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Die Ordnungen Gottes

von Dirk Vogel (99974 Mühlhausen)

Predigtdatum : 29.10.2006
Lesereihe : ohne Zuordnung
Predigttag im Kirchenjahr : 20. Sonntag nach Trinitatis
Textstelle : 1. Korinther 7,29-31
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Wochenspruch:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
(Micha 6,8)
Psalm: 119,101-108 (EG 748)

Lesungen

Altes Testament:
1. Mose 8,18-22
Epistel:
1. Thessalonicher 4,1-8
Evangelium:
Markus 10,2-9 (10-16)

Liedvorschläge

Eingangslied:
EG 409
Gott liebt diese Welt
Wochenlied:
EG 295
Wohl denen, die da wandeln
Predigtlied:
EG 239,1-3
Freuet euch im Herren allewege
Schlusslied:
EG 432
Gott gab uns Atem

29 Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; 30 und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht; 31 und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht.

Liebe Gemeinde,
„…die Zeit ist kurz…“, mit diesen Worten des Apostels Paulus wird unser heutiger Predigttext aus dem Brief an die Gemeinde in Korinth eröffnet.
Die Zeit ist kurz, im ersten Moment mag man das mit „Zeit ist knapp“ verbinden und an die Schnelllebigkeit unserer Zeit denken: „Es gibt heute noch anderes zu tun. Machen sie schnell!“, durchzieht es die Gedanken. Musste etwa auch Paulus zum nächsten Termin? Wohl nicht, der Umgang mit der Zeit damals und vor allem im Orient ist nicht mit unserer Geschäftigkeit zu vergleichen, aber dennoch führen die Aussagen des Paulus und manche Zeitdrängelei von heute zum gleichen Ziel: Es kommt darauf an, dass man sich auf das Wesentliche konzentriert, um das Ziel zu erreichen. Deshalb: Wer eine Frau hat, der sei, als habe er keine, wer weint, der sei, als weine er nicht, wer lacht, der sei, als lache er nicht und wer kauft, der sei, als kaufe er nicht, wer die Welt gebraucht, der sei, als gebrauche er sie nicht!
Es ist wohl schwierig, das so gelassen einfach anzunehmen und auf geradem Wege ins Leben zu übertragen. Ist das wirklich wesentlich, und was ist das Ziel?
Verstehen lässt es sich auf dem Hintergrund, den Paulus vor Augen hat: Alles verändert seine Bedeutung und seine Gewichtigkeit, wenn man in der Gewissheit der Begegnung mit dem auferstandenen Christus lebt. Er wird kommen, dessen ist sich Paulus gewiss, und darauf konzentriert sich sein Tun. Und es geht darum, wie wir als Christen vor Gott mit unserer Lebensweise bestehen werden. Tatsächlich, die Zeit ist kurz, für den, der auf die Begegnung mit Christus zulebt und das Wiederkommen Christi erwartet.
Natürlich ist auch die Zeit unseres Lebens kurz, wenn man sie im Verhältnis zur Ewigkeit Gottes betrachtet. Aber ob kurz oder lang, wesentlich dabei ist nach Paulus, sich nicht im Unwesentlichen zu verlieren.
Fragen der Christen in Korinth zur Ehe- und Ehelosigkeit waren für Paulus Anlass, diesen Briefabschnitt zu schreiben. Die Frage stand im Raum: An welche Regeln halten wir uns als Christen, wenn es um Ehe, Sexualität und Ehelosigkeit geht? In welchem Stand können wir vor Christus bestehen? Dass die Ehe keine einfache Sache war, damals genau wie heute, lässt sich wohl auch herauslesen.
Paulus gibt seine Überlegungen zum Thema weiter, ohne eine von mehreren Möglichkeiten absolut zu setzen. Er weist deutlich darauf hin, dass ein jeder seine Form sucht, „…wie es ihm der Herr zugemessen und Gott einen jeden berufen hat!“, wie wir an anderer Stelle desselben Briefes lesen können. Ein jeder soll seinen Platz einnehmen, zu dem er berufen ist, in der Gemeinde, in seiner Familie, in der Lebenswelt, die ihn umgibt. Paulus selbst hat sich zur Ehelosigkeit entschieden, er begründet das als seine freie Entscheidung und nicht als ein neues Gesetzes. So ist seine eigene Ehelosigkeit als die Freiheit zum Dienst am Evangelium zu verstehen.
Also, wenn ein jeder, der eine Frau hat, so sein soll, als hätte er keine, dann ist damit nicht gemeint, seinen Ehepartner zu ignorieren, die Ehe aufzulösen, weil man sich wichtigeren Dingen zuwenden muss, sondern, dass das Leben noch andere Blickrichtungen hat, als sich in Ehestreitigkeiten zu verlieren oder sich in der Ehe gegen alle Welt abzugrenzen.
So ist unser heutiger Predigttext der Abschluss dieser Gedanken und eine Mahnung: Verliert euch nicht in Nebensächlichkeiten! Es geht um die ganze Nachfolge.
Alles, das ganze Leben, alles, was wir tun und haben, soll ausgerichtet sein auf den lebendigen Gottesdienst, der umfassend ist und der zugleich auch die Dinge der Welt als die zu erkennen gibt, die sie sind –, vergänglich und zeitlich begrenzt.
Was kann uns dieser Briefabschnitt, auch im Zusammenhang mit dem gehörten Evangelium, heute mit auf den Weg geben?
Ehe und Familie sind Grundfesten unseres Lebens. Familie und Ehe sind nach wie vor ein Synonym für Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit.
Wir haben als Christen die Trauformel in den Ohren: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden!“ Gottes Liebe soll das Fundament für eine gute christliche Partnerschaft sein, die auch schwere Zeiten überlebt. So wie seine Liebe uns zugesprochen wurde in der Taufe, die durch nichts auflösbar ist, so sollen unsere Ehen von dieser tiefen und weitgehenden Liebe gezeichnet sein. In jeder Ehe soll sich ein Stück liebender Gottesbeziehung widerspiegeln und erkennbar werden.
Wir werden aber mit dem Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit konfrontiert. Zum einen wissen wir, dass die Gewissheit, dass Gottes Liebe unsere Ehen trägt und bei ihm auch das Lebensziel zu finden ist, kaum vorhanden ist. Eine Pfarrerin sagte einmal, dass sie den Eindruck habe, dass es bei Trauungen weniger um die Zusage und den Segen Gottes gehe als vielmehr um ein kulturelles Gestaltungselement. Die schöne Kirche ist wichtiger als die Sendung und das Wort. Im Familienalltag ist ein lebendiges Glaubensleben mit täglichen Gebeten oder einer erkennbaren Beziehung zur Gemeinschaft in einer Gemeinde bei nur noch wenigen zu finden. In umgekehrter Weise müssen wir uns fragen lassen, wo können sich in unseren Gemeinden Menschen für ihren Lebensalltag geistlich zurüsten und aufbauen lassen?
Und das wäre schon nötig angesichts dessen, dass viele Ehen den Belastungen unserer Zeit nicht gewachsen sind. Das zeigen nicht nur die Scheidungsraten, sondern vor allem auch die zunehmende Anzahl der Kinder, denen verlässliche Familienbindungen und Vorbilder für ein gegenseitiges Tragen auch in schweren Lebenssituationen fehlen.
Gründe für die Krise von Ehe und Familie gibt es wohl viele. Viele Eheleute verlieren sich im wahrsten Sinne des Wortes bei den vielfältigsten Nebenbeschäftigungen der Welt. Sie vereinsamen zwischen Alltag und Unterhaltungsmedien. Für manche Unzufriedenheit ist fehlender Lebenssinn und kein erkennbares Lebensziel verantwortlich! Mancher spürt eine Leere im Leben und will sie durch Veränderungen wieder füllen, leider oft in der falschen Richtung. So leben viele Eheleute in einer abgeschlossenen Welt, die sich hinter den sichtbaren Mauern der eigenen vier Wände abschottet und verlieren den Blick für das geschenkte Leben.
Erfüllung stellt sich nicht ein, in dem man viel besitzt, auch nicht viele Menschen, sondern vielmehr, wenn man seinen Platz im Leben gefunden hat. Es fehlt die Gemeinschaft mit anderen Eheleuten, die Gemeinschaft mit anderen Familien, der Blick nach außen, über die eigenen Familiengrenzen hinweg!
Leider wird auch viel zu oft das Familienleben gegen die Gemeinschaft mit anderen Christen als Argument gebraucht. Aber wie gut würde es vielen tun, aus diesen Mauern auszubrechen? „Die Zeit ist kurz!“ schrieb der Apostel Paulus. Sie ist viel zu kurz, um sie zu vertun.
Wie kann uns der Briefabschnitt des Paulus helfen?
Glaube und erfahrene Wirklichkeit müssen sich nicht widersprechen. Vielmehr ist es an der Zeit, auf die Chancen für Ehe und Familie hinzuweisen, die uns durch den Blick auf die liebende Gegenwart Christi gegeben sind.
Mit Paulus lässt sich der Blick wenden auf das Wesentliche und auf das Ziel. Es ist eine Blickwendung nach außen, weg von aller Selbstbezogenheit. Paulus weist hin auf den uns entgegenkommenden Herrn. Wir leben nicht uns selbst, sondern sind gerufen, herausgerufen, um Ihn, Christus, zu empfangen – mitten im Leben!
Ihm geht es entgegen, bei dem unser Leben seinen Sinn erfährt, und zu dem, der uns danach fragen wird, was wir mit unserem Leben angestellt haben. Das wendet den Blick heraus aus dem engen Kreis der Selbstbezogenheit, und hin auf das, was er uns fürs Leben aufträgt. „Geht hin in alle Welt!“ Dabei ist nicht die nächste Reise gemeint, sondern die Hinwendung zu denen, die gemeinsam das Leben, die Hoffnung suchen und sinnvoll das Leben gestalten wollen. Als Christen sind wir Gesandte, Boten Gottes, in dieser Welt, so sind wir zueinander gewiesen und aufeinander angewiesen, weil das heilsam für uns ist!
Wir sind nicht auf dem Weg zu uns selbst, sondern auf den Weg zu ihm, Christus, unserem Herrn, denn durch Christus kommen wir zu uns, denn er ist unser Friede und unser Weg, die Wahrheit und das Leben.
„Die Zeit ist kurz!“ – viel zu kurz, um das Wort Gottes einfach nicht zu hören!
Die Ausführungen des Apostels können uns auch Mut machen, Ehe und Familie bewusst stärker als einen Ort gelebten Glaubens zu verstehen. Die Impulse dazu kommen von der Gemeinde, dort wo sich Familien in den Gemeinden treffen, miteinander Gottesdienst feiern, Singen, und wo Kinder in Gemeinschaft spielen können. Und es ist befreiend und gut, gemeinsam tätig zu werden, und das auch nicht nur für sich selbst, sondern dort, wo uns Christus die Augen öffnet für die Not –, und die Not ist groß in dieser Welt, auch vor unserer Haustür oder hinter unserer eigenen Tür! „Die Zeit ist kurz!“ schrieb Paulus, viel zu kurz, um sie sinnlos vertun zu können!
Unsere christlichen Gemeinden sollen und können ein Hort für Eheleute und für Familien sein, Orte der Nächstenliebe und des Bergens, Orte des Gespräches und des Vertrauens, Orte des Feierns und Betens. Wir brauchen die gegenseitige Stärkung, das Gebet der anderen, das offene Gespräch oder das Zuhören, den Rat und die Fröhlichkeit, ebenso wie das gemeinsame Tragen von schweren Lebenssituationen, denn gemeinsam sind wir unterwegs auf dem Weg des Lebens, der Gottes Reich zum Ziel hat. Dann lässt sich wahrnehmen wie Gemeinde wachsen kann, dann werden wir sehen, wie viele unterwegs sind und es gar nicht allein sein wollen!
Lassen sie uns aufbrechen zu ihm, unseren Herrn, mit allem was uns zum Leben gegeben ist, denn er ist unterwegs zu uns! Amen.

Verfasser: Pfr. Dirk Vogel, Petriteich 20, 99974 Mühlhausen

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