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Der Knecht Gottes – Das Licht der Welt

von Carola Krieg (55124 Mainz)

Predigtdatum : 09.01.2022
Lesereihe : IV
Predigttag im Kirchenjahr : 1. Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : Jesaja 42,1-9
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Wochenspruch: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8,14)

Psalm: 89,2-5.27-30

Lesungen

Reihe I: Josua 3,5-11.17
Reihe II: Matthäus 3,13-17
Reihe III: Römer 12,1-8
Reihe IV: Jesaja 42,1-9
Reihe V: Johannes 1,29-34
Reihe VI: 1. Korinther 1,26-31

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 452,1-3 Er weckt mich alle Morgen
Wochenlied: EG 410 Christus, das Licht der Welt
Predigtlied: EG 452,1.4.5 Er weckt mich alle Morgen
Schlusslied: EG 613 Freunde, das der Mandelzweig

Predigttext: Jesaja 42,1-9

1 Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte, und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.
2 Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.
3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.
4 Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.
5 So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Atem gibt und Lebensodem denen, die auf ihr gehen:
6 Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand. Ich habe dich geschaffen und bestimmt zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden,
7 dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.
8 Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen.
9 Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es sprosst, lasse ich's euch hören.

Predigt

Liebe Gemeinde,

Weihnachten liegt hinter uns und die Friedensbotschaft erfüllt die Kirchen und wird hinausgetragen in die Welt. Heute hören wir wieder eine kraftvolle Zusage Gottes an die Völker:

Predigttext Jes 42,1-9 (Luthertext, revidiert 2017)

Es geht in diesem Predigttext um umfangreiche Verheißungen an die Völker bis hin zu den Inseln. Damit sind die entferntesten Orte gemeint, die sich der Autor vorstellen konnte. Mit den Inseln sind sozusagen die Enden der Erde gemeint. Der Schreiber sitzt nicht etwa in Palästina mit einem Blick auf das damals endlos erscheinende Mittelmeer. Sondern er sitzt in Babylon, wohin ein Großteil der judäischen Bevölkerung nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels im 6. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung verschleppt wurde. Als Schreiber gehörte er zur Oberschicht und die wurde laut eines Briefes im Jeremiabuch bevorzugt deportiert. Jeremia schrieb diesen Brief an den Rest der Ältesten, der von Nebukadnezar nach Babel weggeführt wurde. Die Weggeführten verbrachten ihren Alltag nicht in Ketten, sondern lebten in Kolonien und bauten ein kleines Gemeinwesen etwa um  Tel Aviv auf und unterrichteten ihre Kinder im hebräischen Alphabet.

Unter den Weggeführten waren auch Propheten und einer, dessen Namen wir nicht kennen, wird zum Sprachrohr für diese universale Botschaft an die Völker, die wir im Predigttext hörten. Da kämpften die Judäer, Frauen und Männer, um ihr geistiges Erbe und ihre Identität, denn sie waren umgeben von einer Vielzahl von Göttern mit Marduk an der Spitze und bei den Prozessionen durch Babel werden sie eine Gänsehaut bekommen haben. Voller Prunk und Glanz und in großer Machtentfaltung wurde der Glaube an den Gott des kleinen verschleppten Volkes in Frage gestellt. Marduk imponierte als der Gott, der sich im blutigen Kampf gegen die anderen Chaos- und Gestirngötter durchsetzte.

Was hatten die judäischen Vertriebenen dem entgegenzusetzen?

Gott hatte Abraham das Land versprochen, doch nun lebten sie im Exil!

Gott hatte dem Königshaus David den Bestand zugesagt, doch nun  war ihr König deportiert worden.

Gott hatte dem Volk versprochen, dass er es im Tempel hören wird, doch nun war der Tempel zerstört.

Die Ältesten der Exilierten hatten harte Arbeit zu leisten in ihren Versammlungen. Sie hatten die große Aufgabe, dem kleinen Volk Trost und Mut zuzusprechen. Gott sei Dank hatten sie auch Propheten unter sich, die Jeremia in seinem Brief anspricht. Im Exil waren die Propheten wichtiges Sprachrohr zu Gott und von Gott. Der Prophet kommt hier mit einem ganz neuen Thema zu den Judäern. Da hören die Weggeführten zum ersten Mal von einem Knecht, den Gott auserwählt und der mehrere Aufgaben hat. Vor allem wird er das Recht bis an die Enden der Erde bringen. Gott selbst wird diesen Knecht ausrüsten, so dass er zu den Völkern gehen kann. Gottes Geist leitet ihn, sodass er zum Bund für das eigene Volk wird und er wird ein Licht sein für die Menschen, die bislang nicht an diesen Schöpfergott glauben konnten.

Denn dies hatten die Ältesten in Babylonien intensiv betont, dass ihr Gott, anders als Marduk, die Erde im Frieden und durch das Wort geschaffen hat. Wenn der Prophet dann auf den Odem zu sprechen kommt in unserem Predigttext, dann will er an Altbekanntes aus der Schöpfungsgeschichte anknüpfen, dass Gott dem aus Erde geformten Menschen den Lebensatem einhauchte. Und dass Gott durch das reine Wort die Welt erschuf und die Gestirne als Lichter und Lampen verstanden wurden und eben nicht als Götter, war eine Revolution im Denken der Menschen und diese Sichtweise geht zurück auf das kleine verschleppte Völkchen der Judäer.

Und die andere große Revolution aus dieser Zeit liegt in dem Begriff „Knecht“. Für uns heute ist es ein altes Wort.  Es kommt aus der Ständegesellschaft, in der es eine Über- und Unterordnung gab, damit die vielen sozialen Aufgaben wahrgenommen wurden. Knecht zu sein meint „im Dienst sein“. Ein Knecht dient und hat seine ihm aufgetragene Aufgabe bzw. sein Amt zu erfüllen. Wer heutzutage ein Amt innehat, der oder die muss die Aufgaben, die mit dem Amt verbunden sind, erledigen.

Schauen wir auf den Diener bzw. Amtsinhaber in unserem Predigttext: Ihm werden noch weitere Eigenschaften zugesprochen: Er wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen. Gemeint ist das Schilfrohr, das vom Wind hin und her geweht wird und hier und da einknickt. Babylonien wird durchzogen von zwei Flüssen, dem Euphrat und dem Tigris. Deshalb wird dieses Land auch Zweistromland genannt. Auf Griechisch heißt dies Mesopotamien, wörtlich übersetzt „zwischen den Flüssen“. An diesen Flüssen gab es viel Schilf, mit dem auch die Judäer einige ihrer Alltagsgegenstände herstellten. Der Knecht wird also ganz sanft kommen und das eingeknickte Schilfrohr in seiner Natürlichkeit belassen. Der glimmende Docht besteht aus Flachs, auch Leinen genannt. Wir kennen den Leinsamen. Den flächsernen Docht, der noch glimmt in der Öllampe wird der Knecht nicht auslöschen. Für die Exilierten bedeutet dieses Bild, dass Gott das noch so schwache Leben in der Gemeinschaft aufrechterhalten wird. Das Bild vom Schilfrohr und dem Docht wird sodann auch auf den Knecht selbst übertragen: Vers 4 „Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte“. Gemeint ist hier, dass seine Energie und Kraft für sein Amt nicht versiegen wird.

Leise und sanft kommt dieser Knecht und wir Christen sind dazu geneigt, in dieser Heilsperson Jesus zu erblicken, auf den dieser hebräische Text hindeuten würde. Es gibt im Jesajabuch noch mehr Textstellen, die über diesen Knecht sprechen, auch, dass er unsere Sünden auf sich geladen habe. Dabei müssen wir uns bewusst machen, dass diese Verse im babylonischen Exil aufgeschrieben wurden und gerichtet sind an die Weggeführten, die an den Wassern zu Babel saßen und weinten, da sie an Zion gedachten wie es uns in Psalm 137 überliefert ist. Wir tun gut daran, uns mit den jüdischen Gemeinden weltweit zu freuen, dass Gott, der Schöpfer, sein Volk nicht aufgab, als es wieder von vorne anfangen musste, weit ab von ihrem Tempel.

Viele Ausleger haben versucht die Person des Knechts zu identifizieren mit dem Propheten, der hier als Sprachrohr Gottes diente, oder mit seinem Volk in der Fremde oder mit Kyros, dem Perser, der die Babylonier ablöste und die Heimkehr der Weggeführten erlaubte. Unabhängig von einer konkreten Identifizierung des Knechts bleibt die Aufforderung an uns Christinnen und Christen in diesem Gottesdienst bestehen, diesen Predigttext zuerst mit den Augen der Exilierten zu lesen. Und dann in einem weiteren Schritt, dankbar dafür zu sein, dass das Recht, also der Wille Gottes, dass wir Menschen in Würde ein Leben gestalten können, auch bis zu uns (Heiden) gekommen ist.   

Wir in dieser Kirchengemeinde sind ein Teil der Völker, zu denen das Licht des Knechts gekommen ist. Zum Eingang dieses Gottesdienstes sangen wir das Lied „Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr“. Bei den angeschlagenen Liedern sehen Sie, dass dieses Lied zweimal gesungen werden soll. Nun bitte ich Sie, dieses Lied aufzuschlagen. (Warten bis alle EG 452 aufgeschlagen haben) Wenn Sie am Ende der ersten Strophe schauen, ist dort vermerkt: Jes 50,4-5. Am Liedende sind diese beiden Verse aus dem Jesajabuch zitiert und der Zusammenhang zeigt, dass das Ohr des Knechts jeden Morgen neu geweckt wird. Wir singen also heute  als ob wir selbst der Knecht seien; vielleicht in dem Sinne, dass wir wiederum das Licht, das wir empfangen haben, von unserem Schöpfer an andere weitergeben.

Wenn wir nun dieses Lied singen, mögen wir dies auch tun vor dem Hintergrund, dass Gott das Ohr des Propheten jeden Morgen neu im Exil geweckt hat, um sein Volk zu trösten und um das Recht, den Willen Gottes, bis an die Enden der Erde zu verkünden. Amen.

Verfasserin: Pfarrerin Carola Krieg


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