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Die nahende Freude

von Paul-Ulrich Lenz (63679 Schotten-Einartshausen)

Predigtdatum : 22.12.2002
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 4. Advent
Textstelle : Lukas 1,(39-45).46-55(56)
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Wochenspruch:

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! (Phil. 4,4.5b)

Psalm: 102,17-23 (EG 741)

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 52,7-10
Epistel:
Philipper 4,4-7
Evangelium:
Lukas 1, (39-45) 46-55 (56)

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 13
Tochter Zion, freue dich
Wochenlied:
EG 9,1+3-6
Nun jauchzet, all ihr Frommen
Predigtlied:
EG 8
Es kommt ein Schiff geladen
Schlusslied:
EG 1,4-5
Macht hoch die Tür

[39 Maria machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt 42 und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes! 43 Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. 45 Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.
46 Und]
Maria sprach:
Meine Seele erhebt den Herrn,
47 und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
49 Denn er hat große Dinge an mir getan,
der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
50 Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht
bei denen, die ihn fürchten.
51 Er übt Gewalt mit seinem Arm
und azerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron
und erhebt die Niedrigen.
53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen.
54 Er gedenkt der Barmherzigkeit
und hilft seinem Diener Israel auf,
55 wie er geredet hat zu unsern Vätern,
Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.
[56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.]

Liebe Gemeinde!
Drei Verheißungen hören wir in den Worten Marias - Verheißungen, die Gott seiner Kirche und damit uns allen hier gibt. Maria sagt sie uns - diese junge Frau aus Israel, die in ihrem Glauben und Gehorsam zum Urbild der Kirche geworden ist, zum Vorbild des Glaubens, zum Beispiel eines vertrauenden Gehorsames.
Die erste Verheißung: Du bist angesehen.
Maria hat anders erlebt: dass man weggesehen hatte, dass sie schief angeschaut wurde, dass sie voller Zweifel angesehen wurde. Maria hat erlebt, dass sie keines Blickes mehr gewürdigt wurde.
Manche von uns könnten davon erzählen, dass sie nicht mehr angesehen werden und angesehen sind. Manche könnten davon erzählen, wie sie Luft sind für Nachbarn, keinen Blick mehr wert bei Kollegen, nicht mehr zählen in der Stadt. Manche können davon erzählen, wie sie gar nicht mehr wahrgenommen werden in großen Wohnsiedlungen, in grossen Versammlungen, in den Käufermassen. Und manche leiden darunter, dass auch in ihrer Kirche oft keiner mehr einen Blick hat für den einzelnen, für Leid und Schmerz, Kummer und Freude, die so gewöhnlich sind und keine Schlagzeilen machen.
Du bist angesehen - das steht als Gottes Zusage über Maria und über uns. Gewöhnliche Leute, übersehene Leute - aber angesehen von Gott und angesehen bei Gott.
In unsere Taufe hat Gott sein Angesicht, seine Augen voller Liebe auf uns gerichtet. Er hat uns nicht nur einen kurzen Augenblick angesehen, um sich dann Wichtigerem zuzuwenden - er hat uns angesehen, um uns nie mehr aus dem Blick zu verlieren. Er hat uns nicht nur einen kurzen Augenblick ins Licht seines Ansehens gestellt, so wie ein Scheinwerfer einen kurzen Moment jemanden im Publikum erhellt und ins Licht rückt - er hat uns in das Licht seines Ansehens gestellt, das alles Dunkel durchdringt und alle Nacht durchleuchtet. Seitdem stehen wir im Ansehen Gottes. Der Segen in jedem Gottesdienst erinnert uns daran: Auf uns ruht das Ansehen Gottes.
Die zweite Verheissung: Du bist aufgehoben.
Wir wissen nur zu gut, was fallen heisst. Wir wissen, wie es ist, wenn man zu Boden stürzt, weil der Boden unter den Füssen wankt. Wir wissen, wie das ist, wenn man den Boden unter den Füssen verliert, weil die Kraft nicht ausreicht, die eigenen, hochgesteckten Ziele zu erreichen. Wir wissen auch davon, wie das ist, wenn uns einer fallen lässt.
Es gehört zu den Erfahrungen der Kirche in unserer Zeit, dass sie erlebt, wie Menschen sie fallen lassen: Die einen voller Zorn und voller Enttäuschung, gleichgültig und manchmal fast berechnend andere.
Gott aber sagt: Du bist aufgehoben. Gott sagt zu seiner Kirche: Ich lasse dich nicht fallen und ich lasse dich nicht am Boden liegen - auch dann nicht, wenn du dich übernommen hast, auch dann nicht, wenn Du aus eigener Schuld ins Fallen gekommen bist, auch dann nicht, wenn dich die Menschen scharenweise fallen lassen.
Bei mir bist du gut aufgehoben, wenn Du deine Zuflucht nicht mehr in der eigenen Stärke suchst. Bei mir bist du gut aufgehoben, wenn du dich nicht mehr auf deine organisatorische Kraft verlässt und auf die Rechte aus der Tradition dieses Landes. Vielleicht ist es ganz gut, dass dir die Krücken staatlicher Anerkennung und gesellschaftlicher Achtung weggeschlagen werden, damit du endlich frei wirst und dich halten lässt von mir.
Sieh doch, wie ich dich halte: ich gebe dir mein Wort, das Dich trägt und Dich aufrichtet. Ich gebe Dir mein Wort, das neue Kraft in dir weckt und gebe Dir den Geist, der dich neu erkennen lässt, was dir zum Leben dient. Von diesem Wort hast du bis heute gelebt und es hat dich getragen als der Fels, auf den ich dich gestellt habe.
Und so ähnlich wie zu seiner Kirche spricht Gott zu jedem und jeder von uns, um es uns erfahren zu lassen: Du bist aufgehoben.
Die dritte Verheissung: Du bist erfüllt.
Übersättigt, leergelaufen, ausgebrannt, - das ist die Erfahrung ungezählter Menschen. Da wird Hunger und Durst wach - nach Brot, nach dem Wasser des Lebens, nach der Fülle, die nicht erstickt, sondern befreit.
Übersättigt, leergelaufen, ausgebrannt - so kann man mitten im reichen Land ganz neu der eigenen Armut ansichtig werden. So kann unser Glaube uns vorkommen, so kann unser Leben uns vorkommen - und wie oft bleiben wir damit im Versteck, anonym in der Sucht nach dem Leben.
Du, sagt Gott durch seine Sängerin Maria zu uns - Du musst nicht so übersättigt, leergelaufen, ausgebrannt bleiben: Ich rufe Dich in meine Fülle. Ich will deine leeren Hände füllen, dass Du genug zum Leben hast und noch teilen kannst. Ich will deine leeren Sinne füllen, dass Du genug hast und noch teilen kannst. Ich will dein leeres Herz füllen, dass Du genug hast und noch teilen kannst. Ich gebe dir nicht nur etwas aus meiner Fülle - ich gebe dir mich selbst und damit die Fülle, die nie vergeht. Lass dich doch beschenken von mir - im Brot und im Wein, mit meiner Gegenwart, mit meiner Liebe, mit meiner Kraft. Heute will ich das an dir tun, dass du meine Fülle erfährst.
Angesehen - aufgehoben - erfüllt - so ist Maria ihren Weg gegangen. So ist die Kirche seit 2000 Jahren unterwegs. So dürfen wir unseren Weg gehen - heute und in die Zukunft hinein. Und Gott wird es an uns bewähren, was er uns heute gesagt hat: du bist angesehen - du bist aufgehoben - du bist erfüllt. Amen.

Verfasser: Pfr. Paul-Ulrich Lenz, Leonhardstr. 20, 61169 Friedberg

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