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Die ewige Stadt

von Hans Ulrich Jox (61273 Wehrheim)

Predigtdatum : 20.11.2011
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Letzter Sonntag des Kirchenjahres: Ewigkeitssonntag
Textstelle : Lukas 12,42-48
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Wochenspruch: „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“ (Lukas 12, 35)

Psalm: 126 (EG 750)

Lesungen

Altes Testament: Jesaja 65, 17 – 19 (20 – 22).23 – 25

Epistel: Offenbarung 21, 1 – 7

Evangelium: Matthäus 25, 1 – 13

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 450, 1 – 3

Morgenglanz der Ewigkeit

Wochenlied: EG 147, 1 – 2 Wachet auf, ruft uns die Stimme

Predigtlied: EG 152, 1 – 4 Wir warten dein, o Gottes Sohn

Schlusslied: EG 241, 8 Wach auf, du Geist der ersten Zeugen

Liebe Gemeinde,

heute haben wir den Ewigkeitssonntag, von vielen auch Totensonntag genannt, weil wir an diesem Sonntag an die Menschen denken, die uns nahe standen und die wir loslassen mussten.

Viele sind heute hier, die einen Menschen betrauern, der ihnen nun fehlt.

Ewigkeitssonntag – Totensonntag - der heutige Sonntag erinnert uns daran: dieses Leben ist nicht alles. Dieses Leben haben wir nicht als Besitz. Es ist uns nur anvertraut. Jesus erzählt dazu ein Gleichnis.

Lesung: Lukas 12, 42 – 48

Ein Mann sieht ein kleines Kind alleine mitten in einer Fußgängerzone stehen und herzzerreißend weinen.

Das geht ihm zu Herzen und ihn packt der Zorn, dass da ein hilfloses Kind so alleine gelassen wird. Empört sieht er sich um, ob da niemand ist, der zu dem Kind gehört. Aber kein Mensch scheint auf das Kind zu achten. Da klagt er Gott: „Siehst Du das eigentlich nicht? Ist dir das denn völlig gleichgültig, wenn ein kleines Kind so verzweifelt ist? Warum tust Du nichts, Gott?“

Stille. Dann hört er Gottes Stimme: „Wieso fragst Du so? Ich habe doch Dich geschaffen!“

Jesus fragt: „Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was ihnen zusteht?“

Liebe Gemeinde,

jedem von uns ist sein Leben anvertraut. Der Herr hat es ihm zur Verwaltung übergeben, bis er einmal kommt und es wieder von uns fordert. Was machen wir damit?

Jesus sucht treue und kluge Verwalter. Menschen, die würdig sind, dass er ihnen andere anvertrauen kann und sie bekommen, was sie nötig haben.

Haben Sie im Blick, dass Gott Ihnen Menschen anvertraut – die, mit denen Sie immer zu tun haben, oder auch Menschen, die Ihnen gerade über den Weg laufen und denen Sie etwas zu geben haben, was weiterhilft.

Dazu hat Gott uns mit ganz verschiedenen Gaben ausgestattet, so dass wir einander helfen und beistehen können, so dass jeder bekommt, was er braucht.

Es gibt unter uns Menschen, die können gut zuhören. Wie viel Gutes kann diese Gabe bewirken.

Andere sind sehr praktisch veranlagt, haben es im Gefühl, wo zugepackt werden muss und was gerade getan werden sollte. Wie schade, wenn ein Mensch diese Gabe nicht für andere einsetzt.

Oder da hat eine Oma ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren Enkelkindern. Was wird es doch für die Zukunft dieser Kinder bedeuten, wenn die Oma auch mit ihnen betet und ihnen aus der Kinderbibel vorliest, wenn den Kindern schon früh Vertrauen zu Gott eingepflanzt wird.

Oft kann man Klagen über Menschen hören, die ihrer Verantwortung nicht nachkommen: da wirtschaften Leute nur in die eigenen Tasche, mancher macht sich kein Gewissen daraus, nur auf Kosten anderer zu leben, alte Menschen werden abgeschoben, ungeborenes Leben wird weggeworfen und viele Kinder sind eigentlich ungewollt.

Oder im Gegenteil, wir klagen nicht, sondern schauen zu Menschen auf, die Erfolge haben, die auf der Karriereleiter ganz nach oben geklettert sind. Wir halten sie für leuchtende Sterne – Stars sagt man ja heute – doch wie klein ist mancher von ihnen dabei in Wirklichkeit geworden – so klein, dass er nur noch sich selber sieht.

Ein anderer ist vielleicht weder sonderlich bekannt, noch weitgereist, noch hat er ein sicheres Auftreten - und doch hat er einen weiten Horizont, weil er über sich, sein Ego, sein Wohlergehen hinaussehen kann und den anderen sieht mit dem, was er nötig hat und braucht und was ihm zusteht.

Ich denke z. B. an eine ältere Frau, eine treue Kirchgängerin. Schon früh Witwe, hat sie ihr Leben lang hart gearbeitet, wenig verdient, aber aufopfernd für ihre Kinder gesorgt. Dabei war sie nicht etwa verbittert, sondern hatte ein Herz für die Menschen um sich herum, war immer bereit zu helfen oder ein freundliches Wort zu sagen. Viel hat sie getan, was kaum ein anderer mitbekommen hat. Im Alter, selber nicht mehr gesund, hat sie z. B. regelmäßig eine andere alte Dame besucht, die nicht mehr aus dem Haus konnte, hat sich mit ihr unterhalten und mit ihr gebetet, was der Dame viel bedeutet hat.

Jesus sucht treue und kluge Verwalter, die aus dem, was ihnen Gott anvertraut hat, austeilen und weitergeben.

Jesus sucht Leute, die sich nicht darauf beschränken darüber zu klagen, dass die Welt so böse und so traurig ist oder darüber, dass Gott so viel Böses zulasse. Er sucht Menschen, junge und alte, die bereit sind, zu helfen, zu trösten, Dinge zu ändern und das Licht des Evangeliums in dieser Welt leuchten zu lassen.

Das Wort, das Luther mit „treu“ übersetzt hat, bedeutet nämlich auch „gläubig“. Jesus sucht Leute, die im Glauben an Jesus den Mut nicht sinken lassen und darauf vertrauen, dass er ihr Tun segnen wird und aus unseren Bemühungen etwas Gutes machen kann. Von solchen Menschen sagt Jesus:

„Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht.

Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.“

Denn, wer so lebt und handelt, dessen Vertrauen wird Jesus nicht enttäuschen, der hat nichts zu befürchten, wenn er einmal vor dem Richterstuhl Gottes stehen wird. Im Gegenteil.

Ganz anders aber für die, die Jesus innerlich beiseiteschieben.

Sie haben auch von Gott Gaben bekommen und Gott hat Aufgaben für sie. Auch ihnen sind andere anvertraut.

Aber sie denken in der Hauptsache an sich selber, ihr Vorwärtskommen, ihr Wohlbefinden, ihre Interessen stehen im Vordergrund. Was schert es die Spaßgesellschaft, wenn die Späße auf Kosten anderer gehen?

Sie mögen zwar schlau und erfolgreich sein, aber sie liegen voll daneben. Sie glauben es nicht, aber Jesus wird ihnen begegnen – und er wird ein gerechter Richter sein. Jeder von uns muss Rechenschaft ablegen, was er mit dem Leben und den Gaben gemacht hat, die Gott ihm anvertraut hat. Und wer hier mitleidlos gewesen ist, der hat auch kein Mitleid zu erwarten.

Viele Menschen, die sich über die Ungerechtigkeit dieser Welt beklagen, bedenken nicht, dass das Gericht und die Gerechtigkeit erst noch kommen.

Da hilft auch kein: „ich habe doch keinem Böses getan“ oder „Ich habe es doch nicht gewusst.“ Das lernt schon jeder Grundschüler, dass das nicht ausreicht, wenn der Lehrer nach den Aufgaben fragt.

Stellen Sie sich vor, Sie wären Besitzer eines Miethauses. Sie sind verreist und als sie zurückkommen, sehen Sie: das Dach ist schadhaft und die Bausubstanz gefährdet. Würde es Ihnen ausreichen, wenn der Verwalter, den Sie beauftragt haben, Ihnen sagt: „Ich war’s nicht.“ oder: „Ich hab’s nicht gewusst.“ Ja, wozu haben Sie denn dann den Verwalter?

Was Jesus sagt, gibt mir eine Perspektive: mein Leben ist nicht sinnlos. Ich habe eine Aufgabe. Und es gibt mir Trost: Mag hier noch so viel ungerecht sein, mögen einander Menschen noch so viel Böses antun: Gott ist ein gerechter Richter. Die werden nicht davonkommen. Jeder muss einmal dieses Leben verlassen und sich vor dem Richterstuhl des Herrn verantworten.

Aber was Jesus sagt, lässt mich auch erschrecken. Sicher, ich hoffe sehr, dass ich nicht zu den Menschen zähle, die ihre Mitmenschen allzu viel ärgern. Aber was ist mit den vielen Malen, wo ich hätte helfen sollen und helfen können und es nicht getan habe, weil mir anderes, weil ich mir selber wichtiger war? Wo ich den Willen des Herrn gekannt habe, aber nicht danach gehandelt habe?

Wie soll ich vor dem Richterstuhl Jesu bestehen?

Da merke ich: aus eigener Kraft und Fähigkeit kann ich nicht bestehen. Ich brauche selber einen, der mir immer wieder zuteilt … – ja was denn zuteilt?

Da ist es im Luthertext ein wenig missverständlich übersetzt mit: „der ihnen gibt, was ihnen zusteht.“ Wörtlich heißt es nämlich: „der ihnen das Getreidemaß gibt.“ Also: „ihre Ration“, das eben ,was sie täglich zum Leben brauchen.

Aus dem Getreide machte man das tägliche Brot. Und dann ergibt die Frage noch einen ganz anderen Sinn: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit das Getreidemaß für das tägliche Brot gibt?

Gott hat uns einen „Verwalter“ gezeigt, der das ganz und gar getan hat, wozu Gott ihn eingesetzt hat, der für uns selber das „Brot des Lebens“ geworden ist.

Jesus hat die Menschen gesehen, er hat sich um ihre Nöte und alltäglichen Bedürfnisse gekümmert und er hat noch viel mehr getan: er hat am Kreuz unser Versagen, unsere Schuld getragen, unsere Unvollkommenheit so zu leben und zu handeln, wie es uns unser Herr aufgetragen hat.

Ihn dürfen wir um Vergebung bitten und haben so täglich neu die Chance, zu fragen, welche Aufgabe Gott für uns hat und was wir den Menschen geben können, die uns begegnen.

Während wir nun ein längeres Vorspiel vor dem nächsten Lied hören [oder: einen Augenblick Stille haben], können Sie vielleicht noch einmal über folgende beide Fragen nachdenken und für sich persönlich beantworten: Was ist meine Gabe, die Gott mir gegeben hat, und wo kann ich sie heute oder in der kommenden Woche so einsetzten, dass es dem Herrn gefällt?

Jesus Christus segne Sie in der Treue ihm gegenüber, dass Sie seine Gaben klug verwalten und seinem Kommen getrost und mit Freude entgegensehen können. Amen.

Verfasser: Pfarrer Hans-Ulrich Jox

Oranienstraße 8, 61273 Wehrheim


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