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Die große Krankenheilung

von Tobias Krüger (04874 Belgern)

Predigtdatum : 18.08.2002
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 10. Sonntag nach Trinitatis - Israelsonntag: Gedenktag der Zerstörung Jerusalem
Textstelle : 1. Korinther 3,9-15
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Wochenspruch:

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. (Jesaja 42,3)

Psalm: 147,1-3.11-14a oder 113 (EG 745)

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 29,17-24
Epistel:
Apostelgeschichte 9,1-9 [10-20]
Evangelium:
Markus 7,31-37

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 454
Auf und macht die Herzen weit
Wochenlied:
EG 289
Nun lob, mein Seel, den Herren
Predigtlied:
EG 432
Gott gab uns Atem
Schlusslied:
EG 410
Christus, das Licht der Welt

Hinführung:
Der Predigtext ist Teil einer Debatte, die Paulus mit der Gemeinde in Korinth führt. Es gibt Spaltungen, die in den Personen begründet sind, die dort missioniert haben. Die Gemeindeglieder fragen nun nach der Wertigkeit der Apostel. Dem setzt Paulus die Ansicht entgegen, dass allein die Verkündigung des gekreuzigten und auferweckten Jesus von Nazareth das Kriterium für den Aufbau der Gemeinde ist. Nicht die handelnden Personen.
Deren Werk wird erst ganz am Ende bewertet. Mich spricht das Bild der verwendungsfähigen Materialien für den Gemeindebau an. Selbst Heu ist verwendbar, wenn es auf Christus weist.
Paulus nimmt sich selbst stark zurück und stellt alles in den Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Ich lerne daraus, die gegebene Freiheit zu nutzen und auf dem Grund (Christus) das auszuprobieren, was dem Bau Gemeinde dienen kann.
Der Apostel schreibt: 9 Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. 11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, 13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. 14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. 15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Liebe Gemeinde!
Irgendwo in Italien lebt ein Mann. Nicht irgend einer, sondern ein besonderer Mensch.
Und wie das bei besonderen Menschen ist, so auch bei ihm: Er ist umstritten. Und erst recht das, was er macht.
Er baut - ein Kirche. Seine Kirche. Und dabei ist er nicht einmal Priester oder Pfarrer. Und er ist auch kein Mönch. Und auch kein Bauingenieur oder Maurermeister. Er ist ein Kirchen-Erbauer. Die Idee, der Anstoß, der Gedanke - das kam von Gott. Allen erzählt er von dem Auftrag, von der Mission, die er erhalten hat. Er soll in seinem Heimatort ein Kirche erbauen. Und sogleich begann er mit der Ausführung. Vor vielen Jahren nahm er das, was gerade vorhanden war. Ein Grundstück und etwas Geld besaß er durch eine Erbschaft. Er hatte keine Bauzeichnung und keinen Plan. Und ganz bestimmt auch keine Baugenehmigung. Er hatte seine Vision, er hatte sich selbst und seinen Glauben an den lebendigen Gott. Und er begann.
Das Erbe war schnell verbraucht und weiteres Material nötig. Da begann er dann zu bitten und zu betteln. Er ging zu den Menschen in seinem Ort und fragte um Unterstützung. Er ging auf Baustellen und sammelte die nicht mehr benötigten Materialien, den Abfall, ein. Er nahm das, was er bekommen konnte: Hier ein paar Ziegel, dort einen Sack Zement. Einmal waren Schalbretter übrig, woanders Stahlteile. Er sammelt zusammen, was er tragen und fahren konnte. Mit seinen Händen, einem kleinen Handwagen und dem Fahrrad. Eine Zeit später stand am Morgen vor dem Bauzaun ein Eimer mit Farbe und daneben ein Fenster. Alles nahm der Mann dankbar an und verbaute es an seiner Kirche. Nur wurde es immer schwieriger, das alles in einer gewissen Reihenfolge zu gebrauchen. Und sicher ist der Baumeister auch keiner, der planvoll arbeitet. So wie es kommt, so wird gebaut. Das ist wenig traditionell, aber um so mehr voll von Phantasie und Kreativität. Was soll man auch tun, wenn plötzlich Dachziegel da sind, aber eigentlich noch kein Abschluss gen Himmel nötig ist? So sieht der Bau dann aus: Hier ein Türmchen und dort eine Wand. Mal ein hohes Stück, dann wieder ein neuer Anbau. Und wie die Formen, so unterschiedlich sehen auch die Materialien aus. Sandstein und Klinker, Beton und Glas. Rot neben Gelb, Grün zu Grau.
Das Material ist genauso eine bunte Mischung wie der Stil der Kirche. Der Keller des Gebäudes, die Krypta, ist fertig. Und das Kirchenschiff ist auch in seinen Umrissen zu erkennen. Dort lagert Material, das nun wirklich nicht sofort verwendet werden kann. Und dann noch viele Dinge, von denen man sagt: „Ja irgendwann wird es schon noch gebraucht.“ Aber, es ist zu erkennen, was dort wächst: Eine Kirche. Und auch das gehört zu diesem Bau und seinem Erbauer: Ein Altar mit einem Kreuz und einer Kerze waren das erste, was geschaffen wurde. Und dort bittet und bettelt der Kirchenbauer jeden Tag, bevor er mit seiner Arbeit beginnt. Dort betet er zu Gott, von dem er diesen Auftrag bekam.
Die Menschen nun in diesem Ort sind wie Menschen überall. Am Anfang lächelten sie und schüttelten den Kopf über soviel Unverstand. Sie gossen ihren Spott aus über diesem Vorhaben. Mit der Zeit und mit dem Wachsen des Baues wich die Ablehnung und Respekt machte sich breit, manchmal sogar etwas Anerkennung und auch Stolz. Denn nicht überall passiert so etwas. Und mittlerweile versammeln sich manche Dorfbewohner auch zu den Gebeten in dieser neuen Kirche im Ort. Sie merken, sie spüren und erleben, dass hier etwas wächst.
Liebe Gemeinde!
Von solchen oder ähnlichen oder noch ganz anderen Bauleuten schreibt der Apostel Paulus der Gemeinde in Korinth. Er selbst hat dort gepredigt und getauft, das Mahl Jesu gefeiert. Er war dort Kirchenerbauer. Er tat das nicht allein. Vor ihm war ein Apollos dort und hat auch die Botschaft von Jesus Christus zu den Menschen gebracht. Und nun fragen sich die Gemeindeglieder untereinander: „Wer ist der bessere Apostel gewesen. Wessen Taufe zählt mehr? Wem können wir mehr trauen?“
Paulus will solch ein Denken überwinden, weil es nicht weiterhilft. Für die Gemeinde, für den Bau der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden zählt nicht die Person des Verkündigenden. Es ist egal, ob es goldglänzende Reden waren oder stroherne Episteln, die das Evangelium zu den Korinthern brachten. Oder aus welchem Holz die Mitarbeitenden in Gottes Mission geschnitzt waren, ob sie weich oder hart gewesen sind. Das alles ist nicht so gewichtig. Worum es geht, damals wie auch heute, ist die Basis, das Grundlegende, das Fundament allen Tuns in und für die Gemeinde: Jesus Christus.
Paulus ist dann noch so mutig und behauptet, dass man mit selbst mit Heu und Stroh Gemeinde weiterbauen kann. Provozierend ist er und zugleich auch sehr verständnisvoll. Er mahnt die Christen damals und heute vor zu schnellen Urteilen. Was halten wird und was nicht, das wird sich erst ganz am Schluss allen Bauens zeigen. In der unmittelbaren Begegnung mit Gott wird gewogen und befunden. Und nicht vorher! Aber immer wieder weist Paulus auf das Tragende hin. Auf Jesus Christus. Wo er nicht zur Sprache und zum Zuge kommt, da wird keine Gemeinde gebaut.
Liebe Gemeinde!
Wie sehen unsere Gemeinden aus? Und aus welchem Material werden sie gebaut?
Miteinander suchen wir nach Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit. Und wie die Gemeinde Jesu Christi weitergebaut werden kann. So unterschiedlich wie wir als Glaubende sind, so unterschiedlich werden auch die Materialien sein, mit denen wir bauen, Gemeinde bauen. Was heute Gold und Silber, Holz, Heu oder Stroh ist, wird sich auch erst in der Zukunft Gottes erweisen. Wichtig ist, dass wir bauen. Mit dem, was wir haben und was uns gegeben ist. Wie der Mann, der seine Kirche baut.
Und eigentlich ist es gar nicht seine Kirche. Sie ist ein Teil der großen Gemeinde Jesu Christi auf Erden. Amen.

Verfasser: Pfr. Tobias Krüger, Pfarrstr. 1, 04874 Belgern

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