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Die Kirche des Geistes

von Cornelia Gebhardt (07973 Greiz)

Predigtdatum : 10.06.2019
Lesereihe : I
Predigttag im Kirchenjahr : Pfingstmontag
Textstelle : Matthäus 16,13-19
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Wochenspruch: "Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth." (Sacharja 4,6)

Psalm: 118,24-29

Predigtreihen

Reihe I: Matthäus 16,13-19
Reihe II: Johannes 20,19-23
Reihe III: 1. Korinther 12,4-11
Reihe IV: 4. Mose 11,11-12.14-17.24-25(26-30)
Reihe V: Johannes 4,19-26
Reihe VI: Epheser 4,(1-6)11-15(16)

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 127 Jauchz, Erd, und Himmel
Wochenlied: EG 129 Freut Euch, ihr Christen alle
Predigtlied: EG 130, 1.3.5 O Heilger Geist, kehr bei uns ein
Schlusslied: EG 135, 4-7 Schmückt das Fest mit Maien

Predigttext Matthäus 16, 13 – 19

Das Bekenntnis des Petrus und die Verheißung an ihn

13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?
14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.

15 Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?
16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!
17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.
19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

Liebe Gemeinde,

die meisten von Ihnen haben sicher schon Filme gesehen, die biblische Geschichten zur Grundlage haben. Manche Filmszenen prägten sich tief ein. Erinnern Sie sich vielleicht an Mose mit wehendem Bart auf dem Berg? Oder wie Gamaliel traurig den Kopf über Saulus schüttelt? Wie Maria sinnend im Olivenhain sitzt oder wie Pontius Pilatus Jesus fragt: „Was ist Wahrheit?“ [Hier können Sie stattdessen Szenen nennen, die sich Ihnen eingeprägt haben. Etwa: „Ich selber erinnere mich gut an die Szene, wo … in dem Film „…“. Gegebenenfalls: Es hat mich sehr bewegt, weil …“]

Je stärker Sinne in Anspruch genommen werden, umso intensiver kann das Erleben eines Kunstwerkes für einen Menschen sein. Das ist auch beim Film so. Schon zu Stummfilm-Zeiten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts begleitete ein Klavier oder sogar ein kleines Orchester die Vorführung. In den 1920er Jahren wurde das Hörspiel als eine besondere Form von Kunst für das Radio entwickelt. Oft sind Geräusche dem Gesprochenen unterlegt, sie schaffen eine bestimmte Atmosphäre, und wer zuhört, in dessen Kopf entstehen eigene Bilder und im Inneren eigene Gefühle. Heute bietet man uns im Kino große, farbige, bewegte Bilder, ausdrucksstarke Worte und wir hören Naturgeräusche und Musik. Alles wurde absichtsvoll gestaltet, um uns zu erreichen und zu beeindrucken. Das gilt auch für Filme, die biblische Geschichten darstellen.

Die Texte in der Bibel sind aber für uns zunächst nur eben Text, Sätze aus Worten, Wörter aus Buchstaben. Der Inhalt der meisten Texte wurde ursprünglich sicher wortreich erzählt und wurde gehört und wieder und weiter erzählt. Komprimiert, „eingedampft“ und aufgeschrieben, konnte die Essenz der Ereignisse und Worte gut aufbewahrt werden. Auf diesem Weg ging aber auch etwas verloren.

Da wären die Hintergrundgeräusche: Blies der Wind, rauschte das Meer oder der Olivenhain? Lachten Kinder auf der Straße, unterhielten sich in der Nähe Menschen? Hörte man, als sich die Geschichte ereignete, die Vögel und die Schafe? Oder war es ganz still, wenn Jesus schwieg?

Aber nicht nur die Geräusche des Hintergrundes gingen verloren und können nur erahnt werden, auch der Ton des „Vordergrundes“ ist nicht bekannt.

Ich verdeutliche das an einem Ausschnitt des Predigttextes, dem heutigen Evangelium. Der Text lautet: (entweder ausdrucksstark oder betont sachlich lesen - vielleicht mit verteilten Rollen?)

13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: „Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“
14 Sie sprachen: „Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.“
15 Er sprach zu ihnen: „Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“
16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: „Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“

Wir wissen tatsächlich nichts über den Ton, in dem Jesus hier sprach und fragte. Nehmen wir einmal die Frage, die Jesus stellt: (etwas unbeteiligt, sachlich) „Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“

Es gibt da ganz viele Möglichkeiten. Drei Beispiele:

Manchmal wird die Frage so vorgelesen, als ob Jesus seine Jünger prüft und abfragt:
(Examinierend, wie in einer wichtigen Prüfung, streng)
Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“

Vielleicht hat er aber einfach gefragt, um Anteil an den Überlegungen der Jünger zu nehmen?
(Forschend, interessiert, nicht zu laut)
Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“

Möglicherweise fand er aber auch die Antworten vorher, dass er Elia oder Jeremia sei, ein bisschen merkwürdig und konnte darüber lächeln?
(Ein bisschen amüsiert oder ungläubig)
Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“

Und wie antwortet Petrus, wenn er sagt:
(Etwas unbeteiligt, sachlich)
„Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ 

Vier Beispiele:

Manchmal wird die Antwort vorgelesen, als sei sie ein Schlachtruf: (Laut, bestimmt, drängend)
„Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ 
War die Antwort des Petrus aber vielleicht eher fast noch eine Frage? War er noch unsicher? (Fragend, tastend)
„Du bist … der Christus, des lebendigen Gottes Sohn?“

Möglicherweise wird Petrus aber auch erst in diesem Moment klar, was er sagen möchte. Er ist vielleicht selber überrascht von der Größe seiner Erkenntnis.
(Überrascht, froh)
„Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“

Es könnte aber auch sein, dass er aber schon länger darauf wartete, sein Bekenntnis endlich aussprechen zu dürfen.
(Entschieden, bestimmt)
„Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“

Da wir Menschen unterschiedlich sind, stellen wir uns das, was wir lesen, auch unterschiedlich vor. Dadurch lesen wir es unterschiedlich vor. Durch das Hören geschieht etwas in uns. Aber auch das ist nicht in allen gleich. Es spricht uns auch nicht alle in der gleichen Tiefe an. Vielleicht fanden Sie eine der vorgelesenen Variationen besonders passend für sich, weil Sie selbst eher fragend und tastend diesen Satz sagen würden - oder eben bestimmt, mit voller Überzeugung.

Es ist eine spannende Aufgabe, im Gebet oder im Gespräch mit Freunden herauszufinden, was da bei einem selbst geschieht, wenn wir eine biblische Lesung hören und warum es so geschieht.

Man könnte meinen, dass es am Vorlesen liegt, wenn die Worte in uns etwas bewegen. Man kann auch denken, dass es noch besser wäre, wenn wir alle Sinne beanspruchen, und die Texte mit Musik und Naturgeräuschen untermalen. Möglicherweise öffnet sich eine Seele dann tatsächlich den Worten leichter.

Wie wir es erleben und was es auslöst, das liegt vor allem an dem, was schon in uns ist: Erinnerungen, Erfahrungen, Gefühle. Worte und Tonlagen, Stimmungen und Sprache bringen etwas in uns zum Klingen. Das ist so, wie wenn das Anschlagen einer Saite eines Musikinstrumentes die gleich gestimmte Saite eines anderen Instrumentes zum Schwingen bringt. Notwendig ist das „Drumherum“ von Musik und Geräusch aber nicht. Ein Text kann auch zu uns sprechen, auch wenn wir ihn „nur“ still lesen. Auch Worte können in uns etwas in der Seele und in der Erinnerung zum Klingen bringen.

Dadurch, dass die Erzählungen aufgeschrieben wurden, konnten sie danach erst durch Abschreiben, später durch das Drucken von Bibeln und heute auch durch elektronische Verarbeitung besser verbreitet werden. Mehr Menschen konnten sich durch das Lesen informieren. Und so können die Texte wieder vorgelesen, gesprochen, erzählt werde. Und man kann diesem Text auch wieder die vermuteten Geräusche des Hintergrundes und Töne des Vordergrundes geben. Wenn wir einen Text vorgelesen bekommen und wenn wir ihn hören, oder wenn wir ihn im Film sehen, wecken wir ihn und unsere Aufmerksamkeit eine besondere Weise. Aber wir müssen immer bedenken, dass wir vieles jenseits der geschriebenen Worte nicht wissen.

Aber dass uns letztendlich Gott durch sein Wort erreicht und bewegt, das liegt nicht mehr bei uns. Das liegt jenseits der Art unseres Lesens. Das ist letztlich auch nicht abhängig von der geschickten Inszenierung in einem Film. Nur der Heilige Geist selbst vermag uns in der Tiefe so zu berühren, so dass sich etwas verändert, dass wir im Glauben, Denken, Fühlen und Tun etwas neu oder tiefer gegründeter werden, so, wie es Gottes Wesen und Willen für die Menschen entspricht.

Ob nun das Bekenntnis des Petrus: „Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn“, ob das stark und sicher oder eher zögernd klang, vielleicht sogar mehr fragend, das wissen wir nicht. Jesus sagt jedenfalls zu ihm etwas ganz Großes:

„Selig bist du, Simon, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“

Das bedeutet: Wie laut oder leise, zögernd oder kräftig sich dieses Bekenntnis von Petrus auch anhörte, Jesus sagt: „Das Evangelium, das Wort Gottes, ist schon in dieser Person, in dir, Petrus, angekommen.“ Und das ist Grund genug, ihm einiges zuzutrauen: Er ist er der „Fels“, der feste Boden, auf dem Gemeinde entstehen kann, Gemeinschaft aller, die Ja sagen zu Jesus Christus.

Petrus ist „Fels“, nicht weil er so ein toller Kerl wäre - die Evangelien erzählen auch von seinem Übereifer und seiner Angst - sondern, weil er von Gott berührt ist.

„Wer sagt denn Ihr, dass ich sei?“ – wenn wir Ja sagen zu Gott, Ja sagen zu Jesus Christus, dann ist das ja auch nicht nur die Bilanz unserer eigenen Überlegungen. Dann sind wir schon von Gott berührt, dann hat er uns schon erreicht.

Das Wort Gottes hat von Gott her immer eine besondere Aufgabe gegenüber denen, die es empfangen. Es wird soll nicht leer zurückkommen (Jesaja 55, 11). Und das wirkt der Heilige Geist. Oft wissen wir nicht, wie es passiert. Wir glauben die Auferstehung. Uns tröstet die Vergebung. Dem einen, der sich einsam fühlt, wird der Heilige Geist Gottes Liebe versichern und ihn zum Leben ermutigen. Einer überforderten Mutter möchte Gott durch den Geist vielleicht sagen, dass er ihre Mühe sieht und schätzt und Segen geben möchte, weil auch ihr Kind sein Geschenk ist. Einen anderem, der Dinge tut, die ihm und dem Nächsten schaden, will Gott durch den Geist zur Umkehr bewegen und ihn Neues, Gutes lehren.

Unter den Früchten des Geistes sind Barmherzigkeit, Freude und Frieden (Galater 5, 22 + 23). Unter den Gaben des Geistes sind Glauben, Erkenntnis und Prophetie. Und auch unser Leib ist von den Wirkungen von Gottes Geist nicht ausgenommen: Es gibt Heilung, die von Gott kommt. Gott möchte, dass wir ihn erkennen, dass wir lieben, was er liebt und mit ihm traurig sind über das, was ihn betrübt. Wir können lernen, mit ihm, der der Vater ist, seine Geschöpfe zu lieben und das Leben zu fördern, und er wird uns genug Kraft dafür geben.

Diese Begegnung mit Gott, die dem Lesen oder Hören eines Textes entspringen kann, liegt bei Gott selber und geschieht nur durch seinen Geist. Es ist uns nicht verfügbar. Es ereignet sich. Es ist Gnade. Deshalb lasst uns darum bitten und darauf warten, dass es geschieht. Lasst uns Leib, Seele und Geist einem solchen Geschehen öffnen.

Amen

Fürbittengebet

Das folgende ist ein Wechselgebet, im Wechsel zwischen Liturg und Gemeinde oder zwei Gruppen der Gemeinde zu beten. Dafür bekommen alle Gottesdienstteilnehmer eine Kopie.

Gott, Heiliger Geist, verheißender Beistand in aller Not:
   Kehre ein bei uns mit Deinem Leben.
Du willst Deine Kirche erwecken und erleuchten:
   Stärke die schwachen und angstvollen Herzen.
Du Geist der Erkenntnis:
   Erhelle uns Verstand und Sinne.
Du Geist der Wahrheit:
   Lass uns durch nichts von Dir geschieden sein.
Du Geist der Liebe:
   Erfülle und heilige uns Leib und Seele.
Du Geist der Hoffnung:
   Bewahre uns noch in der Nacht des Zweifels.
Du Geist des Glaubens:
   Lass uns im Leiden nicht verzagen.
Du Stärke der Schwachen:
   Wirke kräftig in uns.
Du Licht auf dem Wege:
    Führe uns auch durch die dunklen Täler.
Du Tröster der Betrübten:
    Stehe uns bei bis zum letzten Ende.            

Verfasserin: Prädikantin Cornelia Gebhardt, Laagweg 9, 07973 Greiz


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