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Der Weg des Glaubens seit Christus

von Günter Knoll (Herrenberg)

Predigtdatum : 14.01.2024
Lesereihe : VI
Predigttag im Kirchenjahr : 2. Sonntag nach Epiphanias
Textstelle : Hebräer 12,12-18(19-21)22-25a
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Wochenspruch: "Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade." (Johannes 1,16)

Psalm: 105,1-8

Predigtreihen

Reihe I: Römer 12,9-16
Reihe II: Jeremia 14,1(2)3-4(5-6)7-9
Reihe III: Johannes 2,1-11
Reihe IV: 1. Korinther 2,1-10
Reihe V: 2. Mose 33,18-23
Reihe VI: Hebräer 12,12-18(19-21)22-25a

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 66 Jesus ist kommen
Wochenlied: EG 74 Du Morgenstern, du Licht vom Licht
Predigtlied: EG 269 Christus ist König, jubelt laut
Schlusslied: EG 164 Jesu, stärke deine Kinder

Predigttext: Hebräer 12,12-18(19-21)22-25a

12 Darum stärkt die müden Hände und die wankenden Knie 13 und tut sichere Schritte mit euren Füßen, dass nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde. 14 Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird, 15 und seht darauf, dass nicht jemand Gottes Gnade versäume; dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte und viele durch sie verunreinigt werden; 16 dass nicht jemand sei ein Hurer oder Gottloser wie Esau, der um der einen Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte. 17 Ihr wisst ja, dass er hernach, als er den Segen ererben wollte, verworfen wurde, denn er fand keinen Raum zur Buße, obwohl er sie mit Tränen suchte. 18 Denn ihr seid nicht zu etwas gekommen, das man anrühren konnte und das mit Feuer brannte, nicht zu Dunkelheit und Finsternis und Ungewitter

(19 und nicht zum Schall der Posaune und zum Klang der Worte. Die das hörten, baten, dass ihnen kein Wort mehr gesagt würde; 20 denn sie konnten’s nicht ertragen, was da gesagt wurde: »Und auch wenn ein Tier den Berg anrührt, soll es gesteinigt werden.« 21 Und so schrecklich war die Erscheinung, dass Mose sprach: »Ich bin erschrocken und zittere.«)

22 Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln und zur Festversammlung 23 und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten 24 und zu dem Mittler des neuen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als Abels Blut. 25 Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet.

Predigt

Wir hören auf den Predigttext für den 2. Sonntag nach Epiphanias. Er steht im Hebräerbrief, Kapitel 12, die Verse 12-25a.

I. Heilige Worte, ferne Geschichten

Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder!

Da schwirrt einem ja der Kopf vor lauter heiligen Worten und Bildern. Und was wird da nicht alles in Erinnerung gerufen, von dem man allenfalls noch eine ungefähre Ahnung hat: Esau, der sein Erstgeburtsrecht um ein Linsengericht verkauft hat; Abel, dessen Blut, nachdem ihn Kain umgebracht hatte, zum Himmel schrie; die Offenbarung des Gottes Israels am Berg Sinai unter Blitz und Donner und Feuer und Rauch. Das Entsetzen des Volkes angesichts dieser spektakulären Gotteserscheinung, und sogar der Gottesmann Mose ist vor Furcht und Zittern schier vergangen. Aber nicht genug damit: Von Heiligung ist da die Rede, von Gottes Gnade, hinter die man nicht zurückfallen darf, vom Berg Zion, vom himmlischen Jerusalem, von unzähligen Engeln, von der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind, von den Geistern der vollendeten Gerechten, von dem neuen Bund und dessen Mittler Jesus, und schließlich noch vom Blut der Besprengung.

Kann ich damit etwas anfangen? Sagt mir das etwas? Ich fühle mich, ehrlich gesagt, überfordert und auch ratlos. Was soll das Ganze?

II. Gnade brauchen wir

Wenn da nicht ein paar so klare Aussagen wären und Aufforderungen, die mir unmittelbar einleuchten und zu Herzen gehen: „Richtet die herabhängenden Hände und die geschwächten Knie wieder auf.“ „Jagt mit allen dem Frieden nach.“ „Achtet darauf, dass niemand hinter Gottes Gnade zurückfällt.“ Ja, das ist wichtig, lebenswichtig, über-lebens-wichtig: Wenn Menschen geschwächt sind, erschöpft ausgepowert, wenn die Hände nur noch schlaff herabhängen und die Knie nicht mehr mitmachen und jeder Schritt Schmerzen bereitet, besonders dort, wo die Wege uneben sind oder gar Schlaglöcher haben. Da braucht es Ärzte und Seelsorger und Therapeuten und Straßenbauer und die Männer und Frauen von der Stadtreinigung.

„Jagt mit allen dem Frieden nach.“ Das ist dringlicher denn je. Verfeindete Gruppen, gespaltene Gesellschaften, Rassenhass, Angriffskriege, nicht nur in der Ukraine, Bürgerkriege in Somalia, im Jemen, im Sudan. Man kann und mag es gar nicht alles aufzählen. Jagt dem Frieden nach mit allen, die guten Willens sind. Nichts ist dringlicher als der Friede.

Und dann noch: „Achtet darauf, dass niemand hinter Gottes Gnade zurückfällt.“ Ich ahne, was damit gemeint ist: Erbarmungslosigkeit ist für viele Menschen zur geheimen Richtschnur ihres Denkens und Handelns geworden. Lass dich ja nicht drausbringen durch das Unrecht und das Elend um dich herum. Mach dein Ding, kümmere dich um dein Vorwärtskommen. Die Menschen, die unter die Räder kommen, sind selber schuld an ihrem Schicksal. Gnade braucht es doch nicht. – Oder doch?

Gnade braucht es – und ob! Vielleicht ist das der Schlüssel dafür, dass wir einen Zugang finden zu unserem Predigttext insgesamt und zu dem, was uns der Verfasser (oder war es gar eine Verfasserin?) des Hebräerbriefs sagen möchte.

Gnade – war es nicht schon die Grundfrage des Reformators Martin Luther: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Es ist doch überhaupt nicht so, dass wir es gleichsam verdient hätten, hier auf dieser Erde im Paradies zu leben. Das Elend, das Unrecht, die Kriege, die Katastrophen, die Unterdrückung – ist doch alles hausgemacht und jeder / jede trägt ihr Teil dazu bei. Gnadenlose Menschen, eine gnadenlose Gesellschaft hat nichts anderes verdient. Wer nicht hören will, muss fühlen.

III. Auf wen sollen wir hören?

Was sollen wir denn hören? Hören wir zuerst einmal den Satz, mit dem unser Predigttext endet: „Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der zu euch spricht.“ Wer spricht denn da? Wen sollen wir nicht abweisen?

Etwas versteckt, erst ganz am Ende unseres Textabschnitts taucht sein Name auf: Jesus. Es ist durchaus überraschend, dass Jesus nicht früher und volltönend ins Spiel gebracht wird in unserem hochheiligen Textabschnitt. Aber gerade darum ist es dem Schreiber des Hebräerbriefs zu tun: Er bettet Jesus, den Christus, den „Sohn“ ganz fest in die Geschichte des Gottesvolkes Israel ein. Nur auf dem Hintergrund dieser Geschichte können wir ihn verstehen und seine Bedeutung für dieses Volk und darüber hinaus für alle Völker ermessen. Seine Bedeutung auch für uns!

Was er gebracht hat? Gnade, Zuwendung Gottes, Gottesnähe ohne Wenn und Aber! „Achtet darauf, dass niemand hinter Gottes Gnade zurückfällt.“ Offenbar ist das eine große Gefahr, wenn nicht sogar die größte Gefahr bei denen, die zum Volk Gottes gehören, bei Juden und Christen. Sie wollen es nicht wahrhaben, dass Gott gnädig ist, und zwar bedingungslos gnädig. Seine Liebe zu den Menschen ist unendlich viel größer als seine Enttäuschung über ihren Unglauben, ihren Ungehorsam, ihre Sünde.

IV. Gott ist gnädig. Gebt euch nicht mit weniger zufrieden

Kapiert es doch, liebe Mitchristen, oder lasst es euch sagen von einem, der die Geschichte Gottes mit seinem Volk und seine Offenbarungen durchforscht hat. An Jesus und seiner Erscheinung in der Welt ist es vollends klar geworden, endgültig und ein für alle Mal: Wer zu ihm kommt, wer seiner Botschaft glaubt, wer ihm nachfolgt, der darf gewiss sein: Gott ist mir gnädig. Und er ist auch allen anderen gnädig. Seht doch, wie nah er uns Menschen in Jesus gekommen ist Einer von uns ist er geworden, ganz Mensch, doch ohne Sünde, ganz im Vertrauen zum Vater und voller Erbarmen bis in seinen Tod.

An seiner Erscheinung ist nichts mehr furchterregend wie es damals am Berg Sinai gewesen ist, als Gott im Feuer und Sturm und mit Donnergrollen erschienen ist. Sogar der Gottesmann Mose hat damals vor Angst gezittert. Und manche Forderung Gottes erschien den Menschen unerträglich.

Bei Jesus ist das nicht so. Bei ihm ist gleichsam himmlisches Jerusalem. Bei ihm sind alle Verheißungen Gottes in Erfüllung gegangen. Er hat sein Volk erlöst. Was der Hohepriester im Jerusalemer Tempel als Ritus vollziehen musste, indem er das Blut von Opfertieren zum Altar hin gesprengt hat, Jahr für Jahr, das hat Jesus durch seinen Kreuzestod ein für allemal vollzogen: Versöhnung, Erlösung, Befreiung.

„Deine Sünden sind dir vergeben.“ Das ist anders als bei Esau damals: Du hast einen Raum zur Umkehr gefunden, und du findest ihn immer, wenn du dich Gott nur zuwendest. Die Feier des Heiligen Abendmahls ist dieser Raum. Lass dich einladen! Tritt ein in die Festversammlung! Sei gewiss: du gehörst zu den Erstgeborenen, die einmal alles erben werden, die Fülle der Gnadengaben Gottes. Auch dein Name ist im Buch des Lebens aufgeschrieben. Dazu bist du getauft worden.

„Achtet darauf, dass niemand hinter Gottes Gnade zurückfällt.“ Gebt dem Selbstzweifel und dem Zweifel an der Erwählung der anderen keinen Raum. Im Gegenteil: Ermutigt einander. Baut euch gegenseitig auf. Wo Resignation um sich greift, macht Hoffnung. Bewahrt euch davor, dass ihr davonlauft und der Kirche den Rücken kehrt. Ihr habt einen Auftrag. Gerade als Erlöste, die der Gnade Gottes gewiss sind, habt ihr einen Auftrag: „Jagt mit allen dem Frieden nach und der Heiligung.“ So werdet ihr selig.

Jesus hat es versprochen: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Das ist gewiss.

Amen.

Verfasser: Pfarrer i. R. Günter Knoll, Herrenberg


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