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Den Menschen ausgeliefert

von Gabriele Melk (63329 Egelsbach)

Predigtdatum : 07.03.2004
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Invokavit
Textstelle : Römer 5,1-5.(6-11)
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Wochenspruch:

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Römer 5,8)

Psalm: 10,4.11-14.17-18

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 5,1-7
Epistel:
Römer 5,1-5 (6-11)
Evangelium:
Markus 12,1-12

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 88
Jesu, deine Passion
Wochenlied:
EG 366
Wenn wir in höchsten Nöten sein
Predigtlied:
EG 342
Es ist das Heil uns kommen her
Schlusslied:
EG 164
Jesu, stärke deine Kinder

Im Winter des Jahres 56/57 schreibt Paulus an die Gemeinde in Rom:
1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; 2 durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.
3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, 5 Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
[6 Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. 7 Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. 8 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. 9 Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! 10 Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. 11 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.]

Liebe Gemeinde,
Paulus hat von Korinth aus einen Brief nach Rom geschrieben. Er kennt die Gemeinde dort noch nicht und so wird sein „Römerbrief“, wie wir ihn nennen, kein leicht zu lesender Brief an Freunde. Vielleicht wurde damals schon jeder Satz besprochen, so wie wir es heute tun, wenn wir in einer Gruppe in der Bibel lesen. Es kann dabei recht hilfreich sein, den Text sozusagen nachzuerzählen, die Worte der Bibel in unsere Sprache zu übertragen. „Gerecht gemacht aus Glauben haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn. Durch ihn haben wir auch den Zugang erhalten zu der Gnade, in der wir stehen“, könnte dann so lauten:
„Wer an Jesus glaubt, kann in Frieden mit Gott leben. Durch Jesus können wir mit Gott befreundet sein! Und wir prahlen damit, dass wir darauf hoffen können, einmal mit Gott in einer herrlichen Welt zusammen zu sein!“
,,Wir geben damit an...“ Ich überlegte, ob ich jemand kenne, der darauf stolz ist oder gar damit prahlt, einmal mit Gott zusammen in einer herrlichen Welt zu sein. Mir fielen Menschen ein, die bald sterben werden oder die sehr krank sind, und die sicher sind, dass Jesus sie nicht im Stich lassen wird. Da begegnet uns oft eine trotzige Freude, die fast schon an Angeben grenzt ,,Seht, ich brauche mich nicht zu sorgen, ich weiß, dass ich auf dem Weg zu Gott bin.“
Es sind gläubige Menschen, die mir da so einfallen, die daran glauben, dass Gott zu seinem Wort steht, dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben werden. Aber was heißt gläubig? Ersetzen wir das Wort gläubig mit dem Wort „Vertrauen“. Menschen, die Jesus vertrauen. Die darauf vertrauen, dass Jesus mit ihnen befreundet sein will.
Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit viel Gepäck mit der Bahn in eine fremde Stadt. Und Sie vertrauen darauf, dass Sie am Bahnhof abgeholt werden. Dass dort jemand ist, der Ihnen die schweren Koffer und Taschen abnimmt, Sie an Ihr Ziel bringt. Glauben oder Vertrauen heißt: Jesus holt uns an der Endstation unseres Lebens ab, egal, wie schwer unser Gepäck auch sein mag, der Ballast, den wir mit uns herumtragen. Und er bringt uns dann sicher ans Ziel.
Das unterscheidet gläubige Menschen von denen, die Gott nicht kennen. Wir vertrauen auf dieser langen Reise, die unser Leben ist darauf, dass wir am Ende abgeholt werden. Jesus ist sozusagen die Eintrittskarte in Gottes herrliche Welt, die wir Paradies nennen. Und nur dieses Vertrauen ist es, was uns von nichtgläubigen Menschen unterscheidet. Wir sind nicht besser als Menschen, die Gott nicht kennen. Aber wir können befreiter leben und auch sterben. Das alles können wir unseren Mitreisenden weitererzählen und sie mit Jesus bekannt machen. Wir dürfen sie einladen, mit uns zu kommen! ,,Dessen dürfen wir uns rühmen“, wie es in der Bibel heißt. Jedes Beispiel hinkt ein klein wenig, denn wir werden nicht nur abgeholt, nein, Jesus - um beim Bild zu bleiben - Jesus fährt mit im Zug.
Aber es heißt auch noch anders: „Wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.“
Wer sollte sich denn damit brüsten, dass er Schmerzen kennt? Kein Mensch rühmt sich mit Schmerzen, oder? Kürzlich sah ich im Fernseher eine Komödie, in der zwei alte Damen sich wie kleine Kinder benahmen, die mit ihren Spielsachen angeben. Nur ging es darum, wer die schlimmste Krankheit hat: „Was, du hast Schmerzen im Arm?! Da solltest Du mal meine Schmerzen in der Hüfte haben?“ Und die andere: ,,Die Hüfte tut dir weh? Die spüre ich schon gar nicht mehr vor lauter Rückenschmerzen!“ Und so weiter, und so weiter.
Wer sich so verhält, hilft damit keinem Menschen, nicht mal sich selbst. Es ist eher ein Aufschrei. Guckt her, mich gibt es auch noch, es geht mir nicht besonders, kann sich mal bitte jemand um mich kümmern. Es hat etwas damit zu tun, dass wir nicht damit klar kommen, dass wir älter werden. Andere akzeptieren ihr Leben und ihr Älterwerden Das sind die, die wir bewundern, weil sie aktiv und fröhlich sind, ungeachtet der oft sichtbaren Gebrechen.
Bedrängnis, über die gerne etwas erzählt wird, ist die, die während der Schwangerschaft erlebt wird und in der Geburt ihren Höhepunkt erreicht. Dieser Vergleich kam mir, als ich im Schrank meine Umstandshose liegen sah. Umstandshosen sind die Hosen, die von relativ schlank bis unendlich dick neun Monate lang mitwachsen. In dieser Hose habe ich Erfahrungen gemacht, wie in keinem anderen Kleidungsstück. Es waren gute Tage, aber auch schlechte. Und ich weiß noch sehr genau, wie gierig ich zuhörte, wenn ich Frauen traf, die gerade ein Kind bekommen hatten. Manchmal war die Schwangerschaft eine echte Bedrängnis, doch machte sie auch geduldig. Und wer geduldig sein kann, der kann sich auch bewähren, der muss nicht immer gleich zur Tat schreiten, der kann in Ruhe etwas angehen. Und wer ruhig und besonnen plant, der kann auch hoffen.
Jetzt ist Schwangerschaft ein Erlebnis, das von den Betroffenen recht gerne gehört wird. Es kann recht tröstlich sein Doch wie ist es mit Kranksein oder Sterben?
Wie viel mehr kann es hilfreich sein, wenn jemand da ist und zuhört, der ähnliches erlebt hat! Wer kann über den Tod eines lieben Menschen besser trösten als der oder die, die das gleiche erlebt haben? Wer kann nach einem schweren Unfall besser verstehen, als der, der auch schon blutend auf den Krankenwagen wartete? Da kommen dann keine hohlen Sätze, da kann auch einfach nur dabei sitzen heilen wie ein gutes Gespräch. Dadurch, dass wir Schmerzen kennen, ängstlich sind, traurig sein können, können wir denen helfen, die auch leiden, sich fürchten oder weinen.
Traurig sein macht geduldig, geduldig sein bringt uns Ausdauer, und ausdauernde Menschen können hoffen.
Aber wenn jetzt gar keiner Schmerzen hätte, brauchte er auch niemanden, der ihn tröstet, oder müsste seine im wahrsten Sinne schmerzhaften Erfahrungen nicht weitergeben. Muss es denn soviel Negatives geben?
Ich will nicht ausführlich darauf eingehen, es wäre Stoff genug für eine weitere Predigt. Doch nur soviel: Alles, aber auch alles auf dieser Erde, in dieser Welt, in diesem Universum hat ein Gegenstück. Die Redensart: ‘Viel Schatte -, viel Licht’ lernten wir im Physikunterricht als Teilchen und Antiteilchen kennen. Unser Universum würde nicht bestehen können, würde in sich zusammenstürzen wie ein Kartenhaus, gäbe es nicht zu allem Positiven auch das Negative.
Gottes Liebe ist der große Pluspol in dieser Welt. Seine Liebe ist die Sonne, die in unsere dunklen Zimmer fällt. Seine Liebe wärmt uns und hält uns lieb. Wir vertrauen darauf. Wir haben sie schon oft gespürt, und wir vertrauen darauf, dass er uns abholt, wenn unser Lebenszug einst am großen Bahnhof Tod angekommen ist. Ein Bahnhof ist nie die Endstation, immer der Ort, an dem der Weg andere Bahnen einschlägt. Gott wird uns abholen, uns auf dem Weg ins Leben führen. Denn zum Tod gehört das Leben, das ewige Leben zusammen mit Gott. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Verfasserin: Gaby Melk (1998)

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