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Der Freudenmeister

von Renate Höppner (39128 Magdeburg)

Predigtdatum : 18.01.2004
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 2. Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : Römer 12,(4-8).9-16
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Wochenspruch:

Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. (Joh 1,17)

Psalm: 105,1-8

Lesungen

Altes Testament:
2. Mose 33,17b-23
Epistel:
Römer 12, (4-8) 9-16
Evangelium:
Johannes 2,1-11

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 441
Du höchstes Licht, du ewger Schein
Wochenlied:
EG 5
oder EG 398
Gottes Sohn ist kommen
In dir ist Freude
Predigtlied:
EG 241
Wach auf, du Geist der ersten Zeugen
Schlusslied:
EG 66
Jesus ist kommen

[4 Wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5 so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied, 6 und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7 Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. 8 Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern.]
9 Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an.
10 Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. 11 Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. 12 Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. 13 Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. 14 Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. 16 Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug.

Liebe Gemeinde!
Ein bisschen klingen diese Sätze wie die Ermahnungen einer Mutter: Zieh dich schön warm an! Geh nicht bei rot über die Straße! Fahr vorsichtig! Lass das Auto stehen, wenn du was getrunken hast! Jeder kennt diese Ermahnungen. Manchmal können sie einem ganz schön auf die Nerven gehen. Man kennt sie alle, hat sie immer wieder gehört. Am besten, man klappt die Ohren zu und geht.
Die Ermahnungen des Paulus kennen wir auch alle. In Variationen kommen sie immer wieder vor in den Predigten, die man so im Laufe seines Lebens hört. Man möchte auch die Ohren zuklappen und die Ermahnungen verbuchen unter dem bekannten Satz: Seid nett zueinander. Was man zu oft hört, kann man einfach nicht mehr hören.
Dabei ist schon bei der Mutter klar: Sie sagt das alles nur aus Liebe zu ihrem Kind. Sie will es vor Krankheit oder anderen Gefahren bewahren. Alles nur aus Liebe und Sorge. Aber manchmal kommt da eben nur die ärgerliche Botschaft an: Jetzt kommt schon wieder die Moralpredigt. Ich kann sie nicht mehr hören. Leichter wäre es, wenn als erstes die Botschaft ankommt: Ich habe dich lieb. Ich will, dass es dir gut geht und dein Leben dir gelingt.
Darum geht es in dem Brief nämlich auch dem Paulus. Und darum geht es auch Gott mit den Menschen. Und darum schreibt Paulus das auch an die Gemeinden: Er will, dass das Leben gelingt, dass es schön wird. Er will, dass die Menschen in Frieden und in einem guten Miteinander leben und glücklich werden. Die Ermahnungen sind ein Ausdruck der Liebe, nicht die Anordnungen eines Moralpredigers, der seine Schäfchen in den Griff bekommen will. Auch das gibt es nämlich. Auch so ist die Kirche immer wieder von vielen erlebt worden, als eine Moralinstitution, der es darum geht, Menschen zu beherrschen. Vielleicht steht darum gleich am Anfang der Satz: Eure Liebe sei ohne Falsch. Ohne doppelten Boden. Ohne Hintergedanken. Echte Liebe zielt auf das Glück des Geliebten.
Manche Ermahnungen sind allerdings wirklich Selbstverständlichkeiten. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Zwar etwas altertümlich formuliert. Aber wer würde schon das Gegenteil als Regel verkünden. Sogar wenn ein Krieg angefangen wird, behaupten die Kriegführer noch, sie wollten doch nur Gutes bringen. Freiheit und Demokratie. Oder sie wollen Schlimmeres verhindern. Nein, solche allgemeinen Sätze bringen wirklich nicht viel. Da müsste man schon darüber diskutieren, was gut und was arg ist. Und da weiß dann jeder, dass dies in konkreten Situationen gar nicht so leicht ist.
Weil man nicht so genau weiß, was richtig und was falsch ist, darum tut man oft gar nichts, überlegt vielleicht so lange, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Paulus meint wohl: Eigentlich wisst ihr doch, was gut und richtig ist, habt es inzwischen so oft gehört: Darum: Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Da fallen einem natürlich die vielen Gelegenheiten ein, wo Menschen wegsehen und weggehen, obwohl doch eigentlich klar ist, dass da jemand Hilfe braucht. In unserer Gesellschaft hat sich eine Grundhaltung breit gemacht, in der das Motto häufig lautet: Das ist dein Problem. Diese Mentalität soll unter Christen nicht gelten. Vielleicht ist das sogar die Hauptbotschaft unseres Textes, die Grundmelodie aller Ermahnungen. Es soll dir nicht egal sein, wie es dem anderen geht.
Das ist gar nicht so selbstlos, wie es beim ersten Hören klingt. Gerade Liebende kennen das. Wenn es dem Geliebten nicht gut geht, bin ich selbst nicht glücklich. Eine Ehe kann nicht glücklich sein, wenn ein Partner leidet und es dem anderen ziemlich egal ist. Dieser schöne Satz: „Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden“, dieser Satz ist mehr als eine Ermahnung. Er ist geradezu der Test für eine gelingende Gemeinschaft. Wenn ich mich freuen kann, wenn der andere fröhlich ist, und ich selbst traurig bin, wenn der andere weinen muss, dann ist das ein Zeichen von Liebe zueinander. Und um diese Liebe, um ein solches glückliches Miteinander der Menschen geht es Gott, geht es seinem Prediger Paulus. Also keine Moralpredigt, sondern die brennende Sehnsucht nach Glück und einem gelingenden Leben ist die Triebfeder unseres Predigttextes. So ist das wohl auch gemeint, wenn Paulus schreibt: Seid brennend im Geist.
Die Sehnsucht nach einem gelingenden Leben verträgt keine Trägheit. Sie braucht die fröhliche Hoffnung, dass das Leben gelingen kann. Solche fröhliche Hoffnung tut gut. Sie ist ansteckend. Eine ansteckende Gesundheit. Ja, nicht nur Krankheit ist ansteckend. Auch Hoffnung und Fröhlichkeit können ansteckend sein.
Manchmal können Berufsoptimisten aber auch anstrengend sein. Immerfort fröhlich und optimistisch, das geht nicht. Das weiß auch Paulus. Sonst würde er nicht schreiben: Weint mit den Weinenden. Nein, manchmal dominiert auch die Trübsal. Dann erweist sich die größere Hoffnung darin, dass man nicht gleich die Flinte ins Korn wird, resigniert und das Handtuch wirft. Dann braucht man Geduld.
Und nicht zufällig steht an dieser Stelle: Haltet an am Gebet. Denn im Gebet kann ich vor Gott bringen, was mich quält und was mir Sorgen macht. Im Gespräch mit Gott kommt aber auch zur Sprache, was Grund zur Hoffnung ist. Dann ist das Gebet ein abwägen: Einerseits - andererseits. Das Gebet, in dem Lob und Klage Platz haben, hilft mir, den Halt, den Mittelpunkt des Lebens wiederzufinden. Wo das Gebet mein täglicher Begleiter ist, hat das Leben einen roten Faden. Freude und Leid kann ich begreifen als Teil eines Lebens, das am Ende ein gelungenes, ein glückliches, ein vor Gott gültiges ewiges Leben sein wird. Und um ein solches Leben geht es bei allen Ermahnungen, die Paulus hier aufgeschrieben hat.
Manche meinen heute, ein gelungenes Leben wäre nur eines, in dem man Karriere macht. Die Werbewelt ist ja voll von solchen Erfolgstypen. Nein, meint Paulus, daran orientiert euch nicht. Es sind die scheinbaren Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob das Leben gelingt. So gesehen sind die Ermahnungen dann doch ganz hilfreich. Denn die kleinen Dinge nehmen wir oft nicht ernst genug. Und plötzlich ist die Liebe verflogen. Das Unglück ist groß. Nein, meint Paulus, dass soll euch nicht passieren. Darum schreibe ich euch. Schön, dass Gott uns immer wieder ermahnt. Das zeigt seine Liebe zu uns. Er will, dass unser Leben gelingt. Auch heute. Und das ist ein Grund zur Freude. Amen.

Verfasserin: Pfrin. Renate Höppner, Flachsbreite 17 39128 Magdeburg

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