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Der dankbare Samariter

von Manfred Wiefel (99084 Erfurt)

Predigtdatum : 17.09.2006
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 12. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 1. Thessalonicher 1,2-10
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Wochenspruch:

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
(Psalm 103,2)
Psalm: 146 (EG 757)

Lesungen

Altes Testament:
1. Mose 28,10-19
Epistel:
Römer 8, (12-13) 14-17
Evangelium:
Lukas 17,11-19

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 293
Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all
Wochenlied:
EG 365
Von Gott will ich nicht lassen
Predigtlied:
EG 243
Lob Gott getrost mit Singen
Schlusslied:
EG 272
Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen

Der Apostel schreibt: 2 Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserm Gebet 3 und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus.
4 Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid;
5 denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit. Ihr wisst ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen. 6 Und ihr seid unserm Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im Heiligen Geist, 7 sodass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja. 8 Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen. 9 Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott 10 und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem
zukünftigen Zorn errettet.

Liebe Gemeinde!
Von den Bauern in Ostfriesland wird erzählt, dass sie ihren Säuglingen Steine auf die Brust legen, damit sie möglichst schnell das Stöhnen und Klagen lernen. Das ist natürlich ein Gerücht. Aber wahr ist, dass das Stöhnen und Klagen schnell über unsere Lippen kommt, wenn es uns schlecht geht. Oft sogar, wenn es uns gar nicht so schlecht geht.
Schwerer als mit dem Klagen haben wir es da schon mit dem Danken. Manch einer bringt nie ein Wort des Dankes heraus. Und ein anderer nur dann, wenn er dazu aufgefordert wird. Schließlich habe ich einen Anspruch auf jede Form von Zuwendung. Oder? Woran mag es liegen, dass uns das Danke-Sagen abhanden kommt?
Da überweist eine Großmutter ihrem Enkel einige Hundert Euro, damit der sich sein heißbegehrtes Motorrad kaufen kann. Dank dafür – Fehlanzeige. Ist es einfach schlechtes Benehmen, oder was ist es? Da bemüht sich ein Gemeindeglied wochenlang um eine kranke Kollegin, besucht sie, hilft im Haushalt, macht notwendige Wege – kein Wort des Dankes, womit sie doch im Stillen gerechnet hatte. Oder ist das eine falsche Erwartung? Sollte eine solche Hilfe selbstverständlich sein, noch dazu für einen Christen, keiner Rede wert? Manch einer sieht das so.
Nicht so der Apostel Paulus. Sein Brief an die Christengemeinde in Thessalonich beginnt mit einer überschwänglichen Dankesrede. Was muss das für eine großartige Gemeinde sein, die solch ein Lob zu hören bekommt. Der Glaube trägt, die Liebe ist aktiv, die Hoffnung ist unerschütterlich, der Heilige Geist ist am Wirken, die Gemeinde hat eine große Ausstrahlung nach außen. Herz was willst du mehr, möchte man sagen. Da könnt ihr Christen in Thessalonich euch doch nur beruhigt auf die Schulter klopfen.
Doch die haben vermutlich genau zugehört, als der Brief verlesen wurde. Nicht sie sind die Adressaten des Dankes. Paulus dankt Gott für solch eine Gemeinde. Und das ist natürlich nun schon ein kleiner, feiner Unterschied zu den Erwartungen, die wir gemeinhin haben. Wir sehen es ganz gerne, wenn man uns auf die Schulter klopft. Paulus klopft gleichsam erst Gott auf die Schulter. Denn er ist es doch, der das Blühen der Gemeinde bewirkt hat. Der den Mut schenkt zum Engagement. Der Bedrängnisse ertragen lässt. Es ist ja nicht unsere eigene Kraft, sondern Gottes Geist, der uns in Bewegung setzt. Und deshalb der erste Dank an ihn. Wir Christen mögen uns bewusst sein, wer unser Leben in der Hand hat und wem wir uns verdanken.
Es ist nicht so ein allgemeiner Dank, den Paulus da ausspricht. Er wird konkret. Und es sind drei Dinge: er dankt für den Glauben an den von den Toten auferweckten Jesus Christus, er dankt für die Liebe als sichtbarer Ausdruck ihrer Gemeinschaft und er dankt für die Hoffnung mit der sie auf die endgültige Erfüllung der Verheißung warten. Glaube, Liebe, Hoffnung also als Kennzeichen einer lebendigen Gemeinde.
Er dankt für den Glauben. Dabei war das ja sicherlich keine Idealgemeinde in Thessalonich, wenn es so etwas überhaupt gibt. Die 30, 40 Leute die sich da zusammenfanden, waren vermutlich auch keine Glaubenshelden. Es waren Leute, denen Jesus das Herz geöffnet hat, und die nun recht und schlecht versuchten, ihren Glauben zu leben. In einer Umwelt, die sie nicht mit Begeisterung begrüßte. Die im Gegenteil sehr kritisch zusah, was die da taten und die meinten, wie überflüssig diese Truppe doch eigentlich in ihrer multikulturellen Hafenstadt sei. In solch einem Umfeld versammelten sie sich und lobten und dankten Jesus, dass er ihr Herr sei, dem sie ihr neues Leben verdankten, der sie stärkte und tröstete und der sie in eine neue Zukunft führte. Das hat sie zu Vorbildern für andere gemacht. Aber haben Christen jemals anders gelebt?
Paulus dankt für die Liebe. Wie er es nennt: für die Arbeit in der Liebe. Liebe als Mühe, als Arbeit. Man könnte auch von der Anstrengung der Nächstenliebe reden. Da gibt es Menschen in der Gemeinde, die probieren die Liebe Gottes aus. Sie fragen danach, wie man das umsetzen kann im Alltag. Sie bleiben nicht dabei stehen, an die Nächstenliebe zu appellieren.
Und wir wissen, Nächstenliebe zu praktizieren, das ist anstrengend. Sich derer anzunehmen, die verzweifelt sind, die ihre Zuversicht aufgegeben haben; oder gar die Hand zur Versöhnung auszustrecken, wo Streit das Zusammenleben vergiftet hat, das fällt keinem in den Schoß. Sollten wir nicht froh sein über Menschen, die Gott befähigt hat eine solche Liebe zu üben? Der Apostel Paulus jedenfalls ist es.
Und er dankt für die Hoffnung. Er spricht von der Geduld, dem langen Atem der Hoffnung. Hoffnung als die dritte Kraft neben Glaube und Liebe. Entscheidend für die Christen damals war: Er kommt. Daran wurde alles gemessen. Diese geheime Mitte bestimmte ihr Denken und Handeln, ihr Fühlen. Von dieser Mitte ging alle Kraft aus. Er kommt, das hieß und heißt: Gott gehört die Zukunft. Christen dürfen froh sein, diese Hoffnung zu haben. Wir hoffen nicht auf etwas, auch nicht auf einen bestimmten Tag, sondern auf ihn. Und diese Hoffnung verleiht Flügel. Sie lässt uns unsere Müdigkeit vergessen. Sie macht uns aktiv. Sie gibt uns Ausdauer und Stehvermögen, gerade wenn Missmut und Klage, Angst vor der Zukunft und Unsicherheit sich breit machen in unserem Denken.
So ist es also nicht verwunderlich, dass Paulus das Danken näher liegt als das Klagen. Die Gemeinde in Thessalonich war nur ein kleiner Haufen, so wie wir auch. Und doch hatte dieser kleine Haufen eine große Ausstrahlung. Wir sollten uns also nicht grämen, wenn wir nur eine kleine Schar sind oder darunter leiden, dass wir weniger werden. Was wir tun, das hat Bedeutung, was wir sagen, das wird gehört, Gott traut uns eine Menge zu. Dafür sollten wir ihm von Herzen danken. Amen.

Verfasser: Superintendent i. R. Manfred Wiefel, Glockenquergasse 1, 99084 Erfurt

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