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Der Freudenmeister

von Stephan Arras (64743 Beerfelden)

Predigtdatum : 17.01.1999
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 2. Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : 2. Mose 33,17b-23
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Wochenspruch:

Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. (Joh 1,17)

Psalm: 105,1-8

Lesungen

Altes Testament:
2. Mose 33,17b-23
Epistel:
Römer 12, (4-8) 9-16
Evangelium:
Johannes 2,1-11

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 455
Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang
Wochenlied:
EG 5
oder EG 398
Gottes Sohn ist kommen
In dir ist Freude
Predigtlied:
EG 262
oder EG 379
Sonne der Gerechtigkeit
Gott wohnt in einem Lichte
Schlußlied:
EG 66
Jesus ist kommen

Zugänge zum Text:
Beim Studium des Predigttextes sind mir drei Punkte wichtig geworden:
1. Die Frage nach dem Kontext;
2. Der Begriff der „Herrlichkeit Gottes“;
3. Der Kontext im Kirchenjahr
Zu 1.): Unmittelbar vor dem Predigttext ist von der Anbetung des Goldenen Kalbes die Rede (2. Mose 32). Das Volk Israel hat sich in ihm einen sichtbaren Gott geschaffen. Von daher ist der Wunsch des Mose, das Angesicht Gottes zu sehen, verständlich. Diese Frage möchte ich, aktualisiert auf unser heutiges Fragen nach Gott, in den Mittelpunkt der Predigt stellen.
Zu 2.): Ich habe mich mit dem zentralen Begriff der „Herrlichkeit Gottes“ beschäftigt: Im hebräischen Urtext steht für „Herrlichkeit“ das Wort „Kabod“. „Kabod“ heisst übersetzt Gewicht, Ehre, Wertschätzung, Herrlichkeit. Wo im Alten Testament von der Kabod Gottes die Rede ist, geht es zusätzlich um eine sichtbare Erscheinung der Größe Gottes in Gestalt eines Lichtglanzes. Diese wird oft als eine Lichtwolke vorgestellt, die Gott zugleich verhüllt und offenbart (vgl. z.B. 2. Mose 16,10; Hesekiel 1,27.28).
Der Anblick der Herrlichkeit Gottes ist für Menschen tödlich (so in unserem Predigttext beschrieben), auf der anderen Seite wird sie aber in prophetischen Visionen gesehen (Jesaja 6; Hesekiel 1-3). Auch im Neuen Testament kommt der Begriff „Herrlichkeit“ vor, hier ist es das griechische Wort „doxa“ (ich möchte besonders auf Johannes 1,14 verweisen).
Als Beipiel dafür, wie man das mit der Herrlichkeit Gottes Gesagte aktualisieren und verständlich machen kann, fällt mir die Sonne ein: Wenn man in sie schaut, wird das Auge zerstört. Aber die Sonnenstrahlen, die das Land hell erleuchten, können wir sehr wohl, ohne Schaden zu nehmen, wahrnehmen. Konkrete Beispiele sollen dann erläutern, was, bildhaft gesprochen, Sonnenstrahlen Gottes in dieser Welt sind. So wird aktualisiert, was der letzte Satz des Predigttextes aussagt: „Du darfst hinter mir her sehen“.
Zu 3.): In der Epiphaniaszeit geht es thematisch um die Erscheinung Gottes in der Welt. Es ist eine Zeit, die noch unter dem Lichterglanz von Weihnachten steht. Von daher liegt es nahe, in der Predigt besonders auf die Erscheinung Gottes in seinem Sohn Jesus Christus einzugehen. Auch das Evangelium für den Sonntag (die Hochzeit zu Kana) legt das nahe, taucht hier doch auch der Begriff der Herrlichkeit auf, die sich in Jesus Christus zeigt.

Wir hören den Predigttext aus 2.Mose 33,17b-23
17 Der HERR sprach zu Mose: „Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen. 18 Und Mose sprach: Laß mich deine Herrlichkeit sehen! 19 Und er sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir kundtun den Namen des HERRN: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“
20 Und er sprach weiter: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“
21 Und der HERR sprach weiter: „Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. 22 Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. 23 Dann will ich meine Hand von dir tun, und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.“

Liebe Gemeinde!
Aus einer fernen und fremden Zeit stammt diese Geschichte. Aber den größeren Zusammenhang, in dem sie eingebettet ist, kennen Sie alle: Mose hat von Gott die Zehn Gebote auf dem Berg Sinai erhalten. Mose bleibt lange auf dem Berg, allein mit seinem Gott. Das Volk, des Wartens auf Mose überdrüssig, fertigt unterdessen unter Aarons Leitung ein goldenes Kalb an, das als ein sichtbarer Gott verehrt wird. Als Mose, vom Berg herabkommend, das alles sieht, wird er zornig und zerschlägt die Gesetzestafeln.
Auch Gott ist zornig und will sein Volk nun vernichten. Da legt Mose erfolgreich Fürbitte bei Gott ein, und es kommt lediglich zu einer Strafe. Bevor Mose erneut auf den Berg Sinai steigt, um Ersatz für die zerstörten Tafeln mit den Zehn Geboten zu erhalten, hält er Zwiesprache mit Gott - unser Predigttext.
Aus einer fernen Zeit stammt der Text, und doch ist er mir sehr nahe. Denn die Frage, die Mose auf dem Herzen hat, ist auch meine Frage seit der Kindheit. Es ist die Frage danach, wie Gott eigentlich aussieht. Es ist die Frage, wer er wirklich ist. Mose ist wohl auf diese Frage gestoßen, weil er gesehen hat, wie sich das Volk einen sichtbaren Gott gemacht hat. Einen Gott, den man anschauen und anfassen kann. Er aber glaubt an den unsichtbaren Gott der Väter. Und da brennt ihm die Frage auf dem Herzen: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen“. Er möchte Gott selber einmal sehen, sein Angesicht, um ihn zu verstehen. Sie kennen das ja aus dem zwischenmenschlichen Bereich: Die Gesichtszüge eines Menschen verraten eine ganze Menge über sein inneres Wesen.
Seit meiner Kindheit, seit der Zeit der abendlichen Kindergebete und der Wasserfarben - Gemälde von Gott als dem alten Mann mit weißem Bart steht diese Frage für mich im Raum: Wie siehst Du aus, Gott? Wer bist Du wirklich? Könnte ich Dein Angesicht sehen, dann wüßte ich genauer, was du zu dem Leid in dieser Welt sagst, zu den Menschen, die unter einem Krieg leiden, zu den mißbrauchten Kindern, zu den Armen in einem Slum neben den Hochhäusern der Reichen oder zu den Sterbenden!
Eigenartig, wie Gott auf den Wunsch des Mose reagiert: Zuerst lehnt er das Ansinnen rundweg ab: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ Aber dann gesteht er Mose zu, daß der ihm hinterherschauen kann, wenn er vorübergeht. Und er stellt den Mose in eine schützende Felsspalte.
Zugegeben, als Kind wäre ich mit dieser Antwort enttäuscht gewesen. Aber vielleicht wäre dann die Mutter zu mir gekommen und hätte die Antwort Gottes mit einem Beispiel erläutert:
Mit dem Angesicht und der Herrlichkeit Gottes ist es wie mit der Sonne. Wer mit bloßem Auge in die Sonne schaut, der wird blind, so hell ist ihr Licht. Es würde die Netzhaut zerstören. Aber wir müssen gar nicht in die Sonne schauen, um zu sehen, ob sie da ist oder nicht. Am freundlich hellen Land, an den Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen, am Funkeln des Sonnenlichtes in den Wassertropfen eines Brunnenstrahls sehen wir, daß die Sonne da ist und strahlt und das Land in ein warmes Licht taucht. Wenn wir auf ihr Licht achten, wissen wir, daß sie da ist.
So ist das auch mit Gott zu verstehen: Ihn selber kann kein Mensch sehen. Offensichtlich würde man wie bei der Sonne so von seiner Herrlichkeit so geblendet werden, daß man das nicht überleben würde. Ja, die Herrlichkeit Gottes kann man direkt mit der Sonne vergleichen. Denn in der Bibel wird die „Herrlichkeit Gottes“ immer mit einer Lichterfahrung in Verbindung gebracht. So heißt es im ersten Kapitel des Buches des Propheten Hesekiel (1,27.28): „Und ich sah, und es war wie blinkendes Kupfer aufwärts von dem, was aussah wie seine Hüften; und abwärts von dem, was wie seine Hüften aussah, erblickte ich etwas wie Feuer und Glanz ringsumher. Wie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, so glänzte es ringsumher. So war die Herrlichkeit des Herrn anzusehen.“
Auch im Neuen Testament wird die Herrlichkeit Gottes mit Licht in Verbindung gebracht. So heißt es im Johannesevangelium über Jesus: (1,14) „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Jesus selbst sagt dann von sich (Johannes 8,12): „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Durch Jesus, so sagt es die Bibel, und so glauben wir, leuchtete die Herrlichkeit Gottes in der Welt auf. In all den Taten und Worten Jesu können wir Sonnenstrahlen Gottes in dieser Welt spüren. Vorhin haben wir in der Schriftlesung die Geschichte von der Hochzeit zu Kana gehört. Schon bei diesem Weinwunder ist davon die Rede, daß die „Herrlichkeit“ sichtbar wird. Und ganz besonders sichtbar wird die Herrlichkeit Gottes, die in Jesus offenbar ist, in Kreuz und Auferstehung, in Karfreitag und dem Licht des Ostermorgens.
Wer sich mit Jesus befaßt, der ist ganz nah dran am Angesicht, an der Herrlichkeit Gottes. Ich möchte das, um beim Bild von der Sonne zu bleiben, so in Worte fassen: Jesus ist der schönste Sonnenstrahl Gottes, den wir auf der Erde empfangen können. Und in seiner Nachfolge gibt es unzählige Sonnenstrahlen, die davon künden, daß es Gott gibt und wer er ist.
Einige Beispiele: Vor einigen Jahren lief der Film von Steven Spielberg über Oskar Schindler im Kino. Schindler hatte einigen tausend Juden das Leben gerettet. Mich hat der Film sehr angerührt. Ich sehe in der Tat dieses Menschen eine Spur der Herrlichkeit Gottes. Wie ein Lichtstrahl in einer finsteren Zeit erschien mir das, was Oskar Schindler tat. In seinem Tun sehe ich Gottes Herrlichkeit aufleuchten - gegen Krieg und die Mächte der Finsternis.
Oder ich denke an eine Reportage über mißbrauchte Kinder, die man befreit und in Pflegefamilien getan hat. Dort wird ihnen wieder behutsam vorgelebt, was Vertrauen und Geborgenheit bedeuten. Auch hier sehe ich eine Spur des Lichtes, das Gott für diese Welt bedeutet.
Dann sehe ich ein Kalenderblatt mit Menschen in einem Slum irgendwo in Indien vor mir. Ein Arzt hockt bei ihnen, untersucht Kinder, und ein Lachen ist auf ihren Gesichtern zu sehen. Und in diesem Lachen sehe ich einen Sonnenstrahl, der in diese Welt kommt, eine Spur Gottes: Er möchte, daß den Armen geholfen wird!
Ich sehe das Bild eines sterbenden Menschen vor mir. Die Tochter sitzt am Bett, hält die Hand des Sterbenden, und auf dessen Gesicht ist ein stilles Lächeln zu sehen. Ein Sonnenstrahl Gottes, der die Todesfinsternis hell macht und uns Trost schenkt im Angesicht des Todes.
Unzählige Beispiele liessen sich finden. Und um auf den Vergleich mit der Sonne zurück zu kommen: Es gibt so viele Sonnenstrahlen und Schönes zu sehen, wenn die Sonne scheint, sodaß wir gar nicht in die Sonne schauen müssen. Es gibt es so viel an Spuren des Lichtes Gottes in der Welt zu sehen, daß wir getrost akzeptieren können, was Gott selber sagt: „Du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.“ Schauen wir auf die Spuren, auf die Sonnenstrahlen Gottes in unserer Welt; und freuen wir uns an seiner Herrlichkeit!
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, sei mit uns allen, Amen.

Verfasser: Pfr. Stephan Arras, Marktplatz 10, 64743 Beerfelden

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