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Die neue Geburt

von Manfred Günther (35325 Mücke)

Predigtdatum : 17.04.2005
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Miserikordias Domini
Textstelle : Johannes 16,16.(17-19).20-23a
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Wochenspruch:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
(2. Kor 5, 17)
Psalm: 116,1-9 (EG 746)

Lesungen

Altes Testament:
Jesaja 40,26-31
Epistel:
1. Petrus 1,3-9
Evangelium:
Johannes 15,1-8

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 279
Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren
Wochenlied:
EG 108
Mit Freuden zart
Predigtlied:
EG 374
Ich steh in meines Herren Hand
Schlusslied:
EG 116
Er ist erstanden, Halleluja

16 Jesus sprach zu seinen Jüngern: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen.
[17 Da sprachen einige seiner Jünger untereinander: Was bedeutet das, was er zu uns sagt: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen; und: Ich gehe zum Vater? 18 Da sprachen sie: Was bedeutet das, was er sagt: Noch eine kleine Weile? Wir wissen nicht, was er redet. 19 Da merkte Jesus, dass sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Danach fragt ihr euch untereinander, dass ich gesagt habe: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen?]
20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. 21 Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. 22 Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. 23 An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen.

Liebe Gemeinde,
eigentlich eine reichlich seltsame Geschichte! Wissen Sie gleich, worauf es da ankommt?: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen. Das weist sicher auf Jesu Tod hin und auf seine Auferstehung. Und wenn Jesus von Traurigkeit und Freude spricht, dann nimmt er wohl vorweg, wie die Jünger fühlen werden, wenn er sterben muss und dann aufersteht. Aber wie passt das dazu: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben?
Sie bleibt ein wenig rätselhaft, diese Geschichte! Vielleicht lassen wir uns darum vom Namen und Thema dieses Sonntags leiten: ‘Jubilate!’ Das ist der Anfang des Psalms zu diesem Sonntag, und der heißt auf Deutsch: ‘Jauchzet Gott alle Lande...’ Jauchzet..., jubelt...! Das hat mit Freude zu tun! Suchen wir also nach der Freude in dieser Geschichte! Dann treffen wir gewiss ihren Kern.
Wie die Freude ist, um die es für uns Christen geht, die Freude, die Jesus gemeint hat, ist wunderbar in diesem Bild ausgemalt: Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
Es ist also mit dieser Freude wie bei einer Geburt. Sie ist nicht einfach da, aus heiterem Himmel sozusagen, sondern sie entsteht aus Not und Schmerzen, aus schwerer, vielleicht angsterfüllter Zeit. Erst wenn das durchgangen und bestanden ist, kann die Freude aufstrahlen! Immer geht ihr eine Weile voraus, in der wir bange sind, uns Sorgen machen und nicht wissen, wohin das führen wird. Ohne Furcht, ohne Zweifel und Traurigkeit vorher, ist die Freude nicht zu haben! - Wir wollen uns das sagen lassen!
Und für die Geschichte Jesu in dieser Welt, für sein Leiden, Sterben und dann seine Auferstehung passt das Bild von der Geburt eines Menschen auch sehr gut: Erst mussten ja Ängste, Leiden, Schmerzen und Tod bestanden werden, dann wuchsen Freude und neues Leben! Und genauso bei denen, die dabei waren, bei den Jüngern und Vertrauten Jesu: Erst die Not des Abschieds, die Einsamkeit ohne ihn, die Zweifel und die Verzweiflung, die Tränen und die Trauer, dann der Jubel, das Wiedersehen, die unbändige Osterfreude. - Wir wollen es uns zu Herzen nehmen!
Aber - jetzt fragen wir uns gewiss - stimmt das denn: Geht der Freude immer Schweres, Trauer, Schmerz oder Leid voraus? Kann sie anders gar nicht wachsen und werden, die Freude, als aus dunkler Zeit voller Furcht und Not? - Wir könnten nun sagen: Wir wollen halt nur das Freude nennen, was aus schwerer Zeit entsteht! Alles andere ist bloß Vergnügen, Spaß vielleicht oder heitere Kurzweil. Die echte, die wahre Freude treibt nur aus dem bitteren Keim des Leidens und der Traurigkeit.
Ich weiß nicht, ob es immer so ist. Was ich aber weiß, ist dies: Viele von uns könnten sicher dafür stehen und zeugen, dass sie die ganz große Freude ihres Lebens erst erfahren haben, nachdem sie durch Wochen, manchmal Monate oder gar Jahre gegangen sind, in denen sie ganz unten waren, täglich bedrängt von Ängsten, voller Sorgen, in tausend Schmerzen, in Bangigkeit und Zweifel. Und diese Menschen würden gewiss auch davon reden können, dass die Freude gerade erst dadurch so groß und so überwältigend schön geworden ist, dass sie auf dem Boden der Trauer oder der Furcht gekeimt hat und gewachsen ist.
Und darum weiß ich und wissen jene, die schon einmal diese Freude erfahren haben, dass eben schon alles Schwere und Dunkle davor den Keim der Freude in sich trägt! Und das zu wissen, ist für uns Christen unendlich wichtig und wertvoll!
Denn das heißt ja: Schon in und aus der dunklen Zeit, die wir haben, wächst die Freude auf. Sie hat schon sozusagen ihre Wurzeln in dem ausgestreckt, was uns jetzt vielleicht Angst macht und bedrückt. Wir dürfen also - neben allem Leid und aller Trauer, die uns noch umfängt - schon an den Tag denken und ihn gewiss erhoffen, der hell und froh sein wird. Das kann manches Leid leichter machen. So lässt sich manche dunkle Wegstrecke mutiger und sicherer gehen.
Das heißt aber auch, dass der schon im Leiden und der Traurigkeit in unserer Nähe ist, der allein Geber aller Gaben und auch aller Freude ist! Gott ist also bei uns, wenn wir in Not oder Angst sind. Er ist es ja, der am Ende die Freude schenken wird, er lässt sie auch schon in Zeiten der Furcht und des Zweifels ihre Wurzeln in das senken, was uns schwer ist, uns bedrückt und bedrängt.
Und schließlich heißt das - und darin kann ein starker Trost für uns liegen: Wir müssen gegenwärtiges oder zukünftiges Leid nicht fürchten. Es ist immer nur das Vorwort für das Eigentliche, zu dem uns Gott führen möchte. Es ist wie die Bedingung, die Vorbereitung der Freude, die Gott am Ende immer für uns bereithält.
Vielleicht verstehen wir von daher jetzt doch dieses Wort am Ende der Geschichte, die uns heute zu bedenken vorgelegt ist: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. Ob das nicht vielleicht ein Wort, eine Ermunterung für die Zeit ist, in der wir traurig sind und in Ängsten? Ob wir nicht gerade da das Gebet üben und ganz gewiss sein sollen, dass Gott uns hört und erhört!?
Vielleicht haben wir die Gedanken heute, um Leid und Freude, ja mitdenken und bejahen können. Vielleicht haben wir das auch wirklich schon so erlebt: In der Trauer lag der Ursprung künftiger Freude. Durch Furcht und Zweifel wurde das geschenkte Glück am Ende nur um so größer.
Das bleiben aber Gedanken. Sie sprechen unseren Kopf an, unseren Verstand, unsere Erinnerung. Etwas anderes aber ist es, wenn wir in diesen schweren Zeiten drin sind und vielleicht noch nichts haben, an das wir uns halten können, was wir früher schon erlebt und durchlitten hätten. Da ist es gut zu wissen, dass wir in der Zeit der Not nicht untätig und still bleiben müssen.
Hier ist der Rat, den Jesus selbst uns für diese Zeiten gibt: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben.
Wir wollen also auch nicht ablassen, unser Gebet immer wieder vor Gott zu bringen. Das ist nicht sinnlos, weil er es ja ‘doch nicht hört’, oder weil ‘er es nicht erfüllt’ oder weil es vielleicht ‘ja nicht sein Plan ist’, mir zu schenken, worum ich ihn bitte. Unser Beten bleibt niemals nur Reden. Es ist auch Hören! Wir empfangen immer auch, wenn wir die Hände falten. Und wenn es dann ‘nur’ das gewisse Gefühl ist, dass meine Bitten, meine Klagen, mein Flehen oder auch mein Dank nicht ins Leere gesprochen wurden. Das ist nicht wenig! Das kann die entscheidende Hilfe in schweren Zeiten sein, die mich dann bei der Hoffnung und vielleicht am Leben erhält. Das kann mir den Mut geben und die Kraft, dass ich aushalte, bis auch aus meinem Dunkel die Freude und das neue Leben gewachsen ist. Und dass es so ist, dass es so gilt - für die Freude, die unser Herr uns verheißt - dafür steht er selbst uns ein: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Amen.

Verfasser: Pfr. Manfred Günther, Lohgasse 11a, 35325 Mücke/Groß-Eichen

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