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Der Ruf zur Umkehr

von Gerhard Schäberle-Koenigs (Bad Wildbad-Aichelberg)

Predigtdatum : 15.12.2019
Lesereihe : II
Predigttag im Kirchenjahr : 3. Advent
Textstelle : Lukas 3,(1-2)3-14(15-17)18(19-20)
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Wochenspruch: Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig. (Jesaja 40,3.10)

Psalm: 85,2-8

Predigtreihen

Reihe I: Römer 15,4-13
Reihe II: Lukas 3,(1-2)3-14(15-17)18(19-20)
Reihe III: Lukas 1,67-79
Reihe IV: 1. Korinther 4,1-5
Reihe V: Jesaja 40,1-11
Reihe VI: Matthäus 11,2-10

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 11, 1.5-7 Wie soll ich dich empfangen
Wochenlied: EG 10, 1–4 Mit Ernst, o Menschenkinder
Predigtlied: EG 6, 1–5 Ihr lieben Christen freut euch nun
Schlusslied: EG 4, 1–5 Nun komm der Heiden Heiland

Predigttext Lukas 3,(1-2)3-14(15-17)18(19-20)

Johannes der Täufer

(1 Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene,
2 als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.)

3 Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden,
4 wie geschrieben steht im Buch der Worte des Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben!
5 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden,
6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.«
7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?
8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.
9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir nun tun?
11 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso.
12 Es kamen aber auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun?
13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist!
14 Da fragten ihn auch Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!
(15 Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen, ob Johannes vielleicht der Christus wäre,
16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber der, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
17 In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.)
18 Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und predigte ihm.
19 Herodes aber, der Landesfürst, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen all des Bösen, das er getan hatte,
20 fügte zu dem allen noch dies hinzu: Er warf Johannes ins Gefängnis.

Hinführung

Zur Logik des Evangeliums von Jesus Christus gehört notwendigerweise, dass er einen Vorläufer hat, gewissermaßen einen Herold, der ihn ankündigt. Der Messias taucht nicht einfach aus dem Nichts auf. Er wird erwartet. Er wird angekündigt. Die synoptischen Evangelien wissen von Johannes dem Täufer als Vorläufer des Messias. Matthäus und Lukas erzählen teils gleichlautend von dem Auftreten Johannes, von seiner Predigt in der Jordangegend, von dem Zulauf, und davon, dass er viele im Jordan tauft. Das ist ein Sinnbild für die Reinigung und Vorbereitung auf die Ankunft des Messias. Markus berichtet eher zusammenfassend und knapp von Johannes vor allem anderen, sein Evangelium beginnt mit ihm.

Johannes der Täufer stellt sich in die Tradition der Propheten. Ausdrücklich wird von den Evangelisten der Anfang des zweiten Jesajabuchs zitiert: „Bereitet dem Herrn den Weg …“ (Jes 40, 3 - 5). Der Vorläufer des Messias ist dazu da, ihm die Wege zu bereiten und alle Hindernisse für sein Kommen aus dem Weg zu räumen. Die Bilder des Prophetenwortes – Täler und Berge und Hügel, Krummes und Unebenes – sind sicher metaphorisch zu verstehen. Krumm und uneben ist das Zusammenleben der Menschen, Gewalt und Gier, Unrecht und Ungerechtigkeit türmen gewaltige Berge auf und reißen tiefe Schluchten auf. Das alles steht dem Messias im Weg. Es muss weggeräumt werden.

Die Rede des Johannes hebt als Zorn- und Gerichtsrede an. „Otterngezücht“, Schlangenbrut nennt er seine Zuhörer. Als schlau und listig beurteilt er die Haltung: Gott wird uns nichts tun. Wir haben ja Abraham zum Vater. Doch Johannes macht die Lebensänderung dringlich mit dem Bild: „Die Axt ist schon den Bäumen an die Wurzel gelegt …“.

Dass die Leute daraufhin fragen „Was sollen wir denn nun tun“, halte ich für das eigentliche Wunder dieser Geschichte. Denn normalerweise folgen auf Vorhaltungen Entschuldigungen und Selbstrechtfertigungen. Das ist ein für alle Mal paradigmatisch abgebildet in der Adam-und-Eva-Geschichte nach dem Fall: „Die Frau, die du mir gabst …“, „Die Schlange betrog mich …“ (1. Mose 3, 12.13).

Die Antworten des Johannes auf die Frage „Was sollen wir denn jetzt tun?“ kommen sehr praktisch und geradezu einfach daher. Gerade so einfach wie die Prophetenmahnung „Brich mit dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn …“ (Jesaia 58, 7).

Was als Antworten besonders an die Zöllner und an die Soldaten berichtet wird, zielt auf „Tut was recht ist und lasst alles Unrechte!

Ich verstehe diese pragmatischen Antworten so, dass Johannes nicht die Personen in Frage stellt oder gar verdammt, sondern ihnen zeigt, wie sie mit Änderung ihrer Handlungen dem Messias den Weg bereiten können. Er ist nicht selbst der Messias. Er ist sein Bote. Es steht ihm nicht zu, „die Spreu vom Weizen zu trennen“. Das ist Sache des Messias selbst. Nie und nimmer haben wir Menschen das Recht, die „Worfschaufel“ selbst in die Hand zu nehmen.

In der Predigt wird die Bußpredigt des Johannes als Ausdruck seiner Menschenliebe interpretiert. Gerade auch die Dringlichkeit, die er mit dem Bild von der Axt an den Bäumen hervorhebt. Dass ihm keine Ausflüchte entgegenschallen, sondern die betroffene Frage „Was sollen wir denn jetzt tun“, halte ich für das Wunder in dieser Geschichte. Ich kann es nicht erklären. Ich kann nur hinweisen, dass solche Wunder möglich sind. Die Geschichte von dem Polizeibeamten ist so passiert. Sie ist nicht erfunden.

GSK

Gliederung

I. Vorsicht: Gefahr!
II. Wir haben verstanden
III. Wunder der Einsicht gibt es
IV. Was sollen wir denn tun?
V. Das sollt ihr tun!
VI. Ihr lieben Christen, freut euch nun

Ziel

Die Menschen dazu anregen, die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest auch als Einübung in die Vorbereitung auf die versprochene Zeit des Heils zu versuchen.

I. Vorsicht: Gefahr!

Liebe Gemeinde,

was tun Sie, wenn Sie sehen, dass Ihr Nachbar, ohne es zu wissen, in Gefahr ist? Sie gehen zu ihm, sagen ihm: Du, weißt du eigentlich …? Es kann etwas ganz Banales sein. Einem Mann ist aufgefallen, dass am Auto seines Nachbarn das linke Bremslicht nicht funktioniert. Bei nächster Gelegenheit sagt er es ihm: „Du, dein Bremslicht funktioniert nicht. Das ist saugefährlich.“ Und der Nachbar: „Oh, das hab ich noch gar nicht gemerkt. Danke, dass du’s mir sagst. Ich wär noch lange so weitergefahren.“

Wunderbar, wenn zum Zusammenleben auch solche Kleinigkeiten gehören.

Es gibt auch größere Gefahren, die schwerer zu erkennen und auszuräumen sind. Hören Sie heute, wie Johannes der Täufer seine Mitmenschen auf eine Gefahr aufmerksam machte.

[Lesen des Predigttextes Lukas 3,3-14.18]

Johannes war eine seltsame Gestalt. Viele hielten ihn für einen Spinner. Er trug keine feinen Kleider. Mode war ihm egal. Er trug ein Gewand aus Kamelhaaren. Das kratzt ziemlich. Man erzählte sich auch, dass er Heuschrecken aß, und Honig von wilden Bienen. Einen festen Wohnsitz hatte er wohl nicht. Er lebte in der Wüste, irgendwo.

Wie viele andere seiner Zeitgenossen, war er überzeugt, dass in allernächster Zeit der Messias kommen würde. Die Zeit war reif. Es konnte nicht mehr lange dauern. Und er, Johannes, fühlte sich berufen, seine Mitmenschen darauf vorzubereiten.
Er sah, wie sie lebten. Er sah, wie sie miteinander umgehen. Und er war erschrocken. Ihm war klar: So wie sie jetzt lebten, so konnten sie unmöglich den Messias empfangen. So böse, so hinterhältig, so achtlos gegeneinander, so gedankenlos. Das konnte ja nur schrecklich für sie werden, wenn der Messias sie so vorfindet. Er wird keine Freude an ihnen haben. Sie können nichts Gutes von ihm erwarten, so wie sie jetzt leben.

Dabei kommt doch der Messias, um allen Menschen endlich Heil zu bringen. Es war im Grunde nichts als Liebe zu seinen Mitmenschen, wenn Johannes ihnen helfen wollte, sich bereit zu machen für den Messias.

II. Wir haben verstanden

Dem Johannes ist dabei Erstaunliches gelungen. Die Leute waren echt besorgt. Sie zeigten sich betroffen. Sie waren innerlich aufgewühlt. Man konnte es an ihren Gesichtern ablesen. Es arbeitete in ihnen. Der eine kaute unaufhörlich mit seinem Unterkiefer. Ein anderer trat unruhig von einem Fuß auf den andern. Eine hatte weit aufgerissene Augen. Viele ließen in ihrem Innern vorüberziehen, was nicht gut war in ihrem Leben. Johannes hat ja auch dick aufgetragen. Er hat es ihnen dringlich gemacht, ihr Leben zu ändern. „Die Axt ist schon den Bäumen an die Wurzel gelegt“.

Und nun geschieht ein Wunder. Es bleibt erst mal still. Jeder ist mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Was sie gehört haben, musste erst mal verdaut werden. Keiner brüllte den Johannes an. Keiner rief: Was können wir denn dafür?“. „Die da oben, die sind schuld. Die andern sind doch viel schlimmer als wir. Und die vielen Fremden, die bekommen alles umsonst. Und wir bezahlen. Uns wird nichts geschenkt.“

Keine Entschuldigung. Keine Selbstrechtfertigung. Keine ausgestreckten Zeigefinger. Sondern die ehrliche Rückfrage: „Was sollen wir denn tun?“
Wie ist dem Johannes das gelungen? Wie hat er dieses Wunder geschafft? Wir erleben doch täglich, dass Ermahnungen nichts nützen. Warnungen werden in den Wind geschlagen.

Ist es denn vorstellbar, heute, dass auch gutgemeinte Warnungen gehört werden? Im persönlichen Bereich, im politischen Bereich? Ist es wirklich denkbar, dass Menschen aus tiefer Betroffenheit und echter Sorge um ihre Zukunft ernsthaft fragen: „Was sollen wir denn tun?“

III. Wunder der Einsicht gibt es

Es ist möglich. Hören Sie eine kleine Geschichte, die vor wenigen Jahren in einer Kleinstadt passiert ist. Die Hauptrolle darin spielt ein Polizeibeamter. Von dem wird erzählt, dass er mit den Gaunern und anderen wahrhaft johanneisch umgehen konnte und manches Wunder vollbrachte.

Einmal hatte es eine Gruppe von Jugendlichen geschafft, sich in der tagsüber offenen Kirche einschließen zu lassen. Sie hatten sich so gut versteckt, dass die Mesnerin beim Abschließen nichts von ihnen bemerken konnte. Und dann haben sie die Nacht über ihr Unwesen getrieben. Sie haben wahrlich die Sau rausgelassen. Manches ging zu Bruch. Vieles war verwüstet. Bierflaschen und Zigarettenstummel lagen herum. Als sie ihr Werk vollendet hatten, verließen sie die Kirche. Von innen hatten sie die Tür öffnen können. Als die Mesnerin am nächsten Tag in ihre Kirche kam, war sie kurz vor einem Herzinfarkt.

Sie entschied sich dann, erst mal nicht den Dreck wegzuputzen, sondern ging zur Polizei. Und da hatte gerade der Richtige Dienst. Er sagte ihr: „Schließ wieder zu. Mach erst mal nicht sauber. Ich kümmere mich darum.“

Er hatte so seine Ahnung. Und nachmittags hatte er die ganze Clique, lauter ihm bekannte, bei sich auf dem Polizeirevier. Es war keine Vernehmung. Er hat ihnen einfach erzählt, was passiert. Eine saftige Strafe wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Vandalismus, Verletzung der religiösen Gefühle anderer. Ganz zu schweigen von dem Ärger mit ihren Eltern und ihren Arbeitgebern. Er las ihnen die Anzeige vor, die er schon vorbereitet hatte.

Und oh Wunder, er hörte keine Selbstentschuldigung, kein: „Ich war’s nicht“, kein „Der war’s, ich nicht“. Sondern wirklich die Frage: „Was sollen wir jetzt tun?“
Und er: „Aufräumen. Sauber machen. Zum Schreiner gehen, und ihm sagen, er soll die Schäden reparieren, bis Sonntag. Und fangt gleich an damit“.
Es kam seither nie wieder vor, dass in dieser Kirche wüste Sachen passierten.

IV. Was sollen wir denn tun?

In 10 Tagen ist Weihnachten. Ich weiß, es gibt noch viel zu tun für das Fest.
Jesus kommt auf die Welt, der Messias. Dafür müssen wir allerdings nichts tun. Er kommt ohne unser Zutun. Die Frage ist nur: Wird er sich freuen, so wie er uns antrifft? So, wie er die Welt antrifft? Was muss noch weggeräumt werden, bevor er kommt? Oder, wie wir gesungen haben: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier?“

Advent und Weihnachten feiern wir auch dadurch, dass wir unsere Phantasie anstrengen und uns vorstellen: Was wäre, wenn er kommt? Wie möchte ich ihn empfangen? Was kann ich tun, damit er gerne da ist? Wenn Sie an Weihnachten Besuch erwarten, dann überlegen Sie genau das. Ganz praktisch. Und wenn es gelingt, dann werden Sie und Ihr Besuch eine gute Zeit miteinander haben und Sie können sich schon im Voraus darauf freuen.

V. Das sollt ihr tun!

Genau das war das Anliegen des Johannes. Er sorgte sich um seine Mitmenschen, ob sie wirklich eine gute Zeit haben werden, wenn der Messias kommt. Es sollte eine Zeit des Heils für sie werden, nicht der Strafe. Und als sie verstanden hatten und fragten, „Was sollen wir denn jetzt tun?“, da hatte er ganz einfache Antworten.
„Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat;
Und wer Speise hat, tue ebenso“.

Einfacher geht’s nicht, oder? Wissen Sie von jemandem in Ihrer Nähe, der in Not ist, oder der nicht das hat, was zum Leben notwendig ist. Ich kenne die Ausreden. „Wenn man dem was gibt, dann setzt er’s gleich in Alkohol um.“ Oder. „Was soll das nützen, es ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Aber darauf kommt’s gar nicht an, ob’s was nützt, ob der Andere würdig ist oder es verdient hat. Und ob ich ihn leiden kann. Tut’s einfach. Es wird euch nichts fehlen.

Natürlich gibt’s komplizierte Fälle. Zu Johannes kamen auch einige Zöllner. Bei denen war es zur Gewohnheit geworden, ordentlich in die eigene Tasche zu wirtschaften. Johannes sagte ihnen nicht: Gebt euren Beruf auf. Kündigt. Das ist eh alles unmoralisch, was ihr tut. Er bleibt ganz im Praktischen: Ihr habt eure Vorschriften und Tabellen. Verlangt, was recht ist, und haut die Leute nicht übers Ohr. Er stellt sie nicht total in Frage.

Genauso die Soldaten, die die zu ihm kamen und betroffen waren von seinen Worten. Vielleicht muss man sagen, was der Johannes ihnen antwortet, ist echt naiv: „Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold“. Als ob es nicht zu allen Zeiten zum Kriegshandwerk gehört hätte, dass von Soldaten geplündert wird, dass Frauen vergewaltigt werden, dass Zivilisten willkürlich umgebracht werden. Nur mühsam hat die internationale Gemeinschaft sich dazu durchgerungen, solche Begleiterscheinungen von bewaffneten Auseinandersetzungen zu ächten.

Würde heute Johannes so wunderwirksam auftreten, dann würden sicher noch mehr Berufsgruppen mit ihrer Frage zu ihm kommen: Was sollen wir denn jetzt tun? Die Börsenhändler und Bankmanager, die Autohersteller, die geschummelt haben, die Landwirte, die merken, wie sie den Lebensraum von Tieren immer mehr zurückdrängen, und doch nicht wissen, wie sie anders überleben könnten.

VI. Ihr lieben Christen, freut euch nun

Keinen von ihnen würde Johannes als Menschen in Frage stellen. Sie alle nur ganz praktisch auf ihre jeweilige Aufgabe hinweisen. Damit sie diese recht und nicht mit Unrecht ausführen.

Er wusste davon, dass der Messias, wenn er kommt, die Spreu vom Weizen trennen wird. Aber es war ihm sonnenklar: Seine Aufgabe ist das nicht. Er würde dem nie vorgreifen. Seine Aufgabe ist, die Menschen, auch uns, dazu zu bewegen, zu tun, was vor dem Fest zu tun ist, damit es ein fröhliches Fest wird, wenn der Messias kommt. Dann ist es richtig, zu singen: „Ihr lieben Christen, freut euch nun, bald wird erscheinen Gottes Sohn“.

AMEN

Eingangsgebet

Herr Jesus Christus,
so viele Menschen leiden an dieser Welt.
So viele leiden unter ihren Mitmenschen oder unter gewalttätigen Machthabern. Die ganze Schöpfung leidet.

Wann wirst du kommen und alles neu machen?
Richte uns auf durch deinen Heiligen Geist.
Gib unserer Hoffnung neue Kraft,
dass wir dein Lob singen können,
auch wenn die Nacht noch dunkel ist.

Nach: Gottesdienstbuch Wü S. 129

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus,
du willst zu uns kommen, uns besuchen in unserem leben.
Uns aber fällt es schwer, dich aufzunehmen.
So vieles ist noch im Weg.
Las uns all die unnötigen Hindernisse erkennen, hilf uns, sie wegzuräumen
Wir rufen zu dir: Kyrie eleison.

Öffne uns die Augen, damit wir sehen,
wie du bei unseren täglichen Entscheidungen und bei den Begegnungen mit anderen mitten unter uns sein willst.
Gib uns das Gespür dafür, dass du uns nicht nur in heiligen räumen oder in besonderen Stimmungen begegnest, sondern auch dort, wo wir uns im Alltag der Menschen annehmen, die du uns über den Weg schickst.
Wir rufen zu dir: Kyrie eleison.

Herr, wir wissen,
wie gering unsere Kräfte sind,
die Traurigen zu trösten,
die Hungrigen zu speisen,
die Zerstrittenen zu versöhnen,
ja selbst uns zu versöhnen mit unseren Nächsten.
Gib uns die Kraft, unverdrossen füreinander einzutreten.
Mach uns zu einer Gemeinde, die dir den Weg bereitet.
Wir rufen zu dir: Kyrie eleison.

Herr, du hast uns versprochen, in unser Leben zu kommen.
Nun komm, wir wollen dir unser Herz öffnen,
erleuchte unseren Geist.

Verfasser: Pfarrer Dr. Gerhard Schäberle-Koenigs, Schmiedgasse 13, 7385 Bad Teinach-Zavelstein


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