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Der Einzug des Königs

von Hans-Ulrich Deußen (55270 Schwabenheim)

Predigtdatum : 08.04.2001
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Palmsonntag
Textstelle : Johannes 17,1.(2-5).6-8
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Wochenspruch:

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3,14b.15)

Psalm: 69,2-4.8-10.21b.30 (EG 731)

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 50,4-9
Epistel:
Philipper 2,5-11
Evangelium:
Johannes 12,12-19

Liedvorschläge
Komm, Herr, segne uns (EG 170,1-4)
Eingangslied:
EG 341,1+6+7
Nun freut euch, lieben Christen g’mein
Wochenlied:
EG 87
Du großer Schmerzensmann
Predigtlied:
EG 346,1-5
Such, wer da will, ein ander Ziel
Schlusslied:
EG 170
Komm, Herr, segne uns

Liturgie:
Musik zum Eingang
Begrüßung
Wochenspruch: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Joh. 3,14b.15)
Votum: Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Gemeinde: Amen.
Eingangslied: Nun freut euch, lieben Christen g’mein (EG 341,1+6+7)
Eingangspsalm: 69 (EG 731)
Endend: Kommt, lasst uns anbeten.
Gemeinde: Ehr sei dem Vater...
Sündenbekenntnis: Wir treten vor den heiligen Gott mit dem Bekenntnis unserer Schuld: Herr, heiliger Gott, wir Menschen sind so leicht zu beeinflussen. Nur dir gehorchen wir nicht. Heute rufen wir dir das Hosianna zu und morgen schreien wir mit der Menge „Kreuzige ihn“. Aber du bist barmherzig. Darum bitten wir dich: Herr, erbarme dich!
Gemeinde: Herr, erbarme dich!
Gnadenverkündigung: Der heilige Gott hat sich euer erbarmt. Er hat seinen Sohn in den Tod gegeben, dass wir leben können. Darum: Lobsinget dem Herrn! Erhebet seinen Namen!
Gemeinde: Ehre sei Gott in der Höhe!
Gruß: Der Herr sei mit euch...
Gemeinde: ...und mit deinem Geist.
Gebet: Lieber Herr, wir danken dir, dass du uns nicht von dir verstößt. Im Gegenteil: Du hast uns zu Königen und Priestern gemacht. Lass uns darum in diesem Gottesdienst dein Wort hören und es annehmen. Das bitten wir dich im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gemeinde: Amen.
Schriftlesung: Joh. 12,12-19
Endend: Lob, Ehr und Preis sei Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Gemeinde: Halleluja!
Glaubensbekenntnis
Wochenlied: Du großer Schmerzensmann (EG 87)
Predigt
Predigtlied: Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346,1-5)
Abkündigungen
Dankopfer
Fürbittengebet: Herr, wir danken dir für dein Wort. Wir bitten dich: Lass es uns nicht vergeblich gehört haben. Gib uns den Mut, es weiterzusagen und lass es durch unser Leben lebendig werden.
Wir bitten dich für unser Volk und Land, für die, die uns regieren. Wo wir Unrecht sehen, lass uns nicht schweigen, sondern es laut auch Unrecht nennen.
Wir bitten dich für unsre Kirche. Schenke Prediger, die dein Wort verkündigen. Aber schenke uns auch Geduld mit denen, die anders denken als wir selbst. Lass uns immer daran denken: Du wirst dein Werk vollenden.
Wir bitten dich für unsere Gemeinde und unseren Prediger. Lass keinen Zank und Streit aufkommen, sondern gib uns die Kraft bei allen Gegensätzen miteinander auszukommen.
Vor allem anderen aber bitten wir dich, dass du jeden einzelnen von uns segnest, damit wir ein Segen sind.
Alles was wir sonst auf dem Herzen haben an Fürbitte und Dank, aber auch an Sorgen und Nöten bringen wir vor dich in dem Gebet, dass uns unser Herr Jesus Christus gelehrt hat:
Vaterunser
Lied zum Ausgang: Komm, Herr, segne uns (EG 170,1-4)
Segen
Musik zum Ausgang

1 Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;
[2 denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. 3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. 4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. 5 Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. 6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.]
7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.
8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

Vorüberlegungen
Meine ersten Gedanken: Kann man denn überhaupt über dieses sehr persönliche Gebet Jesu, über dieses intime Gespräch des Sohnes mit dem Vater predigen? Ist es nicht – etwas salopp formuliert – das vertrauliche Gespräch des Juniorchefs mit dem Senior über ihr ureigenstes Verhältnis und über das Verhältnis zu den ihm Anvertrauten? Kann man im übrigen dieses Gebet, das sich über das ganze Kapitel 17 des Johannes-Evangeliums zieht, in der Predigt auf einige wenige Verse beschränken?
Zweite Überlegung: Wenn das hohepriesterliche Gebet Jesu in dieser Ausführlichkeit in der Heiligen Schrift steht, muss es auch für Christen, für die Gemeinde Jesu bestimmt sein. Versuchen wir es also!
Das hohepriesterliche Gebet Jesu umfasst im Grund das gesamte Heilshandeln Gottes. Es gliedert sich in zwei Hauptteile: Vers 1-5 enthält es die Bitte um die Verherrlichung des Sohnes, die folgenden Verse sind die Fürbitte für die Gemeinde, die ebenfalls unter dem Gesichtspunkt der Verherrlichung steht. Dabei beschreiben die Verse 6-8 das Wesen der Gemeinde.
Das beherrschende Motiv im ganzen Johannesevangelium ist die „Stunde“. Solange diese Stunde noch nicht gekommen ist, können die Menschen unternehmen, was sie wollen, sie können Jesus nichts tun. Die Geschichte der Welt steht unter dem Fahrplan Gottes. Auch Jesus selbst untersteht dieser „Stunde“, der Zeit seines Leidens. Diese Zeit wird bei Johannes im Gegensatz zu den anderen Evangelisten nicht unter dem Stichwort „Leiden“ gesehen, sondern unter dem Stichwort „Verherrlichung“. Die Verherrlichung des Vaters ist in der Erfüllung des Willens Gottes durch Jesus zu sehen. Das betrifft das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu.
Das betrifft aber auch die Gemeinde, für die sich Jesus im Auftrag des Vaters verantwortlich weiß. In diesem Zusammenhang ist auch Vers 3 wichtig: Was heißt „ewiges Leben“? Wir beantworten diese Frage in der Regel zuerst von der Zeit her: Leben nach dem Tod. Für Johannes ist der Zeitbegriff zweitrangig. Erstrangig ist für ihn der Personenbegriff: Ewiges Leben ist nicht zuerst Leben nach dem Tod, sondern zuerst Leben mit Gott.
Aus diesen Überlegungen heraus bin ich zu folgender Gliederung gelangt:
1. Der Fahrplan Gottes
2. Die Stunde
3. Die Gemeinde

Liebe Gemeinde,
Wir alle – dessen bin ich mir sicher – sind schon einmal mit einem Zug oder Bus gefahren. Wir haben uns vielleicht über die Unpünktlichkeit oder über die lange Wartezeit auf den Anschlusszug geärgert. Ich bin mir aber auch sicher, dass uns bei einer solchen Fahrt nie die immense Arbeit deutlich geworden ist, die hinter der Erstellung eines Fahrplans steht. Da sind Abfahrts- und Ankunftszeiten aller Züge und Busse aufeinander abzustimmen. Schon eine kleine Unpünktlichkeit wirft den ganzen Plan durcheinander. Da kann die unpünktliche Abfahrt eines IC in Freiburg Auswirkungen auf die Pünktlichkeit der Züge in Schleswig-Holstein haben. Da ist es von großem Vorteil, wenn am zentralen Punkt ein guter Mann sitzt, der den Überblick behält und der wendig genug ist, auch auf Anruf aus dem kleinsten Bahnhof der Strecke zu reagieren.
Einen solchen Fahrplan haben wir in unserem Predigttext vorliegen.
1. Der Fahrplan Gottes
Eines möchte ich vorausschicken: Der Fahrplan Gottes kennt keine Unpünktlichkeiten und Verspätungen.
Aber jetzt werden Sie fragen: Wie kommt der dazu, das Gebet Jesu mit einem Fahrplan in Verbindung zu bringen? Ich will es Ihnen sagen. Unser Predigttext ist ja nur der Anfang des Gebets, des Gesprächs Jesu mit seinem Vater, mit Gott selbst. Aber wenn wir einmal das ganze Gebet lesen und bedenken – und ich möchte Sie dazu ermuntern – dann werden wir darin den ganzen Plan Gottes von Anfang bis Ende wiederfinden.
Jesus weiß das. Deswegen kann er sein Gebet beginnen: „Vater, die Stunde ist da...“. Jeder von uns weiß, dass damit nicht eine Stunde von 60 Minuten gemeint ist: Ein alles entscheidender Zeitpunkt ist jetzt da! Der Zeitpunkt des Leidens und Sterbens.
Um das zu verstehen müssen wir ins Alte Testament zurückgehen. Es geht ja um den Fahrplan Gottes, der am Einsatzort beginnt. Übrigens: Messianische Juden, also Juden, die Christus als ihren Erlöser angenommen haben, reden nicht vom Alten und Neuen Testament. Sie kennen die verschiedenen Bundschlüsse Gottes mit den Menschen: Der Bund mit Noah, mit Abraham, mit Mose, mit David und den Bund, der in Jesus vollendet ist. Bei Gottes Bundesschluss mit Mose erhielt Israel die Thora, die Weisung Gottes. Sie sollte die Menschen lehren, Gottes Heilsplan für ihre durch Sünde verursachte Trennung von Gott anzunehmen. Dieser Heilsplan bestand damals in Tieropfern. Nun bleibt sich Gott immer treu. Darum wird auch keiner der Bundschlüsse aufgehoben. So ist auch bei Gottes endgültigem Bund das Opfer für die Sünde not-wendig: Es ist das einmalige Opfer Jesu, das unsere Schuld null und nichtig macht.
2. Die Stunde
Es ist so weit. Nach dem Fahrplan Gottes ist der Zielbahnhof in Sichtweite. Es geht um Erniedrigung, Leiden und Sterben von Jesus. Solange diese „Stunde“ noch nicht gekommen ist, solange nach Gottes Fahrplan der Zielbahnhof nicht erreicht ist, können Menschen unternehmen, was sie wollen: Jesus ist für sie nicht verfügbar. Menschen können ihm nichts anhaben. Aber nun ist die Stunde gekommen. Noch einmal zur Erinnerung: Es ist nicht von einem Zeitraum von 60 Minuten die Rede. Die „Stunde“, das betrifft den gesamten Zeitraum der Erniedrigung, des Leidens und Sterbens Jesu.
Wir, die Gemeinde, werden Zeuge eines sehr intimen Gespräch zwischen Vater und Sohn. Ich war zuerst erschrocken. Erschrocken nicht nur darüber, dass dieses so sehr vertrauliche Gespräch zwischen Gott, dem Vater, und seinem Sohn uns mitgeteilt wird, sondern auch darüber, sondern auch darüber, dass es uns als Predigttext vorgeschlagen wird. Aber dann wurde mir deutlich, dass wir allzu oft das Leiden und Sterben Jesu als eine Sache ansehen und seine Auferstehung als die andere.
Johannes sieht das anders. Nicht die Zeit nach seiner Passion sieht er als Verherrlichung, sondern sie ist bereits Teil der Verherrlichung. Das Leiden erscheint im Licht der Auferstehung. Im Leiden wird bereits die Herrlichkeit offenbar. Im Leiden Jesu kommt Gott zu seiner Ehre. Hierin offenbart sich der Gehorsam gegen den Vater und hier geschieht die Versöhnung mit den Menschen. Jesus hat seinen Vater auf der Erde verherrlicht, indem er die neue Verbindung zwischen Gott und den Menschen brachte. Damit ist sein Auftrag erfüllt. Es gibt nun Menschen, die in dieser neuen Verbindung leben.
3. Die Gemeinde
„Ich habe deinen Namen den Menschen geoffenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.“
Mit dem Namen war im Gegensatz zur heutigen Namensgebung immer auch die Wesensart des Trägers verbunden. Wenn Jesus uns also den Namen Gottes offenbart hat, dann hat er uns in seiner Person, in seinen Worten und Taten mit der Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes bekannt gemacht.
Redet Jesus noch von uns, liebe Gemeinde, wenn er sagt, dass wir seine Worte angenommen haben; dass wir wahrhaft erkannt haben, dass er vom Vater ausgegangen ist und der Vater ihn gesandt hat?
Gott hat uns Jesus anvertraut. Wir sind also Gottes Eigentum. Gott hat das in der Taufe rechtskräftig erklärt. Daraus ergibt sich unsre Aufgabe in der Welt: weil wir ihm gehören, sollen wir an seinem Wort festhalten und zwar sowohl bei uns selbst wie auch vor den anderen Menschen.
Ein Wort unseres Textes haben wir bisher nicht berührt: „Du – Gott – hast ihm – Jesus – Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“
Was heißt das: „Ewiges Leben“? Ohne zu zögern und nachzudenken werden wir antworten: Leben nach dem Tod! Wir beantworten die Frage von der Zeit her. Anders bei Johannes. Für ihn ist der Zeitbegriff nebensächlich. Erstrangig ist für ihn der Personenbegriff: Ewiges Leben bedeutet für ihn Leben mit Gott, schon auf dieser Erde und heute, das aber dann durch die Gemeinschaft mit Gott Sinn und Wert für die Ewigkeit gewinnt.
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen das ewige Leben.
Amen.

Verfasser: Hans-Ulrich Deußen, Raiffeisenstr. 5, 55270 Schwabenheim

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