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Der barmherzige Samariter

von Arno Kreh (64823 Groß-Umstadt)

Predigtdatum : 29.08.2010
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 13. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 1. Johannesbrief 4,7-12
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Wochenspruch:

„Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25, 40)

Psalm: 112, 5 – 9

Lesungen

Altes Testament:
1. Mose 4, 1 – 16 a
Epistel:
1. Johannes 4, 7 – 12
Evangelium:
Lukas 10, 25 – 37

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 295,1-3
Wohl denen, die da wandeln
Wochenlied:
EG 262,1-3
Sonne der Gerechtigkeit
Predigtlied:
EG 632
EG 428
Wenn das Brot, das wir teilen
Komm in unsre stolze Welt
Schlusslied:
EG 171,1-4
Bewahre uns Gott

Der Predigttext redet von der Liebe Gottes, die im Wirken und in der Sendung Jesu erkennbar wird. Untrennbar mit der Gottesliebe verbunden ist die Bruderliebe auch wenn offen bleibt, wie sie aufeinander bezogen sind. Jedenfalls gilt: wer Gott liebt, wird auch seinen Bruder/seine Schwester lieben.

Was macht die Liebe in unserem Leben manchmal so schwierig? Ich gehe zunächst aus von der alltäglichen Erfahrung der Leistungsorientierung, die uns nach den Ferien wieder neu in den Griff nimmt und oft wenig von den gemachten (Nächsten-)Liebe-Erfahrungen übrig lässt. Im zweiten Abschnitt beschreibe ich, wie Jesus durch sein Wirken Menschen befreit und immer wieder neu zu einem Leben in der Liebe einlädt. Der dritte Teil will deutlich machen, dass die angemessene Antwort auf den „Liebesbrief“ nicht in einem bestimmten konkreten Tun besteht, sondern in einer Haltung der liebevollen Offenheit anderen Menschen gegenüber, die darauf vertraut, in der jeweiligen Situation die richtigen Antworten zu finden. Dabei dürfen gewohnte Maßstäbe auch einmal auf den Kopf gestellt werden, wie das Beispiel des Franziskus zeigen kann. Vielleicht findet der Prediger/die Predigerin an dieser Stelle auch ganz eigene und bessere Beispiele.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Amen

Predigttext: 1. Johannes 4, 7 – 12

7 Ihr Lieben, lasst uns einander lieben, denn die Liebe kommt von Gott. Wer liebt, ist ein Kind Gottes und kennt Gott. 8 Wer aber nicht liebt, der weiß nichts von Gott; denn Gott ist Liebe. 9 Gottes Liebe zu uns ist für alle sichtbar geworden, als er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn leben können. 10 Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns seine Liebe geschenkt. Er gab uns seinen Sohn, der alle Schuld auf sich nahm, um uns von unserer Schuld freizusprechen. 11 Ihr Lieben, wenn uns Gott so sehr liebt, dann müssen auch wir einander lieben. 12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Doch wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe erfüllt uns ganz.

Liebe Gemeinde,

so fängt normalerweise die Predigt an: „Liebe Gemeinde!“
Auch in der Bibel ist das an manchen Stelle so, z. B. wie heute in unserem Predigttext: „Ihr Lieben!“ oder „Geliebte!“ heißt es da.

Einen Liebesbrief bekommen wir also heute zu hören und entsprechend werbend werden wir angesprochen: meine Kinder, Geliebte, meine Lieben.

Unsere Predigten beginnen nicht deshalb so, weil Christen bessere Menschen wären als andere. „Liebe Gemeinde“, das bedeutet: da kommt einer auf uns zu und sieht uns an, wir werden geliebt, wir sind von Gott Geliebte.

Also noch einmal von vorne: „Liebe Gemeinde!“
Predigttext: 1. Johannes 4,7-12

1. „Gefühlter Alltag“ zwischen Liebe und Leistung

Ferien und Urlaub liegen kaum hinter uns – Da war vieles leichter:
Aussteigen aus dem gewohnten Trott, Zeit haben fürs Leben und das, was man gerne macht, für Partner und Kinder und Freunde, Zeit, um einen neuen Anfang zu machen in der Liebe, Zeit zur Besinnung,
zum Nachdenken über das Leben und über Gott.

Aber schnell haben uns Schule und Beruf wieder in Anspruch genommen. Und da scheinen andere Gesetze zu gelten: Leistung wird von uns erwartet, viele stehen in einem Konkurrenzkampf – da ist keine Zeit für Gefühle, für Liebe.

Diese Alltagserfahrungen prägen uns stärker als die kurzen Erholungszeiten. Und so haben wir den Eindruck, dass das, was das Leben ausmacht, oft zu kurz kommt.

Der Johannesbrief redet nicht um den heißen Brei, sondern spricht es deutlich an: Wir haben nicht oder zu wenig geliebt – Gottes Liebe und unsere Welt haben wir schön auseinander gehalten. In unserem überfüllten Alltag findet Gott mit seiner Liebe oft keinen Platz.

Aber das Schreiben ist keine Anklageschrift, sondern ein Liebesbrief, er will uns verführen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, eine andere Sicht auf unser Leben zu gewinnen.

Der Gott, der hier spricht, sieht uns liebevoll an und sagt:

„Ich, der Herr, bin dein Gott.
Ich stehe ganz auf deiner Seite.
Ich halte mich ganz zu dir.
Ich will nicht, dass du verzweifelst
und in Angst lebst.
Ich will, dass dein Leben einen Sinn hat,
dass du mit deinem Leben an ein Ziel kommst.
Darum habe ich Jesus Christus geschickt.
Ich will, dass es dir gut geht.
Denn: Ich liebe dich!“

Wir sind gewohnt, für das anerkannt und geliebt zu werden, was wir geleistet haben, was wir darstellen im Leben. Hier wird unser gewohntes Leben auf den Kopf gestellt: Gott liebt dich – das brauchen wir uns nicht zu erarbeiten, wir dürfen es annehmen und uns gefallen lassen.

Wo wir oft berechnend vorgehen und Geschäfte auf Gegenseitigkeit machen, wo wir unsere Mittel effektiv einsetzen wollen, da ist Gott großzügig und verschwenderisch – so groß ist seine Liebe.

Aber wir wissen ja, wie das ist: Manchmal ist das Annehmen und Sich-beschenken-Lassen schwerer als das Geben.

Gott liebt dich! Der Liebesbrief lässt es nicht dabei –



„Um Antwort wird gebeten!“:
„Meine Lieben, wenn uns Gott so sehr liebt,
dann sollen auch wir einander lieben.“ (V 11),

heißt es hier. Die Liebe Gottes soll ihre Entsprechung finden
in unserer Liebe.

2. Liebe lernen

Aber: Wie liebt man eigentlich? Wo kann man das lernen? Auch hier gibt uns der Liebesbrief einen Hinweis:

„Die Liebe Gottes ist darin sichtbar geworden,
dass er seinen Sohn in die Welt geschickt hat.“ (V 9)

Bei Jesus können wir das sehen und lernen: Er antwortet auf die Liebe des Vaters, indem er liebt. Er teilt das Leben der Menschen. Mit offenen Augen und Ohren und Sinnen ist er mit ihnen in Kontakt.

In der Begegnung mit ihm wendet sich das Leben zum Guten:
Menschen erfahren Vergebung und kommen wieder auf die Beine.
Die Zuwendung Gottes macht sie wieder sehend, sie werden heil an Leib und Seele, erfahren Befreiung aus furchtbaren Zwängen. Wo die Zukunft verbaut schien, entdecken sie für sich neuen Lebensraum.

Gott spricht uns frei von unserer Schuld. Immer wieder neu dürfen wir uns das zusprechen lassen. Das kann uns trösten über unsere eigenen Lieblosigkeiten hinweg - und die der anderen. Wir können aufhören zu verrechnen und einzuklagen.

So machen wir tastende Schritte in ein neues Leben. Gott schenkt Kraft und neuen Spielraum – die alten Regeln und Grenzen verlieren ihre Macht. Sie können uns nicht mehr klein machen und unser Leben einengen, denn Gott selbst schenkt uns neuen Lebensraum.


3. Lieben – mutig und phantasievoll

Wie nutzen wir diesen Lebensraum? Wie tun wir das Richtige? Gott erwartet eine Antwort auf seinen Liebesbrief. Aber was wäre die passende Antwort? Gibt es da eine Anleitung?

Offenbar traut uns Gott zu, dass wir wissen, was zu tun ist. Der Kirchenvater Augustin hat einmal gesagt: „Liebe – und tue, was du willst!“

Wir brauchen keine Angst zu haben, dass unser Tun auch richtig verstanden wird. Wir sollen uns nicht den Kopf zerbrechen, sondern uns von unserem Herzen leiten lassen. Wir können uns offen und ohne Berechnung und Hintergedanken den Situationen stellen, die uns begegnen.

Wir werden dann, so scheint es der Briefschreiber zu sehen, schon wissen, was zu tun ist. Und manchmal wird dabei vielleicht auch das Gewohnte einmal auf den Kopf gestellt, so wie bei Franz von Assisi:

Ein Klosterbruder konnte einmal nachts nicht schlafen, so quälte ihn der Hunger. Franziskus merkte das. Er holte einen Brotlaib aus der Küche, tat so, als wäre er genau so hungrig und aß zuerst von dem Brot. Der Bruder sollte sich nicht schämen, weil er den Hunger nicht so gut ertragen konnte wie die anderen Brüder. Da saßen sie zusammen in der Nacht, zwei, die eigentlich fasten sollten, und freuten sich am guten Brot.

Die Liebe lässt sich nicht in Schablonen pressen. Wir dürfen unserer Phantasie freien Lauf lassen, denn wir wissen ja: Wir sind geliebt!
Amen.

Und der Friede Gottes, der weiter reicht als menschliches Denken und Planen, der bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.



Sündenbekenntnis
Herr, unser Gott.
Du lässt uns deine Güte und Freundlichkeit erfahren –
jeden Tag neu.
Wir empfangen deine Gaben,
aber wir sind nur selten bereit,
sie mit anderen zu teilen.
Im Umgang miteinander bringen wir die Geduld nicht auf,
die du immer wieder mit uns hast.
Wir geben die Liebe nicht weiter,
die du uns zuwendest.
Deshalb rufen wir: Herr, erbarme dich!

Gnadenwort
Gott gibt uns nicht auf.
Er wendet zum Guten, was wir versäumt haben.
Seine Liebe ist größer als unsere Schuld.
Darum können wir uns freuen und sprechen:
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
Ehre sei Gott in der Höhe!

Vielleicht für die Begrüßung ein Gedicht von Erich Fried:
Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Erich Fried

Dieses Gedicht von Erich Fried ist als gestaltete Postkarte erhältlich bei der Öffentlichkeitsarbeit der EKHN, Paulusplatz, 64276 Darmstadt; www.meine-lebensart.de

Verfasser: Pfarrer Arno Kreh, Wallstraße 9, 64823 Groß-Umstadt

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