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Der erhöhte Christus

von Manuela Rimbach-Sator (55276 Oppenheim)

Predigtdatum : 21.05.2009
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Rogate
Textstelle : Lukas 24,(44-49).50-53
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Wochenspruch:

Christus spricht: wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12, 32)

Psalm: Psalm 47 (EG 726)

Lesungen

Altes Testament:
1. Könige 8, 22 – 24. 26 - 28
Epistel:
Apostelgeschichte 1, 3 – 4( 5 – 7) 8 - 11
Evangelium:
Lukas 24, (44 – 49) 50 - 53

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 450
Morgenglanz der Ewigkeit
Wochenlied:
EG 121
Wir danken dir, Herr Jesu Christ
Predigtlied:
EG 406 oder EG 622
Bei dir, Jesu, will ich bleiben oder: Weißt du, wo der Himmel ist
Schlusslied:
EG 163
Unsern Ausgang segne Gott

Hinführung:
Die Predigt versucht zu gestalten, wovon sie handelt: Die Entdeckung, dass Himmel und Erde sich berühren. Die Lukasvariante der Himmelfahrtsgeschichte ist wenig spektakulär erzählt, und die Ortsangabe Betanien darin lässt sich leicht übersehen. Und doch liefert der biblische Befund mit eben diesem Ort Betanien gerade die Chance, das je eigene Betanien im Leben ausfindig zu machen als Ort, an dem Spiritualität geschieht, Frömmigkeit im ursprünglichen Wort-Sinn.
Eine engagierte Vortragsweise, die nicht lamentiert über profane Vaterstagsbräuche, sondern die viel größere Himmelfahrtsverheißung dagegenhält, ist dieser Predigt zuträglich.

50 (Jesus) Er führte sie (die Jünger) aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. 51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. 52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude 53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Liebe Gemeinde,
heute ist Himmelfahrt! Ein Tag – wie geschaffen für außerordentliche Erfahrungen.
Das wünsche ich mir eigentlich zu jeder Zeit von unseren Gottesdiensten: dass die Menschen, die sie feiern, heimgehen und gutgelaunt sind. „Mit großer Freude“ wie Lukas schreibt, als die Jünger mit Jesus in Betanien waren.
Zuweilen gelingt uns das: Wir haben ein Wort gehört, das uns gefällt, oder ein Lied gesungen, das uns in eine wunderbare Stimmung versetzt und uns noch eine Zeitlang begleitet. Vielleicht haben wir eine Begegnung, die uns gut tut, oder ein Zuspruch spricht uns ins Herz, berührt unsere Seele.
Dann sind wir froh, vielleicht heiter oder gar überschwänglich. Wir möchten andere an unserer Freude teilhaben lassen, und sie steht uns ins Gesicht geschrieben.
Solche glücklichen Momente kennen durchaus viele von uns. Für einige werden sie sich gar tatsächlich im Gottesdienst ereignet haben, oder eben in ganz anderen Situationen, in denen das Leben intensiv erlebt wird, ein Stück Himmel auf Erden. Momente von großer Geisteskraft, von tiefempfundener Spiritualität. Erfahrungen, die uns verändern, ein Schlüsselerlebnis, das uns den Himmel aufschließt, den Horizont erweitert und das Herz leicht macht.
So etwas Großartiges geschieht, als die Jünger mit Jesus nach Betanien gehen.
Und ich möchte uns gerne dahin mitnehmen lassen.
Betanien – der Ort hat große Bedeutung für Jesus:
Es ist die Heimat von Maria und Martha, den beiden Schwestern, die mit Jesus befreundet sind. Maria setzt sich ihm zu Füßen und hört seiner Rede zu. Martha findet das ungehörig für eine Frau in ihrer Kultur, aber Jesus bestätigt Maria in dem, was sie tut.
Bald darauf machen die beiden Schwestern eine überwältigende Erfahrung: Jesus holt ihren Bruder Lazarus aus dem Tod zurück ins Leben. Auch das geschieht in Betanien.
Bei einem anderen aufregenden Ereignis gelangt Jesus nach Betanien erst in einer verblüffenden Wendung der Erzählung:
Der Evangelist Matthäus erzählt die Geschichte von der Tempelreinigung, als Jesus wütend die Geldwechsler und Händler aus dem Tempel vertreibt. „Es steht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus heißen«; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus!“ wirft Jesus ihnen vor.
Kinder jubeln ihm zu und erkennen in ihm den Messias.
Die Hohenpriester und Schriftgelehrten stellen Jesus zur Rede. Er aber lässt sie abblitzen. Und Matthäus schreibt: „Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt hinaus nach Betanien und blieb dort über Nacht.“ Betanien ist der Ort, an dem Jesus die, die ihn ablehnen, hinter sich lassen kann.
Betanien ist der Ort, von dem aus Jesus nach Jerusalem zum Passahfest aufbricht. Feierlich reitet er von hier aus auf einem Esel in die Stadt und wird wie ein König empfangen.
Und Betanien ist der Ort, an dem Johannes tauft und an dem Jesus in der Taufe von Gott als sein Sohn bestätigt wird.
Ein Ort von besonderer Kraft.
Wenn Lukas nun (in der Himmelfahrtserzählung) ausdrücklich notiert, dass Jesus seine Jünger nach Betanien führt, dann wissen die, die das Evangelium bis hierher gehört haben: Das war kein alltäglicher Spaziergang, kein Vatertags-Männervergnü-gungsausflug ins Grüne. Betanien – da geschehen wichtige Dinge!
Nur mit ganz wenigen Worten beschreibt der Evangelist Lukas das, was die Jünger dort erleben in Betanien mit dem auferstandenen Jesus.
Und es ist so großartig, dass es die Jünger vollkommen erfüllt, ja verändert.
Danach ist der Ort, an den sie gerne wiederkehren, der Tempel. Offenbar ist das die direkte Fortsetzung dessen, was die Jünger mit Jesus in Betanien erlebt haben.
Der Tempel ist jetzt ein Bethaus geworden. Und die Jünger sind Gesegnete, voller Freude sind sie und erfüllt mit dem Lobpreis für Gott.
Sie, liebe Gemeinde, sind heute am Himmelfahrtstag hierhergekommen, vielleicht weil Sie sich das auch versprochen haben: Gesegnet zu werden, sich mit Freude und der Berührung mit dem Göttlichen beschenken zu lassen. So wie die Jünger an jenem ersten Himmelsfahrtstag.
Und obwohl hier nicht „Betanien“ ist, will ich Ihnen ein Stück Himmel auf Erden versprechen. Unser eigenes, ganz persönliches Betanien.
Erinnern Sie sich: Es ist der Ort der Taufe.
Von Martin Luther wird erzählt, dass er sich große Kraft daraus holte, dass er sich erinnerte: „Ich bin getauft!“
Wo sind Sie eigentlich getauft worden? Vielleicht könnte es Ihnen guttun, so wie Luther wenigstens in Gedanken an diesen Ort zu gehen und sich von dort Kraft zu holen.
Betanien, das ist der Ort, wo Jesu Freunde ihm Raum geben. Ein Raum für Jesus, wo ich auf seine Worte höre, nach erschöpfendem Streit zur Ruhe komme, die Kritiker hinter mir lasse.
Betanien, der Ort, an dem Jesus dem Tod die Macht abspricht.
Vielleicht kennen Sie solch einen Ort, an dem der Tod sich aufgespielt hat in Ihrem Leben und wo es Zeit ist, mit Jesus an diesen Ort zu gehen und die Schatten des Todes zu vertreiben.
Betanien ist der Ort, wohin Jesus die Jünger führt.
Gewiss ein historischer Fleck in der Nähe von Jerusalem, den man auf der Landkarte ausmachen kann. In Wahrheit aber ein Ort ganz in unserer Nähe. Der Ort, an dem Jesus seine Menschen segnet, und an dem Himmel und Erde sich berühren.
Der Ort, wohin wir uns von Jesus, dem Messias, dem Gesalbten, führen lassen dürfen und ganz und gar erfüllen lassen dürfen mit seinem Segen für unser Leben. Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator, Merianstr. 6, 55276 Oppenheim

Herausgegeben vom

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