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Die Jesus nachfolgen, legen ab, was Gottes Willen nicht entspricht

von Mareike Blischke (06536 Südharz)

Predigtdatum : 20.03.2022
Lesereihe : IV
Predigttag im Kirchenjahr : Okuli
Textstelle : 1. Könige 19,1-8(9-13a)
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Wochenspruch: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)

Psalm: 34,16-23

Lesungen

Reihe I: Jeremia 20,7-11a(11b-13)
Reihe II: Lukas 9,57-62
Reihe III: Epheser 5,1-2(3-7)8-9
Reihe IV: 1. Könige 19,1-8(9-13a)
Reihe V: Lukas 22,47-53
Reihe VI: 1. Petrus 1,(13-17)18-21

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 168 Du hast uns Herr gerufen
Wochenlied: EG 391 Jesu geh voran
Predigtlied: EG 638 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt
Schlusslied: EG 170 Komm, Herr, segne uns

Predigttext: 1. Könige 19,1-8(9-13a)

1 Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte.
2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!
3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort.
4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.
5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss!
6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.
7 Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
8 Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.
9 Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des HERRN kam zu ihm: Was machst du hier, Elia?
10 Er sprach: Ich habe geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth; denn die Israeliten haben deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen.
11 Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR ging vorüber. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben.
12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.
13 Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle.

Hinführung

Der Predigttext aus 1 Kön 19, 1-8 ist recht lang. Noch länger wird er, wenn man den zweiten Teil 1 Kön 19,9-13a hinzunimmt. Beide Teile des Textes entfalten auch jeweils einen unterschiedlichen Gedanken. Der Focus des 1. Teiles liegt auf der Zuwendung Gottes zum verzagten und erschöpften Elia durch einen Engel. Der Focus des zweiten Teiles liegt auf dem Gedanken, dass Gott sich ganz anders offenbart, als wir Menschen es von ihm erwarten. Die folgende Predigt beschränkt sich auf den ersten Teil des Predigttextes und auf seine Kernaussage. Der Gedanke, dass Gott uns auch aus Durststrecken heraushilft, korrespondiert auch mit dem Wochenpsalm, vor allem mit Ps 34,20. Der Bezug zu den neutestamentlichen Texten des Sonntags ist weniger stark, da diese alle in die Nachfolge Jesu rufen, von der das Erste Testament nicht spricht. Ein Bezugspunkt liegt dennoch im Gedanken des Weges, den wir mit Gott (oder eben mit Jesus) durch das Leben gehen.

Predigt

Der Weg ist weit denkt Peter. Das Lernen für die Prüfungen ist ein Marathonlauf. Seit Tagen war er schon nicht draußen, nicht bei der Bandprobe, nicht beim Sport, und auch bei keiner Andacht der Hochschulgemeinde. Er hat nur gelernt. Der Weg ist weit.

Der Weg ist weit, denkt Elsa. Seit zu vielen Nächten hat sie nicht mehr geschlafen. Ihr kleiner, drei Monate alter Sohn brüllt und brüllt. Sie war nicht beim Hauskreis und nicht beim Frauenfrühstück und sie war seit Tagen nicht unter der Dusche. Das Baby brüllt. Der Weg ist weit.

Der Weg ist weit, denkt Gerda. Der Weg heraus aus der Trauer. Wie jeden Tag steht sie auf dem Friedhof und pflückt welke Blüten von dem Rosenstrauch, den sie aufs Grab gepflanzt haben. Ein halbes Jahr ist ihr Mann nun schon tot. Gott hat ihn ihr viel zu früh weggenommen. Und der Weg heraus aus der Trauer, der ist immer noch weit.

Der Weg ist weit, denkt Bruno und schaut auf den Tropf neben sich. Drei Zyklen Chemotherapie liegen noch vor ihm. Er fühlt sich schwach. So oft hat er Gott schon um Heilung gebeten. Nun betet er gar nicht mehr. Der Weg ist weit, denkt Bruno. Zu weit.

Der Weg ist weit. Zu weit. Das denkt auch der Mann, von dem unser Predigttext handelt. Das denkt auch der Prophet Elia. Er ist auf der Flucht. Die Menschen in Israel sind vom Glauben abgefallen. Sie verehren den Wettergott Baal. Elia kämpft für seinen Gott und für seinen Glauben. Aber er ist allein auf verlorenem Posten. Zuletzt ist sein Eifer mit ihm durchgegangen. Er hat die Propheten des Wettergottes Baal getötet. Nun fürchtet er um sein eigenes Leben. Isebel, die Frau des Königs Ahab hat ihm Rache geschworen.

Ich lese aus dem Predigttext für den heutigen Sonntag, aus dem 1 Buch der Könige im 19. Kapitel:

Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagesreise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele. Ich bin nicht besser als meine Väter. Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster.

Fünf Personen, für die der Weg fast zu weit ist. Peter, Elsa, Gerda, Bruno und Elia. Fünf Personen, die nicht mehr weiter können und wollen und denen Gott unendlich fern ist.

Aber zu Elia, der da unter dem Ginster liegt und schläft kommt ein Engel. Im Predigttext heißt es:

Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häuptern lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Aber der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

Brot und Wein stehen da vor Elia. Für den weiten Weg. Von einem Engel.

Auch vor Petes Tür steht etwas, als er am Morgen die Zeitung hereinholen will. Eine Tüte frischer Brötchen, eine Thermoskanne mit heißem Kaffee, ein Beutel Studentenfutter. An der Thermoskanne lehnt eine Karte: Nervennahrung. Für den Weg durchs Examen. Von deiner Hochschulgemeinde.

Vor Elsas Tür steht Hannah aus ihrem Hauskreis. Elsa hat eigentlich nur den Müllbeutel mit den Windeln vor die Tür stellen wollen und dann stand Hannah da. Mit Makkaroniauflauf und zwei ausgeruhten Armen, um den Schreihals zu schuckeln. „Der Weg durch die ersten Wochen ist doch manchmal weit,“ lacht sie.

Als Gerda zum Friedhof kommt, steht Emma da, ihre Schwägerin. „Ich vermisse ihn auch, weißt du.“ Und dann hängt sie sich bei Gerda ein und nimmt sie mit zum Gemeindenachmittag der Kirchengemeinde. „Der Weg durchs tiefe Tal der Trauer geht sich doch besser zu zweit,“ sagt sie.

Vor Brunos Bett steht der Taxifahrer, um Bruno nach Hause zu bringen. Viele Male hat er Bruno schon von der Chemotherapie nach Hause gefahren. Heute steigt er aus und bringt Bruno bis zur Haustür. „Sie schaffen das“, sagt er. „Ich weiß das. Der Weg ist weit, aber ich bete jeden Abend für sie.“

Fünf Personen, für die der Weg fast zu weit ist. Peter, Elsa, Gerda, Bruno und Elia. Fünf Personen, die fast nicht mehr weiter können und wollen - und denen Gott unendlich fern ist und denen plötzlich ein Engel begegnet. Ein Engel oder Hannah aus dem Hauskreis oder die eigene Schwägerin oder ein Taxifahrer. Mit oder ohne Namen. Mit oder ohne Flügel. Fremd oder altbekannt. Ein Engel.

Elia tut, was der Engel sagt. Er isst und trinkt und macht sich wieder auf den Weg. Im Predigttext heißt es:

Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

Elia tut, was der Engel sagt. Er isst und trinkt und geht weiter auf seinem weiten Weg. Er schöpft neue Kraft und findet schließlich zum Berge Gottes.

Auch Peter tut, was sein Engel, seine Hochschulgemeinde, ihm geraten hat: Er nimmt sich die Brötchen und den Kaffee und die Nervennahrung und geht weiter seinen Weg. Und eines Abends, da feiert er mit der Hochschulgemeinde sein Examen.

Elsa isst von Hannahs Makkaroniauflauf, während Hannah das Baby durch die Wohnung trägt. Dann nimmt sie ihren Sohn wieder in die Arme und geht weiter den Weg durch die ersten Wochen mit Kind. Und eines Morgens wacht sie auf, hat ausgeschlafen und freut sich auf den Hauskreis und das Frauenfrühstück am Vormittag.

Gerda ist mit ihrer Schwägerin zum Gemeindenachmittag gegangen Nicht nur an diesem Tag, sondern regelmäßig jeden Monat. Zusammen mit ihrer Schwägerin geht sie den Weg durch das tiefe Tal der Trauer weiter. Und inzwischen geht es sich schon viel leichter. Gott hat ihn mir viel zu früh genommen, denkt sie. Aber er hat ihm auch viel erspart.

Bruno hat immer wieder daran gedacht, wie der Taxifahrer ihm gesagt hat. „Sie schaffen das.“. Der Weg war fast zu weit. Aber Bruno hat ihn geschafft. Nun faltet er die Hände: Danke Gott.

Fünf Personen, denen der Weg fast zu weit war. Peter, Elsa, Gerda, Bruno und Elia. Die nicht mehr weiter konnten und wollten und denen Gott unendlich fern war. Und die auf ihrem Weg nicht allein geblieben sind, sondern denen Gott einen Engel geschickt hat. Und die schließlich weitergegangen sind. Mit Gott.

Und wir hier heute Morgen. Jede und jeder mit einem weiten Weg vor sich. Und Gott lässt uns heute Morgen mit der Geschichte von Elia wissen: Wir sind auf unserem Weg nicht allein. Wir werden unseren Weg gehen. Mit Gott.

Verfasser: Pfarrerin Dr. Mareike Blischke, Wilhelmstr. 50, 06536 Südharz


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