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Der Herr der Geschichte

von Winfried Klotz (64739 Höchst)

Predigtdatum : 06.02.2011
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 5. Sonntag vor der Passionszeit
Textstelle : Jesaja 40,12-25
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Wochenspruch: „Der Herr wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen.“ (1. Korinther 4, 5 b)
Psalm: 92, 6 – 9

Lesungen
Altes Testament: Jesaja 40, 12 – 25
Epistel: 1. Korinther 1, (4 – 5) 6 – 9
Evangelium: Matthäus 13, 24 – 30


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 166, 1 – 2 + 5 - 6 Tut mir auf die schöne Pforte
Wochenlied: EG 303, 1 - 4 Lobe den Herren, o meine Seele
Predigtlied: EG 326, 1 + 4 - 6 Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut
Schlusslied: EG 369, 5-7 Wer nur den lieben Gott lässt walten


Vorbemerkung:
Vers 26 gehört unbedingt zum Zusammenhang und deshalb zum Predigttext.

Israels unvergleichlicher Gott Jesaja 40, 12 - 26
12 Wer misst die Wasser mit der hohlen Hand, und wer bestimmt des Himmels Weite mit der Spanne und fasst den Staub der Erde mit dem Maß und wiegt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Waage?
13 Wer bestimmt den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber un-terweist ihn?
14 Wen fragt er um Rat, der ihm Einsicht gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn Erkenntnis und weise ihm den Weg des Verstandes?
15 Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäu-blein.
16 Der Libanon wäre zu wenig zum Feuer und seine Tiere zu wenig zum Brandopfer.
17 Alle Völker sind vor ihm wie nichts und gelten ihm als nichtig und eitel.
18 Mit wem wollt ihr denn Gott vergleichen? Oder was für ein Abbild wollt ihr von ihm machen?
19 Der Meister gießt ein Bild und der Goldschmied vergoldet's und macht silberne Ketten daran.
20 Wer aber zu arm ist für eine solche Gabe, der wählt ein Holz, das nicht fault, und sucht einen klugen Meister dazu, ein Bild zu fertigen, das nicht wackelt.
21 Wisst ihr denn nicht? Hört ihr denn nicht? Ist's euch nicht von Anfang an verkündigt? Habt ihr's nicht gelernt von Anbeginn der Erde?
22 Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt;
23 er gibt die Fürsten preis, dass sie nichts sind, und die Richter auf Erden macht er zunichte:
24 Kaum sind sie gepflanzt, kaum sind sie gesät, kaum hat ihr Stamm eine Wurzel in der Erde, da lässt er einen Wind unter sie wehen, dass sie verdorren, und ein Wirbelsturm führt sie weg wie Spreu.
25 Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei? spricht der Heilige.
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

Liebe Gemeinde,

da kann man auch heute ins Staunen kommen, wenn man am Ufer des Meeres steht und nur Wasser sieht, scheinbar endlos. Da kann man auch heute in Grübeln kommen, wenn man in einer klaren Win-ternacht nach oben schaut, die Milchstraße mit ihrer unzählbaren Schar von Sternen sieht, alles so unendlich, so unfassbar groß. Und ähnlich mag es einem auch gehen, wenn man durch eine Wüste fährt und nur Sand und Geröll sieht, scheinbar ohne Ende. Wie groß ist unsere Welt, wie unbeschreiblich groß das Weltall! Staunen, grübeln, erschrecken, ja auch ein Gefühl der Verlorenheit in dieser so großen Welt ergreift uns. Was ist da der Mensch, wer bin ich in all dem, was so überwältigend groß ist?

Je nach Stimmungslage, je nach Erfahrung und Weltsicht reagieren wir anders: Was den einen erschlägt, führt bei einem anderen zum Staunen und Danken. Was dem einen vermittelt, Du bist nur ein Sandkorn im Weltgetriebe, unbedeutend und schnell vergessen, das lässt einen anderen jubeln und stolz, ja vielleicht sogar überheblich denken: Das ist meine Welt und wir werden sie bis ins kleinste erforschen und gestalten.

Wie groß ist der Mensch in dieser Welt? Vielleicht so groß, wie er sich fühlt, wenn sein Leben gelingt; oder so klein, wie er sich sieht, wenn es misslingt? Und wie groß ist Gott, der alles geschaffen hat? So groß, wie wir ihn in unserer Überheblichkeit oder unserer Depression sein lassen!?
Gottes Größe beschreibt der unbekannte Prophet aus dem 6. Jahrhun-dert vor Christus, in den Worten unseres Predigttextes. Er bezeugt den Gott, der alles verändern kann. Den unvergleichlichen Gott. „Wer kann mit der hohlen Hand das Wasser des Meeres abmessen, mit der Spanne seiner Hand den Umfang des Himmels bestimmen? Wer kann den Boden, der die Erde bedeckt, in Eimer abfüllen oder die Berge und Hügel auf der Waage abwiegen?“ (Vers 12) Niemand, Gott aber ist unvergleichlich größer als alles Geschaffene!

Die Welt- und Selbstsicht der Judäer, damals vor rund 2550 Jahren in Babylon, im Zweistromland, dem heutigen Gebiet des Irak/Iran, war nicht die von Siegern, sondern von Verlierern. Ihr Leben wurde be-stimmt von einer tiefen Verletzung ihrer Seele, von einem Trauma: die Heimat war verloren, der Tempel, Gottes Wohnung, Ort feierlicher Gottesdienste, mit Feuer verbrannt. Die Babylonier hatten 587 vor Christus dem Königtum in Jerusalem ein Ende gesetzt, die Stadt zerstört, viele Einwohner getötet und fast alle Judäer nach Babylon verschleppt. Als kleine Minderheit lebten sie unter einem fremden Volk mit fremder Sprache und fremden Göttern. Ja, man ließ sie leben, sie durften Häuser bauen und Land beackern, sie durften Familien gründen und ein Handwerk betreiben, aber die Vergangenheit lag schwer auf ihnen und die Gegenwart war nicht leicht zu bewältigen. Sie waren die Verlierer, ihr Gott hatte Jerusalem nicht vor dem Untergang bewahrt; was galt denn nun für sie, was gab ihrem Leben Sinn und Halt? Wer war Gott, die Götter der siegreichen Babylonier, oder der Gott Israels? Die Vergangenheit zu verstehen und anzuneh-men war schwer, obwohl Gott zu seinem Volk durch Propheten wie Jeremia und Hesekiel geredet hatte. Die Gegenwart zu bewältigen war hart, denn freie Leute waren die Judäer in Babylon nicht. Und erst recht die Zukunft …. Gedanken über die Zukunft vielleicht als freie Leute in Judäa, das galt vielen als Hirngespinst.

Aber da war dieser Prophet, der genau diesem Hirngespinst Nahrung gab. Da war ein Prophet, der wie der große Jesaja des 8. Jahrhunderts vor Christus mit Gottes ganz nahem Eingreifen rechnete, ja mehr, davon als Wort Gottes redete. „Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.“ So heißt es wenige Verse vor unserem Predigttext in Kap. 40. Von Heimkehr unter Gottes Führung ist da die Rede, ein abenteuerlicher Gedanke für viele. Es gab keine Anzeichen dafür, dass die Babylonier sie ziehen lassen würden. Deshalb war es nötig, diesem „Propheten-Träumer“ zu widersprechen. Runter auf den Boden der Tatsachen! Schluss mit unrealistischen Zukunfts-phantasien! Schluss mit dem Missbrauch Gottes für eigene irdische Pläne und Sehnsüchte!

Was sagt der Prophet seinen Kritikern?

Ich sage es einmal sehr verkürzt: Weil ihr klein, unbedeutend und ohnmächtig seid im Weltgetriebe, weil ihr auf der Verliererseite lebt, meint ihr, unser Gott, der Gott Israels, sei auch klein und ohnmächtig und könne nicht tun, was er ansagt.

Warum macht ihr Gott klein, der doch Himmel und Erde geschaffen hat, der alles kennt und weiß und darüber herrscht? Warum stellt ihr euch in eurem Kleinglauben hin, als wärt ihr Gottes Ratgeber und wüsstet, was möglich oder unmöglich ist? Könnt ihr denn Gottes Ge-danken abmessen? Braucht Gott euch, damit ihr ihn über den richtigen Weg belehrt? (Vers 13f)

Ihr fürchtet die großen Babylonier, dieses mächtige, reiche Volk. Ich sage euch: „Für den HERRN sind die Völker wie ein Tropfen am Ei-mer oder ein Stäubchen auf der Waagschale; der ganze Erdkreis wiegt für ihn nicht mehr als ein Sandkorn. Alle Völker sind vor ihm wie nichts, mit all ihrer Macht zählen sie für ihn nicht.“ (Verse 15 und 17)

Und die siegreichen babylonischen Götter, das ist ja lachhaft! Wollt ihr damit unseren Gott vergleichen? Ihr habt doch alle schon gesehen, wie diese Götzen hergestellt werden. Unseren Gott aber kann man nicht abbilden, er ist steht doch über allem. Auch die Großen und Mächtigen der Erde sind vor ihm nichts und werden vernichtet, wenn sie sich gegen ihn erheben. (V. 23)

Noch einmal: „Mit wem also wollt ihr mich vergleichen? Wer kann es mit mir aufnehmen? fragt der heilige Gott.“ (V. 25) Ihr staunt über die Weisheit der babylonischen Priester, die aus dem Gang der Gestirnsgötter die Zukunft vorhersagen, die durch ihren Dienst für die Götter Sicherheit und Wohlstand des babylonischen Staates befördern; wisst ihr es denn nicht?! „Seht doch nur in die Höhe! Wer hat die Sterne da oben geschaffen? Er lässt sie alle aufmarschieren, das ganze unermessliche Heer. Jeden Stern ruft er einzeln mit Namen, und keiner bleibt fern, wenn er, der Mächtige und Gewaltige, ruft.“ (V. 26) Gott ist Herr über alle Götter, auch die babylonischen.

Warum macht ihr den lebendigen Gott klein, indem ihr ihn vergleicht mit dem, was doch nur Bestand und Leben hat durch ihn? Warum macht ihr unseren Gott klein, und bezweifelt sein Wort an euch? Wa-rum reduziert ihr Gottes Möglichkeiten auf das, was euch möglich scheint?

Liebe Gemeinde, liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer in diesem Gottes-dienst,

damals ging es um die Rückkehr in die verlorene Heimat, um Befreiung, um ein Überleben als Volk Gottes, ja um das Überleben des Glaubens an den einzigartigen, unvergleichlichen Gott. Es ging darum zu glauben und zu verstehen, dass Gott Herr der Geschichte ist.

Gott als Herr der Geschichte!? Geht es uns nicht so, dass wir Gottes Spuren in der Geschichte nicht sehen! Vielleicht erkennen wir noch in unserem eigenen Leben Gottes Wirken. Aber Gott als Herr der Geschichte?

Ist Gottes Spur nicht in der Geschichte des jüdischen Volkes zu er-kennen, das nach zweitausendjährigem Exil 1948 endlich eine Heim-statt bekommen hat? Aber erledigt sich nicht dieser Gedanke, wenn man auf die Judenverfolgung in den Jahrhunderten seit der Zerstörung Jerusalems 70 n. Christus sieht? Und erst recht im Hinblick auf das Grauen der Judenvernichtung im letzten Jahrhundert? Wo war da Gott? Doch ist nicht gerade das ein deutlicher Hinweis auf Gottes Handeln, dass das jüdische Volk trotz aller Verfolgung überlebt hat und heute einen eigenen Staat hat?

Geschichte ist kein Rechenwerk, wir werden nicht objektiv den Tatbestand des Wirkens Gottes in der Geschichte feststellen können, Gott bleibt verborgen. Und doch haben wir allen Grund an den Gott zu glauben, der meine kleine Lebensgeschichte und die Weltgeschichte regiert, und zwar in Jesus Christus. Wir haben allen Grund an Gott als Herrn der Geschichte zu glauben, weil er Jesus gesandt hat und durch die Botschaft von Jesus bis heute wirkt. In der Vertrauensbeziehung zu Jesus erfahre ich Gottes Gnade und Kraft. Wenn ich Gott persönlich als meinen Gott erfahre, kann ich dann daran zweifeln, dass ER Herr der Geschichte ist? Zuletzt, Gott nimmt uns hinein in sein Geschichtshandeln, wenn wir beten und seinen Willen tun. Dann wächst unser Vertrauen und wir erkennen seinen Weg.
Amen.

Verfasser: Pfarrer Winfried Klotz, Königsberger Str. 13, 64732 Bad König

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