Menü

Der erhöhte Christus

von Esther-Maria Wedler (Weimar)

Predigtdatum : 09.05.2013
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Christi Himmelfahrt
Textstelle : Johannes 17,20-26
Wenn Sie diese Predigt als Word-Dokument erhalten möchten, tragen Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein und klicken Sie auf "Abschicken"
Ihre E-Mail

Wochenspruch:

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12, 32)

Psalm: Psalm 47, 2 - 10

Lesungen

Altes Testament: 1.Könige 8, 22 - 24.26 - 28

Epistel: Apostelgeschichte 1, 3 - 4.(5 - 7).8 - 11

Evangelium: Lukas 24, (44 - 49).50 - 53

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 504 Himmel, Erde, Luft und Meer

Wochenlied: EG 121 Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du gen Himmel g’fahren bist

Predigtlied: EG 182 Halleluja. Suchet zuerst Gottes Reich

Schlusslied: EG 170 Komm, Herr, segne uns

Kurze Hinführung:

Der Predigttext aus Johannes 17, 20 - 26 steht im Kontext der Abschiedsreden Jesu und schließt das „Hohepriesterliche Gebet“ ab. Diese Gattung begegnet in vielerlei Gestalt in den biblischen Schriften (vgl. Abschiedssegen in Genesis).

Spannungsreich wird das Thema Nähe und Ferne, Abschied und Neuanfang variiert. Jesus bittet für die Seinen und reflektiert dabei die Situation der johanneischen Gemeinde, die sich in unterschiedlicher Weise mit dem Thema Trennung auseinanderzusetzen hatte. Glaubende leben in einer Spannung zur „gott-losen“ Welt. Gleichzeitig sind sie als eschatologische Gemeinde an diese Welt gewiesen.

In der Mitte der Perikope steht das Gebet um die Einheit der Kinder Gottes, die in der Einheit von Vater und Sohn gründet und in die Zeugenschaft mündet. So bricht mitten in der Welt die Gegenwart Gottes an.

Der Predigttext wird während der Predigt verlesen.

Liebe Gemeinde,

nach dem Start des ersten Sputniks am 4. Oktober 1957 war am nächsten Tag im „Neuen Deutschland“ zu lesen: „Vor 2000 Jahren – so behauptet jedenfalls die Bibel – ist Jesus zum Himmel gefahren. Jetzt aber ist unser Sputnik gen Himmel gefahren! Und diesmal ist es wahr, während die Sache damals nur eine unsinnige Behauptung seiner Anhänger war.“ Von ähnlicher Art und gleichem Niveau ist auch die Äußerung Juri Gagarins: „Es gibt keinen Gott! Ich bin im Himmel gewesen und habe ihn nicht gesehen!“ Mit diesen Bemerkungen sollte der Glaube lächerlich gemacht werden. Der moderne Mensch gibt sich aufgeklärt.

Aber auch viele Christen haben mit dem Himmelfahrtstag ihre Schwierigkeiten. Sie fragen: Was glauben wir eigentlich, wenn wir Himmelfahrt feiern? Was meinen wir, wenn wir vom Himmel Gottes sprechen?

Ein Blick auf unsere Sprache kann bei der Spurensuche helfen. So gibt es im Deutschen einige Wörter, die zwei Bedeutungen haben, z.B. das Wort Schimmel. Wir meinen damit ein weißes Pferd und zum anderen den unangenehmen Belag auf Brot oder Marmelade. Oder denken wir an das Wort Bank. Es bezeichnet ein Geldinstitut oder das Sitzmöbel, auf dem wir Platz nehmen.

Genauso verhält es sich mit dem Wort „Himmel“. Wir sprechen vom Himmel, wenn wir den Raum meinen, an dem Sonne, Mond und Sterne sind. Aber manchmal kommt es vor, dass wir jemanden „in den Himmel heben“ oder selber „im 7. Himmel“ sind. Das geschieht, wenn wir einen anderen Menschen lieben. Wir sind dann hingerissen vom Glück, das uns begegnet.

In der englischen Sprache gibt es zwei Wörter für unser deutsches Wort Himmel. „Sky“ ist der Himmel über uns und „heaven“ der Himmel in uns.

Von diesem „Himmel in uns“ ist die Rede, wenn wir von Gott sprechen. Wir können dies nur in Bildern und Gleichnissen tun. Der Maler Marc Chagall hat es versucht, wenn er in vielen seiner Werke Menschen am Himmel fliegen lässt. Es ist die Vision einer Liebe, die über das hinausgeht, was wir im Alltag erleben. Es ist die Vision einer Welt, die die Sehnsucht nach Gott noch nicht verloren hat.

Davon erzählt auch unser heutiger Predigttext. Hören wir Worte aus

Johannes 17, 20-26.

Verlesung des Predigttextes

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext erzählt von einer Abschiedsstunde. Wir kennen diese Situation. Denn wir nehmen täglich Abschied: nach einem Gespräch auf der Straße, nach der Schule oder der Arbeit. Wir sagen „Auf Wiedersehen“ und wissen, dass wir uns bald wieder begegnen werden.

Aber dann gibt es Abschiede, bei denen das Herz schwer wird. Wenn wir uns von Menschen trennen müssen, die wir lieben und vielleicht lange nicht wieder sehen. Man steht dann am Bahnhof und kostet jeden Augenblick aus. Bei einem solchen Abschied bleiben die Worte nicht allein in der Gegenwart. Wir blicken auf das, was war und auf das, was kommt: das gemeinsam Erlebte, die Zeit der Trennung, das erhoffte Wiedersehen.

Auch im Johannesevangelium wird von einem solchen Abschied erzählt. Vor seiner Gefangennahme und Passion spricht Jesus zu seinen Jüngern. Es ist sein Vermächtnis und Testament.

Aber Jesus wendet sich nicht nur den Menschen zu. Er sucht auch Gemeinschaft mit Gott. So werden wir zu Zeugen einer Zwiesprache zwischen Jesus und seinem Vater. Im Gebet erinnert sich Jesus an die Vergangenheit und blickt schon weit in die Zukunft voraus.

"Du hast mich gesandt. Du hast mich geliebt. Ich habe deinen Namen kundgetan und deine Herrlichkeit weitergegeben. Ich kenne dich. Wir sind eins." So fasst Jesus sein irdisches Wirken in Galiläa zusammen. Hier kommt eine lebendige Beziehung zum Ausdruck, die neue Beziehungen schaffen will. In seinen Predigten vom Himmelreich und von der Nähe Gottes hat Jesus diese Beziehung verkündet. In seiner Zuwendung zu den Menschen hat er sie Gestalt werden lassen.

Liebe Gemeinde,

im Zentrum des Gebetes Jesu steht die Bitte um Einheit.

Aber, so muss man fragen, scheitert die Kirche nicht immer wieder genau daran? “Damit sie alle eins seien”. Ist das nicht ein naiver Wunsch, der an den Tatsachen in Kirche und Gesellschaft vorbeigeht?

Ja, wir leben in einer Welt, in der Trennung und Konflikte auf der Tagesordnung stehen. Individualisierung und Vereinzelung nehmen zu. Aber nicht nur zwischen Menschen gibt es viel Trennendes. Der christliche Glaube spielt hierzulande keine große Rolle mehr. „Gott“ ist für die meisten Zeitgenossen ein Fremdwort geworden. Die Menschen glauben, alles in der eigenen Hand zu haben. „Jeder ist seines Glückes Schmied“ lautet die Devise, nach der viele leben.

Diese Erfahrung kommt auch in unserem Predigttext zur Sprache, wenn Jesus sagt: „Die Welt kennt dich nicht“. Gottes Wort wird nur von wenigen gehört. Das war damals nicht anders als heute.

Und doch bleibt Jesus bei dieser Erkenntnis nicht stehen. Er bittet für die Menschen, die auf der Suche sind nach dem Sinn ihres Lebens. Die nicht nur den Himmel über uns sehen, sondern auch nach dem Himmel in uns fragen. Und er will, dass wir als Christen eins seien, um glaubwürdig das Evangelium in dieser Welt zu verkündigen.

Liebe Gemeinde,

es ist Jesu letzter Wille, dass wir als Christen wie Geschwister miteinander verbunden sind und in seinem Geist wirken. Und so engagieren sich Menschen seit Jahrzehnten in der ökumenischen Bewegung. Die Verse aus dem Johannesevangelium sind für sie Richtschnur und biblisches Fundament.

Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Realität oft ernüchternd ist. So waren ja zum Beispiel auch große Hoffnungen mit dem Papstbesuch im Erfurter Augustinerkloster im September 2011 verbunden. Es blieb leider beim äußeren Zeichen der Begegnung. Wegweisende Schritte zur Einheit waren nicht möglich. Hoffnungen haben sich zerschlagen, Bemühungen sind gescheitert. Vielleicht liegt es an der Angst vor Veränderung oder Überfremdung. Vielleicht auch an der Angst, Einfluss zu verlieren. Von außen ist das oft schwer nachzuvollziehen und zu verstehen.

Dennoch darf man nicht aufgeben. Auch dafür kann uns unser Predigttext Mut machen. Denn auch Jesus weiß, dass die Einheit der Kirche von uns Menschen nicht hergestellt werden kann. Und darum formuliert er seinen Wunsch nach Einheit auch nicht als Forderung. Er wendet sich vielmehr im Gebet an Gott. Denn die Einheit der Kirche entspringt nicht menschlicher Leistung. Sie ist Geschenk, ist Abbild der Einheit zwischen Jesus und seinem Vater.

Darauf sollen wir blicken. Dann können wir auch neu entdecken, was uns mit anderen Christen verbindet: der Glaube an Christus und seine Gegenwart in unserer Welt. Ökumene gelingt, wenn wir ein waches Ohr haben für alle, die sich um diesen Glauben bemühen. Dabei ist im Gespräch das Aufeinanderhören wichtiger als das Reden. Denn das Hören ist ja selber ein wesentlicher Teil unseres Glaubens.

Unterschiedliche Glaubenstraditionen und Auffassungen werden dann freilich nicht einfach verschwinden. Aber sie grenzen nicht mehr aus, sondern sind Zeichen für Reichtum und Vielfalt. So können wir glaubhaft das Evangelium in dieser Welt verkünden.

Eine kleine Geschichte kann uns das verdeutlichen:

„Ein Weizenhalm steht einsam auf dem kahlen Feld. ‚Wie schön’, denkt er, ‚kein Ärger mit anderen Leuten’. Dabei merkt er gar nicht, wie hohl die Ähre bleibt. Der Sturm tobt übers Feld. Der Halm knickt um, liegt tot am Boden.

Ein Weizenfeld dagegen ist ganz anders. Wie Brüder und Schwestern dicht beieinander stehen viele verschiedene Halme. Der Sturm tobt übers Feld. Die Halme geben einander Halt. Sie bauen ein bergendes Haus. Und drinnen wächst das Brot.“

(Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 1, Mainz 1986, 120).

Verfasserin: Pfarrerin Dr. Esther-Maria Wedler

Kantstr. 7, 99425 Weimar


Herausgegeben vom

Logo Zentrum Verkündigung

Referat Ehrenamtliche Verkündigung
Markgrafenstraße 14, 60487 Frankfurt/Main,
Telefon: 069.71379-140
Telefax: 069.71379-131
E-Mail: predigtvorschlaege@zentrum-verkuendigung.de

in Kooperation mit dem

Logo Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
Gemeindedienst der
Evangelischen Kirche
in Mitteldeutschland

Pfarrer Dr. Matthias Rost
Zinzendorfplatz 3 (Alte Apotheke), 99192 Neudietendorf
Telefon: 036202.7717-97

Logo MÖD – Missionarisch Ökumenischer Dienst
Pfarrer Thomas Borchers
Missionarisch-Ökumenischer Dienst
Westbahnstraße 4
76829 Landau
Telefon: 06341.928912
E-Mail: info@moed-pfalz.de