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Die neue Schöpfung

von Hans-Ulrich Deußen (55270 Schwabenheim)

Predigtdatum : 14.05.2000
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Miserikordias Domini
Textstelle : 2. Korinther 4,16-18
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Wochenspruch:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Psalm: 66,1-9 oder 118,14-24 (EG 747)

Lesungen

Altes Testament:
1. Mose 1,1-4a.26-31; 2,1-4a
Epistel:
1. Johannes 5,1-4
Evangelium:
Johannes 15,1-8

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 450
Morgenglanz der Ewigkeit
Wochenlied:
EG 108
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt
Predigtlied:
EG 398
In dir ist Freude
Schlusslied:
EG 590
Herr, wir bitten, komm und segne uns

16 Wir werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.
17 Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, 18 uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

Liebe Gemeinde,
Wir feiern heute den Sonntag Jubilate. Wer sich noch an seinen Lateinunterricht in der Schule erinnert weiß, dass das “jubelt, freut euch” heißt. Aber was um alles in der Welt hat der Name des heutigen Sonntags mit unserem Text zu tun? Wir haben da etwas von Verfall gehört und auch von Trübsal. Und das kommt doch der Sachlage viel näher. Wir beklagen den Verfall der guten Sitten. Monatelang wurde uns berichtet, wie auch die Politiker darin verstrickt waren. Und – wer hätte unter uns nicht zu klagen!?
Wenn wir nach unserem Befinden gefragt werden, finden wir kein Ende beim Aufzählen unserer Wehwehchen. Auch die Kirche ist nicht mehr das, was sie einmal war. Und schließlich, wenn wir wirklich nichts mehr zu beklagen haben, setzen wir in anderer Weise fort: wir klagen an. Da ist die Gesundheitsreform, die nicht mehr das Mittelchen auf Krankenschein zulässt, das uns doch immer schon geholfen hat. Und..., und..., und... – Und wie konnte Gott das eigentlich zulassen.
Moment, Moment! Ich habe da doch auch etwas von “Herrlichkeit” gelesen!? Aber was hier von Herrlichkeit steht, sieht doch zunächst wieder wie eine Vertröstung auf das Jenseits aus.
Ich glaube, wir müssen uns ein wenig mit der Person “Paulus” beschäftigen. Die Korinther, an die der Brief ja gerichtet ist, aus dem unser Text entnommen ist, kannten Paulus ja und wussten auch einige Dinge aus seinem Leben. Sie wussten, dass er eine Krankheit hatte, die ihn oftmals quälte. Sie wussten, dass er häufiger im Gefängnis gewesen war, ohne je kriminell gewesen zu sein. Sie wussten, dass er unermüdlich trotz aller Tief- und Rückschläge im Einsatz war.
Wir kennen alle ein Stehaufmännchen. Man kann mit ihm machen, was man will, es steht schließlich doch wieder aufrecht. Sein Fuß ist nämlich mit Blei ausgegossen, das es immer wieder in die Senkrechte bringt. Wie kam es, dass Paulus wie ein Stehaufmännchen wirkte, und doch so zerbrechlich schien?
Der innere Mensch
Wir lesen in unserem Text von der täglichen Erneuerung des inneren Menschen.
Wer ist das, dieser innere Mensch? Ist das meine Seele? Mein guter Kern? Nein. Nach der Heiligen Schrift ist der ganze Mensch dem Verfall unterworfen. Dieser von Paulus erwähnte innere Mensch ist uns nicht angeboren. Jesus sagt dem Nikodemus: “Du musst von neuem geboren werden.” “Wiedergeburt” nennt es Jesus und Paulus spricht von der “neuen Schöpfung”. Wenn wir uns Jesus öffnen und von ihm Vergebung der Schuld erbitten, wenn wir ihm Eintrittsrecht in unser Leben geben, wird dieser “innere Mensch” in uns erschaffen.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Mensch mit etwa 23 Jahren den Höhepunkt seiner körperlichen Entwicklung erreicht hat. Ab diesem Zeitpunkt beginnt unmerklich der Alterungsprozess. Während also unserer “äußerer Mensch” täglich altert, wird der “innere Mensch” täglich mit Lebenskraft erneuert. Nicht auf einmal, nicht für das ganze Christenleben im voraus, sondern von Tag zu Tag. Wir sind also jeden Tag auf Gott angewiesen. Wir werden nicht mutlos, verfallen nicht in Jammern und Klagen, sondern wir bekommen Kraft trotz allem äußeren Verfall zu loben. Das ist es, was Paulus antreibt, das hilft ihm und uns zum Lobpreis.
Trübsal hat Sinn
Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat einmal gesagt: “Wer um das ‚Warum’ weiß, erträgt fast jedes ‚Wie’.” Ein Sportler nimmt das harte Training und manchen Konsumverzicht auf sich, weil er den Sieg vor Augen hat. Sein Leiden bringt ihm die Erfüllung seines Sportlerdaseins.
Genau so arbeitet Gott an uns oft durch Leiden. Dietrich Bonhoeffer hatte den gewissen Tod durch die Machthaber des Dritten Reiches vor Augen. Trotzdem konnte er noch Gott loben.
Gott handelt an mir. Ich brauche das rechte Augenmaß dafür, was mir wichtiger ist, meine Klage über das mich betreffende Leid, oder das Übermaß des Handelns Gottes, das mich dazu bringt auch für ihn zu handeln und ihn zu loben. Wir brauchen das rechte Augenmaß für das Übergewicht der Herrlichkeit, damit unsere Einsatzfreude nicht erlahmt.
Der Blickwechsel
Das rechte Augenmaß findet Paulus, indem er seine Blickrichtung ändert. Er wendet seinen Blick von sich weg auf Christus hin. Er kommt wie wir von Ostern her. Das ist keine Sache des Kirchenjahres.
An Ostern ist etwas Neues angebrochen, eine neue Zeitrechnung. Wenn in unserem Leben Ostern wird, das heißt, wenn der auferstandene Christus in unser Leben tritt, dann wird etwas neu, dann wird ein Stück Zukunft gegenwärtig. Das ist verborgen, eben der “innere Mensch”, der von Tag zu Tag erneuert wird, auch wenn der äußere Mensch leidet.
Ich erinnere mich an einen jungen Mann im Rollstuhl, der jeden Sonntag in den Gottesdienst der Gemeinde kam. Sein äußerer Zustand war erbärmlich, aber sein Gesicht leuchtete, wenn er mit seiner krächzenden Stimme die Choräle mitsang. Er brachte den ganzen Gemeindegesang durcheinander, aber niemanden störte das, weil auch der Unsensibelste etwas von dem neuen “inneren Menschen” spürte. Äußerlich war der junge Mann ein Wrack. Aber je mehr sein Körper verfiel, umso mehr wurde etwas von der “ewigen und über alle Maßen gewichtigen Herrlichkeit” von der Paulus spricht bei ihm sichtbar. Als er nach einiger Zeit starb, war der jetzt wieder wohltönende Gemeindegesang farbloser geworden.
(Bei der Ausarbeitung der Predigt muss man dieses Beispiel, wenn man es verwenden will, ja nicht unbedingt in der Ichform erzählen. Mir war es wichtig, davon zu berichten)
In diesem Zusammenhang fällt mir das hebräische Wort für “Herrlichkeit” ein. Es ist abgeleitet von der Wurzel für das Wort “schwer sein”. Je mehr die zukünftige Herrlichkeit Gewicht bekommt, uns wichtig wird, umso näher sind wir auch beim Namen des heutigen Sonntags: Jubilate – jubelt, freut euch. Wir müssen nicht mehr auf den Bleiklotz unserer vermeintlichen oder tatsächlichen Leiden starren, wie die Maus auf die Schlange. Wir können unseren Blick wechseln vom Vorletzten zum Letzten, vom Zeitlichen zum Ewigen. Das ist keine Vertröstung auf das Jenseits, sondern das Wissen um die ewige Herrlichkeit dringt von unserem “inneren Menschen” zu dem verfallenden äußeren Menschen durch und bewirkt, dass wir im Glauben in unserer tagtäglichen Umgebung und in unserer Gemeinde wirken können.
Den Ephesern hat Paulus geschrieben (Epheser 1,18): “Er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist.” Das wollen wir auch für uns und unsere Gemeinde erbitten. Das wird uns zum “Jubilieren” bringen und uns unsere persönliche Osterfreude bescheren. Amen.

Verfasser: Prädikant Hans-Ulrich Deußen, Raiffeisenstr. 5, 55270 Schwabenheim

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