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Der Ruf zur Umkehr

von Frieder Schmidt (Rheinheim-Spachbrücken)

Predigtdatum : 16.12.2007
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 3. Advent
Textstelle : Offenbarung 3,1-6
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Wochenspruch:

Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.
(Jesaja 40, 3.10 )

Psalm: 85, 2 – 8

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 40, 1 – 8 ( 9 – 11 )
Epistel:
1. Korinther 4, 1 – 5
Evangelium:
Matthäus 11, 2 – 6 ( 7 – 10 )

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 14
Dein König kommt in niedern Hüllen
Wochenlied:
EG 147
Wachet auf, ruft uns die Stimme
Predigtlied:
EG 11,4-6
Wie soll ich dich empfangen
Schlusslied:
EG 1
Macht hoch die Tür

Vorbemerkungen:
Zielsatz für die Predigt: Ich will die Gemeinde dazu auffordern, sich zu stärken.
Das Lied EG 147 (Wachet auf ruft uns die Stimme) sollte vor der Predigt gesungen werden, weil darauf Bezug genommen wird. Auch Lied EG 1 (Macht hoch die Tür) wird angesprochen.

1 Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. 2 Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott. 3 So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. 4 Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind's wert.
5 Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. 6 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Liebe Gemeinde,
„Wachet auf, ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jerusalem! Wohlauf, der Bräut`gam kommt, steht auf, die Lampen nehmt“ (EG 147,1), so haben wir gerade gesungen. Das ist ein Ruf zum Aufwachen, zum Wachwerden. Wenn man richtig mitgesungen hat, dann ist man jetzt bestimmt wach, weil allein in der Melodieführung dieses Liedes sehr viel Bewegung drin ist.
„Wacht auf“, das war auch im Predigttext zu hören. „Wacht auf!“ (Vers 2).
Was ist das für eine Gemeinde, die hier angesprochen ist, die Gemeinde in Sardes? Sardes war ein Ort, der in der heutigen Türkei lag. Dieser Ort war durch Krösus bekannt. Mancher kennt vielleicht die Redewendung: Bin ich Krösus? Womit gemeint ist: Bin ich so reich wie Krösus? Krösus war ein Lydierkönig im sechsten Jahrhundert vor Christus. Er war durch Tributzahlungen anderer an ihn und durch die Bodenschätze seines Landes sehr reich. Deswegen gibt es die Redewendung: Bin ich Krösus? Sardes war die Hauptstadt seines Königreiches. Die Stadt selbst gibt es heute nicht mehr. Im ersten Jahrhundert nach Christus schreibt Johannes von der griechischen Insel Patmos nach Sardes. Er schreibt: Wacht auf, ihr Christen in Sardes! Dann wird die Gemeinde nach Strich und Faden erst einmal fertig gemacht. Ich wiederhole, was Johannes schreibt.
„Dem Namen nach lebst du, aber du bist tot (Übersetzung nach der Jerusalemer Bibel). Deine Werke sind unvollkommen. Du bist nichts wert. Außerdem sind in deiner Gemeinde Leute, die haben ihre Kleider besudelt (Genaueres ist da nicht zu ergründen, was damals los war, irgendwelche kultisch-heidnischen Orgien wurden wohl gefeiert.), da sind Leute, die haben ihre Kleider besudelt, all das ist nicht recht. Wenn das so weiter geht bei euch, dann werdet ihr aus dem Buch des Lebens gestrichen. Wacht auf! Und wenn ihr nicht aufwacht, dann kommt das Gericht Gottes über euch wie ein Dieb in der Nacht“.
Wenn mir jemand ein solches Schreiben schicken würde, und so über die Gemeinde reden würde, dann wäre meine erste Reaktion: Was ist denn das für ein Spinner? Diesen Brief kannst du getrost wegwerfen. Das hat doch alles nichts mit unserer Gemeinde zu tun.
„Dem Namen nach lebst du, aber du bist tot“. So tot scheint die Gemeinde in Sardes aber doch noch nicht zu sein. Denn da ergeht eine Aufforderung. Wacht auf! Stärkt das, was in euch leben will! Oder, wie es genau genannt wird, stärkt das, was in euch sterben will (Vers 2).
Ich möchte mit Ihnen heute Morgen über diesen Aufruf zur Stärkung nachdenken.
Stärkt euch!
Wie stärken wir uns?
Ich greife zurück auf eine Aufforderung aus dem Text. Da war auch zu Hören: Tut Buße! (Vers 3).
„Tut Buße“ heißt nichts anderes als: Kehrt um! Kehrt um! Wohin denn, oder von was weg denn, so fragt man?
Macht sozusagen ein „U“, wenn ihr wohin geht, dreht um, geht gerade in die andere Richtung.
Kehrt um von dem, was tot ist bei euch in der Gemeinde, in eurem Leben. Kehrt um, wendet euch ab von dem, was tot ist, was abgestorben ist. Da sind in jedem Leben, in jeder Gemeinde, in jeder Kommune Dinge, die tot sind, die nicht mehr zum Leben erweckt werden können, von denen man sich nicht trennen kann. Ich höre die Aufforderung aus dem Predigttext heraus: Kehre um, kehre dich ab von dem, was tot ist und was gestorben ist. Schaue auf das was lebt, wende dich dem Leben zu.
Wie stärken wir uns? Wie stärkt sich die Gemeinde?
Dann hieß es ja weiter im Predigttext: Denke daran, wie du empfangen und gehört hast. (Vers 3)
Was hören wir?
Ich gehe die Verse zu den Adventssonntagen durch.
Der Vers zum ersten Advent lautet: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Wir hören: Es kommt ein Helfer. Mit dem Christuskind, das geboren wird, kommt ein Helfer.
Der Vers zum zweiten Advent lautet: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Ein erlösender, ein befreiender, ein frei machender Helfer kommt.
Der Wochenspruch zum heutigen dritten Advent steht beim Propheten Jesaja:
„Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ Nachher in der Taufe werden wir genau das hören, was Jesus sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Der Herr kommt gewaltig. Gott hat Kraft, Gott hat Macht.
Nächste Woche, den vierten Advent, hören wir den folgenden Vers: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“ Im Mittelpunkt steht der Aufruf zur Freude.
Nun haben wir uns an alle vier Verse der Adventssonntage erinnert. Wem das zu verwirrend oder zu kompliziert ist, der könnte sich daran erinnern, wie er es empfangen hat.
Mit Weihnachten kann ich sagen: Mein Licht kommt. Vielleicht kann man diese Worte, wie wir es von den östlichen Religionen und Philosophien lernen können, immer wieder wiederholen wie ein Mantra. Immer wieder vor sich hersagen, fast autosuggestiv: Mein Licht kommt. Mein Licht kommt.
Was bedeutet das, wenn mein Licht kommt?
Vielleicht kann man die drei Worte auch ersetzen, zum Beispiel durch: Meine Freude kommt. Mein Friede kommt. Mein Helfer kommt. Mein Heiland kommt. Meine Rettung kommt.
„Komm, o mein Heiland Jesus Christ“, – so singen wir im ersten Lied des Gesangbuchs (EG 1,5) – „meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr“.
Es ist so, dass die Freude und das Glück, dass gelingendes Leben, dass Auferstehung da ist.
Natürlich gibt es Tod und Sterben in jedem Leben, gibt es die Erfahrung, dass nicht alles geradeaus und in Ordnung läuft, dass es finstere Wege gibt, dunkle Wege. Aber im Ganzen gilt: Das Glück und die Freude ist da! Ich muss sie allerdings auch ergreifen können, ich muss sie spüren können, ich muss mich daran erinnern können.
Wie stärken wir uns?
Wie werden wir, wie werden Sie, wie werde ich stark? Dadurch, dass wir uns darin üben, dass wir uns selbst immer wieder aufraffen und an die Freude und das Glück und das Licht im Leben erinnern. Ich muss mich auch selbst immer wieder bemühen, das fliegt mir nicht einfach so zu, sondern ich muss mich drum kümmern. „Ohne Fleiß` kein Preis“, mag der eine sagen, und der andere sagt:“ Von nichts kommt nichts“. Jesus sagt:“ Suchet, so werdet ihr finden. Klopfet an, so wird euch aufgetan, bittet, so wird euch gegeben“. Du musst dich schon auch selbst anstrengen, um an das Licht, um zum Retter, um zum Heiland, um zur Freude zu kommen. Weihnachten liegt nicht einfach so auf der Straße. Weihnachten findest du nicht selbstverständlich in den Einkaufspassagen unserer Städte. Du musst dich darum bemühen, dem Licht näher zu kommen. Die Freude ist da. Wir müssen sie auch ergreifen. Der Ruf Gottes ist: Wende dich ab vom Gestorbenen, von dem, was eh längst vorbei ist und zu Ende ist, was dich vielleicht immer noch begleitet und immer noch bewegt. Tauche auf! Tauche auf aus der Dunkelheit! Geh` hin ins Licht! Wende dich dem Leben zu.
Dietrich Bonhoeffer wird immer wieder gerne zitiert, weil er die Dinge so gut auf den Punkt bringen konnte. Er sagt einmal in der Form eines Glaubensbekenntnisses: „Ich glaube, dass Gott uns in allen Notlagen des Lebens soviel Kraft geben will, wie wir brauchen. Gott will uns und Gott wird uns in allen Notlagen des Lebens soviel Kraft geben, wie wir brauchen. Aber er gibt uns die Kraft nicht so einfach im Voraus und so einfach umsonst. Gott ist jemand, der auf aufrichtige Gebete wartet.“ – Wir müssen uns auch selbst bemühen, müssen uns selbst darum kümmern, müssen sozusagen das Kommen-an-das-Licht üben, trainieren, einüben.
Ganz ähnlich ist es mit den Jungfrauen, von denen wir gesungen haben: „Wohlauf, der Bräut`gam kommt“(EG 147,1). Hinter dieser Aufforderung steht das Gleichnis von den zehn Jungfrauen.
Fünf Jungfrauen haben Öl dabei, haben vorausgedacht, haben sich eingeübt darin, dass der Heiland kommen kann. Die fünf anderen Jungfrauen haben kein Öl dabei. Als Jesus in der Nacht kommt, können die, die vorbereitet sind, ihre Lampen anmachen und mit dem Bräutigam zur Hochzeit gehen. Die Unvorbereiteten müssen aber erst zum Kaufmann gehen und Öl kaufen und verpassen so die Teilnahme an der himmlischen Hochzeit.
Die Aufforderung heute Morgen ist, sich selbst zu stärken, sozusagen ein Trainingsprogramm im religiösen, im spirituellen, im christlichen Sinne durchzuführen. Die Aufforderung heute Morgen ist, das Licht und die Wärme in sich aufzunehmen.
Beim Propheten Sacharja steht der Vers vom ersten Advent: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Das ist eine Voraussage, sozusagen eine Ankündigung. Jesus der Gerechte und der Helfer wird kommen. In dem Zusammenhang bei Sacharja steht auch: „Stärkt eure Hände“ (Sacharja 8,9). Wenn es so ist, dass er kommt, dann stärkt eure Hände!
Stärkt euch, macht euch bereit, damit ihr ganz das Weihnachtsglück empfinden könnt.

Verfasser: Pfarrer Frieder Schmidt, Am Pfarrberg 10, 64354 Reinheim-Spachbrücken

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