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Der Freudenmeister

von Lars Ophagen (Kaltennordheim)

Predigtdatum : 15.01.2012
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 2. Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : 1. Korinther 2,1-10
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Wochenspruch:

Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. (Johannes 1, 17)

Psalm: Psalm 105, 1 - 8 oder Psalm 100

Lesungen

Altes Testament: 2.Mose 33, 17b - 23

Epistel: Römer 12, (4 - 8). 9 - 16

Evangelium: Johannes 2, 1 - 11

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 66 Jesus ist kommen

Wochenlied: EG 5 oder

EG 398 Gottes Sohn ist kommen oder

In dir ist Freude

Predigtlied: EG 72 O Jesu Christe wahres Licht

Schlusslied: EG 66, 9 Jesus ist kommen

Hinführung:

Der Predigtext steht am Anfang des ersten Korintherbriefes. Zwi-schen dem formalen Briefanfang und der Antwort auf die konkreten Fragen der Gemeinde in Korinth, die Paulus zum Verfassen des Briefes veranlasst haben.

Paulus schreibt im Predigttext von seiner Predigt und Gottes Weisheit, die nicht die Weisheit dieser Welt ist. Es sind grund-sätzliche Gedanken, die er den konkreten Abhandlungen der Fragen voranstellt.

Der rote Faden der Predigt ist eine Gedankenreise zu Paulus während der Abfassung des ersten Korintherbriefes und zu sei-ner Zeit in Korinth. Was könnte Paulus zu diesen Zeilen bewegt haben? Dazu kommen Betrachtungen, wo diese grundsätzlichen Gedanken auch unser Leben heute noch beschreiben.

Wer kürzer predigen möchte, kann auch die Blicke in die Ge-genwart fort lassen und ganz in der Gedankenreise bleiben. Ansonsten sind die Betrachtungen der Gegenwart auch geeignet, sie konkreter auf die Situation des Gemeindelebens zu for-mulieren. Der Predigende kann auch authentisch von seinen Gefühlen während seiner ersten Predig sprechen.

Der Predigttext kann vor der Predigt verlesen werden, braucht es aber nicht. Er wird während der Predigt nach und nach gelesen werden. Da der Text aber nicht so einfach ist, schadet es bestimmt nicht, wenn er zweimal gehört wird.

Liebe Gemeinde,

wir befinden uns an einem Frühlingstag im Jahre 55 nach Christus in Ephesus, einer der großen Städte der Antike. An einem schattigen Platz sitzt der Apostel Paulus. Pergament, Feder und Tinte liegen bereit. Er schreibt der Gemeinde in Korinth einen Brief. Die Begrüßung ist verfasst, der Grund des Schreibens auch. Nun soll es ans Eingemachte gehen. Das fällt ihm nicht leicht. In Korinth sind die Christen zerstritten. Blicken aufeinander herab. Er will dazu etwas schreiben. Sucht lange die richtigen Worte. Im Grübeln wandern seine Gedanken in die Vergangenheit. Er denkt zurück an die Zeit, als er selbst das erste mal in Korinth war. Eine christliche Gemeinde gab es bei seiner Ankunft noch nicht. Er wollte die Botschaft von Jesus verkündigen. Dafür besuchte er die jüdische Gemeinde in der Synagoge. So hatte es auch Jesus getan. Und später seine Jünger. Damals in der Synagoge fielen ihm die Worte schwer. So schwer wie am heutigen Tage, als er seinen Brief schreiben will. Die Erinnerungen an seinen ersten Besuch werden so lebendig, dass er fast wie von selbst den Brief an die Korinther weiterschreibt, indem er seine Erinnerungen an diese ersten Tage notiert:

"Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern"

[Mit Furcht und Zittern]

Mit Furcht und Zittern hielt Paulus seine erste Predigt in Korinth. Es war eine Überwindung, von seinem Glauben vor all den Leuten zu sprechen. Daran erinnert er sich noch Jahre später. Er wollte die Menschen von einer wunderbaren Botschaft überzeugen. Doch er kam mit leeren Händen zu ihnen. Um ihn herum keine wohlmeinende Schar von Zuhörern, die selbst schon gläubig war. Die Juden in der Synagoge warteten schon lange auf den Erlöser. Aber sie wollten erst einmal überzeugt werden, dass es Jesus war, auf den sie so lange gewartet hatten. Und von denen, die wenigstens die Sehnsucht nach dem Erlöser hatten, waren nur erschreckend wenige da. Die Mehrheit der Besucher der Synagoge waren etwas distanziertere Zuhörer. Sie fanden die Idee spannend, dass es nur einen Gott gibt und mochten den Gottesdienst. Aber die tiefe Sehnsucht nach einem Messias hatten sie gar nicht. Was sollte er denen sagen, die noch nicht einmal das Gleiche hofften wie er? Geschweige denn das Gleiche glaubten?

[Umkehr erklären müssen]

Und dann war da noch diese Angst, eventuell gute Bekannte zu treffen in der Schar der Zuhörer. Bekannte von früher. Die kannten Paulus nämlich noch als entschiedenen Gegner der Christen. Früher wollte er mit denen nichts zu tun haben. Er verfolgte sie. Oh je, wenn da ein alter Freund sitzen würde. Dem hätte er einiges zu erklären. Einst war er der starke Saulus und verfolgte die Christen. Dann wurde er zum Paulus, der ihnen anhing...

[Etwas Intimes (Das letzte Intime?) sagen müssen]

Liebe Gemeinde,

springen wir einmal in das hier und jetzt. Wie geht es eigentlich uns, wenn wir über unseren Glauben sprechen? Im Sonntagsgottesdienst geht es ja noch. Da haben wir die schützenden Mauern einer Kirche um uns und die Gemeinschaft Gleichgesinnter. Und wir haben Worte, die wir kennen. Sie tragen uns über die Sprachlosigkeit, die einen manchmal befällt, hinweg. Das Vaterunser zum Beispiel, oder das Glaubensbekenntnis.

Aber außerhalb der Kirche? Wenn wir auf unseren Glauben angesprochen werden oder davon erzählen wollen? Da mag es manchem gehen wie Paulus. Furcht baut sich auf. Oder es be-schleicht uns ein Schamgefühl. Wir sind es gewohnt, dass über alles gesprochen werden darf. In ungezählten Fernsehformaten präsentieren sich Menschen ganz ungeschminkt, lassen die Kameras in Wohn- und Schlafzimmer und plaudern über intimste Vorlieben. Doch das Thema "Glaube" wird oft ausge-spart. Selbst da, wo alles andere offen liegt. In Glaubensfragen geht es immer noch ans Eingemachte. Hier sind wir immer noch verletzlich. Persönliche Glaubensentscheidungen sind noch immer – eben persönlich. Worte finden ist schwer.

[Das Wort nimmt seinen Lauf]

Zurück zu Paulus und seiner ersten Predigt in Korinth: Er zittert und zagt noch. Die Sache mit Jesus kommt ihm bald selbst ganz komisch vor. Paulus weiß gar nicht, wie er das alles erklären soll: Gott sendet seinen eigenen Sohn auf die Welt. Und bestraft ihn dann für alles, was die Menschen getan haben. Fragen tun sich auf. Stirbt mit Jesus nicht auch irgendwie Gott? Was ist das für ein Gott, der sich für die Menschen so all seiner Macht und Herrlichkeit beraubt? Und wie besiegt er am Ende auch noch den Tod und kommt zurück?

Für Paulus ist es ein Wunder, dass seine Rede tatsächlich einige Menschen zum Glauben führt. So überzeugend kam er sich gar nicht vor.

Der Rückblick gab ihm eine neue Idee für seinen Brief. Er schreibt weiter:

"und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft."

[Eine Torheit in dieser Welt. Weil die Antwort auf das "Warum" nicht von der Welt ist]

Auch heute ist unsere Botschaft nicht für jeden beeindruckend. Viele Menschen leben im vollen Vertrauen auf ihre fünf Sinne, den gesunden Menschenverstand und die moderne Forschung. Von der Fachliteratur bis zu den Wissenschaftsseiten der Zei-tungen wird immer wieder von der Suche nach der "Weltformel" geschrieben, die abschließend erklärt, was die Welt zu-sammenhält.

Wer da noch nach dem sucht, was außerhalb des Messbaren – ja, außerhalb unseres Verstandes – liegt, muss schon ein Träumer oder ein ganz besonders neugieriger Entdecker sein.

Und nur in diesem "Außerhalb" – dem "Jenseits" - ist unsere Rede von Gott und den Menschen mehr als ein Märchen. Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens ist nicht im Leben selbst zu finden. Denn der Sinn eines Dinges liegt immer außerhalb seiner selbst.

Der Sinn des Lebens liegt außerhalb unserer Sinne. Ist damit "Un-Sinnig". Damit müssen wir leben. Eine Dummheit in der Welt ist unser Reden vom Glauben. Nur der, den Gottes Geist aus unser Welt hinausführt, kann ihren Sinn erfassen.

Paulus spitzt die Feder nach und schreibt:

"Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Din-ge, auch die Tiefen der Gottheit".

[Wir sprechen Worte, die die Grenze des Universums sprengen. Hoffentlich zitternd!]

Mit der Botschaft von Kreuz und Auferstehung verkünden wir Gottes Geheimnis. Wir gehen über die Grenzen hinaus, die wir Menschen eigentlich fassen können. Es sind Worte, die uns immer fremd sein müssen. Sie kommen in unsere Welt. Sind aber nicht hier entstanden. Und sind hier auch nicht fassbar. Und zugleich ist die Botschaft, erst einmal angekommen, ganz tief in unserem Herzen verankert. Da, wo wir noch immer verwundbar sind. Wo wir nicht jeden hinein blicken lassen wollen. Es wäre schlimm, wenn wir Gottes Wort nicht mit Zittern und Furcht aussprechen würden. Abgeklärt und abgestumpft wären wir. Vielleicht brillant in der Rede. Doch das Staunen und Spüren von Gottes Botschaft hätten wir verlernt.

Ein Blick zurück in die Schreibstube des Apostels Paulus: Er hat nachgedacht über sein Zittern und Zagen. Er kennt Menschen in Korinth, die klar und selbstsicher auftreten. Menschen die Wortgewandtheit, Status und Ansehen, Macht und Geld routiniert einsetzen, um sich eine gute Position in der christlichen Gemeinde zu erwerben. Die ihre Anhänger mit diesen Mitteln werben. Und sie gegen die der anderen ausspielen. Diese Menschen zittern nicht, wenn sie vor vielen auftreten. Die Unglaublichkeiten der christlichen Botschaft sind für sie kein Hindernis. Die können sie locker mit einem charmanten Lächeln wegwischen. Auf Glück oder Segen sind sie weder im Alltag noch im Predigen angewiesen. Gottes Beistand haben sie nicht nötig, um erfolgreich zu sein.

Paulus wird klar, wo die Probleme in der Gemeinde herkommen. Was ist eine christliche Gemeinde, die Gottes helfenden Geist und seinen verwundbaren Sohn nicht mehr nötig hat? Jetzt ist Paulus im Thema. Was für seine erste Predigt in Korinth gilt, gilt für das ganze christliche Leben. In Korinth und anderswo. In der ausgehenden Antike und heute. Den Brief weiter zu schreiben, die heißen Eisen anzufassen, das fällt ihm nun leicht.

Amen.

Verfasser: Pfarrer Lars Ophagen

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