Menü

Der barmherzige Samariter

von Helmut Klein (64753 Brombachtal-Kirchbrombach)

Predigtdatum : 06.09.1998
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 11. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 1. Johannesbrief 4,7-12
Wenn Sie diese Predigt als Word-Dokument erhalten möchten, tragen Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein und klicken Sie auf "Abschicken"
Ihre E-Mail

Wochenspruch:

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
(Mt. 25, 40)

Psalm: 112,5-9

Lesungen:

Altes Testament:
1. Mose 4,1-16a
Epistel:
1. Johannes 4,7-12
Evangelium:
Lukas 10,25-37

Liedvorschläge:

Eingangslied:
EG 295
Wohl denen, die da wandeln
Wochenlied:
EG 343
Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ
Predigtlied:
EG 632
Wenn das Brot, das wir teilen
Schlußlied:
EG 627
Schalom, schalom

7 Ihr Lieben, laßt uns einander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. 8 Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. 9 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 10 Darin besteht die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. 11 Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. 12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.

Liebe Schwestern und Brüder,
wenn ich diese Worte aus dem ersten Johannesbrief lese und höre, dann merke ich mit Erschrecken, daß ich heute beim Predigen vieles falsch machen kann.
Ich bin in der Gefahr, jetzt über Theologie zu reden, über die Lehre von Gott: Was ist Gott ? Wer ist Gott ? Was ist sein Wesen? Und dann kann ich einen schönen, gelehrten Vortrag halten über das Thema: Gott ist Liebe. Aber darum geht es nicht in diesem biblischen Wort aus dem Johannesbrief.
Ich könnte auch über die Liebe reden. Ich könnte Anweisungen geben, wie Christen richtig lieben sollen - aber ich fürchte die Langeweile, wenn ich mich hier in Erklärungen und Aufforderungen zur Liebe verliere. Nein, über Liebe reden kann man nicht wirklich, Liebe muß man leben !
Deshalb erzähle ich Ihnen heute zwei Geschichten, Geschichten aus dem Leben, lebendige Liebesgeschichten:
„Ich mache einen Besuch in den großen Bogelschwinghschen Anstalten von Bethel bei Bielefeld. Dort begegnet mir ein Mann, der mir verwundert berichtet, was er gerade erlebt hat: ‘Als ich eben durchs Hoftor eintrete, steht da mitten im Weg ein großer Hund mit fürchterlichem Gebiß und wütenden Augen. Ich überlege noch, ob ich umdrehen und weitergehen soll. Da sehe ich, wie aus einem anliegenden Haus ein epileptischer Junge, einer der behinderten Bewohner, herauskommt und auf den Hund zugeht, um ihm zu streicheln. Mir will das Herz stehenbleiben. Entsetzt rufe ich: ‘Halt, Junge, der Hund ist böse.’ Aber unbekümmert dreht der Junge sich nach mir um und sagt: ‘Wenn man ihn lieb hat, beißt er nicht.’ Da hatte ich meine Lektion.“ (Aus Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 1, S. 74)
Wenn man ihn lieb hat, beißt er nicht ! Das gilt nicht nur für Hunde!
Die Nachrichten in Presse und Fernsehen lassen mich nicht an die Liebe im Menschen glauben. Auch ein ehrlicher Blick auf mich selbst und meine Gefühle und Gedanken zeigen mir nichts Besseres. Wir Menschen sind mehr oder weniger wilde Hunde, mit wildem Knurren, wütenden Augen und einem kräftigem Gebiß, mit dem wir viel zu oft zubeißen. Doch es gilt auch für uns: „Wenn man ihn liebhat, beißt er nicht!“ Das ist nicht nur die tiefe Sehnsucht von Hunden, sondern auch von mir: Streicheln, Liebe, Angenommen-Sein, bedingungslos Geliebt-Werden. Dann brauche ich nicht mehr zu beißen.
1. Johannes 4,7+9: „Ihr Lieben, laßt uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.“
(Gute Nachricht: Ihr Lieben, wir wollen einander lieben, denn die Liebe kommt von Gott! Wer liebt, hat Gott zum Vater und kennt ihn. Gottes Liebe zu uns hat sich darin gezeigt, daß er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte. Durch ihn wollte er uns das neue Leben schenken.)
Gott hat uns so lieb! Ich bin angenommen, bin wert-geachtet, bin geliebt. Für mich hat Gott sein Bestes gegeben: seinen Sohn, sein Leben. Damit ich weiß: Gott steht auf meiner Seite. Ich bin nicht allein! Wir haben es an Ostern gefeiert, und wir feiern und bedenken es noch in jedem Gottesdienst: Gott sagt zu mir: „Ich liebe Dich !“
Und das ist unvergleichlich wichtiger als wenn ein dicker, ungewaschener, zotteliger Schlagersänger uns zusingt: „Piep, piep, piep, Guildo hat euch lieb !“
Gottes Liebe kann ich spüren, täglich: morgens schon, wenn ich meine Augen aufmache. Und erst recht am Abend, bevor ich sie wieder zumache.
Gottes Liebe, spürbar schon im Sonnenstrahl, der mich weckt und der der ganzen Erde das Leben schenkt.
Gottes Liebe aber auch im anhaltenden Landregen, der den Boden tränkt.
Gottes Liebe in dem freundlichen Gesicht meiner Familie, meiner Freunde, meiner Nachbarn.
Gottes Liebe aber auch in dem schwierigen Ereignissen des Tages, in den leidvollen Erfahrungen meines Lebens; denn eigentlich haben diese mich erst zum Nachdenken gebracht. Erst durch meine Grenzen, erst durch so manches Leid kann ich Gottes Liebe begreifen, kann ich verstehen, daß rein gar nichts mich von seiner Liebe trennen kann.
Gott sagt zu mir: „Ich liebe Dich !“ - Und Gott wartet. Er wartet auf meine Antwort.
Was ist die Antwort auf solche Liebe, die Antwort auf eine solche Liebeserklärung?
„Ich liebe Dich auch !“, so antwortete meine Frau damals (und auch heute noch) zu mir. Und sie läßt ihren Worten Taten folgen, eine Umarmung, ein Kuß, ihr ganzes Wesen ist eine Antwort.
Liebe fordert immer zu einer Antwort heraus, ablehnend oder öffnend. Liebe läßt niemals gleichgültig. Schon gar nicht die Liebe Gottes.
Dazu die zweite. Geschichte aus dem Leben, die zweite. Liebesgeschichte:
Ein indischer Maschinenbaustudent aus einer christlichen Familie besuchte während seines Studiums in Deutschland einen Gottesdienst. Dort wurde er von einem Ehepaar zu Weihnachten eingeladen. Aus dem Kontakt entwickelte sich eine Freundschaft, so daß die Familie ihm sogar anbot, er könne bei ihnen wohnen.
Der Student schrieb seinem Vater nach Indien von dieser herzlichen Gastfreundschaft, die für ihn eine große Hilfe und Ermutigung sei. Das machte den Vater nachdenklich. Wenn der Sohn in Deutschland soviel Hilfe und Liebe erfuhr, wollte er auch nicht untätig sein. Er entschloß sich, fünf Straßenkinder in sein Haus aufzunehmen.
Als das deutsche Ehepaar bei einem Besuch in Indien erlebte, wie diese Straßenkinder ein Zuhause gefunden hatten, regte es Freunde in Deutschland zum Spenden an. So konnte die indische Familie weitere Kinder aufnehmen. Auch die Brüder des Studenten mit ihren Frauen engagierten sich in dieser Arbeit. Heute, nach 25 Jahren, sind daraus sieben Kinderheime mit über 500 Plätzen geworden. (Neukirchner Abreißkalender, 1. Mai 1998)
Liebe Schwestern und Brüder, unsere Antwort auf Gottes Liebe wird nicht unbedingt der Aufbau eines Kinderheimes sein, aber aufbauend, auf-erbauend wird sie immer sein, unsere Liebesantwort an Gott. Sie wird uns verändern und auch die Menschen um uns herum. Gottes Liebe läßt keinen unverändert.
Laßt uns in dieser Gemeinde erleben, wie Gottes Liebe uns verändert. Weil wir Liebe empfangen, können wir sie weitergeben. Ich bin sicher, das kann man schon an uns spüren, wenn wir aus diesem Gottesdienst nach Hause gehen. (Vielleicht fängt das schon damit an, daß Sie Ihrem Banknachbarn hier in diesem Gottesdienst nachher freundlich „Auf Wiedersehen“ sagen, oder ihn nach seiner Familie oder ... oder... fragen.)
1. Johannes 4,11+12: „Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.“
(Gute Nachricht: Ihr Lieben, wenn Gott uns so sehr geliebt hat, dann müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je gesehen. Aber wenn wir einander lieben, lebt Gott in uns. Dann hat seine Liebe bei uns ihr Ziel erreicht.)
Amen.

Verfasser: Pfr. Helmut Klein, Hauptstr. 13, 64753 Brombachtal-Kirchbrombach

Herausgegeben vom

Logo Zentrum Verkündigung

Referat Ehrenamtliche Verkündigung
Markgrafenstraße 14, 60487 Frankfurt/Main,
Telefon: 069.71379-140
Telefax: 069.71379-131
E-Mail: predigtvorschlaege@zentrum-verkuendigung.de

in Kooperation mit dem

Logo Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
Gemeindedienst der
Evangelischen Kirche
in Mitteldeutschland

Pfarrer Dr. Matthias Rost
Zinzendorfplatz 3 (Alte Apotheke), 99192 Neudietendorf
Telefon: 036202.7717-97

Logo MÖD – Missionarisch Ökumenischer Dienst
Pfarrer Thomas Borchers
Missionarisch-Ökumenischer Dienst
Westbahnstraße 4
76829 Landau
Telefon: 06341.928912
E-Mail: info@moed-pfalz.de