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Die neue Schöpfung

von Wolfgang Hartmann (Halle/Saale)

Predigtdatum : 29.04.2012
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : Jubilate
Textstelle : 2. Korinther 4,16-18
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Wochenspruch:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

(2.Korinther 5,17)

Psalm: Psalm 66, 1 - 9 oder wie Ostern

Lesungen

Altes Testament: 1.Mose 1, 1 - 4a.26 - 31; 2, 1 - 4a

Epistel: 1. Johannes 5, 1 - 4

Evangelium: Johannes 15, 1 - 8

Liedvorschläge

Eingangslied: EG 162 Gott, Lob, der Sonntag kommt herbei

Wochenlied: EG 108 Mit Freuden zart zu dieser Fahrt

Predigtlied: EG 384 Lasset uns mit Jesus ziehen

Schlusslied: EG 99 Christ ist erstanden

Angesichts des Predigttextes wird der österliche Mensch thematisiert. Paulus betont, dass die Hoffnung und Herrlichkeit aus der Schwachheit und dem Leiden Christi kommt. Österlich leben heißt, das zu verstehen und Jesus in der Hoffnung nachzufolgen.

Liebe Gemeinde,

auf dem Weg durch die Osterzeit ist heute der österliche Mensch oder Christ das Thema. Das Fest zu Ostern, das Fest der Aufer-stehung Christi, bestimmt unsere Lebenssicht. Es verändert und macht uns Vielleicht auch gelassen. Christus ist auferstanden. Er ist nicht nur unsere Zukunft. Er prägt unser gegenwärtiges Leben heute.

Wie leben miteinander Christus in unserer Welt. Er wird an uns gemessen.

Der Apostel Paulus benennt in unserem Predigttext unsere Hoffnung und Lebenskraft. Als österliche Menschen werden wir im Glauben an Christus nicht müde. Er steht vor uns nicht mit erhobenen Zeigefin-ger und sagt: Werdet nicht müde. Vielmehr hat er unsere Wirklich-keit vor Augen. Der äußerliche Mensch verfällt. Es mag finster und schwarz werden. Doch wir sind mit Christus verbunden. So leuchtet ein heller Schein in die Finsternis. Der innere wird doch von Tag zu Tag erneuert.

Das Leid anderer Menschen kann manchmal sehr beschäftigen. Wie kann er damit leben? Wie kann das ausgehalten werden? Es sind dann auch Fragen an sich selbst. Wie könnte ich das aushalten? Doch dann wendet er oder sie sich der Umwelt und anderen Menschen zu. Gerade er kann manchmal fröhlich und dankbar sein. Das mag dann verblüffen. Es kann psychologisch als Manie abgetan werden. Paulus geht hier aber tiefer.

Äußerlich mag es finster aussehen, aber innerlich wächst neue Kraft. Jesus versteht jeden in seiner Not und man kann sich in ihm wieder finden. Doch damit ist zugleich die Aussicht auf die Erneuerung gegeben. Noch weiter: Wer die Not des anderen sieht und verstehen will, der sieht Jesus als den Mitleidenden.

Ein Wort des Pfarrersohnes und Philosophen Friedrich Nietzsche deutet gerade diese andere Seite erwartungsvoll an, wenn er sagt: "Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“ Damit spricht er die Sehnsucht nach dem oft so verborgenen österlichen Schatz unseres Lebens an. Auf der einen Seite ist der Verfall nicht zu übersehen. Auf der anderen wächst da heraus Ungeahntes und Überraschendes, eine ungeahnte Kraft.

Ein Bespiel dafür ist die Zeit der 80er Jahre in der damaligen DDR. Das Leben sah trist aus. Christen wurden geduldet. Von Mitarbeitern der Staatssicherheit wurden sie bewacht. Dazu gab es viele auch raffinierte Methoden. Sogar manche Pfarrer wurden erfolgreich geworben. Die Kirche war von der Staatssicherheit mit durchsetzt. Keiner wusste es oder hat es in dem Ausmaß geahnt. Doch die Kirchen standen offen und suchende Menschen haben sich in ihnen versammelt. Offen konnten Meinungen geäußert werden. Dann hat der Zug mit brennenden Kerzen unter verzweifelten Widertand die friedliche Revolution ermöglicht. Das Beispiel mag abgegriffen sein. Doch ist es ein Zeichen der österlichen Kraft von uns Christen.

Im Verfall entstehen ungeahnte Kräfte. So hat Paulus Christus verkündigt. Paulus zog durch Städte und Dörfer. Er war glaubwür-dig. Als immer wieder Kranker hat er Christus, den Gekreuzigten verkündigt. Sein Zeugnis haben Juden angenommen. Heiden zog es in seiner Glaubwürdigkeit an. Ihnen war der Gott Israels fremd. Sie ließen sich mit den Juden und anderen Suchenden taufen. Gemeinden entstanden. Sie waren erst klein, aber ihre Bedeutung in Korinth wuchs. Ungeahnte Kräfte wuchsen aus der Schwachheit des Paulus. Er betonte das auch immer wieder. Die Gemeinden sind nicht sein Erfolg. Sie sind durch die Kraft Christi entstanden. Paulus hatte dann Schwierigkeiten mit den Korinthern. Der Erfolg war sichtbar. Doch Paulus hielt an der Kraft des gekreuzigten Christus fest. Nur durch sein Leiden konnte die ungeahnte Kraft frei werden und wachsen. Das ist auch der Hintergrund unseres starken und vielleicht beim ersten Hinhören verblüffenden Textes. Aus dem Leiden und dem Verfall wächst die neue Kraft. Die Annahme des Leidenden ist Auferstehung. Von ihr scheint Licht in die Finsternis und macht sie hell. Sie lässt dann glaubwürdig leben.

Im weiteren Text wird Paulus noch anschaulicher:

„Unsere Trübsal, die zeitlich und klein ist, schafft eine ewige über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.“

Mit dem Wort „Trübsal“ können wir umgehen. Jeder kann einen Innhalt benennen. Immer steckt in ihr Bedrückendes. Es verspricht keinen sichtbaren Erfolg. Man könnte sich geschlagen geben und sich ihr ergeben. Ihr Gewicht mag schwer und unüberwindlich sein. Jesus am Kreuz ist ihr erlegen. Er konnte nur schreien: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Mit diesem Schrei hatte er die Wende bereits vollzogen Die Wende im Leid kann nur Gott bringen.

Er ist die richtige Adresse. Durch ihn schafft die Trübsal die ewige über alles Maßen gewichtige Herrlichkeit.

Bei Jesus wird sie freilich im Glauben sichtbar. Er ist auferstanden von den Toten. Somit ist er die Hoffnung in jeder Trübsal.

Liebe Gemende,

Paulus stellt in seiner Theologie eigentlich alles auf den Kopf. Die Erlösung und Befreiung kommt nicht von oben her. Die Trübsal darunter ist zeitlich und klein. Nein die Trübsal schafft gerade die Herrlichkeit. Das ist Ostern und dafür leuchtet das Licht jeder Osterkerze und aller Lichter, die wir an ihr entzünden. Das sind die Taufkerzen, Konfirmationskerzen oder auch Hochzeitskerzen. Sie leuchten dafür, dass aus der Schwachheit die Herrlichkeit geschaffen wird. Im Grunde haben wir die Kerzen 1989 auch an der Osterkerze entzündet, obwohl sie liturgisch gar nicht mehr zu unseren Gottes-diensten gehörten. Doch auch unsere Altarkerzen leuchten für sie. Wer dieses Licht in die Welt hineinträgt, lebt österlich. Das würde ich Friedrich Nietzsche gern so zeigen.

Unser Text läuft dann auf das Verhältnis von Sichtbaren und Unsichtbarem aus.

Was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Wir sehen nicht auf das Sichtbare sondern auf das Unsichtbare.

Das Unsichtbare erfassen wir im Glauben. In ihm kommt Jesus auf uns zu. Paulus sagt das aus seiner Erfahrung sehr eindeutig. So ein-deutig leben wir so wie die Korinther damals freilich nicht. Es steht bei uns wie bei ihnen noch aus. Auch die Kirchengeschichte war und ist immer mit Machtkämpfen bis heute hinein beschäftigt. Paulus schreibt seinen Text auch heute an die Christenheit. Möge er gehört werden. Möge aus dem Hören auf den schwachen und armen Christus seine eine Kirche zur Herrlichkeit wachsen.

Liebe Gemeinde,

Paulus sagt: Wir werden nicht müde. Er sagt nicht. „Wir sind nicht müde.“ Österlich leben bedeutet, der Schwachheit Jesu zu vertrauen. Aus ihr kann Unerwartetes hervorgehen. Wir wissen nicht was. Das ist seine Sache. Amen.

Verfasser: Pfarrer i. R. Wolfgang Hartmann

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