bosheit auszukaufen, bis nichts mehr von ihr übriggeblieben ist. Durch ein gottgefälliges Leben Vorbild für andere zu sein, von ihrem bösen, das heißt zeitgemäßen, Lebenswandel abzulassen.
Der Verfasser des Epheserbriefes gibt dazu ein paar Lebensvorschläge. Er warnt vor übermäßigem Alkoholgenuss, denn auch schon damals scheint die Trunksucht weitverbreitet gewesen zu sein. Dagegen setzt er die gegenseitige Stärkung und Auferbauung durch Gebet und Lobgesang. Das hört sich zuallererst einmal sehr fromm an und etwas wirklichkeitsfremd.
Helfen Psalmen gegen das Saufen? Lassen Lobgesänge Menschen von bösen Vorhaben Abstand gewinnen? Unser Zutrauen in diese Art von Hilfe bei der Lebensführung ist schwach geworden. Es ist wie in dem jüdischen Witz:
Zu einem Rebbe kommt eine Frau. „Oh, Rebbeleben, was soll ich nur machen? Mein Kind leidet an schrecklichem Durchfall und keine Medizin schlägt an. Was soll ich tun?“ Der Rabbi überlegt und gibt ihr den Rat: „Gute Frau, betet Psalmen, betet unaufhörlich Psalmen!“ Nach gut einer Woche kommt die Frau wieder zum Rabbi und sagt: „Rebbeleben, was soll ich nun machen? Mein Kind leidet nun an schrecklicher Verstopfung und nichts schlägt an.“ Der Rabbi antwortet wieder: „Gute Frau, betet Psalmen, betet unaufhörlich Psalmen!“ Darauf die Frau: „Aber Rebbe, Psalmen stopfen doch!“
Die gute Frau sitzt demselben Missverständnis auf, wie derjenige, der meint, Lobgesänge und Psalmen sind direkte Hilfen und Therapien bei Schieflagen im Leben. Als könnten bestimmte Psalmen für dies und bestimmte Psalmen gegen jenes angewandt werden. Psalmen sind keine Zaubersprüche und Lobgesänge keine Beschwörungsformeln. Der Sinn im Epheserbrief geht tiefer. Hier wird grundsätzlich der Sinn unseres Gottesdienstes angesprochen. Warum gehen wir sonntags in den Gottesdienst? Was erwarten wir von der Stunde zusammen mit der Gemeinde? Lebenshilfe in bestimmten Notlagen?
Je schlechter die Zeiten, desto voller die Kirchen. Das ist ein Hinweis darauf, dass viele sich von der Kirche konkrete Hilfe erhoffen. Psalmen gegen Verstopfung und Durchfall gleichzeitig; werden die Zeiten besser, werden die Kirchen auch wieder leerer. Das ist aber nicht der Ausverkauf der bösen Zeit. Denn auch eine sogenannte gute Zeit kann böse Zeit sein. Wie würden sie die Zeit, in der wir jetzt leben, charakterisieren? Gut, schlecht, böse?
Wir würden die unterschiedlichsten Antworten bekommen. Menschen beurteilen die Zeit nach ihren eigenen Gefühlen und Umständen. Geht es mir schlecht ist die Zeit schlecht. Das hat nicht nur etwas mit egoistischer Sicht zu tun. Es hat nie nur gute und nie nur böse Zeit gegeben. Im Ganzen der Welt lässt sich das nicht feststellen.
Gibt es also etwas Gemeinsames, was uns in den Gottesdienst führt, abgesehen von der eigenen persönlichen Befindlichkeit? Was eint den Trauernden mit dem Fröhlichen im Gottesdienst?
Gottes Wort an die Welt und ihre Antwort im Lobgesang ist die Einheit. Gottes Wort unterwirft sich nicht der aktuellen Mode der Zeit, sondern es deutet die Zeit, nennt Sinn und Unsinn, zeigt Gutes und zeigt Böses, kurzum, es kauft die Zeit aus. Das heißt die Werte der Zeiten werden von Gott bewertet. Da werden Werte ebenso umgestürzt, wie scheinbar Wertloses starkgemacht. Vom Wort Gottes her können wir die Zeit bewerten, kritisieren und Dinge in ihr klarstellen. Vom Wort Gottes her können wir eine Wirtschaftsordnung kritisieren, die die Räder des Fortschritts scheinbar wie geschmiert laufen lässt, aber diese Räder überrollen dabei viele Menschen und ganze Völker, für die es heute sehr böse Zeit ist.
Vom Wort Gottes können wir eine Wissenschaft kritisieren, die vordergründig im Dienst des Menschen steht, um ihm zu helfen, die aber hintergründig Techniken entwickelt, von denen der Mensch zusehends abhängig und manipulierbar wird.
Auf Gottes Wort hören heißt einen klaren und geschärften Blick auf diese Zeit zu bekommen. Auf Gottes Wort hören und ihm in Psalmen und Lobgesängen zu antworten, heißt Mut und Kraft zu bekommen, den erkannten Erfordernissen gewappnet zu sein.
Gott schenkt Weitblick und Durchblick. Dafür danken wir ihm! Amen.

Verfasser: Pfr. Marc Pokoj, Pfarrgasse 2, 99735 Werther

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