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Die neue Schöpfung

von Matthias Kopischke (04880 Dommitzsch)

Predigtdatum : 25.04.2010
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Miserikordias Domini
Textstelle : 1. Johannesbrief 5,1-4
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Wochenspruch:

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor 5, 17)

Psalm: 66

Lesungen

Altes Testament:
1. Mose 1, 1 – 4 a. 26 – 31; 2, 1 – 4 a
Epistel:
1. Johannes 5, 1 – 4
Evangelium:
Johannes 15, 1 – 8

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 276
Ich will, solang ich lebe
Wochenlied:
EG 108
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt
Predigtlied:
EG 328
Dir, dir, o Höchster will ich singen
Schlusslied:
EG 250
Ich lobe dich von ganzer Seelen (besonders V.5)


Der Predigttext wird während der Predigt verlesen

Liebe Gemeinde,

was macht sie ganz besonders? Was macht sie zu dem Menschen, der sie sind? Was sind ihre besonderen Kennzeichen? Was macht sie un-verwechselbar?

Es heißt ja immer, dass keiner dem anderen gleicht und jeder ganz individuell und einzigartig ist.

Das Aussehen – ob blond, braun oder rothaarig, ob groß und schlank oder klein und gedrungen, ob eher ein heller oder ein dunkler Charakter – ob eher der ruhige Typ oder der temperamentvolle, ob eher intellektuell, verkopft oder einfach, geradlinig und handfest. Viele andere Unterschiede und Besonderheiten, zwischen uns einzelnen Menschen ließen sich noch anführen. Alles Einzelheiten die uns, jede und jeden für sich, einzigartig und unverwechselbar machen.

Aber über diese Einzigartigkeit von uns als einzelne Menschen hinaus, gibt es auch Gemeinsamkeiten, die uns wiederum mit anderen, speziellen Menschen besonders verbinden. Da gibt es Mütter, die sich mit vielen anderen Müttern auf einer Wellenlänge wissen. Oder z.B. Menschen die ein besonderes Hobby pflegen, das sie miteinander verbindet und sie fachsimpeln lässt, so dass es für Außenstehende langweilig wird, weil sie sowieso nichts von der spezifischen Fachsprache verstehen.

Und dann gibt es da auch uns Christen und als solche gehören wir zur christlichen Gemeinde. Sind wir auch so eine eingeschworene Gemeinschaft? Haben wir auch besondere Kennzeichen? Oder anders: Woran erkennen denn andere Menschen unser Christsein? Was macht uns eigentlich zu Christen?

Nun werden sie sicher sagen „Na ganz klar! Das ist die Taufe!“ Und das ist auch ganz gewiss so. Die Taufe ist das große Ereignis, was uns zu Christen macht. Durch die Taufe auf den dreieinigen Gott sind wir aufgenommen in die christliche Gemeinschaft. Aber das sieht man ja nicht. Nicht mal einem frisch getauften Menschen, egal welchen Alters, sieht man, abgesehen von nassen Haaren unmittelbar nach der Taufe an, dass er oder sie gerade getauft worden ist. Kein Zeichen ist an ihm oder ihr zu sehen. Es ist scheinbar keine Veränderung bei dem Menschen eingetreten.

Also bleibt die Frage: Was macht uns als Christen eigentlich aus? Woran sind wir überhaupt erkennbar?

Der Predigttext für den heutigen Gottesdienst aus dem 1. Johannesbrief, Kapitel 5, Vers 1 bis 4 gibt uns bei genauerem Hinsehen Antworten auf diese Fragen:

Verlesen des Predigttextes

Was macht uns nun also als Christen aus? Welche Hinweise zur Antwort auf diese Frage können wir dem Text entlocken?

Zwei ganz wichtige Aspekte ziehen sich durch den gesamten Textabschnitt. Der eine ist der Glaube und der andere ist die Liebe.

Der Glaube an Gott und seinen Sohn Jesus Christus, ist, und da werden sie, liebe Gemeinde, mir hoffentlich Recht geben, der wichtigste Punkt, der uns als Christen aus macht und kennzeichnet.

Aber nicht nur der Glaube selbst ist es. Auch die sich daraus ergebende Liebe Gottes zu uns und unsere Liebe zu Gott und seinem Sohn, die gleichzeitig zum Vorbild für unseren Umgang mit den Mitmenschen wird bzw. werden sollte, ist ein Kennzeichen für uns Christen.

Glaube und Liebe, zwei ganz wichtige Kennzeichen. Zusätzlich finden sich in unserem Text noch einige weitere Zeichen, Eigenschaften, Hinweise, die den genannten Glauben und die Liebe zum Teil noch näher beschreiben. Diese kleinen Hinweise kennzeichneten die Menschen zur Entstehungszeit des 1. Johannesbriefes und hoffentlich auch die Christen heute noch und machen sie damit unverwechselbar als Christen erkennbar.

Da ist als erstes von der bereits genannten Gottesliebe aber auch von der Liebe für andere „Kinder Gottes“, also andere Christen die Rede. Wir könnten also in dem Zusammenhang von der Geschwisterliebe im Glauben reden. Da wird als zweites davon gesprochen, dass man Gottes Gebote halten soll. Und es ist, drittens, davon die Rede, dass die Welt überwunden wird.

So – nun haben wir also die Antworten auf unsere Frage vom Anfang: Uns macht als Christen unverwechselbar und einzigartig, dass wir an Gott und seinen Sohn Jesus Christus glauben, ihn lieben, Gottes Gebote halten und die Welt überwinden. Fertig! - Frage beantwortet!

Irgendwie finde ich jedoch unser Problem vom Anfang damit noch nicht so ganz erschöpfend und befriedigend gelöst.

Die Frage vom Anfang beinhaltete ja unter anderem auch die Überlegung, woran man uns als Christen, als christliche Gemeinden erkennt. Und das nicht nur im Gottesdienst oder beim Gemeindefest, zu Weihnachten oder bei einer Beerdigung, sondern auch ganz normal im Alltag. Und das auch von Menschen, die vielleicht mit dem Glauben an Gott nicht so ganz viel oder gar nichts zu tun haben.

Denken wir einmal nach. Was zeichnet uns in unserem normalen Alltag, in unserem Leben aus als Christen? Werden wir als solche denn wahrgenommen? Oder ist es uns vielleicht gar nicht so recht? Vielleicht wollen wir ja am liebsten gar nicht erkannt werden? Vielleicht wollen wir nicht auf unliebsame Fragen antworten, die über unser ganz persönliches Glaubensleben Auskunft geben. Vielleicht wollen wir ja unseren Glauben lieber ganz allein, ganz im Privaten leben.

Der Sonntag, den wir heute feiern heißt „Jubilate“. Es bedarf keiner besonders großen Erklärungen, um herauszubekommen, was das Ganze übersetzt heißt. Im einschlägigen Wörterbuch Latein-Deutsch können wir lesen, dass „iubilare“ so viel wie jauchzen, frohlocken und jubeln heißt. Und nun frage ich Sie, liebe Gemeinde, allen Ernstes: Haben Sie schon einmal gejauchzt, frohlockt und gejubelt? Und wie ist das vonstatten gegangen? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das ganz still und leise, ganz heimlich und nur im privaten Kämmerlein passiert ist. Jubeln können wir nur laut, wir jauchzen vor Freude. Wenn es nicht laut zugeht, wird daraus ja allenfalls ein Glucksen oder Kichern. Wenn wir Jubeln im eigentlichen Wortsinn, dann sollen es andere mitbekommen, dann ist das eine Freudenbekundung, die ich der Welt nicht verschweigen möchte. Im Stadion, beim Fußball, wenn ein Tor fällt, da wird gejubelt und das hört man. Wenn die Freude übergroß ist, wenn ich sie nicht mehr in mir halten kann, dann rufe, dann jubele ich sie aus mir heraus.

Liebe Gemeinde, und wann genau haben wir zum letzten Mal in der Kirche gejubelt? - Noch nie? - Gab es keinen Grund?

Wir sind Kinder Gottes, wenn wir von Herzen an ihn glauben, so sagt uns der heutige Predigttext. Wenn wir glauben, dann ist das ein Zeichen der Zuneigung zu Gott und zu seinem Sohn Jesus Christus. Diese Zuneigung wirkt sich auch aus auf den zwischenmenschlichen Umgang. Und diese Liebe und Zuneigung ist nicht einseitig. Seit der Taufe wissen wir uns angenommen von Gott. Wir wissen, dass auch er uns liebt, dass er uns schützen will und bei uns ist, unser Leben lang, ja sogar darüber hinaus. Denn er hat die Welt überwunden. So heißt es im Text.

Nun sind das doch alles positive Aussagen. Und wenn wir genauer darüber nachdenken, dann fällt vielleicht auch auf, dass wir es damit ziemlich gut haben. Dann fällt vielleicht auch auf, dass wir uns eigentlich freuen können. Wir sind angenommen! Wir sind von Gott geliebt! Wir werden von ihm erkannt und wir erkennen uns untereinander. Das alles zusammengenommen sind gute Gründe, dass man sich freut, dass man jubeln kann, dass man es hinaus ruft: Ich bin geliebt!

Verliebte Menschen tun das gelegentlich, wenn sie sehr in jemanden anderes verliebt sind. Warum sollten wir als Christen das nicht auch tun?

Es gibt ihn, diesen Grund zum Jubeln, wenn wir nur glauben. Nur nehmen wir ihn zu selten wahr. Vielleicht trauen wir uns nicht? Vielleicht ist es zu alltäglich geworden? Bin ich in meiner Beziehung mit Gott der eines alten Ehepaares ähnlich geworden? Alles ist eingespielt. Alles ist gut. Man kennt sich, man trägt sich, man weiß, was man aneinander hat. Alles ist schön und gut. Man kann dankbar sein. Aber zum Jubeln ist einem nicht mehr zu Mute.

Und doch! Dazu ist dieser Sonntag ein guter Anlass. Vergegenwärtigen wir uns, wie es uns geht, sowohl in unseren Beziehungen als Menschen wie in unserer Beziehung mit Gott. Was haben wir mit dieser Beziehung. Was ist uns geschenkt. Wie viel Zuversicht, Freude, Schutz und Geborgenheit liegt da drin. Wenn wir uns das vergegenwärtigen, dann muss sich doch einfach Freude einstellen. Freude, die wir ruhig auch herausrufen, herausbeten, heraus singen können, so wie wir es dann doch manchmal schon in dem einen oder anderen Gottesdienst getan haben. Und dass wir das von Zeit zu Zeit tun, dass ist wichtig. Es ist wichtig für die Zeiten, in denen es uns nicht gut geht, in denen es uns, aus welchen Gründen auch immer, schwer fällt, fröhlich zu sein. In Zeiten, in denen wir vielleicht auch das Gefühl bekommen, dass Gott fern ist, dass er gar keine Beziehung mit uns hat. In solchen Zeiten können wir uns dann auf Gottes Zusage an uns Menschen erinnern, da sollten wir daran denken, dass er uns liebt, ganz unvoreingenommen. Gott will für uns da sein, auch wenn wir manchmal nicht so genau wissen, wohin die Reise führt. Gott liebt uns, er ist für uns da, in guten und in schweren Tagen. Das ist sicher. Und die Gegenleistung, die wir bringen sollen ist denkbar gering: Seine Gebote halten, die nicht schwer sind.

Menschen freundlich begegnen. Benachteiligten Hilfe entgegenbringen. Untereinander Frieden halten. Die Gemeinschaft innerhalb der Christen leben und stärken. Das sind einige Aspekte, die vielleicht gemeint sind, mit „Gottes Gebote halten“. Jesus hat es uns vorgelebt. Er kann uns dabei ein Vorbild sein.

Dann wird man uns auch sicher erkennen unter den vielen anderen. Vielleicht macht man uns nicht gleich als Christen aus. Aber wir werden als Menschen erkennbar sein. Als Menschen, die ihre Mitmenschen achten. Als Menschen für die die Würde, die eigene wie die des Nächsten, eine ganz große Bedeutung besitzt. Das macht Gott, das macht unseren Glauben und das macht uns als Christen einzigartig.

Und das wiederum ist ein Grund zum Jubeln, nicht nur an diesem Sonntag Jubilate.

Diese Freude und diese Leichtigkeit, die in den Gedanken steckt, drückt für mich ein Psalm des Kabarettisten und Laienprediger Hanns Dieter Hüsch in besonderer Weise aus. Diese Worte möchte ich ihnen zum Abschluss der Predigt mit auf den Weg geben. Ich wünsche uns, dass sie uns anstecken mögen mit solcher Freude und Freundlichkeit, so dass sich unser Jubel über unsere Liebe und unser Geliebt werden Bahn brechen kann, immer mal wieder.

Ich bin vergnügt
Erlöst
Befreit
Gott nahm in seine Hände
Meine Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
Und Verzagen
Das Elend
Und die Zärtlichkeit

Was macht dass ich so fröhlich bin
In meinem kleinen Reich
Ich sing und tanze her und hin
Vom Kindbett bis zur Leich

Was macht dass ich so furchtlos bin
An vielen dunklen Tagen
Es kommt ein Geist in meinen Sinn
Will mich durchs Leben tragen

Was macht, dass ich so unbeschwert
Und mich kein Trübsinn hält
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
Wohl über alle Welt.

(Hanns Dieter Hüsch mit Bildern von Joan Miró: Das kleine Buch zwischen Himmel und Erde, 6. Auflage, Düsseldorf 2008, 4)

Amen.

Verfasser: Pfarrer i. E. Matthias Kopischke, Leipziger Straße 19, 04880 Dommitzsch

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