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Den Versuchungen standhalten

von Traude Prün (Prot. Kirchengemeinde Grünstadt)

Predigtdatum : 10.03.2019
Lesereihe : I
Predigttag im Kirchenjahr : Invokavit
Textstelle : Hebräer 4,14-16
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Wochenspruch: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Johannes 3, 8 b)

Psalm: Psalm 91,1-6.9-12

Predigtreihen

Reihe I: Hebräer 4,14-16
Reihe II: 1. Mose 3,1-19(20-24)
Reihe III: Johannes 13,21-30
Reihe IV: 2. Korinther 6,1-10
Reihe V: Hiob 2,1-13
Reihe VI: Matthäus 4,1-11

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 440 All Morgen ist ganz frisch und neu
Wochenlied: EG 347 Ach, bleib mit deiner Gnade, EG 362 Ein feste Burg ist unser Gott
Predigtlied: EG 209 Ich möchte‘, dass einer mit mir geht
Schlusslied: EG 157 Lass mich dein sein und bleiben

Predigttext Hebräer 4, 14 – 16

Christus der große Hohepriester

14 Weil wir denn einen großen Hohepriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
15 Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.
16 Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.

Der Predigttext wird später verlesen.

Im Johannesevangelium wird uns erzählt von einem Kranken am Teich Bethesda. Er ist gelähmt seit 38 Jahren. Er liegt da auf seiner Matte in einer der Säulenhallen. Das Wasser des Teiches soll heilende Wirkung haben. Jedenfalls ab und an. Dann nämlich wenn es sich bewegt. Die Leute sagen: Es ist ein Engel Gottes, der es in Bewegung bringt. Dann muss man schnell ins Wasser, um etwas ab zu bekommen von der göttlichen Kraft. Dann kann es vielleicht geschehen, dass einer tatsächlich gesund wird.

Und so kommt es, dass da am Teich ein einziges großes Krankenlager ist. Lauter Menschen, die warten, dass sich das Wasser bewegt und die dann schnell aufspringen und hin rennen oder hin humpeln oder auch hin getragen werden von fürsorglichen Verwandten.

Auch dieser gelähmte Mann liegt da. Tagein, tagaus. Ins Wasser ist er nie gekommen. Wie auch? Er ist allein. Eines Tages kommt Jesus. Bei diesem Gelähmten macht er Halt und spricht ihn an. Der Gelähmte antwortet: „Herr, ich habe keinen Menschen.“ Keinen, der da ist, wenn ich ihn brauche. Keinen der mich zum Wasser trägt, wenn es die Chance auf Heilung gibt. Ich habe keinen Menschen.

Was für ein trauriges Los! Was für ein trauriger Satz! Voll enttäuschter Hoffnung. Voller Resignation. Vielleicht sind heute hier Menschen, die das nachempfinden können. Die auch schon gedacht haben: Ich habe keinen Menschen. Keinen der da ist, wenn ich ihn brauche. Keinen der mir wieder auf die Beine hilft. Und keinen der neben mir ausharrt in meinem Leid.

Die Geschichte aus der Bibel hat nun aber eine wunderbare Pointe: Während der Gelähmte noch traurig sagt „Ich habe keinen Menschen“, steht Jesus schon an seiner Seite. Steht da und fragt nach und hört zu und nimmt Anteil. Jesus ist da. Und ist genau der Mensch, von dem der Kranke geglaubt hat, er habe keinen. Kein Wasser wird mehr nötig sein und kein Engel, denn Jesus ist da. Und so, durch Jesus, wird der Mann Hilfe erfahren.

Ich habe keinen Menschen! Stimmt einfach nicht! Auch nicht bei uns! Darum geht es in den Versen aus dem Hebräerbrief, die wir heute hören. Wer die ursprünglichen Empfänger des Hebräerbriefs waren, wissen wir nicht so genau. Aber wir können aus dem Inhalt schließen, dass es Christen waren, deren Glaube müde geworden war. Die drauf und dran waren zu resignieren. Unter Anfeindungen und Verfolgung hatten sie zu leiden damals in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts. Und das hat sie mürbe gemacht. Manche wollten aufgeben. Ihren Glauben wegwerfen.

Wir hören aus dem Hebräerbrief: 

Weil wir denn einen großen Hohepriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.

Der Hebräerbrief stellt hier fest, was wir haben. Das ist schon mal gut. Denn beim Glauben geht es nicht nur darum, was wir sind oder was wir sein sollen oder was wir tun müssen. Es geht auch darum, was wir haben. Der Hebräerbrief sagt das so: Wir haben einen großen Hohepriester. Wir haben Jesus. Nun wissen wir leider heute nicht mehr gar so gut was das war, ein Hohepriester.

Aber die Christen des Hebräerbriefes mit ihrer hebräisch-jüdischer Tradition, die haben das gut verstehen können. Die haben in ihrem Kopf gleich ein Bild gehabt, vielleicht von Aaron, Moses Bruder, der war der erste Hohepriester. Er versah seinen priesterlichen Dienst an der Stiftshütte. Das war das Zelt-Heiligtum, das die Isareliten auf ihrer Wüstenwanderung mit sich führten. Aaron brachte die Opfer dar, Räucheropfer oder Tieropfer, er sprach die Gebete für das Volk, er spendete dem Volk den Segen. In allem was er tat war er der Mittler zwischen Gott und Volk. Er war die Verbindung zu Gott, die Brücke.

Und nun würde ich gerne mit Ihnen einen Erkundungsgang machen. Hin in das Wüstenheiligtum der Israeliten, also zur Stiftshütte wo Aaron als Hohepriester Dienst tat.

(Tipp: Den Gottesdienstbesuchern zu Beginn des Gottesdienstes eine einfache Skizze mit dem Grundriss des Wüsten-Heiligtums an die Hand geben.)

Die Stiftshütte war ein Zelt mit zwei Räumen, dem Heiligen und dahinter – abgetrennt durch einen Vorhang – dem Allerheiligsten. Im Heiligen standen u. a. der siebenarmige Leuchter und ein Räucheraltar. Im Allerheiligsten stand die Bundeslade. Die Bundeslade war ein vergoldeter Kasten mit massivgoldenem Deckel. Darin wurden die Tafeln mit den 10 Geboten aufbewahrt. Sie waren das Zeichen des Bundes, den Gott mit seinem Volk geschlossen hatte. Und deshalb war die Bundeslade auch so wichtig, der der heiligste Gegenstand, den die Israeliten besaßen. Man stellte sich vor: Der Deckel, das ist der Thron Gottes, der Gnadenthron. Der heilige Gott wohnt hier unter seinem Volk. Der Heilige Gott, dem sich eigentlich niemand nahen kann, weil vor seiner Heiligkeit alles Unheilige vergehen müsste. Er ist uns nah.

Nur ein einziges Mal im Jahr durfte dieses Allerheiligste betreten werden, am großen Versöhnungstag. Und nur der Hohepriester durfte dies tun. Er schreitet durch den Vorhof, der die Anlage umgibt. Dann betritt er die Stiftshütte, zunächst  das Heilige und schließlich tritt er hinter den Vorhang ins Allerheiligste. Er tritt quasi vor Gottes Thron. Für das ganze Volk tritt er vor Gott und erwirkt bei ihm durch Gebet und Opfer Vergebung ihrer Sünden. Und der heilige Gott zeigt sich barmherzig, schenkt Gnade. Das Volk kann aufatmen.

Und nun zieht der Hebräerbrief den Vergleich: Jesus ist der große Hohepriester. Unser Hohepriester. Er hat nicht ein irdisches Heiligtum durchschritten, er hat die Himmel durchschritten. Er steht nicht nur vor der Bundelade, er steht in Wahrheit vor Gottes Thron. Das Opfer, das er bringt ist auch kein Tieropfer. Er gibt sich selbst. Er gibt sein Leben aus Liebe zu uns. Das gilt für immer. Das muss nicht wiederholt werden. Kein weiteres Opfer ist nötig. Und es gibt nichts was wir noch dazu tun könnten oder dazu tun müssten! Wir haben nun Frieden mit Gott. – Beim Glauben - das sagte ich schon - geht es auch darum was wir haben. Wir haben Zugang zu Gott. Wir haben ein Heimatrecht im Himmel. Wir haben Jesus, durch den alles gut geworden ist zwischen uns und Gott.

Jesus ist unser Mittler. Er tritt für uns ein vor Gott. Er bittet für uns. Er weiß, wie es uns geht und was wir brauchen. Er sieht unsere Schwachheit. Auch die Resignation, die Enttäuschungen, unseren Kleinglauben. Die Versuchungen, denen wir erliegen. Er ist ja selbst versucht worden. Er weiß wie das ist. – auch wenn er den Versuchungen  nicht erlegen ist.  Er versteht. Er kann mitleiden mit unserer Schwachheit. Im griechischen Urtext heißt mitleiden „ sympathein“. Jesus ist voller Sympathie für uns. Seine Sympathie – und das ist das Wunderbare – gilt uns nicht nur, wenn wir gut drauf sind, sondern gerade auch dann wenn wir schwach sind. Das tut gut: Da ist einer der uns voll durchschaut, der alle Schwäche sieht, und uns doch nicht verurteilt! Er sieht uns an mit den Augen der Liebe. Ich glaube, letztlich sehnen wir Menschen uns danach, dass da jemand ist, vor dem wir nichts verbergen müssen, wo alles offen liegen darf, wo man die Maske des guten, erfolgreichen, vorbildlichen Menschen ablegen kann. Hier bei Jesus sind wir angenommen wie wir sind – auch mit unserem Versagen, unseren Sehsüchten, unseren Zweifeln. Der zeitgenössische Liederdichter Albert Frey dichtet:

Und ich danke dir, dass du mich kennst - und trotzdem liebst!
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf,
und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.

Das ist es, was uns aufrichtet, dass wir geliebt sind. Trotz allem! So angenommen sein, das gibt Kraft. „Ich habe keinen Menschen“ stimmt einfach nicht! Wir haben Jesus. An unserer Seite, bedingungslos steht er zu uns.

Und wenn jetzt unser Glaube ins Wanken gerät wie seinerzeit bei den Christen des Hebräerbriefes, oder wenn wir den Mut sinken lassen wollen an schweren Tagen – wie der Gelähmte am Teich – dann lasst uns doch Gott um Hilfe bitten! Frei heraus und ohne falsche Scheu. Wir können zu ihm mit unserem Gebet. Wir können zu ihm, zu dem allerheiligsten Gott. Das haben wir Jesus zu verdanken. Er hat das vermittelt. Und hier bei Gott gibt es Hilfe für uns. Gottes Thron ist ein Gnadenthron.

Wann die Hilfe kommt und wie die Hilfe aussieht, das müssen wir dann freilich Gott überlassen. Er weiß, wann die rechte Zeit da ist. Er weiß was uns gut tut und was nicht. Aber wer immer im Gebet zu Gott kommt, geht nicht wieder mit leeren Händen.

Der Gelähmte vom Teich Bethesda ist nach 38 Jahren wieder auf die Beine gekommen. „Auf die Beine kommen“ muss nicht nur ein körperliches Geschehen meinen. Es kann sein, dass, jemand körperlich gelähmt bleibt und trotzdem „auf die Beine kommt“, wenn er nämlich Lebensmut und Freude gewinnt. Die Seele bekommt neue Kraft. Auch unser Glaube muss manchmal wieder auf die Beine kommen. Wenn er müde geworden ist und schwach wie bei den Empfängern des Hebräerbriefes damals. Dann brauchen wir Ermutigung. Neues Gottvertrauen . Und Zuversicht darauf, dass Gottes Reich kommt. Wie gut, dass wir nicht alleine sind, dass uns einer priesterlich zur Seite steht.

Ich habe keinen Menschen? Stimmt nicht. Solange wir Jesus haben.

Amen

Verfasserin: Pfarrerin Traude Prün, Kirchheimer Straße 2, 67269 Grünstadt


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