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Die Kirche des Geistes

von Janine Knoop-Bauer (Bad Homburg)

Predigtdatum : 21.05.2018
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Pfingstsonntag
Textstelle : Epheser 4,11-15.(16)
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Wochenspruch:
"Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth." (Sacharja 4, 6)
Psalm: 118, 24 - 26 a. 27. 29

Lesungen
Reihe I: Matthäus 16, 13 - 19
Reihe II: 1. Korinther 12, 4 - 11
Reihe III: 1. Mose 11, 1 – 9
Reihe IV: Epheser 4, 11 - 15 (16)
Reihe V: Johannes 4, 19 - 26
Reihe VI Apostelgeschichte 2, 22 - 23.32 -33.36 - 39

Liedvorschläge
Eingangslied: EG 133 Zieh ein zu deinen Toren
Wochenlied: EG 129 Freut euch, ihr Christen alle
Predigtlied: EG+ 78 oder
EG 252, 1 - 2 Gut, dass wir einander haben Jesu, der du bist alleine
Schlusslied: EG+ 102 oder
EG 503, 14.15 Da wohnt ein Sehnen tief in uns
Mach in mir deinem Geiste Raum

Predigttext Epheser 4, 11 - 15 (16)
Die Einheit im Geist und die Vielfalt der Gaben

Text aus der Bibel in gerechter Sprache
11 Und »er gab« ihnen Frauen und Männer, die einen als Gesandte, die anderen als Prophetinnen und Propheten, an-deren gab er die Aufgabe, zu verkündigen, zu leiten und zu lehren.
12 »Er gab« diese, um die Heiligen auszurüsten für ihren wirksamen Dienst, zum Aufbau des Leibes Christi,
13 bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis von Gottes Sohn gelangen, bis wir alle ein vollkommenes Wesen sind und dem vollen Ausmaß der Christusfülle be-gegnen.
14 Dann sind wir nicht mehr unmündig, hin und her gewor-fen und umhergetragen von jedem Wind der Lehre, und be-finden uns nicht mehr im Spiel der Menschen, mitten in Hin-terlist, die schlau dem Irrtum den Weg bahnt.
15 Sondern, weil wir in Liebe die Wahrheit sagen, wachsen wir in allem auf ihn hin, der das Haupt und der Anfang ist, Christus.
16 Von diesem Ursprung her ist der ganze Leib zusammen-gefügt und durch jedes unterstützende Gelenk vereinigt. Entsprechend der Wirkkraft, die jedem einzelnen Teil zuge-messen ist, vollzieht sich das Wachstum des Leibes zum Aufbau seiner selbst in Liebe.


Friede sei mit Euch und Gnade von dem der da war, der da ist und der da kommt – Amen

Liebe Gemeinde,

Pfingsten ist das Fest des Geistes. Der Heilige Geist, die Geistkraft Gottes, um sie geht es heute. Rot, das ist ihre Farbe. Rot, wie das Feuer - Rot wie die Liebe und der Zorn, die Leidenschaft und die ersten Erdbeeren des Jahres.

Der Heilige Geist ist ein wahrer Luftikus. Er weht wann und wo er will. Kommt überraschend und unvorhersehbar. Aber wenn er dann mal da ist, ist er nicht zu übersehen und nicht zu überhören – man spürt ihn einfach. Dann kann er zärtlich sein und aufbrausend, aufmunternd und tadelnd, wild und entschlossen. Dann beherrscht er die Szene wie sonst kei-ner. Natürlich nur wann und wo er will. Versteht sich!

Es ist also nicht so leicht mit dem heiligen Geist. Das ist manchmal ärgerlich, finde ich. Denn Gott schickt ihn ja als Tröster. Der Geist kommt, damit die Menschen die Zeit bis zu Jesus Wiederkehr gut überstehen. Damit sie gut gerüstet sind für das Warten und die Erwartung. Und Gott schickt ihn, damit aus den einzelnen Glaubenden, die Gemeinschaft der Heiligen wird. Ohne Geist keine Kirche. Manchmal denke ich, Gott hätte sich da jemanden aussuchen sollen, der etwas beständiger bei der Sache ist und nicht solch einen Hanns Dampf in allen Gassen.

Aber Gott wird sich etwas dabei gedacht haben. Die Aufgabe ist ja wirklich komplex! Vielleicht ist sie ja nur so zu meis-tern: In Geistmanier. Im Epheserbrief bekommen wir einen Eindruck davon, was der Geist alles richten muss, damit aus den vielen die eine Kirche wird. So heißt es im Brief an die Epheser im vierten Kapitel:

„11 Und »er gab« ihnen Frauen und Männer, die einen als Gesandte, die anderen als Prophetinnen und Propheten, an-deren gab er die Aufgabe, zu verkündigen, zu leiten und zu lehren.
12 »Er gab« diese, um die Heiligen auszurüsten für ihren wirksamen Dienst, zum Aufbau des Leibes Christi,
13 bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis von Gottes Sohn gelangen, bis wir alle ein vollkommenes Wesen sind und dem vollen Ausmaß der Christusfülle be-gegnen.
14 Dann sind wir nicht mehr unmündig, hin und her gewor-fen und umhergetragen von jedem Wind der Lehre, und be-finden uns nicht mehr im Spiel der Menschen, mitten in Hin-terlist, die schlau dem Irrtum den Weg bahnt.
15 Sondern, weil wir in Liebe die Wahrheit sagen, wachsen wir in allem auf ihn hin, der das Haupt und der Anfang ist, Christus.
16 Von diesem Ursprung her ist der ganze Leib zusammen-gefügt und durch jedes unterstützende Gelenk vereinigt. Entsprechend der Wirkkraft, die jedem einzelnen Teil zuge-messen ist, vollzieht sich das Wachstum des Leibes zum Aufbau seiner selbst in Liebe.“ (Bibel in gerechter Sprache)

Da hat der Geist einiges zu tun, um unser Miteinander in die-sem Sinne zu leiten. Es ist nicht leicht aus Einzelnen eine Gemeinschaft zu formen, die wirklich trägt. Und es hilft si-cherlich, dass er so umtriebig ist bei all dem. Denn so unter-schiedlich die Menschen sind, so unterschiedliche Gaben bringt er für sie. In jedem und jeder wirkt er auf je unter-schiedliche Weise. Und nur so kann die Sache gelingen.

Die einen begabt er mit prophetischem Geist. Das ist wichtig, damit die Zukunft nicht aus dem Blick gerät. Das Miteinander in der Kirche definiert sich auf Zukunft hin. Es ist ein Mitei-nander, das in erster Linie ein Miteinander-unterwegs-sein ist. Unterwegs zu der Einheit, zu der wir berufen sind. Auf Jesus hin, der das Haupt und der Anfang dieser Einheit sein soll. In Zukunft. Prophetin ist jede, die von ihrer Sehnsucht nach dieser Einheit erzählt. Die voll Zuversicht daran fest-hält, dass die Zukunft ein gutes Land ist. Damit wir das nicht vergessen, braucht es den prophetischen Geist.

Aber es gibt auch den Geist des Lehrens. Es braucht Lehre-rinnen und Lehrer, damit wir aus der Vergangenheit etwas lernen können. Damit das von unseren Großvätern und Großmüttern angehäufte Wissen weitergegeben wird und nicht jede Generation alle Fehler wiederholen muss. Lehrer ist jeder, der andere an seinem Wissen teilhaben lässt. Leh-rerin ist die, die davon zeugt wie unsere Geschichte auch eine Geschichte mit Gott ist. Damit wir uns an die Zeiten er-innern, in denen Gott ganz nah bei den Menschen war. Um an eine Zukunft glauben können, in der es wieder so ist, braucht es diese Vergewisserung des Vergangenen.
Und es braucht den Geist des Verkündigens. Wir sind aufge-spannt zwischen Vergangenheit und Zukunft und leben doch hier und heute. Damit Gottes Wort in unserer Gegenwart lebendig bleibt, braucht es Menschen, die es verkündigen. Von Gott kommen wir und zu Gott gehen wir, aber auch heute ist Gott an unserer Seite. Jede, die davon erzählt wie Gott in ihrem Leben wirksam ist, verkündigt Gott. Jeder, der davon erzählt, wie Gottes gutes Wort in seinem Leben etwas verändert, verkündigt Gott. Um zu glauben, dass Gott heute bei uns ist, muss es uns gesagt werden. Dazu braucht es den verkündigenden Geist.

Drei Spielarten des Geistes. Drei Weisen wie er wirksam ist und Gemeinschaft wirkt. Drei Weisen, die mit Reden und Sagen zu tun haben - Wortweisen. Denn, so lesen wir im Predigttext: „weil wir in Liebe die Wahrheit sagen, wachsen wir in allem auf ihn hin, der das Haupt und der Anfang ist, Christus.“

In Liebe einander die Wahrheit zu sagen, dazu hilft uns der Geist. In Liebe einander die Wahrheit sagen, so wachsen wir zu einer Einheit zusammen. Die Wahrheit über die Zukunft, auf die wir hoffen. Die Wahrheit über die Vergangenheit aus der wir kommen. Die Wahrheit über die Gegenwart in der wir leben. In Liebe, das heißt ohne das Gift der Verzweiflung, sondern mit Vertrauen, das aus Hoffnung Tatkraft schöpft. In Liebe, das heißt: ohne das Gift der Geschichtsvergessen-heit, sondern mit aufrichtigem Blick auf Fehler und Verdiens-te, der aus Wissen Perspektiven macht. In Liebe, das heißt ohne das Gift der Mutlosigkeit, sondern mit realistischer Zu-versicht, die uns handeln lässt.

In Liebe die Wahrheit sagen. Im Geist sich verbinden lassen. Das Rot voll ausschöpfen: Gemeinsam für eine Sache bren-nen. Einander lieben und auch zornig sein dürfen. Und lei-denschaftlich die ersten Erdbeeren teilen. Dafür steht der Geist. Dabei hilft er uns. Jede und jeden stattet er mit der je eigenen Begabung aus, damit unsere Gemeinschaft wachsen kann. Jede und jeder trägt so etwas bei zum Gelingen des Ganzen, zu der Einheit, die Kirche heißt. Suchend und sich sehnend. Auf dem Weg, mit geistlichen Rückenwind. Sicher-lich wäre es manchmal einfacher, wenn der Geist ein biss-chen berechenbarer wäre. Aber Hanns Dieter Hüsch hat einmal geschrieben:


Was den Heiligen Geist betrifft (Apg 2)
Gott ist nicht leicht
Gott ist nicht schwer
Gott ist schwierig
Ist kompliziert und hochdifferenziert
Aber nicht schwer
Gott ist das Lachen nicht das Gelächter
Gott ist die Freude nicht die Schadenfreude
Das Vertrauen nicht das Misstrauen
Er gab uns den Sohn um uns zu ertragen
Und er schickt seit Jahrtausenden
Den Heiligen Geist in die Welt
Dass wir zuversichtlich sind
Dass wir uns freuen
Dass wir aufrecht gehen ohne Hochmut
Dass wir jedem die Hand reichen ohne Hintergedanken
Und im Namen Gottes Kinder sind
In allen Teilen der Welt
Eins und einig sind
Und Phantasten dem Herrn werden
Von zartem Gemüt
Von fassungsloser Grosszügigkeit
Und von leichtem Geist.
Ich zum Beispiel möchte immer Virtuose sein
Was den Heiligen Geist betrifft
So wahr mir Gott helfe.

So wahr uns Gott helfe: Lassen Sie uns versuchen Virtuosen zu sein im Umgang mit dem Heiligen Geist. Dem geliebten Luftikus.
Amen


Verfasserin: Pfarrerin Janine Knoop-Bauer
Heidelberger Landstraße 307, 64297 Darmstadt

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