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Die Gaben der Schöpfung

von Thomas Ludwig (67550 Worms)

Predigtdatum : 06.10.2013
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 19. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : Matthäus 6,19-23
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Leitbild:
Die Gaben der Schöpfung
Wochenspruch:
"Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ (Psalm 145, 15)

Psalm: 145 (756)

Lesungen
Altes Testament: Jesaja 58, 7 – 12
Epistel: 2. Korinther 9, 6 – 15
Evangelium: Lukas 12, (13 – 14) 15 – 21


Liedvorschläge
Eingangslied: EG 508 Wir pflügen, und wir streuen
Wochenlied: EG 324 Ich singe dir mit Herz und Mund
Predigtlied: EG 302 Du meine Seele, singe
Schlusslied: EG 638 oder EG 590 Ich lobe meinen Gott oder Herr wir bitten: Komm und segne uns

Am Anfang des Gottesdienstes platziert die Predigerin/der Prediger gut sichtbar ein Schatzkästchen (aus dem Spielzeuggeschäft) auf den Altar. Darin befinden sich ein Glöckchen, eine aus Pappe ausgeschnittene Sonne sowie etwas in Form eines Herzens.

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Schwestern und Brüder,
die Schatzinsel - das ist einer der spannendsten Romane der Weltliteratur. Der schottische Autor R. L. Stevenson hat ihn 1881 zum ersten Mal veröffentlicht und bis heute sind junge und alte Menschen von der Abenteuer-Geschichte fasziniert. Im Mittelpunkt steht ein legendärer Piratenschatz, den skrupellose Banditen genauso wie ehrwürdige Seeleute beinahe um jeden Preis finden wollen. Der Ich-Erzähler der Geschichte, ein Teenager mit dem Namen Jim Hawkins, ist auch von dem Gedanken an den Schatz fasziniert. Aber durch seine Unerfahrenheit und Gutgläubigkeit bringt er sich selbst und den Erfolg der Schatzsuche immer wieder in Gefahr. Nachdem einige Menschen den Tod finden, aber die Piraten besiegt sind, gelingt es doch noch, einen Teil des Schatzes nach England zu bringen. Jeder Expeditionsteilnehmer erhält seinen Anteil, aber nur Jim Hawkins verwendet das Gold sinnvoll, indem er seine Ausbildung davon finanziert.
Soweit der Roman - natürlich mit Happyend.

Auch im wirklichen Leben heute träumen viele Menschen davon, einen Schatz zu besitzen. Aus diesem Grund wird Lotto gespielt, oder an den Geldmärkten spekuliert. Manchen gelingt es. Die Zeitschrift „Die Welt“ berichtet im Juli 2011 von Menschen, die plötzlich zu großem Reichtum kommen, zum Beispiel die Familie Bubert:
„Acht Millionen Mark (4,1 Millionen Euro) gewannen Achim Bubert und seine Frau Petra vor ziemlich genau 17 Jahren im Lotto. Der Zins: "Jeden Tag Streit, Streit, Streit", erinnert sich Petra Bubert an die ersten Jahre mit dem plötzlichen Reichtum.

Eine Woche nach dem Lottogewinn war schon mehr als die Hälfte des Geldes ausgegeben. Ein Haus mit 7000 Quadratmetern Grundstück, flotte Autos, Boote und viele Geschenke an die Freunde. Die wurden bald weniger, weil in ihrem Heimatdorf Klein Rönnau neben Bad Segeberg bald die Leute zu reden begannen über die Familie.
Außer durch das Luxusleben versenkte Bubert noch viel Geld in seiner Baufirma. Es folgte ein erfolgloses Buchprojekt unter dem Titel "Mit dem Geld kamen die Tränen" und weiterer Streit. "Mich wundert das sowieso, dass wir all die Jahre zusammen geblieben sind", sagt Achim Bubert heute verwundert über seine Ehe.

Inzwischen lebt das Paar, das für sich und seine zwei Kinder schon ausgesorgt hatte, von monatlich 2000 Euro Einnahmen aus einem Angelshop. "Unser Leben, das ist eigentlich nur Arbeit, Arbeit, Arbeit", sagt Achim Bubert. Doch es ist auch noch immer der Traum von einem neuen Reichtum: Nachdem die Familie ihren eigenen Goldesel vertrieben hat, schreibt Petra Bubert nun Kindergeschichten vom Esel Joshi - in der Hoffnung auf neues, großes Geld.“

Da scheint der Predigttext zum Erntedankfest gut zu passen:

Lesung Mt 6, 19 - 23
19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.
20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.
21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
22 Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
23 Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!

Die Weisheit, dass ein Geld-Schatz nicht glücklich macht, ist also schon sehr alt. Verwunderlich, dass viele immer noch davon träumen. Jesus rät, stattdessen „Schätze im Himmel“ zu sammeln. Was aber bedeutet das?
Soll man gute Werke tun, großzügig spenden für Brot für die Welt und auch dem Bettler in der Fußgängerzone jedes Mal einen Schein in die Pappschachtel werfen?

Wird solche Freigiebigkeit etwa bei Gott im Himmel registriert? Und haben die Spender dann irgendwann einen Vorteil davon – etwa nach dem Tod beim jüngsten Gericht?

Das scheint eine eher altertümliche Vorstellung zu sein. Ich kann daran nicht glauben.

Aber dann heißt es: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Dieser eine, so einfache Satz trifft mich. Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Das stimmt. Und ich glaube, hier ist das Zentrum des Jesus-Wortes.

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Es geht Jesus weder um Kaufkraft noch um fromme Werke. Es geht ihm um mein Leben: Was für ein Mensch bin ich eigentlich? Oder mit den Worten der nächsten Passage des Jesus-Wortes: Was strahlen meine Augen aus: Licht oder Finsternis?

Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein.
So übersetzt Luther diese Stelle. Eine leichter verständliche Version bietet hier die Gute-Nachricht-Übersetzung:

Wenn dein Auge klar blickt, ist deine ganze Erscheinung hell. Wenn dein Auge durch Neid oder Habgier getrübt ist, ist deine ganze Erscheinung finster.

Neid und Habgier können unsere Seele trüben. Das spricht dann aus unserem Blick. Damit bringen wir Finsternis in unsere Umgebung. Solch ein finsterer Blick auf andere Menschen erzeugt Misstrauen, Vorsicht, manchmal sogar Angst.

Heute nicht.
Heute feiern wir Erntedank. Der Altar ist bestückt mit Beispielen für Dinge, die wir Menschen zum Leben brauchen, und die wir auch dieses Jahr wieder reichlich erhalten. Dafür sind wir dankbar. Und Dankbarkeit lässt die Augen leuchten.

Aber wäre es echte Dankbarkeit, wenn da etwas aus Neid oder Habgier erlangt worden wäre?

Im Roman „Die Schatzinsel“ bringt das Erlangen des Schatzes den Habgierigen kein Glück. Nur bei Jim Hawkins, dem unerfahrenen Jungen, ist es anders. Am Anfang der Geschichte erfährt man, dass der Vater gestorben ist und seine Mutter nun große Sorge hat, ob sie ihrem Sohn eine Ausbildung wird ermöglichen können. Der unerwartete, bescheidene Reichtum bringt da echte Hilfe. Und dafür sind die beiden dankbar.

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden (…)
Sammelt euch aber Schätze im Himmel,
Ein Schatz ist weder gut noch böse, denke ich. Was Geld, Besitz oder eine reiche Ernte bewirkt, häng davon ab, mit welcher inneren Haltung wir Menschen damit umgehen.

Deshalb feiern wir das Erntedankfest. Nämlich um inne zu halten und Fragen zu stellen: Hat sich da vielleicht manchmal Habgier in mein Leben geschlichen? Oder war ich neidisch, weil andere sich Dinge geleistet haben, die ich auch gern hätte? Wofür bin ich ehrlich dankbar?

Mir fällt da zuerst nichts Materielles ein. Dankbar bin ich in diesem Jahr vor allem für die Verbundenheit mit Menschen. Dafür, dass da Vertrauen wachsen konnte. Für die Momente, in denen ich mich geborgen, getragen fühlen durfte. Das empfinde ich als „himmlischen“ Schatz in meinem Leben. Dafür bin ich dankbar und das lässt meine Augen immer wieder leuchten.

Manche Augen werden vielleicht auch leuchten, wenn Sie die kleine Schatzkiste auf dem Altar entdecken, die ich vorhin zwischen die Erntegaben gestellt habe. Was da wohl drin ist? Wer möchte denn mal nach vorne kommen, um nach zu sehen und es uns allen zu zeigen? (möglichst ein Kind nach vorne kommen lassen und es dann bitten, die drei Dinge hervor zu holen – eins nach dem anderen – und allen zu zeigen)

Aha: Eine Sonne, ein Herz und ein Glöckchen.
Diese Dinge habe ich in meine Schatzkiste getan, weil sie mich an die „himmlischen“ Schätze erinnern, die mir wichtig sind.

Die Sonne. Sie steht für das Licht.
Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
Manchmal nehme ich das Licht gar nicht mehr wahr, bemerke nicht mehr die einfachen aber echt himmlischen Schätze der Schöpfung: „das schöne Frühlingswetter und Schnee und Ungestüm (…) Er lässt die Sonn aufgehen, er stellt des Mondes Lauf (…) Er schenkt uns so viel Freude, er macht uns frisch und rot; er gibt den Kühen Weide und unsern Kindern Brot.“

Manchmal nehme ich die Schönheit dieses wunderbaren Planeten gar nicht mehr richtig wahr. Alles, was ich habe, scheint selbstverständlich, und ich mache mir sogar noch Sorgen, ob das Geld reicht, ob die Altersversorgung stimmt und ob der Handy-Tarif auch der günstigste ist. Manchmal bekommen meine Augen eine Art Tunnel-Blick der Sorgen. Ein himmlischer Schatz wäre es, einfach die Schönheit der Sonne mit meinen Augen einzufangen und mich daran zu freuen.

Ein Herz war noch in meinem Schatzkästchen.
Das Herz ist das Symbol für die Liebe, für Vertrauen und Freundschaft.
Das kann niemand kaufen. Ohne dass ich es verdient hätte, schenken mir andere Liebe, Sympathie, Zuwendung, Geborgenheit und Vertrauen. Was für ein Himmelsgeschenk - der größte aller himmlischen Schätze!

Und dann noch das Glöckchen.
Es hat einen hellen, klaren Ton. Für mich ist es ein Zeichen, still zu werden. Zu lauschen, nach innen zu hören, all dies war zu nehmen: Alle guten Gaben, die Lebensenergie, die Dinge des Alltags. Aber vor allem die Menschen, die mein Leben mittragen, auch wenn es mir einmal nicht gut geht, wenn ich traurig oder krank bin – all das als unglaubliches Geschenk wahrzunehmen. Und spüren, wie Dankbarkeit in mir wächst, wie mein Auge licht wird und hell, und wie es zu strahlen beginnt – nach innen wie nach außen.

Dankbarkeit zulassen, auch über das Erntedankfest hinaus. Das ist der Aufbruch zu einer abenteuerlichen Reise hin zu den himmlischen Schatzinseln, die Gott uns finden lässt, jeden Tag neu - und ganz ohne Piraten.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen


Verfasser: Pfarrer Thomas Ludwig
Herrnsheimer Hauptstraße 53, Worms
E-Mail: predigtvorschlaege@zentrum-verkuendigung.de

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