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Das Wort vom Kreuz als Weisheit und Kraft Gottes

von Christian Rust (Rockenhausen)

Predigtdatum : 07.01.2024
Lesereihe : VI
Predigttag im Kirchenjahr : 1. Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : 1. Korinther 1,26-31
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Wochenspruch: "Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder." (Römer 8,14)

Psalm: 89,2-5.27-30

Predigtreihen

Reihe I: Josua 3,5-11.17
Reihe II: Matthäus 3,13-17
Reihe III: Römer 12,1-8
Reihe IV: Jesaja 42,1-9
Reihe V: Johannes 1,29-34
Reihe VI: 1. Korinther 1,26-31

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 592,1.2.4.5 Bau dein Reich
Wochenlied: EG 210 Du hast mich, Herr
Predigtlied: EG 662,1-4 Schenk uns Weisheit
Schlusslied: EG 667,1-4 Selig seid ihr

Predigttext: 1. Korinther 1,26-31

26 Seht doch, Brüder und Schwestern, auf eure Berufung! Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme sind berufen. 27 Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; 28 und was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt, was nichts ist, damit er zunichtemache, was etwas ist, 29 auf dass sich kein Mensch vor Gott rühme. 30 Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der für uns zur Weisheit wurde durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, 31 auf dass gilt, wie geschrieben steht: »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!«

Predigt

Liebe Gemeinde,

in vielen Kirchengemeinden wird heute Tauferinnerung gefeiert. Ob die damaligen Täuflinge Kinder sind oder inzwischen erwachsen: alle dürfen sich erinnern und sich erinnern lassen, die Taufe macht aus dem von Natur gegebenen Leben etwas Besonderes. Durch sie werden wir „Gottes Kinder“ – von seinem Geist beseelt, wie es der Wochenspruch auf den Punkt bringt: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“

Die Taufe nimmt uns in die Gemeinde hinein, sie sagt uns zu, dass Gott unser Dasein bejaht, und sie lässt uns unser Leben neu denken, neu betrachten, neu gestalten. Im Geiste Gottes!

So haben es die Christinne und Christen in der frühen Zeit der Kirche in der Hafenstadt Korinth in Griechenland auch erlebt. Aber es gab eben auch Rückschläge. Und das lesen wir in dem Briefabschnitt zur heutigen Predigt.

Da hat offenbar jemand recht verzweifelt bei dem Apostel und Gründer der Christengemeinde in Korinth nachgefragt. Wir lesen ja nur die Antwort des Apostels. Er hat die Gemeinde nicht nur gegründet, sondern auch gelehrt. Er hat den Christinnen und Christen in Korinth beigebracht, was er von Jesus, dem Christus weiß. Er hat vermutlich mit ihnen erarbeitet, wie ein Christenmensch das Leben gestalten kann.

Aber er ist weitergezogen, um auch anderswo Gemeinden zu gründen. So werden ihm Fragen nachgeschickt, weil es in der Gemeinde in Korinth offensichtlich klemmt und brennt. Mit Hilfe seiner Antwort können wir erahnen, was er gefragt worden ist.

Ich kann mir das etwa so vorstellen: „Lieber Bruder Paulus, lieber Lehrer, lieber Apostel des Herrn Jesus Christus, wir haben ein Problem. Du hast uns beigebracht, dass wir zum Leben mit Gott in der Liebe Christi und in der Kraft der göttlichen Geistkraft berufen sind. Du hast uns beigebracht, dass die alte Ordnung ungültig geworden ist. Ob wir Frauen sind oder Männer, Soldaten oder Zivilisten, Geschäfte betreiben oder Handwerke ausführen, ob wir vorher jüdisch oder andersgläubig waren, ob wir frei waren oder von Reichen als Sklavinnen und Sklaven gehalten wurden – vor Gott und in Christus gibt es da keinen Unterschied mehr. So hast Du gesagt und uns vorgelebt.

Aber kaum warst du weitergezogen, sind nicht wenige wieder umgeschwenkt; einige haben ihre Gelehrsamkeit hervorgehoben und verlangten, dass die weniger Gebildeten sich von ihnen alles sagen lassen; andere haben wieder auf ihre Macht gepocht, mit der sie über andere zu herrschen gewohnt waren; wieder andere haben herausgekehrt, dass sie vornehmen Familien angehören und wollen deshalb bevorzugt behandelt zu werden.

Hilf uns bitte, lieber Paulus, es ist ja fast schlimmer als damals, bevor du unsere Gemeinde gegründet hast!“

So könnte es geklungen haben. Ein Brandbrief. Da steckt schon eine Portion Verzweiflung drin. Wo ist mein Platz in der Gemeinde? Was bin ich wert?

Und Paulus antwortet. Er beginnt mit dem Hinweis: „Seht doch auf Eure Berufung!“

Gott hat euch gerufen und berufen, völlig unabhängig davon, welche Stellung ihr in der Gesellschaft habt. Bei ihm hat es überhaupt keine Rolle gespielt, ob ihr reich oder besonders schlau seid oder einen besonderen Job habt … Ganz im Gegenteil. Wenn ihr euch in der Gemeinde umschaut, dann stellt ihr sogar fest, dass es bunt und sehr unterschiedlich aussieht. Und das ist durchaus Programm bei Gott. Was zählt, ist seine Gnade. Nicht das, was wir darstellen oder wo wir herkommen. Seine Kinder sind die, die von seinem Geist erfüllt sind. Alle Äußerlichkeiten sind unerheblich bei Gott!

Wenn wir heute an dieser Stelle lesen „Brüder und Schwestern“, dann dürfen wir nachdenklich werden bei der Anrede im Originalbrief des Apostels Paulus, den der Reformator Luther wortgetreu übersetzt hat: „Brüder.“ Paulus ist sehr für eine neue Lebensordnung in der christlichen Gemeinde angesichts der Herrschaft Gottes eingetreten; aber er schreibt unübersehbar an eine männlich bestimmte Gemeindeleitung.

Wie passt das zusammen mit dem, was er im Folgenden ausführt? Das Ausblenden der Mädchen und Frauen – und dass Gott eine neue Ordnung schafft, in gewisser Weise die gesellschaftliche tradierte Ordnung auf den Kopf stellt?

Aus unserer Sicht bleibt Paulus der gesellschaftlichen Ordnung seiner Zeit zumindest in dieser Hinsicht verhaftet.

Und doch ändert sich etwas! Die Weisen nach dem Fleisch sind vielleicht die, welche Schule, Lehre, Hochschule absolviert haben und ihre Klugheit und Gelehrtheit im Beruf nachweisen können; die Mächtigen könnten diejenigen sein, die per Wahl oder gar durch Abstammung das Recht haben, über andere zu bestimmen; die Vornehmen heißen heute Promis oder Celebrities oder Influencer, die von vielen – die es sich diese Lebensart gar nicht leisten können - bewundert und womöglich nachgeahmt werden.

Aber Paulus stellt diese Positionen in Frage. Klar, manche von diesen eben Genannten haben sich ihre Position erarbeitet. Aber deswegen sind sie noch lange nicht von Gott dazu berufen oder erwählt. Sie dürfen und sollen in ihrem Wirken kritisch hinterfragt werden.

Wenn sich aber ein getaufter Mensch von Gott ausgewählt und berufen weiß, dann spielt es keine Rolle, ob dieser Mensch im öffentlichen Leben glänzt oder eher schlicht daherkommt, ob dieser Mensch leitet oder dient. Ob er Mann oder ob sie Frau ist oder wie sich ein Mensch sonstwie angesehen oder angeredet wissen will.

Gott stellt sich ganz besonders auf die Seite derer, die im öffentlichen Ansehen möglicherweise eher schwach sind oder wegen ihrer Unterordnung unter den Herrn Christus für töricht gehalten werden. Andere Einordnungen sind eindeutig weniger wichtig, dürfen wir der Antwort des Apostels entnehmen.

Paulus vertritt den Standpunkt: Wer zu Gott gehört, sich von Gott gerufen weiß, den kann die Welt – also die Gesellschaft drumherum – durchaus verächtlich anschauen. Sie ändert den Wert dadurch nicht, den Gott diesem Menschen beimisst; und allein das ist entscheidend! „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder!“

Als Bestätigung durch einen frühen Zeugen und Botschafter Gottes zitiert der Apostel den Propheten Jeremia: „Wer sich rühmen will, rühme sich, dass Gott - vor allen anderen Herrschern – sein Leben beherrscht.“ Dann können auch die äußeren Umstände noch lange nicht himmlisch sein oder dem Reich Gottes entsprechen – hier gewinnt die neue Lebensordnung schon Kraft und nimmt Anlauf und Schwung.

Liebe Gemeinde, durch unsere Taufe sind wir Kinder Gottes. Gehören zu seiner Familie, sind einander Schwestern und Brüder. Das ist ein Geschenk.

Ergreift es immer neu, dieses Geschenk. Gebt Gottes Geist immer mehr Raum. Das wird euer Leben lebendig und reich machen!

Amen.

Verfasser: Dekan i. R. Christian Rust


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